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Frage: 1485

 
 
Hallo Hans Peter!
 
ich habe mich letzte Zeit intensiv mit einem Artikel/Arbeit des Bruders Franz Kaupp bzw.
Stephan Isenberg beschäftigt, die heißt "Tägliche Notwendigkeiten".
 
Diesen Artikel hast du mir, Hans Peter, zugesandt (Auszug) - nochmals herzlichen Dank dafür -
 
In dieser Arbeit, die ich dir als Anlage sende, werden sehr wichtige für den Christen Dinge
aufgezeigt:
 
1) das tägliche Untersuchen der Schriften (ist super erklärt finde ich)
 
2) die tägliche Beschäftigung mit Christus (hier habe es nicht recht verstanden wie man das praktisch
    umsetzen kann; die angegebene Stelle aus Spr 8,22-31 ist meiner Meinung nach eine Aussage über
    die Weisheit und nicht über den Herrn Jesus Christus)
 
3) tägliches Gebet (ist wieder super erklärt)
 
4) das tägliche Brot (hier habe ich einige Fragen: wie bekomme ich mehr Appetit auf Gottes Wort?
    wie kann das praktisch für den "modernen" Christen aussehen, daß er jeden Tag das tägliche Brot
    ißt und dadurch an Kraft gewinnt?
    Wie komme ich dazu, daß mir meine täglichen Bedürfnisse meiner Seele bewußt werden,
    daß ich nicht gleichgültig bin gegenüber die immer vorhandenen Gnade Gottes, die mir Seine
    Liebe gern als tägliches Brot darreicht?)
 
Ich wäre dir, Hans Peter, oder auch einem anderen Bruder sehr dankbar, wenn ihr mir dabei eine
Hilfestellung geben könntet.
Im voraus herzlichen Dank
Seid gegrüßt mit der Liebe unseres Herrn Jesus Christus
 
Valentin

Lieber Valentin
Betreffend Appetit bin ich nun geradezu ein super Vorbild... Wir haben ja bekanntlich 6 Kinder. Und eine Zeitlang haben wir alle am gleichen Tisch gegessen. Und wenn so 8 Personen zusammen sind, dann spielte es auch keine Rolle, wenn noch einige mehr dazukamen und mitgegessen haben. Da es für Aussenstehende kaum merkbare Spielregeln bei unseren Essen gab, kam sogar ich manchmal dazu, einige Worte in dir Runde zu werfen.-
 Und das möchte ich nun einfach hinübernehmen zu Deinem Hinwies "Pt-4".   Zusammen geht's einfach besser. Eine Zeitlang hatte wir jeden Abend entweder Hauskreis oder Versammlung, das war natürlich  etwas zuviel und ich möchte es auch gar niemandem zur Nachahmung empfehlen, aber das gemeinsame Lesen und Gedanken austauschen über das Wort Gottes, das "bring`s" einfach!

Gott sei Dank hatten wir niemand dabei der immer seien Bekehrungsgeschichte zum Besten gab oder über seine völlige hochinteressanten Probleme mit seinen Arbeitskollegen oder den Kindern daherkam. Nein wir nahmen uns immer ein Thema vor. Mal haben wir etwa 10 Wochen nur die Stiftshütte durchgenommen. Etwa 10 x den Römerbrief  3-4 x Josua usw. usf.  Wenn Du in eine Gemeinde gehst wo es biblisch, (entsprechend der NT Lehre + Praxis)  her und zugeht, benütze dies und beteilige dich mit Voten die Du aus dem Worte Gottes genommen hast. Die besten Beiträge sind diejenigen die ca. 60" - 120" gehen.

Natürlich lesen wir im Worte Gottes zunächst mal wegen der eigenen Seele, aber nach einiger Zeit sollten wir ja uns auch einbringen mit guten Fragen und lehrgemässen Antworten. Wer etwas gibt, der hat..

