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Frage 1952


Lieber Hans-Peter,

jemand erklärte mir einmal das lutherische Abendmahl-Verständnis wie folgt:

Als der Herr Jesus das Abendmahl einsetzte, sprach er "Dies IST mein Leib." (Matth.26,26; Lukas22,19).

Er sagte nicht: "Dies ist das Symbol meines Leibes."

Da nun aber an eine Transubstantiation wie in der röm.-kath. Kirche nicht geglaubt werde, gehe man von einer "CONsubstantiation" aus, welche besagt, dass das Brot zwar tatsächlich in seiner chemischen Zusammensetzung immer Brot bleibe, jedoch in der Feier des Abendmahls der Leib Christi sei.
Und zwar, weil Christus das selbst so gesagt habe.

Gleiches gilt natürlich in Bezug auf Wein und Blut.

Wenn ich einen 10-Euro-Schein habe, dann kann ich damit Waren im Gegenwert von 10 Euro einkaufen.
Der reale Wert der Banknote beträgt aber nur wenige Pfennige.
Die Banknote besteht aus Papier und bleibt dies auch bis an ihr Verwendungsende. Trotzdem ist sie 10 Euro wert.

So müsse man das Abendmahl auch verstehen. Brot und Wein bleiben in ihrer Substanz Brot und Wein, werden aber durch Christus zu Leib und Blut Christi (und zwar weil Er das so gesagt hat).


Für mich klingt das sehr einleuchtend.

Wer kann mir da weiterhelfen, die Sache biblisch zu beurteilen?

Gruss

Eckhard Sluiter

 
In einem anderen Forum erhielt ich folgende Antworten zum Thema Abendmahlsverständnis:
 
 
 
Lieber Eckhard,
 
Ich habe ein Photo von meiner Tochter in meinem Wohnzimmer.  Wenn jemand  fragt, "wer ist das?" ich sage "das IST meine Tochter".  IST das Bild eigentlich meine Tochter? Nein, es ist eine Darstellung meiner Tochter.  Genau so ist es wenn der Herr sagt "ich bin die Tuer", "der Fels WAR Christus" usw.
 

 
Lieber Eckhard,
 
frage mal zurück wie derjenige den Satz "Hagar ist der Berg Sinai in Arabien" (Gal. 4,25) versteht.
 
Wie schon XY angedeutet hat, ist die Wortwahl des Herrn - auch im Deutschen - ein völlig normaler Sprachgebrauch, wenn man etwas bildlich ausdrücken will und das aus dem Zusammenhang auch klar wird.
 
Es ist für mich als relativ logisch veranlagtem Menschen alles andere als einleuchtend, wie man die Worte des Herrn anders interpretieren will, als dass Brot und Wein "ledigliche" Darstellungen von seinem Leib, den er dahingegeben und seinem Blut, das er vergossen hat, seien.
 
Er sprach diese Worte als er als Mensch mit seinem Leib vor den Jüngern stand.
 
Wie soll das unter den Umständen in der von Dir zitierten Weise verstanden werden können?
 
Das Beispiel mit dem Geldschein macht mir die Sache auch nicht erklärlicher.
 
Aber wenn sich einer auf diese Auffassung festlegt: Siehe das Ergebnis der Marburger Gespräche zwischen Luther und Zwingli.
 
Gruß

Lieber Eckhard,
 
ich habe eine weitere Frage:
 
Wie verstehst Du dann die folgende Stelle, wenn der Herr wirklich in den von Dir zitierten Stellen das Brot und den Wein nicht als Sinnbild gemeint hat?
 
Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot. (1.Kor. 10v16+17)
 
Mir kommt es vor allem auf den Vers 17 an. Wie passt es zu der von Dir gemachten (oder von Dir weiter-/wiedergegebenen) Aussage, dass nun auch wir, die Gläubigen, ein Brot sind?
 
Gruß in IHM

Hallo,
also so eindeutig finde ich die Sache nicht. Es gibt ja seit jeher zwei unterschiedliche Auffassungen von diesen Worten in der Christenheit: die sakramentale (zu der auch Luther gehört) und die nicht sakramentale. Und auf beiden Seiten gibt es kluge und weise Christen, die mit guten Gründen ihre Sicht darlegen. Von daher ist die Frage ja immer wieder aktuell und berechtigt und beileibe nicht einfach zu beantworten im Sinne von: so ist es und nicht anders.
Die nichtsakramentale Sicht haben XY und YX ja dargelegt. Ich will mal versuchen, die sakramentale Sichtweise etwas zu erläutern.
 
