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Frage 1968   ==> 1351 Gemeinde und Antichrist

Diskussionsgedanken zur sogenannten Vorentrückungslehre mit Schwergewicht auf die Auslegung von 2. Thes. 1-8


 

 

Nachdem immer wieder irgendwie der Streitpunkt „Grosse Trübsal vor oder nach der Entrückung?“ zur Diskussion steht, hier ein paar Gedanken dazu. Aber um es gleich vorweg zu nehmen, auch wenn wir vor der grossen Trübsal bewahrt werden, so bedeutet das nicht, dass wir  ein „unbeschwertes“ Christenleben führen würden. Die Geschichte hat es immer wieder gezeigt, wie zu allen Zeiten die Gläubigen auf furchtbarste verfolgt und getötet wurden und viel „Trübsal“ erlebten (Apg14.22u.a.), dieses hatte Jesus jedoch bereits seinen Jünger vorhergesagt. Diese „Trübsale“ müssen jedoch von der „grossen Trübsal“ ganz klar unterschieden werden. Gewisse Bibelausleger unterscheiden allerdings die 7-Jahrtrübsal mit 3 1/2 Jahre „Trübsal“ und anschliessend 3 1/2 Jahre „Grosse Trübsal“)

 

Hier folgt nun:

 

·       eine mögliche Reihenfolge der verschiedenen Auferstehungen

·       die Anwesenheit und Erscheinung des Herrn Jesus Christus als zwei verschiedene Ereignisse zu verschiedenen Zeitpunkten

·       eine biblische Begründung anhand 2.Thes 2.1-8, weshalb der Zeitpunkt der Entrückung VOR der grossen Trübsal stattfindet


 

Zuerst aber eine grundlegende Frage:

I.                    Können und dürfen wir den Zeitpunkt der Entrückung und der Zeitpunkt der grossen Trübsal überhaupt bestimmen?

 

Um diese Frage zu beantworten möchte ich zwei grundsätzliche Dinge vorausschicken:

A,        Die eine uns allen bekannte Seite lautet:

 

„Euch ist es nicht gegeben, Zeit und Stunde zu wissen“.

Das gleiche gilt für Engel und sogar für den Sohn, als er noch in Niedrigkeit auf Erden war. (Mk., 13, 32 und Apg. 1.7)

B,        Die andere Seite besteht genau im Gegensatz dazu:

 

„Da wir die Zeit erkennen, dass die Stunde schon da ist.“ (Röm13.11-12)

„Kindlein, es ist die letzte Stunde, daß der Antichrist kommt.““(1.Joh. 2.18f)

„Der heilige Geist wird Euch die kommenden Dinge verkündigen.“ (Joh.16.13)

Joh.13.1: „Vater, die Stunde ist gekommen! „, konnte schon Jesus sagen, als sie für Ihn gekommen war.

 

Die Lösung dieser zwei „Gegensätze“ liegt darin, dass beide Seiten zwar ihre bestimmten Zeiten haben, nur die eine können wir wissen und die andere nicht.

 

Für Punkt  A  gelten nach Dan. 12, 4-10 bis zur Zeit des Endes; diejenigen unter B während der Zeit des Endes, in die wir seit der Gründung des Staates Israel (1948) eingetreten sein dürften. (Mat24.32+33)

 

Weiter ist zu beachten:

Die Bibel gibt immer wieder Beispiele in denen Propheten zu allen Zeiten Geschehnisse vorher sagten und zugleich die Zeichen erwähnten, die diese Dinge einläuteten.  Jesus spricht von „Zeichen der Zeit“ (Mt16.3) die wir erkennen sollen. Er nimmt auch das Beispiel einer schwangeren Frau die vor der Geburt des Kindes Wehen (Mark13.8) hat und diese Wehen immer mehr und heftiger zunehmen. Die Wehen sind eindeutige und klare Zeichen, dass es nicht mehr lange bis zur Geburt des Kindes dauert. Weiter empfehle ich unbedingt einmal die Kapitel 24 & 25 des Matthäus-Evangelium (auch Mk13 & Lk21) zu lesen, wobei bei diesen beiden Kapitel ganz klar von verschiedenen „Wiederkünften“ Jesu die Rede ist. Und hier bin ich schon bei meinem „Lieblingsthema“ nämlich „klare Begriffe“! Wer die beiden Begriffe:

 

                            „parousia“ (=Anwesenheit) und

                            „epiphaneia“ (= Erscheinung oder  Aufscheinen)

 

unseres HERRN Jesus nicht unterscheidet, wird immer ein Durcheinander der Zeitpunkte haben und auch den Zeitpunkt der grossen Trübsal fälschlicher Weise vor  die Entrückung legen.