Mit der Zeit habe ich übrigens dann durch Zufall herausgefunden,  dass meine Frau sogar einen abwechslungsreichen  Speisplan o-äh.  hatte, den Sie Familiengerecht einsetzte. Also es gab da tatsächlich Lieblingsgerichte (für Gewisse)  oder im Notfall as ein ein Kind Brot mit Oliven, (auch sehr gut!) wenn dem die Hauptmalzeit nicht schmeckte. Also was habe ich da von  El gelernt? Beim Essen kommt es darauf an, was und wieviel gerne mag, dann kommt's nicht zu den idiotischen Familienszenen von wegen Spinat essen für Kinder was sowieso in der Regel unverdaut wieder in die Welt zurückgeht.  (Bei Kindern) ==> Kinder können Spinat häufig noch gar nicht verdauen, und die Mär vom Eisen ist Quatsch.  Die Anwendung auf  Dein persönliches und gemeinschaftliches Studium ist nun klar, wenn nicht, da ein Speiseplan

Ich Empfehle Dir das ganze Menue ( Buch) zu kaufen oder Du hast es wie auch auf  BWS. Dann besorg Dir eine Durchschossenen Bibel und schreib das Buch mit System einfach schnell ab. Ich habe die auch gemacht mir dem Buch von WJO "Die Zukunft der Stadt des grossen Königs" . Habe dann alle 2000 Bibelstellen nachgelesen und mit  System in eine Bibel übertragen, hat mir schon oft geholfen. So habe ich persönlich schon einige Studien "mitverdaut".
Das kann ich auch sehr Empfehlen: Benedikt Peters    Das Buch der Richter     HLH Zukunft (Gleich auch abschreiben!

Worauf will ich hinaus : "Appetit kommt mit dem Essen!

Hans-Peter,   Robert Lee

Hans-Peter,

 vielen Dank für deine Antwort und deine Offenheit - finde ich gut das Beispiel mit den Kindern und deiner Frau, die jedem Bedürfnis gerecht wird.

 
- ohne Zweifel: zusammen geht's einfach besser. Habe leider noch keine solche Möglichkeit gefunden  mit jemandem zusammen Bibelstudium zu betreiben!
 
- ich bin immer noch Mitglied in einer Gemeinde, wo es nicht so biblisch zugeht. Keine Bibelstunde
  während der Woche. Letzte Zeit sind wir (meine Frau und ich) auch in keinem Hauskreis.
  Meine Gemeinde würde ich als gemäßigt charismatisch nennen - es wird viel gesungen, die Predigten
  fallen dann natürlich nicht so lange aus: 25 -40 Minuten. Wir überlegen ernsthaft, ob wir nicht in eine
  andere Gemeinde wechseln sollen, wo das Wort Gottes im Mittelpunkt steht.
 
- habe es nicht verstanden mit dem Speiseplan: ich lege mir also das Buch zu
  Grundlage biblischer Lehre Lewis S. Chafer /John F. Walvoord
  und schreibe es mit System in eine "durchschossene" Bibel ab???

  Was ist es "eine durchschossene Bibel"???
 
Ich kann mich erinnern, Hans Peter, daß du auch das Buch von Ryrie "Die Bibel verstehen" empfohlen hast. Ist es für einen Anfänger nicht besser geeignet?
 
Vielen Dank für deine Hilfe
Gruß - Valentin

Lieber Valentin

==> Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dass man zusammen am Web  z.B. den Römerbrief , Vers für Vers durchnimmt.  Dein Euer Fall ist doch schon bald der Normalfall. Der Versuchs wär's wert! Gib mir ein Mail und ich lasse mir was einfallen.

==>  In gewissen Gemeinden ist es ja wirklich nicht möglich z.B. mangels Lokal oder zu grosser Distanzen o. äh: dass man sich häufiger trifft.  In Israel  gingen sie pro Jahr ca.  3 x in den Tempel...

==> "nicht so biblisch"  habe ich noch etwas präzisiert.  Eventuell  könnt Ihr ja jemand einladen zum Lesen und dann z.B.  folgendes durchnehmen:                  Unterscheidungen

==> "es wird viel gesungen"   Ja ich weis, das ist eine Not heute, manchmal würde man am liebste alle Liederbücher aus dem Fensterschmeissen, aber es gibt tatsächlich noch gute Liederbücher. Weisst Du übrigens wo im NT Das Wotrt Halleluja vorkommt und in welchem Zusammenhang. Kannst Du mir erklären weshalb manche "Christliche " Songs praktische aus dem einen Wort bestehen...`? Der Herr Jesus hat übrigens auch gesungen, hast DU da schon mal gesehen?

