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Frage 1310

Hat Gott Israel durch die Versammlung / Gemeine / Kirche ersetzt?

"Das Buch von Martin Heide

"Warum noch warten"  CLV ist  wohl das Beste, was es zur Zeit gibt gegen diese Sicht. Es ist eine sehr sachliche und tiefgründige Aufarbeitung, die aus der Zeit stammt, wo T.Schirrmacher Vorsitzender von Bibel und Gemeinde war. Dieses Buch sollte jetzt empfohlen werden.

Die Frage, wo denn die Entrückungslehre herkommt, ist für mich belanglos. Es gibt doch die heutige, Darstellung, die doch ausgereift und ausgearbeitet ist. Diese heutige Sicht ist der von MW gegenüberzustellen, nicht die aus dem vorletzten Jahrhundert. "
 

Peter Streitenberger wrote:
 

Lieber Br. Heide,
 
im Zusammenhang mit der derzeitigen Auseinandersetzung über M.Weremchuks Buchveröffentlichung und seiner Abkehr vom Dispenstionalismus () wurde mir von Br. Ronsdorf Ihr Buch "Warum noch warten" empfohlen. Könnten Sie mir bitte einen Hinweis geben, wo dieses erhältlich ist?
Vielen Dank
Peter Streitenberger - Ingolstadt

Lieber Br. Streitenberger,

das Buch ist beim CLV erschienen und z.B. über die Christliche Buchhandlung München (Schlörstr. 2) erhältlich.


Liebe Grüße, M. Heide

 

Du weißt ja, daß wir weit entfernt von Dispensationalismus (wir kannten dieses Wort nicht einmal) und weit entfernt von exklusiven Brüdergemeinden im Glauben groß geworden sind, weil es die bei uns gar nicht gibt. Wir sind also völlig unbelastet - eigentlich fast immer "uns selbst" überlassen gewesen, wenn es um Erkenntnis im Wort ging. Es dauerte 25 Jahre, bis wir zum ersten mal auf Deiner Homepage Dispensationalismus und das Denken exklusiver Brüder kennenlernten. Wir haben keine Kenntnisse in Griechisch,  Aramäisch oder Hebräisch - wir sind im Grunde sehr einfach denkend. Wir glauben 100%ig, daß die Bibel so geschrieben ist, daß sie JEDER verstehen kann, der will - auch die Entrückung und Gottes Plan mit Israel, völlig egal welchen Bildungsgrades. Es ist noch immer der Heilige Geist, der in alle Wahrheit führt. Und er arbeitet unabhängig vom Bildungsgrad.
 
2.Thess.2,1-12: Wir haben uns schon vor Jahren (also völlig unbeeinflußt von Dispensationalismus usw.) mit 2.Thess 2, 1-12 auseinandergesetzt und dabei eine logische Reihenfolge festgestellt : die Thessalonicher dachten, daß der Tag des Herrn, also die Trübsal schon da wäre. Aber das war nicht so, denn zuerst muß der Abfall und der Sohn des Verderbens geoffenbart werden. Bevor jedoch der Sohn des Verderbens geoffenbart werden kann, muß der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg sein. Das kann doch nur die Gemeinde und der Heilige Geist sein. Wir verstehen nicht, wo es da Probleme im Verstehen der Reihenfolge gibt. Das Argument, daß es sich hier um einen Unbekannten handelt, der zurückhält, gilt doch nicht, denn die Thessalonicher wußten von Paulus, "was/wer" zurückhält. Es war also kein Unbekannter. Also auch für uns nicht.
 
Weremchuk: wir haben "In Christus" gelesen. Das ist eine schreckliche Lehre. Auch hier : obwohl wir keine Ahnung v. Dispensationalismus hatten, war uns vom Wort her immer klar, daß Israel und die Gemeinde zwei völlig verschiedene "Programme" sind, obwohl sie natürlich verflochten sind. Und daß Israel`s Zeit sozusagen erst kommt. Die Verheißungen sind doch tatsächlich in Christus erfüllt, die, die eben Abraham geglaubt hat. Das hat doch nichts mit Israel zu tun. Und die Feststellung, daß die Dispensationalisten der Kirche keine 2. Chance geben, aber Israel schon, verstehen wir schon gar nicht. Der sogenannten Kirche (was immer er darunter versteht) hängt keine Decke vor, wenn sie das Wort liest ( 2.Kor.3,15) Israel aber schon - sie wird erst abgetan, wenn es sich bekehrt. Und das wird in der Trübsal sein. Nur vom Hausverstand schon her, würden wir bei einer 2.Chance-verteilung, wegen dieser Decke Israel die Chance geben und ganz sicher nicht der Kirche. Oder sind wir Heiden vielleicht besser und hätten Jesus nicht ans Kreuz gebracht ?? Gott liebt Israel und Er wird zu Ende führen, was Er sich vorgenommen hat.
 