XY hat das "Bild vom Bild" aufgegriffen und einleuchtend gesagt, dass niemand auf die Idee käme zu glauben, das die auf dem Bild dargestellte Person die Person selbst wäre, obwohl man (sprachlich ungenau) sagt: Das ist der und der. Das trifft sicherlich auf viele (wenn nicht die meisten) Bilder zu, die wir so um uns herum sehen. Aber nicht auf alle. Nehmen wir mal an, es handelt sich bei XYs Beispiel um ein Ölgemälde, ein Selbstporträt der Tochter. Auch dieses Bild stellt die junge Frau dar. Aber es ist viel mehr als nur eine Abbildung. Zum einen stellt das Bild ja die Frau so dar, wie sie sich selbst sieht. Das kann von der rein optischen Ansicht stark abweichen (je nach künstlerischen Stilmitteln kann es sogar schwierig sein, die Frau zu erkennen), aber es stellt die Tochter dar. Zum zweiten ist dieses Bild einmalig, kann von niemandem sonst angefertigt werden als von ihr selbst. Jeder Pinselstrich, die Farbwahl, der Aufbau des Bildes, das Format stammen von ihr. Ihre persönlichen Merkmale ("malerische Begabung") sind diesem Bild zu eigen. Dieses Bild wäre "ein Stück von ihr", wie man auch umgangssprachlich sagt. Und wenn der Vater das Bild betrachtet (vor allem, wenn er die Tochter lange nicht gesehen hat), dann "erkennt" er
im tiefen Wortsinn darin seine Tochter. Er sieht nicht nur ein Abbild von ihr, sondern sie selbst begegnet ihm darin. Ein gewöhnliches Foto wäre austauschbar, wenn es vergilbt ist, nimmt man einen neuen Abzug oder ein anderes Foto. Ein solches Bild ist einmalig und unersetzlich.
Bild ist also nicht gleich Bild: es geht um das Wesen der Dinge. Und darin liegt m. E. auch der Unterschied zwischen sakramentalem und nichtsakramentalem Verständnis des Abendmahls. Es liegt ihnen ein anderes Verständnis des Wesens der Dinge und Handlungen zu Grunde. Auf das Abendmahl bezogen heißt das, dass Brot und Wein nicht nur Symbole sind, die uns an das Leiden, Tod und Auferstehung Jesu erinnern helfen, sondern dass in diesen Zeichen die ganze Person Jesu selbst gegenwärtig ist, ähnlich wie die Tochter in dem Ölgemälde als Person präsent ist.
 
Vielleicht wird so das Problem und die unterschiedlichen Auffassungen etwas verständlicher. Letztlich muss jeder selbst im Gebet für sich herausfinden, welche Sicht "die Richtige" ist. Man sollte nur nicht zu vorschnell buchstäblich an der Oberfläche der Dinge stehenbleiben (das soll jetzt keine Kritik sein an den Geschwistern, die eine nichtsakramentale Sicht des Abendmahls vertreten, sondern die Aufforderung, sich selbst intensiv mit diesen Dingen vorurteilsfrei zu befassen).


Ich verstehe nicht ganz das Problem bei V. 17: "Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot." Das die Gemeinde ein Leib ist, sagt Paulus ja auch an anderer Stelle (1 Kor 12,27 oder Eph 4,4). V. 16 spricht m. E. ganz deutlich für ein sakramentales Abendmahlsverständnis bei Paulus. Brot und Wein sind eben keine Symbole, sondern "sind" Jesus Christus selbst in dem von mir im anderen Beitrag beschriebenen Sinn. Und indem wir das Abendmahl feiern, haben wir Gemeinschaft mit der real gegenwärtigen Person Jesus Christus (und erinnern uns nicht bloß an ihn). Und "ein Brot" sind wir in dem Sinn, dass wir alle Glieder an dem einen Leib Christi sind. Denk z.B. an Mt 25,40: "Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan."
 
