Home       Bibelkreis.ch

   

Frage: 1823

Sehr geehrter Herr,
 
wenn man Ihre Beiträge liest, dann fällt einem unweigerlich der Satz ein: "Was nicht sein darf, kann nicht sein!"
 
Alleine Ihre "Auslegung" etwa zu  Römer 9  entbehrt jeglicher Exegese. So gehen Sie etwa an diese Stelle mit dem humanistischen "egalité" heran und zitieren einen Vers ("Gott will, dass alle...") wir ein indisches Mantra, damit es ja in Ihre Lehre vom freien Willen passt. Wenn Ihre "Auslegung" stimmt, warum stellt dann Paulus die Frage in Vers 19 und warum spricht er in V22 von "Zorn". Nur weil Ihnen das humanistische Gleichheitsdenken im Wege steht brauchen Sie nicht die Schrift zu "biegen". Gehen Sie mal in die Dogmengeschichte und lesen Sie nach seit wann es die Lehre vom "freien Willen" gibt - unangenehme Parallelen zum aufkommenden Humanismus zeigen sich da.
 
Ihr "Beitrag" zum Calvinismus ist schlichtweg bösartig. Sie karrikieren ein völlig falsches Bild, welches Sie dann mit billiger Polemik und einzelnen Versen ohne Zusammenhang scheinlogisch zu widerlegen suchen.
 
Ihre Polemik zur Bundestaufe ist da nicht angebracht, denn weder Calvin noch Luther lehrten je die Errettung durch Taufe. Wenn Sie sich schon theologisch und intellektuell produzieren wollen, dann bitte redlich - heisse Luft wird schon zu viel produziert...
 
Sie plappern zwar ständig von Gnade, die betont werden müsste aber ihre Beiträge sind voller Hass und Bitterkeit. Wenn Sie sich schon als "Prophet" und Wissender sehen, gehen Sie lieber raus und verkündigen Sie Christus. 
 
Was soll dieses "pseudointellektuelle" Geblubbere"?
  
Ihr Sacha Walicord

  Zurück zu Ariel

Roemer 9-11 von Arnold Fruchtenbaum. Aus der christlichen Zeitschrift "Ariel Ministries" in deutscher Sprache.

Erhältlich beim Übersetzer Georg Hagedorn,
CMV
Postfach 300 430
D-40404 Düsseldorf
TEL.: 0049 (0) 211 4 29 98 56

h.p.wepf_______bibelkreis.ch.: 0049 (0) 211 4 29 98 53
Mailto:cmc-cmv@t-online.de
 

 

Einleitung

In einigen Bibel-Kommentaren werden die Kapitel 9-11 des Römerbriefes schlichtweg übersprungen. Diese  Kommentatoren nehmen die Aussagen Gottes über Israel nicht wörtlich und lehren, dass die Kirche das „neue Israel“ sei. Andere Ausleger nehmen diesen Abschnitt etwas ernster, beziehen sich aber nur am Rande darauf. Dennoch sind diese 3 Kapitel von vorrangiger Bedeutung. Sie bezeugen die Gerechtigkeit Gottes im Hinblick auf Seine Beziehung zum Volk Israel. In den ersten 8 Kapiteln des Römerbriefes beschäftigt Paulus sich mit der Theologie der Gerechtigkeit Gottes. Er zeigt auf, dass jeder, sei er Jude oder Nichtjude, ein Sünder ist und die Gerechtigkeit Gottes nicht erlangt. Danach wird uns vor Augen gestellt, was Gott getan hat, um dem Menschen Gerechtigkeit verleihen zu können. Am Ende von Kapitel 8, wo Paulus seine Theologie der Gerechtigkeit Gottes zusammenfasst, stellt er heraus, dass im Lichte all dessen, was Gott in der Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung für den Gläubigen getan hat, uns nichts trennen kann von der Liebe Gottes.

Im Allgemeinen widmet sich Paulus zuerst der Theologie eines bestimmten Themas und wendet sich dann der praktischen Anwendung zu. Doch im Römerbrief ist dies anders. Stattdessen schiebt er zwischen der Theologie der Gerechtigkeit Gottes in den Kapiteln 1-8 und der Anwendung der Gerechtigkeit Gottes in den Kapiteln 12-16 drei Kapitel ein, in denen er sich mit der Gerechtigkeit Gottes in Bezug auf Sein Volk Israel bezieht. Er will damit 3 Fragen beantworten: Warum werden so wenige Juden errettet, wo doch das Evangelium den Juden zuerst gelten soll? Wie können die Nicht-Juden Gott vertrauen, wenn Er doch Seine Verheißungen gegenüber Israel nicht erfüllt hat? Hat das Evangelium die Verheißungen Gottes an Israel ungültig gemacht?