==> Predigten mit biblischer Lehre länger als 40 Minuten sind kaum denkbar.  Aber bei vielen "Predigten" hört man eh nur den Predigern und nicht das Wort Gottes.  EIn probates Mittel gegen Geschnorr ist übrigens : Aufstehen, ohne Erklärung  rausgehen, Cola trinken, Tag abhaken. Habe ich letztes mal 1 x machen müssen.

==> Eine durchschossene Bibel ist eine  Bibel die man entweder so kaufen kann oder im meinem Fall selber macht. Das geht so:
 Man kauft einen  Rohbogen der Schlachter 2000 oder der unr-.. Elberfelder, andere Bibelübersetzungen  in deutscher Sprache sind für das Bibelstudium nicht zu empfehlen.
Dann öffnet man den Bogen und legt Luftpostpapier rein, und holt richtigen Faden,  bindet das Buch und besorgt sich einen Einband. Falls Interesse,  mache ich Dir Fotos und zeigst dir  rudimentär. Einige aus der Versammlung Frauenfeld haben einen gläubigen Buchbinder in Polen ausgemacht der dies rel. günstig macht. Mehr Infos gefällig?  Mail genügt.

==> Das Buch von Ryrie ist die Alternative dazu aber ich bin halt variabel..

In IHM
Hans Peter

Ps:

Lies folgendes durch: Matthäusevangelium   Sicherheit   Haushaltung   und schreib mir die Fehler oder Fragen dazu..
frage587.htm   ..\LeeRobert\prediger.htm  
Matthäus Synopsis  JND   (Darby)


01.06.04

 
Lieber Hans-Peter, vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
 
Um letzte Unklarheiten zu beseitigen frage ich dich noch Folgendes?
 
Du schreibst:
 
1) ==> Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dass man zusammen am Web  z.B. den Römerbrief ,

Vers für Vers durchnimmt.   wie soll das praktisch klappen??? Kannst du bitte etwas präzisieren?

 

2) ==> "es wird viel gesungen"  ...Weisst Du übrigens wo im NT Das Wort Halleluja vorkommt und in welchem Zusammenhang. Nein - kannst du mich bitte aufklären?
Der Herr Jesus hat übrigens auch gesungen, hast DU da schon mal gesehen? Nein - wo kann ich das

nachsehen??

 

3) ==> Eine durchschossene Bibel ist eine  Bibel die man entweder so kaufen kann oder im meinem Fall selber macht. Das geht so:
Man kauft einen  Rohbogen der Schlachter 2000 oder der unrevidierter Elberfelder ....usw

Warum macht man das? zu welchem Zweck? Was lernt man dabei?

Übrigens - habe erst vor kurzem Elberfelder Studienbibel gekauft für 79,00 Euro - die möchte ich

nicht unbedingt "auseinandernehmen"!

Gibt's vielleicht doch Alternativen?

 

Herzlicher Gruß

Valentin


 

01.06.04

Lieber Valentin

 

Zu 1. Man könnte versuchen, das erste Kapitel des Römerbriefes ins web zu legen dann zu jedem Vers Frage und Antwort reinschreiben, quasi eine virtuelle Studienbibel. Soll ich mal starten?

 

Zu 2.1   ==> Die Bibel  

Offb 19,1 Nach diesem hörte ich wie eine laute Stimme einer großen Volksmenge in dem Himmel, welche sprach: Halleluja! das Heil und die Herrlichkeit und die Macht unseres Gottes!

Offb 19,2 denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte; denn er hat die große Hure gerichtet, welche die Erde mit ihrer Hurerei verderbte, und hat das Blut seiner Knechte gerächt an ihrer Hand.

Offb 19,3 Und zum anderen Male sprachen sie: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Offb 19,4 Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebendigen Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Throne sitzt, und sagten: Amen, Halleluja!

Offb 19,5 Und eine Stimme kam aus dem Throne hervor, welche sprach: Lobet unseren Gott, alle seine Knechte, [und] die ihr ihn fürchtet, die Kleinen {d.h. die Geringen} und die Großen!

Offb 19,6 Und ich hörte wie eine Stimme einer großen Volksmenge und wie ein Rauschen vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, welche sprachen: Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten.

 

 

da findest Du die 4 Verse im der Offenbarung 19.  Das sind die einzigen Verse im NT, wo das Worte Hallelujah steht und immer in Zusammenhang mit Gericht!!