Wir haben schon oft den Eindruck gehabt, ob nicht manchmal "zuviel Bücherlesens" schuld ist, oder daß zuviel Sprachenkenntnisse dem Wirken des Heiligen Geistes hinderlich sein können. Ein Bekannter von uns, brennend für Jesus bei seiner Bekehrung, stand jeden Morgen um 3 Uhr (!!!) auf und studierte 3 Stunden die Bibel : jeden Tag !!!!! Heute ist er vollzeitlicher Adventistenprediger.

ME


Peter Streitenberger wrote:    11.02.2004
 

Lieber Br. Heide,
 
im Zusammenhang mit der derzeitigen Auseinandersetzung über M. Weremchuks Buchveröffentlichung und seiner Abkehr vom Dispensationalismus () wurde mir von Br. Ronsdorf Ihr Buch "Warum noch warten" empfohlen. Könnten Sie mir bitte einen Hinweis geben, wo dieses erhältlich ist?
Vielen Dank
Peter Streitenberger - Ingolstadt

Lieber Br. Streitenberger,

das Buch ist beim CLV erschienen und z.B. über die Christliche Buchhandlung München (Schlörstr. 2) erhältlich.


Liebe Grüße, M. Heide


Liebe Geschwister,

es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Bibel von einer Erwählung und Vorherbestimmung spricht. Ich kann aber keine Belege dafür finden, daß sie damit das meint, was u.a. Calvinisten darunter verstehen: Erstens, daß bei den Erwählten vorherbestimmt ist, daß sie gerettet werden, und zweitens, daß es Menschen gibt, die zu ewigen Verdammnis vorherbestimmt sind. Das Erste ist m.E. eine falsche Bibelauslegung, und das Zweite eine Schlußfolgerung daraus, die zwar logisch ist, aber nicht legitim, weil sie in eklatantem Widerspruch zu ganz eindeutigen biblischen Aussagen steht, z.B. zu Joh. 3,

16: " ... JEDER, der an Ihn glaubt ... " und eben nicht: "die zum Heil Vorherbestimmten".

Ich verstehe die Erwählung so wie der dispensationalistische Dogmatiker Henry Clarence Thiessen, der früher am Wheaton College in den USA gelehrt hat. In seinem Buch "Introductory Lectures in Systematic Theology" (Grand Rapids, Michigan: Eerdmans 1977, S. 344) definiert er sie so:

"By election we mean that sovereign act of God in grace whereby He chose in Christ Jesus for salvation all those whom He foreknew would accept him."

(Mit "Erwählung" meinen wir den souveränen Akt Gottes aus Gnaden, durch den Er in Christus Jesus alle diejenigen zum Heil auswählt hat, von denen Er im voraus wußte, daß sie Ihn annehmen würden.)

Besser kann man es nicht ausdrücken: keine Vorherbstimmung im absoluten, deterministischen Sinn, und vor allem keine Vorherbestimmung zur Verdammnis.

Gott bietet das Heil allen an, und wer es annimmt, wird gerettet, und wer nicht, wird verdammt. Die Entscheidung darüber, wo wir die Eweigkeit verbringen werden, liegt einzig und allein bei uns. Aber natürlich haben wir diese Möglichkeit nicht, weil wir von Natur aus einen freien Willen hätten (den haben wir nicht - wir sind entweder Sklaven Satans oder Gottes), sondern nur, weil Gott uns aus Gnaden das Heil anbietet.

Die deterministische (fatalistische) Sicht der Erwählung hat übrigens bekanntlich nicht mit Jean Calvin begonnen (der hat sie nur perfektioniert und konsequent zu Ende gedacht). Sie hat schon mit Augustin begonnen, wenn ich mich nicht irre. M.E. liegt die Ursache darin, daß eine von der griechischen Philosophie geprägte, falsche und der Bibel fremde Denkweise in das Wort Gottes hineingelesen worden ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Menschen, die von der jüdischen Tradition und Denkweise geprägt sind, auf solche Gedanken gekommen wären.

Daß "Erwählung" des Einen nicht unbedingt Verwerfung des Anderen bedeuten muß, habe ich einmal in einer Predigt durch eine Gegenstandslektion

verdeutlicht: Ich brachte eine Mini-Mülltone mit, die auf meinem Schreibtisch steht und mir als Behälter für meine Schreibstifte dient. Ich nahm einen Stift heraus und sagte: "Ich habe mich jetzt für diesen einen Stift entschieden und nicht für die anderen. Das bedeutet aber nicht, daß ich deshalb die anderen wegwerfe oder sie nicht haben will. Aber im Augenblick brauche ich nur diesen einen - die anderen später einmal."

Liebe Grüße, Detlev