I. Die Theologie der Ablehnung Israels 9,1-29

Paulus leitet das Thema der Theologie Israels ein, indem er auf seine Betrübnis hinweist. Da er einen stark jüdisch-pharisäischen Hintergrund hatte, hielt er es für notwendig, die Wahrheit durch zwei oder drei Zeugen zu bestätigen. Deshalb nennt er zwei Zeugen, die belegen, dass er über die Ablehnung des Messias durch Israel tief betrübt war. Der erste Zeuge war sein Gewissen und der Zweite der Heilige Geist. Paulus drückt in Vers 3 sein Verlangen aus: er war bereit, selbst in die Hölle oder den Feuersee zu gehen, wenn er dadurch die Errettung Israels hätte bewirken können. Dieser Wunsch galt nicht den Verlorenen im Allgemeinen, sondern im Besonderen dem jüdischen Volk, den Brüdern des Paulus nach dem Fleisch. Aber er wusste, dass dies nicht auf diesem Wege erreicht werden konnte. Er verleiht hier einfach nur einem persönlichen Verlangen Ausdruck und sein Gewissen und der Heilige Geist bezeugten hier, dass dies nicht nur leere Worte waren, sondern dass er wirklich dazu bereit gewesen wäre.

Als Nächstes (Römer 9,4-5) listet Paulus die Vorrechte auf, um zu zeigen, dass Israel den Messias hätte annehmen sollen, es aber nicht tat. Es war also ihre Schuld und nicht Gottes. Wenn sie nicht persönlich zum Glauben kämen, würden ihre Vorrechte ihnen im Hinblick auf ihre Errettung nichts nützen. Insgesamt nennt Paulus hier 8 Dinge:

„Nicht aber als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre; denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel.“ (Römer 9,6). Das griechische Wort, welches hier mit „hinfällig“ übersetzt wird, bedeutet soviel wie „herausfallen“ oder „von etwas fallen“.  Es wird in Bezug auf  verwelkende Blumen (Jakobus 1,11; 1Petrus 1,24) und für das Abweichen von einem geraden Kurs (Apg.27,17.26.29) gebraucht. Hier wird also betont, dass das Wort Gottes nicht vom geraden Kurs abgewichen oder aus dem Plan Gottes herausgefallen ist. Durch die Ablehnung Israels ist Gottes Plan nicht plötzlich zunichte gemacht worden. Dann erklärt Paulus und stellt dem, wie so oft den Partikel „Denn“ voran. Die Erklärung ist: Nicht alle, die aus Israel sind, sind Israel. Es ist wichtig, dass dieser Vers nicht missverstanden wird. Paulus unterscheidet hier nicht zwischen Israel und der Gemeinde und auch nicht zwischen Juden und Nichtjuden. Vielmehr unterscheidet er zwischen Juden, die an den messianischen Anspruch Jesu glauben und denen, die es nicht tun, oder anders gesagt, zwischen dem Überrest und dem Nicht-Überrest. Der zweite Ausdruck „sind Israel“, bezieht sich auf den gläubigen, jüdischen Überrest, also die gläubigen, natürlichen Nachkommen Israels. Der erste Ausdruck „aus Israel“ bezieht sich auf die gesamte Nation, also alle natürlichen Nachkommen Abrahams. Es gibt ein Israel, welches aus dem gesamten Volk besteht und innerhalb dieses Volkes gibt es ein geistliches Israel. Das geistliche Israel wird in der Heiligen Schrift nirgendwo mit der Gemeinde gleichgesetzt, sondern bezieht sich immer auf die gläubigen Juden innerhalb des gesamten Volkes. Dies ist eine Verfeinerung der Aussage, die Paulus in Kapitel 2,28-29 machte.

