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Frage 1317

Lieber B.

bekanntlich gibt es so gut wie keine Baptistengemeinden, die Menschen ohne Glaubenstaufe aufnehmen, und in den Freien Evangelischen Gemeinden wird die Glaubenstaufe gelehrt und praktiziert, aber sie ist keine Voraussetzung zur Aufnahme in die Gemeinde.

In den mir bekannten Brüdergemeinden (Bundesgemeinden und bundesfreie Gemeinden) wird es unterschiedlich gehandhabt. Manche sind genauso "streng"

wie die Baptisten, andere nicht. Bei uns ist es so, daß die Glaubenstaufe grundsätzlich Voraussetzung für die Aufnahme ist, aber wir machen Ausnahmen bei Menschen, die eine starke kirchliche Prägung mitbringen und bei denen wir den Eindruck haben, daß die Glaubenstaufe bei ihnen eine Frage des geistlichen Wachstums ist. Immerhin wird in den Kirchen gelehrt, daß die

(Kinder-) Taufe ein heiliges Handeln Gottes am Menschen ist; folglich wird die "Wiedertaufe" als Gotteslästerung betrachtet, was in sich logisch, aber dennoch Unsinn ist. Von da bis zu einer wirklichen Erkenntnis der biblischen Tauflehre und -praxis ist es daher logischerweise oft ein langer Weg, für den Andere, die nichts anderes kennen, oft zu wenig Verständnis haben. Würde jedoch jemand dogmatisch an seiner Kindertaufe als die richtige Taufe festhalten, dann würden wir ihn nicht aufnehmen. Aber jedes Gotteskind wird im Augenblick seiner Bekehrung bzw. Wiedergeburt Teil des unsichtbaren Leibes Jesu - wie können wir ihm dann die Zugehörigkeit zur Ortsgemeinde verwehren, nur, weil er noch keine Tauferkenntnis hat?

Das Problem ist, daß z.Zt. des NT die Menschen immer gleich nach ihrer Bekehrung getauft wurden (so sehen wir es jedenfalls durchgängig in der Apg ), und das war damals nichts Besonderes, denn auch das Judentum kannte Taufen durch völliges Untertauchen von Erwachsenen - heute dagegen haben wir eine viele Jahrhunderte lange falsche Tradition der Zwangsbefeuchtungen von Babys, fälschlicherweise Taufe genannt. Und auch in freikirchlichen Gemeinden vergehen oft Jahre zwischen Bekehrung und Taufe. In den Missionsländern müssen oft mehrjährige Taufkurse belegt werden, die oft selbst Abiturienten überfordern (das weiß ich aus eigener Beobachtung).

Eigentlich gehört in die evangelistische Verkündigung mit hinein, daß das NT von uns erwartet, daß wir uns taufen lassen, wenn wir zum Glauben kommen - Petrus hat es so gemacht (Apg. 2, 38). Dann hätten wir sicherlich weniger diesbezügliche Probleme.

Liebe Grüße, Detlev

Detlev Fleischhammel, Dammstr. 30, 65474 Bischofsheim, Deutschland


Lieber H.-W.,

dem Zitat von Norman Gourlay kann ich hundertprozentig zustimmen - sehr gut formuliert. Besonders gefiel mir der Satz "Das Neue Testament kennt keine ungetauften Gläubigen"; stimmt genau!

