Home       Bibelkreis.ch

 

Frage: 1764

Aus einem Mail vom 7.10.04

....Noch eine Frage:  
Dass man sich selbst verwirklichen und sich selbst annehmen nicht so ausleben
darf, habe ich schon verstanden.

Da gibt es das Gebot: 
dass man den Nächsten lieben soll wie sich selbst
Luk 10.27

Das hab ich früher schon mal versucht zu überlegen, was meint diese Gebot wirklich?
Viele Grüsse
Elisabeth Wagendreher

Liebe Elisabeth Wagendreher,    7.10.04
nachfolgend erklärt unser Herr anhand eines sehr praktischen Beispiels, wie dieses Gebot zu verstehen ist. Es zielte gewiss zunächst einmal auf alle selbstgerechten Schriftgelehrten/ Pharisäer, die daran messen sollten, wie sehr es Ihnen an Liebe bzw. Nächstenliebe mangelt.
Die Antworten auf Deine Frage findest Du also auch in diesem Kapitel:
Lk 10,28    ... tue das, so wirst du leben!
Lk 10,37    Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm tat! Da sprach Jesus zu ihm: So gehe du hin und tue desgleichen!
Wir können/sollen das in unser Leben mit hineinnehmen- und wir werden darin niemals perfekt sein, jedenfalls nicht durch eigenes Bemühen. Ich sehe in diesem Kapitel vielmehr noch eine Aufforderung unseres Herrn sich zu bekehren, denn dann bekommt dieses Gebot eine andere Dimension. Nur durch ein neues Herz erkennen wir die Grundlage, die uns Jesus vorgibt. Das heutige humanistische Evangelium wird dem nicht gerecht. Ein Beispiel aus meinem Beruf im Krankenhaus- ich stelle immer wieder gern einmal Ärzten die folgende Frage: was ist der Unterschied zwischen ärztlicher Ethik und Barmherzigkeit? Und die Politiker könnte man fragen: was ist der Unterschied zwischen Solidarität und Nächstenliebe? Die grundlegenden Begriffe, wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit etc. wurden aufgegriffen und in einem humanistischen freimaurerischen Einheitsbrei verwurstet. Ohne Christus ist soetwas nicht echt.
Vater im Himmel, wir schauen aus nach dir und deiner ewigen Herrlichkeit, die unser Los werden soll. Mach uns stark im Glauben, Lieben, Hoffen, daß uns die Kräfte wachsen für jene Aufgaben der Ewigkeit. Amen.
in IHM
joachim


09.10.04

Liebe Elisabeth

Wer keine Liebe in sich, zu sich spürt, kann auch keine für Mitmenschen empfinden,
geschweige hilfesuchenden eine Hilfe sein. Solche Menschen schwimmen im Selbstmitleid
(kenne leider auch immer mehr Christen, was mir unverständlich ist)

Die Reihenfolge: Liebe Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzer
Kraft und den Nächsten gleich wie dich, scheint mir dafür bestimmt, dass
ich mich überhaupt mit den Sorgen und Nöten meiner Nächsten auseinandersetze,
man nennt dies Empathie, Einfühlungsvermögen. 

Jesus sagte ja klar, dass das Gesetz und die Propheten erfüllt seien, wenn
man die Last des Nächsten auf sich nimmt. Dafür muss ich nicht die Probleme
meines Glaubensbruders übernehmen. 

Aber es heisst auch, wenn ein Glied - am Leibe Christi- leidet, leiden die
anderen mit. Somit ist es wichtig, das Kreuz auf sich zu nehmen, um dem anderen
Bruder so zu helfen, wie man es für sich bewerkstelligen würde. 

Tönt etwas kompliziert, zugegeben, doch ich sehe es so. Diene deinem Nächsten
liebevoll im Namen unseres Herrn Jesus Christus und dir ist auch gedient.
Dazu reicht auch mitunter ein offenes Ohr. 

Man soll nicht allzu egoistisch sein, und denken, solange es mir gut geht,
kann mir der andere gestohlen bleiben.

Liebe Grüsse, dein Bruder in Jesus

Michael K.


Hallo Michael,

das klingt mir zu sehr nach der modernen Selbstverliebtheit, humanistischer Egozentrik und dem volksleiden: "Selbstwertgefühl".
Es wäre ratsam zu untersuchen, was der Rest der Bibel dazu zu sagen hat.

Deine Behauptung:
Zitat:
"Wer keine Liebe in sich, zu sich spürt, kann auch keine für Mitmenschen empfinden, geschweige hilfesuchenden eine Hilfe sein"
Zitat ende.
ist nicht sehr klar formuliert.

Lk 14, 26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und
Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.

Joh 12, 25 Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer aber sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen
Leben bewahren.


Zur Liebe allgemein:

Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, so dass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts.3 Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts! 4 Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; 5 sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; 6 sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. 8 Die Liebe hört niemals auf.  1. Kor. 13, 1-8


1 Gibt es nun [bei euch] Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen, 2 so macht meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und auf das Eine bedacht seid. 3 Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. 4 Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen. 5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, 6 der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein;7 sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; 8 und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Phil. 2, 1-4

1Jo 4, 19 Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat

1Jo 2, 15 Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.



Ich sehe hier keine "Selbstverliebtheit", ganz im Gegenteil ein selbstloses und aufopferndes Verhalten gegenüber seinen Brüdern und dem Nächsten. Die Liebe sucht nicht das ihre, sie ist kein Selbstzweck. Eher gleicht sie einem Strahler. So wie Jesus Liebe zu uns gekommen ist, können wir, weil wir das erkannt und gespürt haben, ebenso diese Liebe weitergeben. Wir wissen, dass wir vom höchsten Herrscher geliebt werden und das diese Liebe keine Ende haben wird, warum sollte man sich da selbst lieben müssen, die Liebe Jesu kann nicht durch "eigene Liebe" ersetzt werden.