Nachdem er aufgezeigt hat, dass es zwei Israel gibt und er den Unterschied zwischen Israel als Volk im Gesamten und dem gläubigen Überrest erklärt hat, gibt uns Paulus zwei Illustrationen aus dem Alten Testament. Durch diese Veranschaulichungen in den Versen 6-13 stellt Paulus 4 Dinge heraus. Erstens, das Wort Gottes hat nicht versagt, obwohl Israel versagt hat. Der Plan Gottes wird nach wie vor vollendet und alles verläuft genau wie vorgesehen. Zweitens, die Segnungen werden nicht durch die körperliche Abstammung oder persönlichen Verdienste eines Menschen erreicht. Drittens, die Segnungen erfolgen auf Grundlage der Gnade Gottes allein durch Gottes Willen. Viertens, die körperliche Abstammung allein reicht nicht aus, um die Verheißungen in Anspruch nehmen zu können, sondern die Abstammung zusammen mit der persönlichen, geistlichen Anwendung. Paulus sagt hier nicht, dass die Verheißungen Israels weggenommen und der Gemeinde gegeben wurden. Er stellt vielmehr klar, dass diese Verheißungen immer noch dem physischen Israel gegeben werden, aber nur dem Teil des körperlichen Israels, welcher gläubig ist. Maßschlaggebend ist also nicht allein die Abstammung, sondern die Abstammung gepaart mit der persönlichen, geistlichen Anwendung.

In den Versen 14-29 erklärt Paulus die Ablehnung des Messias durch Israel im Lichte biblischer Prinzipien. Paulus stellt zwei Fragen und gibt dann jeweils die Antworten. Die erste Frage: “Ist Gott ungerecht?   Der Vers 14 beginnt mit: „Was sollen wir nun sagen?“ Immer, wenn Paulus eine Frage mit diesen Worten einleitet, ist es etwas, was er zu widerlegen versucht. Die Frage ist: „Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott?“  Ist Gott ungerecht, indem Er die jüdischen Gläubigen anstatt der ganzen Nation wählte? Ist Gott ungerecht, weil Er nur den Teil Israels wählte, der glaubte, und nicht Israel als Ganzes? Die erste Antwort ist: „Das sei ferne!“. In der zweiten Antwort zitiert er 2.Mose 33,19, wo verdeutlicht wird, dass Gott das uneingeschränkte Recht besitzt, Barmherzigkeit zu zeigen, so wie Er es will. Das Erbarmen ist nicht von dem „Wollenden“ oder dem „Laufenden“ abhängig. Mit anderen Worten, Barmherzigkeit basiert nicht auf menschlichen Werken, sondern allein auf der Gnade Gottes.  In Vers 17 ist die dritte Antwort ein Zitat aus 2.Mose 9,16. Hier stellt Paulus einige weitere Schriftstellen vor, um das freie und uneingeschränkte Handeln Gottes mit den Menschen zu belegen. An Mose sehen wir die Güte Gottes, am Pharao die Härte Gottes.

Die zweite Frage, die Paulus stellt, kommt vom menschlichen Standpunkt aus: „Du wirst nun zu mir sagen: Warum tadelt er noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden?“ (Römer 9,19). Die Frage ist: Wenn Gott Herzen verhärtet, wie kann Er sie dann beschuldigen, das getan zu haben, was Er für sie wollte? Das Wort Willen bezieht sich auf den Beschluß oder Ratschluß Gottes. Paulus beantwortet diese Frage nirgends direkt, sondern widmet sich der Herzenseinstellung, die hinter dieser Frage steht. Sie zeugt von einer völligen Missachtung der Beziehung des Geschöpfes gegenüber seinem Schöpfer, der Beziehung zwischen Mensch und Gott. Er gibt hierzu eine Illustration bezüglich des Töpfers und des Tons. Hierdurch soll der Mensch in die rechte Beziehung zu seinem Schöpfer gesetzt werden.  Wenn Gott nicht erwählt, würde niemand errettet werden: “ da ist keiner, der Gott sucht.“ (Römer 3,11). Menschen sind nicht verloren, weil sie verhärtet sind, sondern sie sind verhärtet, weil sie bereits verloren sind. Sie erlangen nicht die gerechten Maßstäbe Gottes und sie sind verloren, weil sie Sünder sind und Gott nicht suchen. Obwohl sich Paulus hier mit zwei Gruppen von Juden beschäftigt (die, die an den Messias Jesus glauben und die, welche dies nicht tun), wendet er sich nun den Nicht-juden zu, um aufzuzeigen, dass Gott auch unter ihnen einige zum Heil berufen hat (Römer 9,24). Deshalb gibt es sowohl unter Juden wie Nichtjuden Gefäße der Barmherzigkeit und Gefäße des Zorns.