Was heute in vielen Fällen geschieht,  ist dass die lausigen Dichter das Wort als Lückenfüller brauchen, wovon die singende Gemeinde keine Ahnung hat was, es bedeutet weil es ihr Wurst ist. 

Zu 2.2.

Mt 26,30 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus nach dem Ölberg.

Mk 14,26 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus nach dem Ölberg.

 

3. Du musst einen Rohbogen, also eine ungebunden Bibel haben. Dann kannst Du selber oder ein Buchbinder macht dir dies, zwischen Jedes Blatt ein Briefpostpapier "einschiessen". Dann wird erst gebunden. Soll ich Dir ein Foto machen?

Alternativen:  Eine durchschossene Bibel kaufen.

Lieb Grüsse

Hans Peter


 

 

 

 

 


 

Tägliche Notwendigkeiten                                                                  15.01.04

 

Man findet hin und her junge und alte Christen, die wenig befestigt sind in der Wahrheit. Man staunt oft über die Antworten, die man auf die einfachsten Fra­gen bekommt. Das veranlaßt den Schreiber dieser Zeilen, auf einige Dinge hinzuweisen, denen wir in un­serem täglichen Leben einen Platz einräumen müssen, wenn wir wünschen, mit Gott zu wandeln.
Das erste finden wir in Apostelgeschichte 17, 10‑12 

10 Die Brüder aber schickten noch in derselben Nacht Paulus und Silas nach Beröa. Als sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden.

11 Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und  forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte.

12 So glaubten nun viele von ihnen, darunter nicht wenige von den vornehmen griechischen Frauen und Männern.
                            E s  i s t:

 

1) das tägliche Untersuchen der Schriften

 

Es ist von höchster Wichtigkeit für die Wohlfahrt un­serer Seele, daß wir ein Verlangen nach dem Wort Gottes haben und pflegen. Doch dabei hängt alles von dem Geist und der Haltung ab, in denen wir an die Heilige Schrift herangehen.
Es ist möglich, die Bibel wie ein Schulkind zu studieren und Gottesgelehrtheit geradeso zu lernen wie Welt-geschichte und Pflanzen­kunde. Hierzu möchte ich uns nicht ermuntern; das gibt es leider schon zu viel.
Die Juden in Beröa unter­suchten nicht nur die Schriften, sondern es wird uns auch gesagt, warum und in weichem Geist sie das taten.
Sie hatten Paulus und Silas gehört und "nah­men mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf, indem sie täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich also verhielte" (Apg 17, 11). Wunderbares hatten sie gehört, und sie waren weder zweifelsüchtig noch gleichgültig ‑ nein, sie nahmen vielmehr "mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf', und sie durchforschten die Schrift, weil sie die Boten Gottes aufgenommen hatten.
Sie unter­suchten sie nicht wie ein Altertumsforscher, der aus Neugier oder zu wissenschaftlichen Zwecken ein altes Vermächtnis studiert, sondern wie jemand, der die Kunde vernommen hat und glaubt, daß ihm darin ein großes Erbe vermacht worden ist.

Ich danke Gott, daß viele Leser die Botschaft von den wunderbaren Segnungen der Gnade angenom­men haben, aber ich fürchte, einige haben nicht ein hinreichendes Verlangen, die Schriften täglich danach zu untersuchen.
Deshalb bist du nicht so fest, wie du es sein solltest und könntest, und wenn man dich auf­fordern würde, über einige der Segnungen, die du empfangen zu haben glaubst, Rechenschaft zu geben wegen der Hoffnung, die in dir ist (l. Petr 3, 15), so würdest du hierzu kaum fähig sein.
“heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist,“

 

In Bezug auf göttliche Dinge herrscht unter Kindern Gottes oft eine Unbekümmertheit, wie sie in Sachen des täglichen Lebens undenkbar wäre. Beim Kauf eines Gutes gibt man sich nicht mit den Worten des Verkäufers zufrieden, sondern prüft die Urkunden ganz genau, um über seine Rechtsansprüche volle Gewiß­heit zu haben. Je wichtiger eine Sache ist, desto mehr wird man Verlangen haben, darüber Gewißheit zu be­kommen; und ich denke, wenn wir ein rechtes Bewußt­sein von der Unermeßlichkeit auch nur des kleinsten Teilchens christlicher Segnungen bekommen hätten, würden wir wie die Beröer zum Wort Gottes greifen, um ganz sicher zu sein, ob es sich also verhält.
Mir scheint, wo Gleichgültigkeit gegen Gottes Wort vorhanden ist, zeigt dies, daß wir in unserem Herzen keinen rechten Begriff von der Größe christlicher Segnungen haben, sonst würden wir ernstlicher und eifriger nach ihnen forschen .
Diese Dinge sind so ungemein wichtig, und was auf dem Spiel steht, ist so wesent­lich, daß wir da nichts einfach in gutem Glauben hin­nehmen sollten, selbst wenn der, der es uns bringt,
ein Apostel wäre.