Ich denke, dass wenn wir Jesu Liebe in unseren Herzen haben, es wenig Bedarf für "Eigen-Liebe" gibt - ich sehe dazu auch beim Leben Jesus kein
Beispiel.


soli Deo gloria
Grüße
Michael/de


 

Lieber Michael / de

Ich sehe es genauso wie du!
Nur bleibt die Frage bei Luk 10.27
 

 <<dass man den Nächsten lieben soll wie sich selbst<<

Wie soll man denn den nächsten lieben? Wir haben hier einen Vergleich "wie sich selbst".
Also muss diese aufopfernde, selbstlose und demütige Liebe die man dem Nächsten entgegenbringen soll und selbst so leben soll, eben auch zu sich selbst haben, denn sonst stimmt der Vergleich nicht mehr...! Oder wie siehst du das?

Gruss
Michael / CH

 


 
 
Liebe Forumschreiber  und -leser.
 
Ich bin davon überzeugt, daß jeder Mensch sich selbst liebt, und zwar exzessiv und hartnäckig.
 
Gerade Selbstmitleid ist ein deutliches Zeichen von Selbstliebe: Man tut sich leid, weil man der Ansicht ist, etwas besseres "verdient" zu haben.
 
Minderwertigkeitsgefühle bedeuten, daß man sich selbst mehr Wert beimißt, als es die Umwelt tut. Darunter leidet man dann.
 
Selbst ein Selbstmörder haßt nicht sich selbst, sondern die Umstände in denen er sich befindet und aus denen er meint, sich befreien zu können.
 
Die ganze Selbstwert-Theologie hat den Zweck, das Ego möglichst fest auf den Thron zu setzen, auf dem es seit dem Sündenfall so gerne sitzt.
 
Mir fällt keine einzige Bibelstelle ein, aus der man die Aussage entnehmen könnte, daß es möglich wäre, daß sich ein Mensch zu wenig liebt.
 
"Liebe" (zu sich selbst und zum Nächsten) ist in diesem Gebot kein diffuses Gefühl sondern eine Art und Weise, sich zu verhalten (siehe auch das erklärende Gleichnis vom barmherzigen Samariter), verbunden mit der dahinterstehenden Motivation.
 
Martin /gmx.de
 
 

11.10.04

Ist denn die Antwort auf diese Frage wirklich so kompliziert?

 
Der Herr fragte den Gesetzgelehrten:  Was steht in dem Gesetz geschrieben?  Wie liest du?
 
In Matth. 22, 34ff  sagte der Herr, das größte und erste Gebot heißt den Herrn, deinen Gott lieben.  Das zweite Gebot heißt den Nächsten lieben wie sich selbst.  Ebenso in Markus 12. Wir müssen beachten, das ist die Forderung des Gesetzes, also die Mindestforderung! 
 
Nun sagte der Herr in Joh. 13,34:  Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.  Ist dieser Standard für uns zu hoch?  Wohl nicht, wenn die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist.  (Röm. 5,5).  Also nicht die Selbstliebe, die Selbstannahme oder die Selbstverwirklichung ist die Grundlage, sondern die Liebe Gottes im wirklich Wiedergeborenen. 
 
Mögen wir alle die Liebe Christ erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft.  (Eph. 3,19)
 
Werner Tietze
 
 11.10.04
 

Guten Morgen Michael,

ich sehe das als VERGLEICH an und nicht als Aufforderung zur egozentrischen Selbstverliebtheit. Den welcher Christ haßt
sich schon selbst.
Es steht ja nicht: Liebe deinen Nächsten und liebe dich selbst, sondern
beiläufig wird in "wie dich selbst" ein Vergleich gezogen, bzw. ein
Massstab, das die Liebe zum Nächsten nicht weniger sein soll als
die Liebe zu sich selbst.

soli Deo gloria
Grüße
Michael/de


11.10.04
Lieber Michael/de

Jesus sagte, wer sagt er liebe mich und HASST seinen Bruder, ist ein Lügner.


Wenn ich mich nicht irre, heisst das Wort im Zusammenhang mit der Nachfolge
(in bezug auf die weltliche Familie) nicht hassen, sondern geringer schätzen
 (nicht zu verwechseln mit geringschätzen) 

Doch es geht eigentlich ja mehr um die Frage, was das bedeutet....man soll
den Nächsten lieben......wie sich selbst.

Sich lieben heisst ja nicht egoistisch zu sein. Wenn ich mich liebe, unterlasse
ich alles, was mir körperlich, seelisch schaden kann. Somit beherzige ich
die Aussage von Jesus, was alles den Menschen unrein macht. Hass, Neid, Hochmut,
Lüge, Ausschweifungen...

Im übertragenen Sinn unterlasse ich also auch beim Nächsten alles, was ihm
körperlich, seelisch schaden kann, (was man sät, erntet man)  

Denn um zu Hassen, neidisch, hochmütig zu  sein, und zu lügen, bräuchte es
einen Nächsten, um vergleichen zu können....

Wiedergeborene Christen haben diesen weltlichen Schrott, der den Tempel unrein
macht zum Glück abgelegt und durch Früchte des Geistes ersetzt. 

Damit zeigen wir Liebe zum Herrn, zum Nächsten und ....weil es sich so gelassener,
aggressionsärmer, zufriedener  lebt, auch zu sich....die Liebe sich in uns
mehrt, und wir diese Liebe in uns weitergeben möchten, im Namen unseres Herrn
Jesus.

Paulus schrieb ja.....und habt ihr die Liebe nicht.....

Euer Bruder in Jesus

Michael K.