 

II. Die Erklärung zur Ablehnung Israels – 9,30-10,21

In diesem Abschnitt widmet sich Paulus der Ablehnung Israels gegenüber ihrem Messias Jesus vom Standpunkt der menschlichen Verantwortlichkeit gesehen. „Was wollen wir nun sagen? Daß die Nationen, die nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, eine Gerechtigkeit aber, die aus Glauben ist. Israel aber, das einem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebte, ist nicht zum Gesetz gelangt.“ (Römer 9,30-31). Der Grund, warum sie Gottes Gerechtigkeit nicht erlangten, obwohl sie ihr nachjagten, ist, dass sie dies nicht auf Grundlage des Glaubens taten. Es war also das Vernachlässigen des Glaubens und das Beharren auf Werken, was das Problem verursachte. Warum? Weil es nicht aus Glauben, sondern aus Werken geschah. (Römer 9,32a). Ihre Einstellung, die Gerechtigkeit durch Werke erlangen zu wollen beinhaltete auch die ablehnende Einstellung gegenüber dem Messias. Errettung erfolgt durch den Glauben an den Messias ohne irgendein Dazutun. Wenn aber jemand sagt, “Ich versuche meine Errettung durch Werke zu bewirken“, lehnt er damit automatisch auch den Messias selbst ab.

Israel suchte die Gerechtigkeit durch das Gesetz zu erlangen und sie strauchelten.  Paulus zitiert hier Jesaja 8,14, was die doppelte Einstellung des „Anstoß nehmens“ und der Ablehnung ausdrückt. Das Angebot Jesu der Errettung durch alleinigen Glauben an Ihn, unter Ausschluss von Werken, erwies sich als „Stein des Anstoßes“ und „Fels des Ärgernisses“. Sie stießen sich an der Lehre der Errettung aus Gnaden durch Glauben allein und nahmen dann Anstoß daran. –In Bezug auf die Gläubigen zitiert Paulus Jesaja 28,16. Sie schämen sich dieser Lehre der Errettung aus Gnaden durch Glauben allein. Der jüdische Überrest nahm keinen Anstoß an der Person Jesu. Wiederum sehen wir, dass Paulus sich in diesen Versen nicht zwischen Israel und der Gemeinde oder zwischen Juden und Nicht-Juden unterscheidet, sondern zwischen Juden, die glaubten und Juden, die nicht glaubten, zwischen dem Überrest und dem Nicht-Überrest.

 

 

 

II. Die Erklärung für die Ablehnung Israels  Römer 9,30-10,21

Nachdem sich Paulus mit dem Anstoß beschäftigt hat, spricht er nun die Hintergründe hierzu an. ihre Unwissenheit gegenüber dem Weg der Errettung. In 10,2 bezeugt Paulus, dass das jüdische Volk für Gott eifert. Aber genau dieser Eifer ist die Ursache ihres Leidens. Das Problem liegt darin, dass ihr Eifer nicht nach der Erkenntnis ist, denn Ernsthaftigkeit allein reicht nicht aus. Ernsthaftigkeit alleine rettet niemanden. Dieser Vers wird zum Schlüssel des gesamten Kapitels. Der Schlüssel zum ersten Hauptabschnitt (Die Theologie der Ablehnung Israels) ist Römer 9,6 und der Schlüssel zum zweiten Hauptabschnitt (Die Erklärung der Ablehnung Israels) ist  Römer 10,2: „Denn ich gebe ihnen Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit rechter Erkenntnis.“ Das jüdische Volk hatte eine gewisse Erkenntnis Gottes, erkannte aber Gott im Messias nicht an, obwohl dies die Voraussetzung zur Errettung ist.