Was wir schon als Kinder kennen lernten ist sicher der Adventkranz vor Weihnachten. Früher hatte der Kranz noch vier Kerzen, doch heute ist das für viele nicht mehr so entscheidend. Nun was bedeutet „Advent“? – Ganz einfach „Ankunft“. Jede Kerze soll uns an eine der 4 „Advente“ unseres HERRN erinnern. (Grundsätzlich halte ich nicht viel von christlichen Traditionen und Gebräuchen wie Adventkränze, Tannenbäume, Osterhase und dergleichen, aber es kann auch mal interessant sein, zu sehen woher diese Bräuche stammen!) Also vier Ankünfte (Advente) werden seit Hunderten von Jahren gefeiert. Gehen wir der Reihe nach durch:

 

1. Advent           = Die Geburt Jesu (Lk2) (Vergangenheit)

33 Jahre später Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (Joh20.1-10; Apg1.9-11) ER als „Erstling der Auferstehung“ (1.Kor15.20)

Jesus spricht: „Ich, ich bin die Auferstehung und das Leben!“ (Joh11.25)

2. Advent           = Die Entrückung (1Thes4.14-17; Phil1.6; Gal6.15 u.a.) vor der grossen Trübsal! Jesus erscheint nur im Lufthimmel (!!) und die Gläubige werden zu IHM entrückt. Die Welt sieht Jesus nicht!! Nur die Gläubigen werden IHN sehen!

Auferstehung und Entrückung (Himmelfahrt) der Gläubigen die im Glauben an Jesus Entschlafen (Gestorben) sind und die noch leben und an IHN glauben

 

1.Thess 4,13-18 Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, wird auch Gott ebenso die Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen.

15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die ‹noch›  Leben, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.

16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei ‹dem Schall› der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;

17 danach werden wir, die ‹noch›  Leben, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

18 So ermuntert nun einander mit diesen Worten!

Wir als „Auferstehung der Erstlinge“, die „Auferstehung der Gerechten“ (Luk14.14) (1.Kor15.20)

 

Während den 7 jährigen grossen Trübsal geschehen weitere Auferstehungen:

Off6.9ff               Märtyrer die sich während der grossen Trübsal zum Wort Gottes und zu Gott bekennen. (Vergleiche dazu Off7.9 mit 7.13-17).

Off11.3-13           Die „Zwei Zeugen“ (Mose und Elia).

Off12.5                Der „einen Sohn, einen Männlichen“ zum Thron entrückt.

 

3. Advent           = Jesus kommt nach 7 Jahren (grosse Trübsal) zu Israel. (Mt24.30) ER (setzt seinen Füsse auf den Oelberg und greift in die Schlacht Harmagedon ein (Off16.16; 19.19; Jud14+15; Mat25.31; 16.27). ER kommt mit zehntausenden von Heiligen und wird Israel befreien und Völkergericht haltenDie Welt sieht Jesus!! (Mat24.29-31; Mark13.24-27; Luk21.25-28) [1]

 

4. Advent           = Jesus kommt mit Gott dem Vater auf eine neu geschaffenen Himmel und eine neue Erde (2.Petr3.13; Off21.1+27) in die neue Stadt Jerusalem (die Stadt Gottes) (Off21.2-3). „SIEHE ICH MACHE ALLES NEU“ (Off21.5)!!!

 

Paulus fasst dies Ereignisse  im 1. Kor 15 wunderbar zusammen:

1.Kor 15,21-25 denn da ja durch einen Menschen ‹der› Tod ‹kam›, so auch durch einen Menschen (Jesus) ‹die› Auferstehung ‹der› Toten.