Liebe Grüße, Detlev


Lieber Ulrich , liebe Geschwister,
als ich kürzlich durch einen Beitrag in dieser Liste erfuhr, daß Teile der "Alten Versammlung" unter Berufung auf Darby die Kindertaufe praktizieren, bin ich aus allen Wolken gefallen. Und ich dachte, nach heute genau 16 Jahren in der Brüderbewegung diese einigermaßen zu kennen!
Ich habe dazu und zu Deinem Beitrag ein paar Fragen, die vielleicht polemisch klingen, die aber wirklich reine Informationsfragen zum besseren Verständnis sind. Sie sind an Dich gerichtet und an jeden, der sonst zu meiner Aufklärung beitragen kann:
 - Wie hat J.N. Darby die "Haushaltstaufe" biblisch begründet? Mit den Taufen des Hauses der Lydia und des Kerkermeisters in Philippi (Apg. 16)?
 - Sind in den Teilen der "Alten Versammlung", die die Kindertaufe praktizieren, nie ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit dieser Lehre und Praxis aufgekommen?
 - Du schreibst: "Es ist unmöglich, alle Bibelstellen, die sich auf die Taufe beziehen, auf die eine oder die andere Praxis problemlos anzuwenden. In jedem Fall muss man bei einigen Stellen Hilfskonstruktionen bemühen, um seine eigene Praxis zu belegen." Auch das ist mir neu. Kannst Du das mal im Hinblick auf die Glaubenstaufe erläutern? Ich dachte bisher immer, daß diese Lehre - außer für stark kirchlich geprägte Menschen - im Neuen Testament auf der Hand liegt.
 - Wie kommt es, daß die Brüder es in der Tauffrage es geschafft haben, zwei so konträre Ansichten unter sich zu dulden, wo es doch sonst oft zu Spaltungen gekommen ist?
Vielen Dank im voraus für Eure Mühe!
Liebe Grüße, Detlev
Detlev Fleischhammel, Dammstr. 30, 65474 Bischofsheim, Deutschland / Germany / Allemagne, www.deflei.info
 

Liebe Geschwister,

ich kann dem Beitrag von Wilfried .... nur voll und ganz zustimmen.

Ich bin zwar kein Griechisch-Experte, aber meine Kenntnisse reichen immer noch, um sagen zu können, daß die von ihm angeführten Bibelstellen auch vom Grundtext her seine Aussagen stützen.

Timothy Heinz Brinkmann schrieb zu Apg. 16:

<Laut ihrer Auslegung soll es im Urtext heissen ER war gläubig geworden, und "mit

<seinem ganzen Hause" soll ein Adverb (Umstandswort) sein, das sein Frohlocken anstatt seine Glaubenstaetigkeit ändert.

Es ist richtig, daß "mit seinem ganzen Hause" ein Adverb ist, aber m.E. ist nicht ganz eindeutig, ob es sich auf die Freude oder den Glauben bezieht.

Aber das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist, daß alle Haushaltsmitglieder nicht nur getauft worden waren, sondern auch sich mitfreuten - also kann kein Säugling darunter gewesen sein.

In der Missionsarbeit in "Dritteweltländern" kommt es gar nicht so selten vor, daß sich nicht nur ganze Familien, sondern ganze Stämme zum Herrn Jesus bekehren (d.h. natürlich nur die Stammesmitglieder, die alt genug sind, um zu begreifen, worum es geht), wobei jede einzelne Bekehrung echt ist - der Auslöser ist die Bekehrung des Stammesoberhauptes.

Jedenfalls gibt es im NT kein also kein wirkliches Beispiel für Kindertaufen es fehlt auch jegliche Aufforderung dazu - es gibt noch nicht einmal eine Erlaubnis dafür. Es ist einfach kein Thema im NT, weil man erst später im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Taufwiedergeburtslehre auf die Idee gekommen ist, Babys zu taufen, damit sie nicht verloren gehen. Immer mußte bis dahin der persönliche Glaube des Täuflings der Taufe vorangehen (Mk. 16, 16/ Apg. 2, 38 usw.).

Liebe Grüße, Detlev


Lieber Hans Peter,

hier ein Beitrag zur Taufe:

https://www.iavg.org/iavg026.htm

Liebe Grüße

Andreas

 

Internationaler Arbeitskreis für Verantwortung in der Gesellschaft e.V. (IAVG)
International Working Group for Responsibility toward Society
Международная рабочая група «Ответственность в оьществе»

Geschäftsstelle: Dr. Hans Penner - D-76351 Linkenheim-Hochstetten - Lessingstr. 24
h.p.wepf_______bibelkreis.ch: ++49(0)7247-94726-3 - E-Mail: hanspenner@gmx.de - Internet: www.iavg.org

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Taufe im Neuen Testament
www.iavg.org/iavg026.htm / Stand: 05.12.2001

Die Taufe wird weithin als Ritual zur geistlichen und rechtlichen Aufnahme in christliche Kirchen aufgefaßt. In dieser Dokumentation sollen einige grundlegende Aussagen des Neuen Testamentes zur Taufe zusammengefaßt und in ihrer Beziehung zur christlichen Botschaft dargelegt werden. Für Bibelzitate (kursiv) wird vorwiegend die revidierte Elberfelder Übersetzung verwendet. Nicht behandelt werden in dieser Dokumentation Fragen wie Taufe im Alten Testament, Taufe des Johannes, Taufe in der Kirchengeschichte, Form der Taufe, Taufe im Heiligen Geist, persönliche Konsequenzen der Taufe, Taufe und Gemeindemitgliedschaft.

