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25.01.2004 

Frage 1285

Lieber Hans Peter,

ich schätze die Offenheit in deinem Forum sehr. Ich erkenne respektvoll an, dass bei dir wirklich auch erklärt andere Meinungen ihren Raum und Platz für Diskussion finden. Diese Offenheit heute ist Mangelware. Ich finde es auch sehr gut, dass du klar zwischen Irrlehre und Falschlehre unterscheidest. Würde das häufiger erfolgen, wären viele Differenzen besser auszuräumen.
 

Was mich aber wirklich betrübt in der ganzen Diskussion, ist der Eindruck gegen ein Phantom zu argumentieren, das immer dann kommt, wenn gute Argumente gefährlich werden. Bei Charismatiker ist dieses Phantom die Erfahrung (Geistestaufe, Erlebnisse zum Zungenreden), bei dir scheint mir dies diese Lehre der Teilungen sein. Um nichts falsch zu sagen, es ist sicherlich so, dass viele Lehre und Aussagen von Jesus Christus in den Evangelien auf seinen Dienst unter dem Gesetz und an dem Volk Israel zu verstehen sind. Schießt aber eine generelle Abtrennung dieser Evangelien aber nicht weit über das beabsichtigte Ziel, die Schrift recht zu verstehen. Die Evangelisten schreiben die Evangelien mit Zielsetzungen und für ein Publikum. Dies haben kluge Köpfe bereits früh erkannt. Zu diesen Adressaten gehören eindeutig aber die Heidenchristen (z.B. Lukas, Johannesevangelium ist eindeutig für Nichtjuden geschrieben, einzig Mattäusevangelium läßt sich auf Israel einschränken, ist aber in eben den wesentlichen Teile in der Aussage usw. identisch mit den anderen Synoptikern).


=> Aus der Absicht der Schreiber ergibt sich also eindeutig, dass die Aussagen der Evangelien für die ganze Gemeinde bestimmt sind, nicht nur für eine kleine Schar (Israel).

Zum Zweiten wurden die Evangelien lange nach der Auferstehung von bereits bekehrten Jüngern Jesu niedergeschreiben. Sie spiegeln also in der Aussage und Erklärung nicht nur die tatsächlichen Geschehnisse und Worte sondern auch häufig deren Erläuterung mit. Sie sind abgefaßt im Verständnis der damals ihnen noch unverstanden und auch unbekannten Tatsachen. Dies wird besonders am Johannesevangelium deutlich.

=> Die Evangelien sind von bekehrten Jüngern in der Zeit der Gemeinde mit dem vollen Verständnis für das Wirken Jesu verfaßt worden
 

Würde man die Trennungslehre vollständig durch die Bibel anwenden, würde die Folge eine Große Bibel für die Juden und eine Mini-Bibel für die Heiden daraus werden. So wäre das AT incl. der Psalmen unwichtig und nur als Schattenbilder bedingt geeignet. Da man aber das klare Wort des NT hat, bräuchte es daher doch zwingend das AT gar nicht. Im NT müssten die Evangelien, die Apostelgeschichte, der Brief des Judas, Jakobus, Petrus, die Offenbarung des Johannes ab Kap. 4 usw. alles entfernt werden, da es nicht für die Gemeinde (der Heiden) gälte. Man dürfte zur Begründung einer Lehre nicht über diese Trennungslinie hinweg argumentieren, keine Bestätigung oder Auslegung herausnehmen, da man sofort den Einspruch der "Brüder" erwarten müsste. Im Kehrschluss müsste aber doch dann diese Mini-Bibel nicht mehr für die Juden gelten? Warum aber hat dann Petrus den Paulus mit seinen Briefen zitiert? Warum zitiert Paulus das Evangelium und das Alte Testament? Warum verwendet Johannes in seiner Offenbarung in den ersten 3 Kapiteln so viele Zitat aus allen Büchern der Bibel. Meines Erachtens würden diese Bibelschreiber nicht wenig abgestraft werden wegen Mißachtung euerer Trennungslehre. Sie hielten sich nämlich nicht an diese starre Trennung.

=> Die Lehre der totalen Trennung widerspricht der Benutzung der Bibel als Ganze und dem Beispiel der Bibel selbst

Was für mich aber am gewichtigsten gegen die Lehre der Trennung spricht, ist das Zeugnis der Evangelien selbst:

Joh 17,20 Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden,

So wie im Hebräerbrief in dem Verhalten Abrahams gegenüber Melchisedek bereits eine Unterordnung des noch nicht geborenen Urenkels Levi unter den König-Preister erfolgte, so ist die Gemeinde in den Jüngern bereits enthalten. Dies bezeugt die zitierte Stelle aus Joh. 17. Jesus Christus hatte in den Jüngern die Keimzelle für die ganze Gemeinde geschaffen. Verborgen wie Levi in Abraham ist daher in den Jüngern auch die Gemeinde belehrt. Daher lassen sich die Anweisungen an die Jünger nicht einfach von der Gemeinde abtrennen und für nicht gültig erklären.  

Zuletzt gründet sich diese Lehre der Teilungen auf eine recht unbiblische Auslegung einer Stelle aus 2. Tim. 2.15. Aus diesem "gerade schneiden" wird über die Maßen eine Lehre gemacht, die zur Überlehre wird. Diese Lehre ist nicht mehr mit der Schrift begründen oder zu widerlegen, sondern steht über der Schrift. Nicht diese Lehre sondern die Schrift muss sich dieser Lehre beugen und anpassen.

Wie aus der mühevollen Geschichte der Gemeinde ersichtlich, ist aber jede Lehre, die sich über die Schrift stellt eine Irrlehre/Falschlehre und der Beginn des Irrtums. Daher dürfen wir uns nicht anmaßen eine Lehre über das Wort zu stellen und diese Lehre als Auslegungsbrille zu verwenden. Letztlich gleich es der Annahm der hist.-krit. Theologie, die als Grundannahme Wunder und Übernatürliches verbot und alles diesbezügliche von vorne herein aus der Bibel hinauswarf.

Ich will mich aber gerne durch eine schlüssige Argumentation umstimmen lassen, dass diese Lehre der Trennung stimmt. Ich möchte dazu aber neben einer biblischen Begründung gerne folgenden Sachverhalt geklärt haben:

Meines Wissen ist die Lehre der Teilung relativ jung und kommt von Darby. Ich weiß nicht, ob Darby bereits diese totale Trennungslehre vertrat. Gibt es irgendwelche Quelle und Zeugnisse, die das Vorhandensein dieser Lehre auch in früherer Zeit belegen? Wenn nicht, deutet dies massiv an, dass diese Lehre ein Art neue Erkenntnis  darstellt. Man beachte hierbei, dass gerade die Zeit Darby der Beginn der modernen Sekten ist. Die Adventisten und viele andere Strömungen haben hier in dieser Zeit ihren Ursprung.

Liebe Grüße 

M.H.


Lieber Martin

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