In Römer 10,3-5 stellt Paulus wiederum das Versagen Israels heraus, indem er zwischen gesetzesmäßiger Gerechtigkeit und der Gerechtigkeit des Glaubens unterscheidet. Das griechische Wort, welches in Vers 4 („denn Christus ist des Gesetzes Ende“) mit „Ende“ übersetzt wird, ist „telos“. Es bedeutet entweder „Aufhebung“ oder „Ziel“. In diesem Zusammenhang könnte Paulus jede dieser beiden Bedeutungen gemeint haben und anhand anderer Bibelstellen wird deutlich, dass tatsächlich beide zutreffend sind. Der Messias war das Ziel des Gesetzes, nämlich Menschen zum Glauben zu führen (Gal.3,10-4,7). Der Tod Jesu brachte das Gesetz zu einem Ende (Heb.7,11-18, 2.Kor.3,1-18). In der Gesamtheit gesehen, versagte Israel in beiden Fällen. Israel erkannte nicht, dass das Ziel des Gesetzes Glaube an den Messias war und dass das Gesetz ein Ende gefunden hatte. Das Gesetz wurde aufgehoben, weil der Messias  derjenige sein sollte, durch den ein Mensch Gerechtigkeit erlangt. Bis heute erkennen die Ungläubigen nicht, dass „Christus das Ende des Gesetzes ist, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“

Um das Gesagte zu belegen, zitiert Paulus in Vers 5 3.Mose 18,5, was aufzeigt, dass selbst Mose erkannte, dass es unmöglich war, das Gesetz zu halten. In diesem Abschnitt liegt der Kontrast nicht auf Gesetz und Glaube, sondern zwischen Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz hervorgeht und der Gerechtigkeit, welche aus dem Glauben entspringt. Durch das, was dem Gesetz entspringt, erlangt kein Mensch irgendeine Gerechtigkeit, weil er das Gesetz nicht vollkommen hält. Deshalb kann der Mensch nur auf Grundlage des Glaubens gerechtfertigt werden.

„Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anrufen; denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.“ (Römer 10,12-13)

In den früheren Kapiteln hat Paulus belegt, daß die Errettung im Alten Testament denen galt, die glaubten und nicht auf menschlichen Werken oder Anstrengungen beruhte. Hier erklärt Paulus, dass die Errettung allen Glaubenden gilt und sowohl Juden wie Griechen frei zur Verfügung steht. Was also den Weg der Errettung angeht, gibt es keinen Unterschied.  In Römer 3,22 stellte er heraus, dass alle Menschen, Juden und Nichtjuden, Sünder sind. Nun betont er, dass alle errettet werden können, Juden wie Nichtjuden. Der Herr der Juden ist auch Herr der Nichtjuden. Er ist der gleiche Herr. Dieser Herr ist reich an Barmherzigkeit und wendet sich gnädig jedem zu, der ihn anruft. Um dies zu belegen, zitiert Paulus Joel 2,3: „jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.“

Paulus sagt nicht, dass damit alle Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden verschwunden sind. Dies kann nicht zutreffen, weil Paulus in anderen Abschnitten deutlich auf diese Unterschiede verweist. Der Punkt, den er hier herauszustellen versucht, ist, dass es im Hinblick auf die Errettung keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden gibt. Alle werden auf die gleiche Art und Weise errettet: aus Gnade durch Glauben. Aber die Unwissenheit Israels über das allumfassende Wesen der Errettung hat zu ihrem Straucheln in Bezug auf den Glauben an den messianischen Anspruch Jesu geführt. Weil das Gesetz den Juden, nicht den Nichtjuden gegeben wurde, zog das jüdische Volk daraus irrtümlicher Weise den Schluss,  dass Gott die Juden, aber nicht die Nationen erretten wollte. Sie meinten, dass den Nichtjuden die Errettung nur dann offen stand, wenn diese sich dem Gesetz und seinen Werken unterstellen würden..  Doch die Errettung geschah niemals auf Grundlage des Gesetzes, sondern immer aus Gnade durch  Glauben. Dies gilt sowohl für Juden wie auch Nichtjuden.

In Römer 10,14-21 zeigt Paulus die Unwissenheit Israels gegenüber der allumfassenden Verkündigung des Evangeliums auf. Das Wesen der Errettung, welches er zuvor dargelegt hat, führt dazu, dass es ohne Unterschied verkündigt werden muß. Ein allgemein gültiges Evangelium ist der zwangsläufige Begleiter einer allumfassenden Errettung und dies setzt voraus, dass das Evangelium ausnahmslos allen gepredigt wird. Aber Israel lehnte diese Verkündigung ab und die Ursache für diese Ablehnung war Unwissenheit. Paulus zitiert Jesaja 52,7: „Wie lieblich sind die Füße derer, die Gutes verkündigen!“, um aufzuzeigen, dass die Botschaft zwar verkündigt, aber einfach nicht geglaubt worden war. „Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Denn Jesaja sagt: „Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?“ Dieser Abschnitt ist ein weiterer Beleg, dass Israel selbst die Schuld an seinem Straucheln trug und nicht Gott. Paulus verweist auf das Versäumnis Israels, dem Evangelium zu gehorchen. Das Wort „gehorchen“ spricht von einer „freiwilligen Unterordnung“. Sie ordneten sich also nicht aus freien Stücken den Anforderungen des Evangeliums unter. Der Abschnitt aus dem Buch Jesaja, den Paulus hier gebraucht, bezieht sich auf die Ablehnung Israels gegenüber dem messianischen Anspruch Jesu.