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Inhaltsverzeichnis

1. Die Definition von Christsein
2. Der Ruf von Jesus zur Umkehr des Menschen
3. Die Neuwerdung des Menschen
4. Die christliche Freiheit
5. Der Missionsauftrag von Jesus
6. Die Bekehrung von Familien
7. Diskussion

1. Die Definition von Christsein

Christliche Kirchen vertreten weithin die Auffassung, daß der Mensch Christ wird durch die Taufe. Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes sind Christen Kirchenmitglieder. Nach landläufiger Auffassung ist ein Christ ein nach moralischen Werten strebender Mensch. Folgt man der Gepflogenheit, Begriffe entsprechend ihrer Herkunft zu definieren, so stößt man auf die älteste Definition von Christsein in Apg. 11:26: "Es geschah ihnen (Barnabas und Paulus) aber, daß sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten und daß die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden". Demnach sind Christen im Sinne des Neuen Testamentes Menschen, die an Jesus Christus, seinen Erlösungstod am Kreuz und seine leibliche Auferstehung glauben. Christen sind seine "Jünger", d.h. Menschen, die dem Auferstandenen die höchste Autorität in ihrer Lebensgestaltung einräumen.

2. Der Ruf von Jesus zur Umkehr des Menschen

Jesus begann seine öffentliche Wirksamkeit nach der Verhaftung von Johannes dem Täufer mit einem Aufruf: "Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!" (Mat.3:17). Die von Jesus geforderte "Metanoia" bedeutet eine grundlegende Veränderung des Menschen, nicht eine moralische Aufrüstung oder Reaktivierung religiöser Praktiken. Auch in unserer Gegenwart wird die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Neuwerdung des Menschen erkannt: "Die Probleme liegen nicht in der Atombombe, sondern in der Explosivkraft des menschlichen Herzens für das Böse" (Albert Einstein). "Aber wurde Europa denn je wirklich christianisiert? Obwohl diese Frage üblicherweise bejaht wird, zeigt eine gründliche Analyse, daß die Bekehrung Europas zum Christentum weitgehend an der Oberfläche blieb; daß... die Bekehrung im großen und ganzen eine Bekehrung zu einer Ideologie blieb... und daß sie nicht mit einem Wandel des Herzens, das heißt einer Veränderung der Charakterstruktur einherging. Ausnahmen sind allerdings die zahlreichen echt christlichen Bewegungen." (Erich Fromm, Haben oder Sein).

3. Die Neuwerdung des Menschen

Der Christ unterscheidet sich vom Nichtchristen durch ein kategoriales Novum: "Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" (2.Kor.5:17). Nicht religiöse Riten zählen, sondern dieses Novum: "Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittensein gilt etwas, sondern eine neue Schöpfung" (Gal.6:15). Neues Leben tritt zu Tage bei der Geburt: Jesus "kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind" (Joh.1:11-13). Jesus sagte zu Nikodemus: "Wahrlich,wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht non neuem (von obenher) geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen" (Joh.3:3). Das "von obenher Geborenwerden" ist unauflöslich verknüpft mit dem Glauben an den gekreuzigten Jesus: "...so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" (Joh.3:16).
Das Angebot des Heils geschieht durch Gottes Wort: "So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott!" (2.Kor.5:20). "Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi" (Röm.10:17). "Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens" (Gal.3:2).

4. Die christliche Freiheit

Die Botschaft des Evangeliums ist durch Freiheit gekennzeichnet. Jesus hat jede Art von Zwang in Fragen des christlichen Glaubens abgelehnt. Das gilt auch für die christliche Taufe. Jede Form von Zwang in der Ausübung der christlichen Taufe widerspricht dem Evangelium. "Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit" (2.Kor.3:17). In der Apostelgeschichte begegnet häufig die Formel "sie ließen sich taufen".