 

Staunen kann man oft, wie Geschwister, die jahre­lang dem Dienst am Wort Gottes zugehört
haben und das scheinbar mit Eifer und Aufmerksamkeit, so wenig von göttlichen Dingen wissen. Sie scheinen Freude am Dienst zu haben und scheinen glücklich zu sein; doch findet man, wenn man mit ihnen spricht, wie wenig davon in ihre Seele gelangt ist. Sie hören wohl zu, schätzen aber das Gehörte so wenig, daß sie sich nicht die Mühe nehmen, ihre Bibel daraufhin zu lesen, um es so für sich selbst zu empfangen. Der Dienst hat seinen eigenen gesegneten und wichtigen Platz; doch ich glaube nicht, daß irgendwelcher Dienst unseren Seelen von bleibendem Nutzen ist, wenn ihm kein For­schen in der Schrift folgt.

 

Der Apostel ermahnt den jungen Timotheus: "Halte an mit dem Vorlesen"; dann sagt er ihm: "Bedenke dieses sorgfältig, lebe darin, auf daß deine Fortschritte allen offenbar seien"
(l. Tim 4, 13. 15).
Im zweiten Brief sagt er: "Bedenke was ich sage; denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen" (2. Tim 2, 7). Als Diener sollte er ein Arbeiter sein, der "sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt", und als Mensch Gottes sollte er in dem bleiben, was er gelernt hatte, und wissen, daß alle Schrift von Gott eingegeben ist und nütze zur Lehre usw.
(2. Tim 2, 15; 3, 16).
Hiermit in Verbindung steht eine Ermahnung in 2. Timotheus 1, 13, auf die wir achten sollten:
"Halte fest das Bild (Umriß, Form, Muster) gesunder Worte."
Timotheus sollte einen Umriß der Wahrheit in seinem Gedächtnis haben, so daß sie ihm
klar vor Augen stand.
In der Schule haben wir wohl manchmal Land­karten aus dem Gedächtnis aufzeichnen müssen; da kamen dann die wunderlichsten Umrisse und Formen zustande, die jedem Kopfzerbrechen verursacht hät­ten, der sagen sollte, welches Land das vorstellen solle.
Nun, angenommen, man bäte dich, einen Umriß der Wahrheit des Christentums zu geben;
wärst du dazu in der Lage?

 

Es ist der Wille Gottes, daß wir einen klaren Abriß der Wahrheit in unserer Seele haben;
das können wir aber nicht, ohne in der Schrift zu forschen.
Sonst wer­den unsere Gedanken über göttliche Dinge ver­schwommen und unbestimmt sein, und
wir werden leicht die Beute irgendeiner einleuchtenden Irrlehre, deren es heute so viele gibt.
Wenn wir wünschen, die Wahrheit festzuhalten, dann ist es mehr denn je nötig, daß wir täglich die Schriften untersuchen.

 

Das Wort "untersuchen" läßt uns erkennen, daß es sich dabei um einen bestimmten Gegenstand handeln muß. In vielen Fällen ist das Lesen der Bibel fast nutz­los, weil es ohne bestimmten Zweck geschieht. Der Leser sucht nichts und findet deshalb auch nichts.
Es gibt doch gewiß für jeden manches, worüber er gern göttliches Licht haben möchte.
Ob es sich um die Lehre der Schrift oder um Einzelheiten im Wandel handelt ‑ sicher hat jeder von uns seine Übungen bei seinen Seelenerfahrungen. Das alles sollte uns anspor­nen, die Schriften zu untersuchen.