„Zu Israel aber sagt er: Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt zu einem ungehorsamen und widersprechenden Volk.“

Römer 10,21 zeigt, dass. Obwohl Israel Gott abgelehnt hatte, war Seine Einstellung Israel gegenüber dennoch immer noch von Liebe geprägt. Gott streckt Seine Hände weiterhin aus und wenn Israel sich Ihm zuwendet, wird Er es annehmen. Israel hat den Herrn abgelehnt, aber der Herr wartet weiterhin auf die Umkehr Israels.

III. Der Trost über Israels Ablehnung 11,1-36

In Kapitel 9 hatte Paulus gezeigt, dass Gott das Recht hat, Israel zu züchtigen, wenn dies notwendig sein sollte. In Kapitel 10 nannte Paulus die Fakten, um zu zeigen, dass diese Züchtigung tatsächlich nötig war. In Kapitel 11 verdeutlicht er nun, dass Gottes Plan Sein Ziel nicht verfehlt hat, sondern so verläuft, dass er die Errettung der Menschheit im Allgemeinen und die Errettung Israels im Besonderen zur Folge hat.

A. Die Ablehnung ist nicht völlig 11,1-10

„Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das ist ausgeschlossen! Denn auch ich bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er vorher erkannt hat.“

In diesen Versen lehrt Paulus, dass die Ablehnung Israels weder endgültig noch völlig ist, weil auch jetzt noch jüdische Menschen zur rettenden Erkenntnis des Messias Jesus kommen. Um dies zu belegen, nimmt sich Paulus selbst als Beispiel. Er sagt in Vers 2a:“ Gott hat sein Volk nicht verstoßen“. Wenn dies so wäre, hätte dies zur Folge, dass kein einziger Jude je errettet werden könnte. Die Tatsache, dass Paulus selbst gläubig war, zeigte zwei Dinge: Erstens, dass die Ablehnung Israels gegenüber dem Messias nicht völlig war. Zweitens, dass Gott im Gegenzug Sein Volk nicht abgelehnt oder verworfen hat. Ansonsten hätte Paulus nicht errettet werden können. Die Beziehung zwischen Gott und Seinem Volk wird von Vorhersehung bestimmt. In Seiner Vorhersehung wählte Gott sich Israel aus, obwohl Er bereits wusste, dass Israel den Messias ablehnen würde. Die Tatsache, dass Gott alles vorhersah und Israel dennoch erwählte, verdeutlicht, dass Er sie nicht verworfen hat.

Um aufzuzeigen, dass er mit seinem jüdischen Glauben an den Messias Jesus nicht alleine dastand, behandelt Paulus als nächstes in den Versen 2b bis 10 das Thema des Überrestes. Paulus gibt Elia als historisches Beispiel an, um aufzuzeigen, dass Gott zu jeder Zeit einen gläubigen Überrest hatte. Obwohl dieser Überrest manchmal sehr klein war (Zur Zeit Elias bestand er nur aus 7000 Männern), war er doch immer vorhanden.

„So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade entstanden.“

Indem er erklärt, dass dies durch die Erwählung aus Gnaden geschieht, nennt Paulus hier den Maßstab, durch den dieser Überrest ins Leben gerufen wird. Paulus gebraucht die griechische, abgeschlossene Zeitform, um zu zeigen, dass der Überrest in der Vergangenheit existiert und noch immer existiert.

„Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.“ (Römer 11,6)

Paulus liefert uns die Erklärung und stellt heraus, dass Werke und Gnade sich gegenseitig ausschließen. Errettung kann nicht auf Werken beruhen. Dann wäre Gnade nicht länger Gnade. Niemand, auch kein Jude kann von Gott irgendetwas einfordern. Gott errettet nur aus Gnaden durch Glauben – sowohl Juden wie Nichtjuden. In Vers 7 nennt Paulus den Unterschied zwischen den Juden, die an den Messias Jesus glauben und solchen, die dies nicht tun. Die Unterscheidung bezieht sich nicht auf Israel und die Gemeinde und auch nicht auf Juden und Nichtjuden. Obwohl Israel als Ganzes gesehen die Gerechtigkeit Gottes nicht erlangte, so gibt es innerhalb Israels dennoch einen Überrest, der sie ergriff. Dies ist der Überrest, die jüdischen Gläubigen, die das Israel Gottes darstellen.