22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.

23 Jeder aber in seiner eigenen Einordnung: ‹der› Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Anwesenheit (parousia)

24 dann die Vollendung, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt; wenn er alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht weggetan hat.

25 Denn er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.

 

 

Es gibt prophetische Vorhersagen, die wir von der Zeit her (Tag und Stunde = Datum) nicht wissen können, jedoch die chronologische (zeitliche Reihenfolge) und die prophetische Deutung des Wortes Gottes ermöglicht es uns dennoch ein gewisses Zeitsegment zu bestimmen. Denn die Apostel besassen das „Prophetische Wort“ (= heute die Bibel) (2.Petr 1.19+20)

19 Und so besitzen wir (Petrus&Co.) das prophetische Wort ‹um so› fester, und ihr (durch das Wort gezeugte Gläubige 1.petr1.23) tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, 20 indem ihr dies zuerst wißt, daß keine Prophetie der Schrift aus eigener Deutung geschieht.

21 Denn niemals wurde eine Prophetie durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist.

 

Im AT wie im NT können ganz „alltägliche“ Situationen und Geschichten einen prophetischen Inhalt haben. Als nur ein paar Beispiele aus vielen seien hier die Geschichten von Joseph, Abraham, David, Hiob, Jona erwähnt deren Leben zugleich auch Prophetie auf Jesu Leben waren und uns Prophetie sein können um Ereignisse in ihrer Chronologie zu sehen und zu verstehen:

 

Hier kurz für jene Christen die vielleicht so was zum erstenmal hören ein paar, einfache Beispiele:


Joseph der von Juda und seinen Brüder verkauft wurde.

= Prophetie =

Jesus der von Judas und den 12 Stämmen verraten und verkauft wurde. (Juda ist hebr. Judas ist griech.)


Abraham der seinen Sohn Isaak opferte.

= Prophetie =

Gott der Vater der seinen einzigen Sohn Jesus als Opfer für die Welt gab. (Abram bedeutet „Vater von oben“, Abraham bedeutet „Vater vieler Völker“. Wer ist den der rechte „Vater von oben“ und der wahre „Vater vieler Völker“. Gott natürlich!)


Hiob der alles hatte und alles verlor und „unschuldig“ Leiden musste.

= Prophetie =

Jesus der alles (Herrlichkeit im Himmel) hatte und alles aufgab und Knechtsgestallt annahm. (Jes.53, Phil2.6+7 u.a. 2Kor8+9). Jesus, der einzige unschuldige der für die Schuld aller Menschen lit.


Jona der 3 Tage im Fischbauch war und nachher wieder lebte.

= Prophetie =

Jesus der 3 Tage im Grab war und nachher auferstand. (Mt12.40)


David der „gute Hirte“, David der viele Psalmen dichtete, David, „der Mann nach dem Herzen Gottes“,  u.a.

= Prophetie =

Jesus der wahre „gute Hirte“ der sein Leben für die Schafe gib (Joh10.11). Psalmen wie z. Bsp. der Psalm22 vom „Leidenden Gottesknecht“ welches Jesus ist. David dichtet in der Ichform: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen“. Jesus betet diesen Psalm am Kreuz auch in der Ichform und bezieht diese Leiden auf sich. Die Psalmen sind vollgespickt von Prophetie! Jesus, der wahre „Mann nach dem Herzen Gottes“! (Mt3.17;  17.5 u.a)


Natürlich könnte man darüber Bücherschreiben. Alleine schon über die verschiedenen Kleider des Josephs.

 

Aber zurück zu unserer Frage der Entrückungszeit und deren Abfolge.

