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Frage: 1500

An welche Personengruppe ist das Gebot in Apostelgeschichte 15,29 gerichtet ?
 
(kein Ersticktes, kein Blut ...)
 
Wenn auch an Christen, woran erkenne ich Ersticktes ?
Und was ist so schlecht an Ersticktem ?
Medizinisch ?

Chris

Herzliche Grüsse, Hans Peter!

Liebe Geschwister

Zuerst müssen wir unterscheiden zwischen Geschichte und Lehre. Die Apostelgeschichte enthält - wie schon ihr Name sagt - v.a. Geschichte. Geschichte muss nicht wiederholt werden, während Lehre 1:1 für uns gilt, soweit sie unsere Epoche betrifft.

Nach meinem Verständnis ist die angesprochene Stelle eine Anwendung der Lehre aus Römer 14. Ich zitiere einige Verse daraus:

Röm.14,2 Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse. 3 Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst; denn Gott hat ihn aufgenommen.

14 Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich selbst gemein ist; nur dem, der etwas für gemein achtet, dem ist es gemein. 15 Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. Verdirb nicht mit deiner Speise den, für den Christus gestorben ist.

19 So lasst uns nun dem nachstreben, was des Friedens ist, und dem, was zur gegenseitigen Erbauung dient. 20 Zerstöre nicht einer Speise wegen das Werk Gottes. Alles zwar ist rein, aber es ist böse für den Menschen, der mit Anstoss isst. 21 Es ist gut, kein Fleisch zu essen, noch Wein zu trinken, noch etwas [zu tun], woran dein Bruder sich stösst.

 

Es geht in Apg.15 eigentlich nicht um Blut oder Ersticktes, sondern darum, dass man "schwache" Geschwister nicht verachten und ihnen keinen Anstoss bereiten soll. Wir sehen aus Apg.15,1.2, dass sich ein Streit zwischen ex-Juden und Heidenchristen entfachte, weil erstere meinten und verlangten, letztere müssten das Gesetz halten. Das war der Ausgangspunkt für das "Apostelkonzil". In diesen Gemeinden waren überall Juden bzw. Ex-Juden (siehe Vers 21) neben Heidenchristen. Da galt es, sich gegenseitig weder zu richten noch zu verachten, wie uns Röm.14 lehrt. Die Weisheit der Apostel bestand darin, diesen Konflikt lösen zu helfen.

 

Ich glaube, dass sich dieses Gebot (Apg.15,29) an die durchmischten Gemeinden richtete, bei denen der oben aufgeführte Streit herrschte. Für uns gilt Röm.14.

Aus dessen Vers 14 lernen wir, dass an sich alles rein ist. Ich hätte deshalb keinerlei Mühe, z.B. eine Blutwurst zu essen und achte selbstverständlich überhaupt nicht darauf, geschächtetes Fleisch zu verzehren. Wir sind ja nicht unter Gesetz und nur dem, der etwas für gemein achtet, dem ist es gemein. Wenn ich aber mit jemandem esse, dem dies oder jenes einen Anstoss bereitet, so verzichte ich meinem Bruder zu Liebe darauf, dieses zu essen.

 

Herzliche Grüsse in Jesus Christus.

Hans Rapold , 11.6.04


frage358.htm


Hallo Hans Peter,   14.06.04

Da ich heute auch "zufällig" über diese Stelle gestossen bin, habe in William McDonalds Kommentar zum NT noch folgenden Hinweis

gefunden:

1.. »Verunreinigungen der Götzen«. In Vers 29 wird dies erklärt:

Es handelt sich um Speisen, die zuvor den Götzen geopfert worden sind. Wenn heidnische Gläubige weiterhin diese Speisen essen würden, dann könnten sich die jüdischen Geschwister ernsthaft fragen, ob sie denn ihren Götzendienst aufgegeben haben. Obwohl heidnische Christen die Freiheit haben konnten, solche Speisen zu essen, könnte sich dieses Verhalten als Stolperstein für schwächere jüdische Geschwister erweisen. Aus diesem Grunde war es falsch.

2.. »Von der Unzucht«. 62) Das war die Hauptsünde der Heiden. Es war deshalb besonders wichtig, daß Jakobus diese Sünde mit den anderen Themen erwähnt. Nirgends in der Bibel wird das Gebot, sich »von der Unzucht« zu enthalten, aufgehoben. Es ist in allen Zeitaltern anzuwenden.

3.. »Vom Erstickten«. Dieses Verbot geht auf den Bund Gottes mit Noah nach der Flut zurück (1. Mose 9,4). Deshalb ist es eine Anordnung für alle Menschen und nicht nur für Israel.

4.. »Blut«. Das bezieht sich auf 1. Mose 9,4 und steht also vor dem mosaischen Gesetz. Weil der Bund mit Noah nie aufgehoben wurde, sind wir der Überzeugung, daß diese Anordnungen auch noch heute gelten.

Gruss Stephan S.


Lieber Stephan, liebe Geschwister    15.06.04

Deine Stellungnahme wirft die Frage auf, ob der Dispensationalismus (Berücksichtigung der verschiedenen Heilszeiten oder Haushaltungen) sich nur auf den Unterschied zwischen Gesetz Mose und allen anderen Zeitepochen beschränkt. Nach meiner Überzeugung, die ich bis heute vertrete, klar nein. Ich lasse mich aber sehr gerne vom Wort her belehren.

Gerade die von Gott dem Menschen zur Verfügung gestellten Speisen zeigen m.E. mit aller Deutlichkeit, dass auch in den Heilszeiten ausserhalb des mosaischen Gesetzes ganz verschiedene "Speisezettel " vorlagen. Ich erwähne als Beispiel die ersten 3 Heilszeiten:

1.Mose 1,29 (Garten Eden; Zeit der Unschuld) Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch gegeben alles samenbringende Kraut, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an welchem samenbringende Baumfrucht ist: es soll euch zur Speise sein;

1.Mose 3,18 (vor der Flut; Zeitalter des Gewissens) ... und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen.

1. Mose 9,2-4 (nach der Flut; Zeitalter der menschlichen Regierung oder Verantwortung) Alles, was sich auf dem Erdboden regt, und alle Fische des Meeres, in eure Hände sind sie gegeben: 3 " alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles. 4 " Nur das Fleisch mit seiner Seele, seinem Blute, sollt ihr nicht essen;

Zeigen diese Beispiele nicht klar und deutlich, dass Gott in den verschiedenen Haushaltungen immer wieder andere Kriterien festlegte? Wäre es deshalb nicht willkürlich, nur diejenige des Gesetzes herauszunehmen, während wir die anderen, die zugegebenermassen zum Teil weniger unterschiedlich erscheinen, für uns gelten lassen?

Wie gesagt, vorläufig bleibe ich bei der Überzeugung, dass wir die für uns konkret geltenden Lehren nur aus der Lehre des Herrn bzw. Seiner Apostel entnehmen dürfen, die für das Zeitalter der Gnade gelten, in der wir stehen dürfen. Wäre das nicht so, würde doch z.B. Röm.14,14 einen Widerspruch zum übrigen Wort Gottes enthalten, was aber nicht sein kann. Dieser und andere sogenannte Widersprüche lassen sich aber durch konsequente Anwendung der oben erwähnten Prinzipien leicht lösen.

Ich grüsse herzlich mit Hebr. 13,9

Hans Rapold, 15.6.2004

Lasst euch nicht fortreissen durch verschiedenartige und fremde Lehren; denn es ist gut, dass das Herz durch Gnade befestigt werde, nicht durch Speisen, von denen die keinen Nutzen hatten, die danach wandelten.