B. Die Ablehnung ist nicht endgültig 11,11-32

Im zweiten Abschnitt von Kapitel 11 stellt Paulus heraus, dass die Ablehnung Israels gegenüber dem messianischen Anspruch Jesu nicht endgültig ist. Es wird einmal ein Tag kommen, wo die gesamte Nation Ihn als ihren Messias annehmen wird. In den Versen 11-15 nennt Paulus den Zweck, den die Ablehnung Israels gegenüber dem Messias im Gottes Heilsplan hat. Vers 11 besagt:“ Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das ist ausgeschlossen! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen.“

Wiederum stellt Paulus eine Frage, die nur zurückgewiesen werden kann.  War das Straucheln Israels, welches er in Kapitel 9,30-33 erwähnt hat, geschehen, damit Israel fallen sollte? Geschah dies, damit Gott Sein Volk verwerfen und fallen lassen konnte? Paulus bezieht sich hier auf die Mehrheit des Volkes, die strauchelte. War ihr Straucheln ein unumkehrbarer Fall? Sollte das Straucheln Israels dazu führen, dass Israel unwiederbringlich fallen und nie wieder aufstehen würde? Paulus gibt die Antwort darauf selbst: Dies mag niemals geschehen! Im Lichte der Treue Gottes ist dies unvorstellbar. Sie waren gestrauchelt, aber nicht um unwiederbringlich zu fallen. Gott nutzte das Straucheln Israels, um den Nationen das Heil zu bringen.

Dies führt uns zu einigen wichtigen Punkten. Erstens, sollen die Juden hierdurch zur Eifersucht gereizt werden ( Verse 14-16) Durch seinen Fall sollte Israel  zur Wiederherstellung geführt werden. Einer von vielen Gründen, warum Gott heute Nichtjuden errettet ist, um die Juden zur Eifersucht zu reizen. In der jüdischen Geschichte seit der Zeit Jesu sind die Nichtjuden aber eher schuldig geworden, die Juden zum Zorn zu reizen und nicht zur Eifersucht.

In Vers 15 finden wir den zweiten wichtigen Punkt: All dies wird letztlich zum Segen für Israel führen.  Paulus sagt, wenn das Straucheln und Beiseitesetzen Israels  der Welt Versöhnung brachte, wie dies in den Versen 12-14 ausgedrückt wird, dann wird die Annahme Israels nicht weniger als Leben aus den Toten bedeuten. Dies drückt die Stellung aus, mit der Gott Israel segnen möchte. Ihre Fülle bezieht sich auf Israels völlige Wiederherstellung.

Paulus gründet sich hier auf Jesaja 49,1-13, wo der Prophet das Gleiche ausdrückt: Der Messias würde zu Israel kommen; Israel würde ihn ablehnen und als Folge würde er eine Zeit lang   zum Licht der Nationen werden, aber letztendlich würde Israel zu Ihm umkehren. Paulus lehrt hier also nichts Neues, sondern zeigt nur auf, wie sich Jesaja 49 heute erfüllt.

In den Versen 16-24 gibt Paulus eine Warnung an die nicht-jüdischen Gläubigen und einen Beleg für die Wiederherstellung Israels. Er beginnt, indem er in Vers 16 zunächst das Prinzip und dann die Veranschaulichung hierzu nennt.  Die Illustration gebraucht die Begriffe Erstlingsgarben, Teig, Wurzel und Zweige. Die Erstlingsgarben und die Wurzel beziehen sich auf Abraham und den Abrahamsbund. Sie sind heilig, weil sie von Gott für Seine Ziele abgesondert und geheiligt wurden. Israel als Nation gesehen stellt die natürlichen Zweige dar. Das Prinzip, welches sich auf 4.Mose 15,17-21 gründet ist hier, dass die Heiligung der Erstlingsgarben und der Wurzel an den Teig und die Zweige weitergereicht wird. So wie die Erstlingsgarben die gesamte Ernte oder den Teig heiligen, ebenso wird auch eines Tages ganz Israel geheiligt werden. Die Erstlingsgarben beziehen sich auf die Patriarchen: Abraham, Isaak und Jakob und auf den Abrahamsbund, welcher die Grundlage für die Erwartung einer zukünftigen, nationalen Errettung Israels bildet.. Der Teig und die natürlichen Zweige beziehen sich auf das jüdische Volk. Die wilden Ölbaumzweige in Vers 17 sind die Nichtjuden oder Nationen. Paulus benutzt hier das Bild des Einpfropfens von einem wilden Ölbaumzweig in einen guten Ölbaum. Es ist ein ungewöhnlicher Prozess, aber genau dies wird hier herausgestellt. Gott handelt hier auf sehr unnatürliche Weise. Er führt Nichtjuden zum Segen und dies auf Grundlage der jüdischen Bündnisse.