 

In Israel war es Brauch beim säen ein kreisartiges Feld anzulegen. Der Weizen wurde zuerst gesät (in die Mitte), später die Gerste ringsherum. Der einfache Grund war dieser, das die Gerste vor dem Weizen reif ist und zuerst geerntet wird. Wer nur einwenig von biblischer Prophetie versteht weiss, dass Gerste=Nationen und Weizen=Israel darstellen. Israel wurde zuerst auserwählt (gesät) die Nationen später. Israel (als Volk)  wird erst den Erlöser Jesus erkennen, wenn die „Vervollständigung der Nationen hineinkomme“ ist (Röm11.25). Man untersuche in diesem Zusammenhang alle Bibelstellen des AT die von „Gerstenernte“ und „Weizenernte“ sprechen. . Hier erklärt sich fast von selbst das, sonst schwierige Wort unseres HErrn, wenn er sagt: „Die Ersten werden die Letzen sein!“

Man vergleiche dazu Stellen im NT die Begriffe wie „Sichel“ und „Ernte“ beinhalten.

Israel wird in der 7-Jahrstrübsal leider den Anti-Christus als den Christus anerkennen. („Anti-Christus“ bedeutet nicht nur „gegen“, sondern auch „anstelle“ von „Christus“).

Hier sei nur am Rande erwähnt, dass mir vor noch nicht zu langer Zeit ein moslemischer Geschäftsmann erklärte, dass ihr nächstes grosses Ereignis,  welches die Mohammedaner erwarten die Wiederkunft von Jesus sei. Jesus hätte seinen Auftrag vor 2000 Jahren nicht vollenden können, da die Juden ihn daran gehindert hätten, aber nun wird er bald wiederkommen und das „Gottesreich“ hier auf Erden aufrichten und vollenden und die ganze Welt werde Frieden haben.  (!) Noch Fragen??

 

Für Israel gelten andere Bedingungen als für die Gemeinde Christi! In dieser Schau bekommt z.B. das Gleichnis von den 10 Jungfrauen auch eine ganz andere Dimension. Wer den Kontext von Mt 24+25 beachtet darf in Mt25.1 das Wort „DANN“ und in V14 „DENN“ nicht unterschlagen und muss beachten auf was Jesus hinaus will V31ff. Es handelt sich hier um das Völkergericht und nicht um die Entrückung der Gemeinde Christi, wo dann noch anscheinen einige „törichte“ zurückgelassen würden denen es dann eben nicht ganz gereicht hat, weil sie zuwenig Oel dabei hatten!! Nein, es handelt sich bei den „klugen Jungfrauen“ um die Vorauswahl von Juden die bereits jetzt schon an Jesus glauben. Man kann hier anderer Meinung sein, möchte aber bitten diese Variante der Auslegung zu prüfen, denn die Gläubigen in Christus kommen nicht in das Endgericht oder Völkergericht (Joh3.18,36; 5.24-25 u.a.) Wer im Buch des Lebens steht wird nicht gerichtet (Off20.11-15) aber er kommt in die neue Stadt Jerusalem welche im Himmel ist und auf der neuen Erde ihren Platz haben wird (Off21.27).

 

 

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema und befassen wir uns mit dem „Zeitpunkt“ der Entrückung:

 

II.                  Unterscheidung der zwei Begriffe „parousia“ und „epiphaneia“

 

Wie oben bereits erwähnt sind klare Begriffe wichtig um klares Verständnis für biblische Informationen zu erhalten.

Vielleicht denkt jetzt jemand, für was diese ganze Diskussion um diese Wiederkunft Jesu? Nun kennst du sicher die Geschichte mir der Kreuzigung Jesu. Diese Thematik wird rund 60 x im NT erwähnt und von den Schreiber behandelt. Das Thema der Wiederkunft Jesu wird aber im Vergleich rund 300 x im NT zur Sprache gebracht. Also wenn jemand 1 x das Thema Kreuz erwähnt „müsste“ er zugleich 5 x das Thema Wiederkunft auch erwähnen.

 

 

Hauptbegriffen die im Zusammenhang mit der Wiederkunft Jesu gebraucht  werden

 

parousia = Anwesenheit[2]

 

Auflistung aller Bibelstellen in denen der Begriff parousia im NT vorkommt. In Klammern (...) stehenden Bibelverse beziehen sich auf parousia von Menschen:

 

·       Mt24.3+27+37+39

·       1Kor15.23; (16.17)

·       2Kor7.6+7; (10.10)

·       (Phi1.26; 2.12)

·       1Thes2.19; 3.13; 4.15; 5.23

·       2Thes2.1+(8?+9?)*

·       Jak5.7+8

·       2Pet1.16; 3.4+12

·       1Joh2.28;

·       siehe unter II.