Einen, wie ich finde, ganz guten Gedanken habe ich von C. Eichhorn auf den Seiten von clv gefunden (https://clv.de/_old/andachten/v05439.htm):
 
C.Eichhorn Das heilige Mahl, eine Stärkung im Kampf und auf der Wanderung durch die Wüste dieser Welt

Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? 1. Kor. 10, 16

Wie schon der Name sagt, bietet das heilige Mahl eine Stärkung. Wir empfangen in ihm wirklichen Anteil am verklärten Leben Jesu. Der Apostel vergleicht es mit der Speisung und Tränkung Israels in der Wüste. Schon damals war es eine "geistliche" Speise und ein "geistlicher" Trank. Das Manna und das Wasser aus dem Felsen waren nicht durch natürliche Ursachen entstanden, sondern sie waren wunderbar gewirkt durch Gottes Geist. Jetzt im heiligen Mahl handelt es sich erst recht um eine wunderbare Geistesgabe. Der Leib Jesu ist ins Geisteswesen übergeführt. Aber nur für den Genuß hat und gibt Brot und Wein Anteil an Christi Leib und Blut. Brot und Wein werden nicht verwandelt, wie die römische Kirche lehrt. Oder ist dieses Mahl vielleicht doch nur ein Gedächtnismahl? Sagt Jesus nicht selbst: Dies tut zu meinem Gedächtnis!? Gewiß sollen wir bei dieser Feier seiner gedenken und vor allem sein Leiden und Sterben uns vergegenwärtigen. Das heilige Abendmahl ist eine tatsächliche Verkündigung des Todes des Herrn. Wir bekennen uns zu ihm, der für uns seinen Leib dahingegeben und sein Blut vergossen hat. Aber es ist nicht nur ein Gedächtnismahl. Der Heiland bewirtet uns tatsächlich, wir sitzen an seinem Tische. Er spendet uns die Kräfte seines verklärten Lebens. Dies Mahl kommt vor allem unserer leiblich-seelischen Natur zugute, die die Unterlage unseres geistigen und persönlichen Lebens bildet. Es beeinflußt unser innerstes Sein und Wesen, in dem unser Streben und Trachten, unsere ganze Sinnesrichtung wurzelt, und nach dem sie sich gestaltet (vgl. Röm. 8, 5). Der Empfang der verklärten Leiblichkeit Jesu legt auch den Grund zu unserer einstigen Verklärung. - Ebenso wie durch den gläubigen Empfang des heiligen Mahles Segenskräfte in unsern Lebensgrund einströmen, so können durch unwürdigen Genuß auch Todeswirkungen entstehen. Solche, die dieses Mahl würdelos genießen, versündigen sich am Leib und Blut des Herrn und essen und trinken sich ein Gericht, indem sie nicht ehrfurchtsvoll den Leib des Herrn von gewöhnlicher Speise unterscheiden. Nicht, daß solche darum ewig verdammt wären. Sie kommen infolge ihrer Leichtfertigkeit unter die richtende, züchtigende Hand des Herrn, doch nur, um vor dem schrecklichen Schicksal der ewigen Verdammnis bewahrt zu werden.
 
 Ich teile nicht alle diese Aussagen, aber sie drücken ein deutlich sakramentales Abendmahlsverständnis aus.
 
Um auf die Textstelle noch einmal zurückzukommen: Das Abendmahl schafft Gemeinschaft, es entfaltet eine geistliche Wirkung, nicht durch menschliches Tun (wie es bei einer Gedächtnisfeier der Fall wäre), sondern Jesus Christus selbst ist der Handelnde bei diesem Geschehen. Wir nehmen nur teil.
Viele Grüße
[Annmerkung: Textzitat C. Eichhorn im Original-Thread nicht so ausführlich, Eckhard]


> Ich verstehe nicht ganz das Problem bei V. 17: "Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot." Ich habe gar nicht gesagt, dass ich ein >Problem habe, ich wollte nur wissen, wie im Zusammenhang mit den gemachten Aussagen diese Stelle zu verstehen ist.
 
Dazu hast Du ja nun Deine Sichtweise dargelegt. Dazu habe ich dann gleich mal eine weitere Frage:
> V. 16 spricht m. E. ganz deutlich für ein sakramentales Abendmahlsverständnis bei Paulus. Brot und Wein sind eben  keine Symbole, sondern "sind" Jesus Christus selbst in dem >von mir im  anderen Beitrag beschriebenen Sinn. Und indem wir das Abendmahl feiern, haben wir Gemeinschaft mit der real gegenwärtigen Person Jesus Christus (und erinnern >uns nicht bloß an ihn). Und "ein Brot" sind wir in dem Sinn, dass wir alle Glieder an dem einen Leib Christi sind.

Woraus entnimmst Du, dass Vers 16 wortwörtlich zu verstehen ist, Vers 17 hingegen nur noch bildlich?
 
Dann noch etwas zu dem von Dir zitierten Buchauszug:
Woher kommt die (hoffentlich biblisch begründete) Aussage, dass das Abendmahl zur Stärkung der Gläubigen, die daran teilnehmen, dient?
 
Gruß in IHM
 
 


soweit die Antworten der anderen.
 
viele Grüße
 
Eckhard Sluiter