Der Ölbaum in Römer 11,17 repräsentiert weder Israel noch die Gemeinde, sondern, einen Ort des Segens. Die Wurzel dieses Baumes ist der Abrahamsbund. Paulus stellt hier das Gleiche heraus, wie auch in Epheser 2,11-16 und 3,5-6. Die Nicht-Juden oder Nationen sind nun Teilhaber der jüdischen, geistlichen Segnungen geworden, wie sie im Abrahamsbund dargelegt sind. Die Nichtjuden sind nicht „Ablöser“ dieser geistlichen, jüdischen Segnungen geworden, sondern sie sind Teilhaber der Segnungen geworden, die dieser Baum repräsentiert.

Als Nächstes spricht Paulus in den Versen 18-22 eine Warnung aus: Die Grundlage, auf der die Nichtjuden gesegnet werden, ist Glaube und nicht Verdienst. Wenn die Nichtjuden am Ort der Segnung verbleiben wollen, dann müssen sie auch im Glauben verbleiben. Als Nation gesehen standen die Juden einst an diesem Ort der Segnungen, doch sie wurden aufgrund ihres Unglaubens herausgebrochen.  Nun finden sich die Nichtjuden an diesem Ort der Segnung wieder, aber wenn sie nicht im Glauben bleiben, werden auch sie wieder herausgebrochen.

„Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird; und so wird ganz Israel errettet werden.“(Römer 11,25-26a)

Die Tatsache, dass jüdische Menschen zum rettenden Glauben kommen, belegt, dass die Verhärtung nur teilweise erfolgt ist. Das griechische Wort, welches manchmal mit „Fülle“ übersetzt wird, bedeutet „Vollzahl“. In anderen Worten, Gott hat eine Zahl von Nichtjuden festgelegt, die zur Gemeinde, dem Leib Christi gehören sollen.  hat die Anzahl von Nichtjuden festgelegt, die an den Ort der Segnung – dem Ölbaum aus den Versen 14-24- gelangen. Wenn diese Zahl erreicht ist, wird der Leib Christi vollständig sein und durch die Entrückung von dieser Erde weggenommen werden. Nachdem also die Vollzahl der Nationen eingegangen ist, wird ganz Israel errettet werden. Obwohl es auch in diesem Zeitalter einen jüdischen Überrest gibt, der zum Glauben kommt, sammelt Gott auch unter den Nationen ein Volk zu Seinem Namen (Apg.15,14).

Wenn Paulus von „ganz Israel“ spricht, meint er damit alle Juden, die zu diesem Zeitpunkt leben und nicht alle Juden, die jemals gelebt haben. In manchen Kreisen wird der Vers 26 fälschlicherweise dahingehend ausgelegt, dass Mission und Evangelisation unter Juden unnötig seien, da Gott ohnehin eines Tages ganz Israel erretten würde. Doch dies sagt der Vers nicht aus. Zum Beispiel spricht die Bibel davon, das „ganz Israel“ aus Ägypten auszog, was sich natürlich auf das damalig lebende jüdische Volk bezieht und nicht auf alle Juden zu allen Zeiten. So sollte auch der Vers 26 verstanden werden.

C Der Lobpreis

O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“

Paulus schließt mit einem großartigen Lobpreis, der sich auf den Reichtum der Weisheit Gottes beruft. Und wenn wir Gottes Handeln und Plan an und mit Israel wirklich verstehen und die Dinge aus Gottes Sicht schätzen lernen, werden wir mit Paulus einstimmen: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!“.