 

epiphaneia = Erscheinung oder  Aufscheinen

 

Auflistung aller Bibelstellen in denen der Begriffe epiphaneia unseres HERRN im NT vorkommt. Dieser Begriff wird nur von Paulus gebraucht und bezieht sich auf die Wiederkunft,  bzw. das Sichtbarwerden, die Erscheinung des HERRN in Herrlichkeit[3]:

 

·       2Thes2.8

·       1Tim6.14

·       2Tim(1.10); 4.1+8

·       Tit2.13

III.                Nur eine gemeinsame Erwähnung der Begriffe „parousia“ und „epiphaneia“ im NT!

 

Beim Vergleich dieser Bibelstellen fällt auf, dass im ganzen NT nur in einem Brief beide Begriffe zusammen vorkommen aber nur in einem Vers (V8) zusammen erwähnt werden:

2.Thes2.1+8+9

1 Wir bitten euch aber, Brüder, im Blick auf die Anwesenheit (parousia ) unseres Herrn Jesus Christus und unserer Zusammenführung zu ihm, ...

8 Und dann wird der Gesetzlose geoffenbart (w. enthüllt) werden, den der Herr Jesus beseitigen wird mit dem Geist seines Mundes und unwirksam wird dem Aufscheinen (epiphaneia) seiner Anwesenheit (parousia), 9 dessen Anwesenheit (parousia) gemäß der Wirksamkeit des Satans ist mit aller Machttat und mit pseudo Zeichen und Wundern.

1.        In Vers 1 spricht Paulus eindeutig von der Anwesenheit (parousia ) unseres Herrn Jesus Christus. Und von einer Zusammenführung zu ihm. Hier kann man sich bereitst fragen, ob Paulus damit zwei verschiedene Ereignisse meinen könnte.

2.        In Vers 9 spricht Paulus eindeutig von der Anwesenheit (parousia ) des Gesetzlosen, aber wessen Anwesenheit meint er in Vers 8?

3.        Wie die Verse 1Kor16.17; 2Kor10.10; Phi2.12 zeigen kann der Begriff parousia auch auf Menschen bezogen werden und wird nicht zwingend nur im Bezug auf die Person Jesu eingesetzt.

4.        Wenn sich der Begriff parousia  in Vers 8+9 beide mal auf  den  Gesetzlosen beziehen würde (und dies lässt der Text je nach Bibelübersetzung offen), dann würden im ganzen NT die Begriffe parousia und epiphaneia  im Bezug auf den HERRN Jesus Christus immer getrennt gebraucht! Somit dürfte man auch daraus schliessen, dass es sich um zwei unterschiedliche Zeitpunkte des Eintreffens dieser Ereignisse handeln dürfte.

 

Diese Feststellung wirft natürlich ein ganz neues Licht auf die vielen anderen Bibelauslegungen zu diesem Thema. Ich will nun versuchen anhand anderer Bibelstellen diese Unterschiede der Zeitpunkte beider Ereignisse zu verstärken und zu untermauern.

 

IV.              Ist der Gesetzlose aus 2. Thes2. 8+9 der Antichrist? Wenn ja, muss die Entrückung vor der grossen Trübsal stattfinden

 

Es empfiehlt sich zuerst 2.Thes2.1-12 zu lesen. Die Merkmale die hier im Bezug auf den Gesetzlosen aufgezählt werden geben uns einige Hinweise um diese Person besser zu orten. Paulus zählt folgende Ereignisse und Eigenschaften des Gesetzlosen auf:

 

1.        Er muss seinen Auftritt vor dem Tag des Herrn (Gerichtszeit) haben (V1)

2.        Er ist der Mensch der Gesetzlosigkeit und der Sohn des Verderbens (V3)

3.        Er setzt sich in den Tempel, überhebt sich über Gott und gibt sich als Gott aus (V4)

4.        Er wird zurückgehalten aber zu seiner Frist offenbar gemacht (w. enthüllt werden)

5.        Die Vorschatten seiner Gesetzlosigkeit wirken bereits schon als Geheimnis und der Zurückhaltende muss aus der Mitte getan werden (V7)