5. Der Missionsauftrag von Jesus

Vor seiner Himmelfahrt erteilt Jesus seinen Jüngern den Auftrag zur Mission: "Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!" (Mt 28,19-20). In der Reihenfolge der Imperative steht an erster Stelle die Bereitschaft zur Jüngerschaft, der die Taufe und die Unterweisung im christlichen Lebensstil folgen soll. Man muß zuerst Christ geworden sein, um ein christliches Leben führen zu können. "Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden" (Mrk.16:16). "Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen" (Apg.2:38).
Die Taufe ist im Neuen Testamentes mit dem Glauben an Jesus Christus verbunden. Das Wesen der christlichen Taufe besteht in der zeugnishaften äußeren Verdeutlichung eines inneren Geschehens, nämlich der Neuschöpfung der Charakterstruktur des Täuflings durch Gott. Der Glaube an Jesus hat Vorrang vor der Taufe: "Denn Christus hat mich nicht ausgesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen: nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz Christi zunichte gemacht werde" (1.Kor.1:17).
Petrus verdeutlicht den durch die Taufe symbolisierten Vorgang durch das Bild von der Sintflut: dasselbe Wasser, das die Landbewohner vernichtete, trug und errettete die Arche samt ihren Insassen:
"die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurch gerettet wurden. Das Gegenbild <dazu> errettet jetzt auch euch, <das ist> die Taufe - nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen - durch die Auferstehung Jesu Christi. Der ist zur Rechten Gottes, nachdem er in den Himmel gegangen ist, und Engel und Mächte und Kräfte sind ihm unterworfen." (1.Petr 3,20-22).
Der durch die Taufe dargestellte Wechsel vom alten zum neuen Leben wird auch von Paulus betont: "Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln" (Röm.6:3-4)

6. Die Bekehrung von Familien im Neuen Testament

Im Neuen Testament wird die Bekehrung von vier Familien, als "Häuser" bezeichnet, geschildert. Die Berichte über "Haustaufen" belegen einen unauflöslichen Zusammenhang der Trias "Hören des Evangeliums - glaubensvolle Annahme des Evangeliums - sich taufen lassen".

Cornelius
Der römische Hauptmann Cornelius in Cäsarea war "fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus" (Apg. 10:1-2). Offensichtlich umschreibt der Begriff "Haus" einen Kreis von mündigen Personen. Dem Cornelius erschien ein Engel, der ihn aufforderte, Petrus in sein Haus holen zu lassen: "Der wird Worte zu dir reden, durch die du errettet werden wirst, du und dein ganzes Haus" (Apg. 11:14). Die Errettung soll demnach durch vernommene Worte geschehen. Cornelius befolgte den Rat des Engels und sandte zu Petrus. Er hatte "seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen" und erwartete Petrus (Apg.10:24). Als Petrus zu ihnen sprach, "fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten" (Apg. 10:44). Petrus befahl daraufhin, "daß sie getauft würden im Namen Jesu Christi" (Apg.10:48). Die im "Haus" Getauften waren offensichtlich Personen, die das Evangelium gehört und angenommen hatten.

Lydia
In Philippi begegneten Paulus und seine Begleiter einer Purpurkrämerin aus Thyatira namens Lydia. "Deren Herz öffnete der Herr, daß sie achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber getauft war und ihr Haus..." (Apg.16:14-15). Offen ist die Frage, ob Lydia selbst einen Haushalt führte oder ob sie die Gattin oder die Tochter eines Hausherrn war. Unwahrscheinlich ist, daß die übrigen Hausbewohner ohne Glaubensinformation oder gegen oder ohne ihren Willen getauft wurden.

Gefängnisdirektor in Philippi
Der Gefängnisdirektor erschrak über die wundersame Befreiung von Paulus und Silas durch ein Erdbeben (Apg. 16:27). Er fragte, was er zu seiner eigenen Rettung tun könne. "Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus" (Apg.16:31) antwortet Paulus. "Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren" (Apg. 16:32). Nach dieser Verkündigung ließen sich sowohl der Direktor als auch "alle die Seinen sogleich" taufen. Er war "an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Haus" (Apg. 16:33-34). Es deutet nichts darauf hin, daß Hausbewohner ohne oder gegen ihren Willen getauft wurden.