Und beachten wir, das muß "täglich" geschehen!
Dringend möchte ich alle hinweisen auf die Notwen­digkeit des täglichen Studiums des Wortes Gottes. Wir können in unserem Geist keine Leere aufrechterhalten; wenn das Vakuum nicht
mit göttlichen Dingen aus­gefüllt wird, wird es mit menschlichen, irdischen und sündigen Dingen geschehen; nur das erstere kann wirklich befriedigen.

Die Gewohnheit, die Schriften zu untersuchen, festigt sich bei dir, je mehr du sie aus­übst. Vernachlässigst du das Wort, so wirst du bald den Geschmack daran verlieren!

 

Wie oft liest du das Wort? Wann liest du es?
Abends, wenn du müde, oder morgens, wenn du am aufnahme­fähigsten bist?
Wer die Bibel am meisten liest, wird sie auch am meisten genießen und sich mit großer Freude
zu ihr wenden. Wenn du andererseits das Wort heute vernachlässigst, so wirst du morgen weniger Ge­schmack daran finden, und es wird abnehmen von Tag zu Tag, bis die Bibel dir ein trockenes, langweiliges Buch wird.


Laß dir daran gelegen sein, jeden Tag mit dem Wort zu verbringen; dabei handelt es sich
nicht darum, recht viel zu lesen ‑ dazu fehlt dir vielleicht die Zeit ‑, du mußt es aber täglich tun
.

 

2) Die tägliche Beschäftigung mit Christus (Sprüche 8, 34‑35)

 

"Glückselig der Mensch, der auf mich hört, indem er an meinen Türen wacht Tag für Tag, die Pfosten meiner Tore hütet!"


Selbst beim täglichen Forschen in der Schrift wird unsere Seele sehr wenig Segen empfan­gen
und keine geistlichen Fortschritte machen ohne das tägliche Wachen an der Tür der Weisheit.
Die er­habene Gestalt, die der Mittelpunkt der Schrift ist ‑ die Weisheit in Person, das ewige Wort ‑ muß der Gegenstand unseres Herzens sein, sonst werden wir vom Lesen nur wenig Nutzen haben.
Mit einem Wort, Christus muß vor unserer Seele stehen, oder der Kern­punkt jeder Wahrheit der Heiligen Schrift geht uns ver­loren.

 

Unseren Versen liegt die Gepflogenheit an morgen­ländischen Höfen zugrunde, daß
einige besonders Bevorzugte das Vorrecht hatten, in der Nähe des Herr­schers zu weilen.
In Esther 1,14 lesen wir von sieben Fürsten, die "das Angesicht des Königs sahen".
An­dere mochten seine Befehle lesen oder in der Ferne von ihm hören, aber diese standen
in seiner Gegen­wart und hörten seine Stimme.

Ach, daß wir darauf Wert legen möchten!

 

Der Herrliche, der von Ewigkeit her „Tag für Tag" die Wonne des Herzens Gottes war,
hat Sein Herz auf uns gerichtet und hat sich uns als Der geoffenbart, der Seine Wonne an uns gefunden hat

 

22  Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.

23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

24 Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.

25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe,

28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

29 als er  dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, daß sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

30 da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.  Spr 8,22-31

 

Fes­selt Er dein Herz derart und hast du solche Zuneigun­gen zu Ihm und solches Wohlgefallen an Ihm, daß dein ganzes inneres Leben darin besteht, Ihn zu hören, Tag für Tag an Seinen Türen zu wachen und die Pfosten Seiner Tore zu hüten?


Das Geheimnis geistlicher Fri­sche und des Wachstums der Seele ist, die Person Christi
so vor unserem Herzen zu haben, daß wir mit dem einzigen Verlangen, Ihn besser kennen-zulernen, zu Ihm gezogen werden.


Ermuntern wir doch gegen­seitig unsere Herzen hierzu!

 

Wünschen wir wirklich innigere Gemeinschaft mit Christus?


Der große Mangel des modernen Christen­tums ist, daß die Liebe zu Christus so erkaltet ist.
Viele hören ein sogenanntes „klares Evangelium“, vertrauen dem Blut und dem Werk Christi und gewinnen durch das Wort Gottes die Gewißheit, daß sie nicht verloren gehen.
Damit geben sie sich zufrieden, bleiben dabei stehen und fangen an einzuschlafen.
Da ist kein ern­stes Verlangen nach Ihm Selbst, kein tägliches "Wachen an Seinen Türen".
Hast du je daran gedacht, daß der Herr deine Liebe schätzt?
Du gehörst Ihm, bist der Gegenstand Seiner Liebe, bist Sein Eigentum.