6.        Er muss offenbar (w. enthüllt) werden und wird durch den Geist aus Jesu Mund beseitigt (V8)

7.        Er wirkt mit satanischer Machttat pseudo Zeichen und Wunder (V9)

8.        Er täuscht mit aller Ungerechtigkeit diejenigen, die verloren gehen, weil sie die Liebe der Wahrheit nicht empfingen um gerettet zu werden (V10)

 

Vergleichen wir nun diese Ereignisse und Eigenschaften mit ähnlichen biblischen Erwähnungen, so stellen wir  der Reihe nach fest:

 

1.        Der Begriff  Tag des Herrn in Vers 1, griech. kyriakos: zu einem Herrn o. Herrscher gehörig,  hemera; Tag; im Ggs. zur Nacht, Tag als Zeiteinheit o. als Bezeichnung für eine längere Zeitspanne. Der Begriff ‘Herrn gehörenden Tag’ a.Ü: Tag des Herrn’ wird im AT + NT im Zusammenhang mit Gericht, Zorn und Rache gebraucht. vergl: Jes13.6ff+9; Jer46.10; Jes2.12; Hes13.5; 30.3; Oba15; Joe1.1ff+15; 2.1+11; 3.4; 4.14; Amo5.18; Zep1.7; 1.14ff; Mal3.23; Apg2.20; 1Thes5.2; 2Thes2.2f; 2Pet3.10f; Off1.10, vergl. dazu auch Off1.14 mit Off19.12. Tag des Herrn darf also nicht mit „Sonntag“ übersetzt werden. „Hoffnung für Alle“, „Gute Nachricht“, „Neue Genfer Übersetzung“ u.a. übersetzen Off1.10 u.a. Stellen somit nicht korrekt!. Denn den Begriff „Sonntag“ kennt das NT nicht direkt, sie braucht dafür die Worte „am ersten Tag der Woche“, und den Sabbat als „siebenten Tag der Woche“. Vergl. Joh20.19; Apg20.7 u.a. Zu beachten ist dass z. Bsp. in Off1 Johannes im Geist war  i n  d e m  T a g   d e s  H e r r n! Die griech. Präposition en  kann nämlich mit in übersetzt werden. Dass Johannes sich in Off1 in einem Gerichtstag befand beweist seine Beschreibung des Sohnes Gottes als einer mit Augen wie Feuerflammen, mit einem Schwert aus seinem Munde. Diese Kennzeichen sind nicht die Kennzeichen eines kommenden Bräutigams der seine Braut abholt, sondern Kennzeichen eines kommenden Richters! Dies wird in Off19.11-16 unmissverständlich bestätigt.

Alleine diese Feststellung sollte schon genügen, um zu zeigen, dass (nicht wie oft behauptete) die Thessalonicher nicht befürchteten, die Entrückung verpasst zu haben, sondern dachten, dass sie bereits schon die Anfänge der Gottesgerichte (=Tag des Herrn) zu spüren bekämen. Erwähnenswert ist hier noch, dass Paulus den Begriff  epiphaneia (V8) erst hier überhaupt zum ersten mal in seinen uns bekannten Briefen gebraucht!!

2.        Gemäss Joh17.12 wird der Begriff Sohn des Verderbens  im NT nur noch für Judas Iskariot gebraucht. Möglich, dass der Gesetzlose ein Jude sein könnte, da ja auch Juda für 20 Silber-Schekel seinen Bruder Josef verkaufte (1Mos37.26-28) und dadurch Juda eine Vorschattung auf Judas Iskarito wurde wie auch Josef auf Jesus. Gemäss Apg1.18 erhielt Judas den Lohn der Ungerechtigkeit. In Vers 10 täuscht der Gesetzlose mit aller Ungerechtigkeit diejenigen die verloren gehen.

3.        Ein jüdischer Tempel[4] (aus Stein) muss in Jerusalem aufgebaut sein. Und der Gesetzlose müsste aus den Juden kommen, anders kann man sich nicht vorstellen, dass die Juden dem Anstelle von Christus (= Antichrist) die Verehrung eines Gottes geben würden der sich sogar über Gott erhebt.