Stephanas
"Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft" schreibt Paulus (1.Kor.1:16). Die Mitglieder des Hauses des Stephanas waren der Gemeinde zu Korinth als Menschen bekannt, "die sich in den Dienst für die Heiligen gestellt haben" (1.Kor.16:15). Anzunehmen ist, daß die Taufe nach Unterweisung und Annahme des Glaubens erfolgte.

7. Diskussion

Behrend, Pfarrer Alexander, Reutlingen
Schreiben H.Penner vom 12.11.98: "...Gestatten Sie mir zu Ihren Taufansprachen (URL: goenningen.home.pages.de) einige Anmerkungen:
- In keiner Religion wird "das Böse aus dem Menschen gewaschen".
- Gott nimmt nur diejenigen Menschen als Kinder an, die bewußt Jesus annehmen. Der Kleinkinder ist das Himmelreich, auch wenn sie nicht einem Taufritus unterzogen wurden.
- Durch die Taufe wird man Mitglied der Landeskirche, aber nicht Glied am Leib Christi.
- Die Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche ist nicht identisch mit der Zugehörigkeit zu Jesus Christus.
- Sündenvergebung geschieht nicht durch die Taufe.
- In der Tat hat die neutestamentliche Taufe "etwas mit dem Christ-Werden zu tun". Daran müssen wir auch heute festhalten. Die Bibel hat es nicht erlaubt, daß die Taufe "von der Kirche weiterentwickelt" wurde.
- Richtig ist, daß "die Taufe nur dann einen Sinn macht, nur dann eine ehrliche Angelegenheit bleibt, wenn sie mit dem Bekenntnis zu Jesus Christus verbunden bleibt: mit dem Bekenntnis zum Gekreuzigten und Auferstandenen." Aus diesem Grund darf man nur Menschen taufen, die sich zu Jesus Christus bekennen..."
Schreiben A. Behrend vom 18.11.98: Eine ausführliche Antwort wird in Aussicht gestellt.

Föller, Dr. Oskar, Lebenszentrum Adelshofen
Schreiben H.Penner vom 08.12.98: "... Für die Ausbreitung des christlichen Glaubens ist von heilsentscheidender Bedeutung die Frage, wie man Christ wird. Auf diesem Gebiet wie auch in der Tauffrage herrschen unterschiedliche Auffassungen.
Mit der IAVG-Internet-Dokumentation "Die christliche Taufe" (www.iavg.org/iavg26.htm) moechte ich ausloten, inwieweit unter christlichen Leitern ein Konsens erzielt werden kann. Ich wäre Ihnen für eine kurze zitierfähige Stellungnahme zu der beigefügten Dokumentation (in WinWord) dankbar..."

Seitz, Prof.Dr.theol. Manfred, Universität Erlangen
Schreiben H.Penner vom 05.01.99: " ... Ihr Artikel in IDEA-Spektrum vom 14.10.98 bezieht sich eigentlich auf das Abendmahl, ich möchte jedoch eine Frage zur Taufe stellen, die ebenfalls in ihrem Aufsatz vorkommt.
Zum Thema "Taufe" gibt es eine wohl kaum überblickbare Fülle von Literatur. Noch viel umfangreicher sind die Gespräche, die zu diesem Thema geführt wurden. Gerade aus diesem Grunde habe ich versucht, in der oben genannten IAVG-Internet-Dokumentation einige wesentliche Punkte zusammenzustellen. In der Taufliteratur ist die Redundanz ja sehr groß.
Sie schreiben: Aus diesem Zwiespalt findet man nur durch ein eindeutiges biblisches Abendmahlsverständnis heraus. Danach wird man Glied der Gemeinde und somit zum Abendmahl zugelassen durch die Taufe".
Wie ist es theologisch zu begründen, daß ein Mensch, der sich an seine Taufe als kleines Kind nicht erinnern kann und nie seinen Glauben an Christus je erkennbar geäußert hat, als zur christlichen Gemeinde zugehörig betrachtet wird? ..."
Schreiben M.Seitz vom 26.02.99 (Eine Veröffentlichung des Schreibens im Internet wurde nicht gewünscht)
Schreiben H.Penner vom 05.03.99: " ...Ihr Schreiben enthält einige ungeklärte Fragen, die ich kurz anreißen möchte...