Dein Herz gehört dem Herrn; ist es auch Seine Wohnstätte? Seine Liebe rechnet damit,
daß du Ihm in deinem Her­zen den ersten Platz einräumst, so daß Er durch den Glauben darin wohnt. Wohnt Er darin, so kannst du sicher sein, daß du Tag für Tag an Seinen Türen wachst. Dann suchst du nicht nur Wohltaten von Ihm zu empfangen, sondern verlangst nach Ihm Selbst und findest selige Freude daran, zum persönlichen Ver­kehr mit Ihm zugelassen zu sein.

 

Wenn man hier und da von dem Wandel und Dienst der alten Brüder erzählen hört, dann staunt man, wie ihre Herzen von dem Durst nach Christus erfüllt wa­ren. Sie waren von Seiner Person ganz hingerissen, Er war der lichte und erhabene Gegenstand, nach dem ihre Herzen verlangten. Oh, daß das auch bei uns mehr gefunden würde!

 

Welch ein schönes Beispiel von dieser herzlichen Zuneigung zum Herrn war Maria Magdalene in jenen Tagen! Die Apostel konnten ihr Herz nicht beeindruc­ken, sie ließ sie ruhig wieder heimgehen. Engel, groß an Gewalt und Kraft, redeten zu ihr, aber auch sie konnten sie nicht befriedigen.
Den vermeintlichen Gärtner sah sie sich kaum näher an, als sie zu ihm sagte: "Herr, wenn du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn weg­holen" (Joh 20, 15).
Sie vergaß sich selbst ‑ vergaß, was für eine schwache und hilflose Frau sie war.
Er Selbst war es, nach dem ihr Ihm ergebenes Herz mit der ganzen Kraft seiner Zuneigung verlangte.
Sie wachte an Seinen Türen" und "hütete die Pfosten Seiner Tore". Hat sie dabei etwa kein "Wohlgefallen er­langt von Jehova"? 
“Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN.“ (Spr 8,35)

 

Nie zuvor war mensch­lichen Lippen eine derartige Botschaft göttlicher Liebe anvertraut worden,
wie die, die sie überbringen durfte.

 

Auch die beiden Jünger in Johannes 1, 35 kannten etwas von dem, was uns hier beschäftigt, als das Ver­langen ihrer Herzen in der Frage zum Ausdruck kam: "Rabbi, wo hältst du dich auf?"
(Vers 38). Sie wünsch­ten in Seiner Gesellschaft zu sein und wurden so in ihren Tagen "an Seinen Türen wachend" erfunden und "hüteten die Pfosten Seiner Tore". Und welch eine Gunst erlangten sie! Er spricht zu ihnen: "Kommet und sehet!" "Sie kamen nun und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm." Welch ein köstlicher Tag mag das für sie gewesen sein!
Ob sie ihn wohl je vergessen haben? ‑ Oh, das ist ein herrlicher Tag für das Herz, wenn es die persönliche Bekanntschaft mit Christus macht.

 

Auch Paulus sagt, daß er alles für Verlust achtet wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, seines Herrn, und daß er alles für Dreck achtet, um Christus zu gewinnen und Ihn zu erkennen (Phil 3, 7‑10). So steht er vor uns als einer, der völlig von dieser einen Person erfüllt war. Er wachte „Tag für Tag an Seinen Türen und hütete die Pfosten Seiner Tore".

Hat er etwa kein "Wohlgefallen erlangt von Jehova"? War es etwas Geringes, in Wahrheit sagen
 zu können: "Unser Bürgertum ist in den Himmeln", oder "ich habe ge­lernt, worin ich bin, mich zu begnügen", oder "alles vermag ich in dem, der mich kräftigt"? (Phil 3, 20; 4, 11. 13).

Er machte sich in Wahrheit die Segnung zu eigen, von der in Sprüche 8, 34f. die Rede ist.

Möchten unsere Herzen mehr, d. h. Tag für Tag, zu der gesegneten Person in der Herrlichkeit gezogen wer­den, damit auch wir dieses Segens teilhaftig werden!

 

Franz Kaupp bzw.
Stephan Isenberg beschäftigt, die heißt Tägliche Notwendigkeiten