4.        Das nicht ganz einfache zu übersetzende Wort katecho kann als Zurückhaltenden, Gegendrücken[5] wiedergeben werden. Viele Bibelausleger sehen darin den Heiligen Geist, andere die Versammlung (ekklesia) und wieder andere Christus (Haupt) mit der Versammlung (Glieder) was schlussendlich nicht zu trennen ist. Würde der Zurückhaltende die Versammlung oder Christus mit der Versammlung darstellen, und wäre der Antichrist aus Off13 der Gesetzlose aus 2Thes2.8+9 so könnte er also erst nach der Entrückung der Gläubigen, als Gott dieser Welt auftreten. Dadurch würde der Zeitpunkt der Entrückung klar vor der grossen Trübsal gelegt.

5.        Das NT kennt mehrer unterschiedliche Geheimnisse. Paulus braucht diesen Begriff 20 mal in seinen Briefen. Wie unter Punkt 4 schon erwähnt muss das Zurückhaltende weggetan werden bevor dieses Geheimnis zu wirken beginnen kann.

6.        Diese Aussage, dass der Gottlose mit dem Geist aus Jesu Mund getötet wird ist ein Beweis mehr, dass die Entrückung vor der grossen Trübsal statt finden wird. Hier wird wieder klar, dass das hier  erwähnte  Erscheinen Jesu das Erscheinen in Macht und Herrlichkeit meint und nicht das Erscheinen im Lufthimmel wo er nur für die Seinigen kommt und nicht für die ganze Welt.

7.        Jesus spricht in seinen Endzeitreden mehrmals von pseudo Propheten und pseudo Christusse welche Zeichen und Wunder aufweisen können. Beachtenswert ist bei diesen Bibelstellen (Mt 24 u. a.) dass er nicht von der Entrückung spricht, sondern von seinem Kommen in Macht und Herrlichkeit!

8.        Es gibt eine Gruppe von Menschen die verloren gehen, weil sie die Liebe der Wahrheit nicht empfingen um gerettet zu werden (V10). Jesus sagt aber klar zu denen die an IHN glauben:

Joh3.16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.  

18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes

36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Joh 5,24-25  Wahrlich, wahrlich, ich (Jesus) sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, ‹der› hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. (= Auferstehung von den Toten in der Entrückung)

25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, daß die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. (= Entrückung)

Wenn du an Jesus glaubst kommst du nicht unter das Zornschalengericht! Die Bibel kennt keine „Läuterungstheologie“ in der die Gläubigen auf dieser Welt noch durch die grosse Trübsal ganz geheiligt werden müssen. Ich weiss, dass es solche christliche Gruppierungen gibt, die behaupten, dass wir noch durch Gerichte  (Siegel- Posaunen- und Zornschalengerichte) geläutert und gereinigt werden müssen um dann als “reine Jungfrau“[6] (vergl. weiter oben) dem Bräutigam zu begegnen. Dies ist  jedoch nicht ein biblisches, sondern ein menschliches Empfinden und entspricht einer Vorstellung von Unvollkommenheit die den Gläubigen zwingt selber noch etwas zur Erlösung beizutragen (Man lese den Galaterbrief). Selbsterlösung ist jedoch die Lehre von allen anderen Religionen auf dieser Welt, aber nur in unserer „Religion“ wird Gott als gnädiger und barmherziger  Vater gegenüber seinen Kindern bezeichnet (Luk6.36; 1.+2.Tim1.2). Wenn Jesus warten würde bis wir (die Gemeinde) von uns aus „rein“ und „klug“ wären, könnte er auch nach weiteren 1000 Jahren noch nicht kommen!! Der Zustand der Gemeinde Jesu wird äusserlich bis zur Wiederkunft Jesu immer mangelhaft bleiben. Einen „Heiligungsgrad“ zu erreichen, der dann gewissen Gläubigen erlaubt bei der Entrückung (vor, während oder nach der Trübsal) dabei zu sein ist nur ein Vertrauen auf die eigene Frömmigkeit (Luk18.13) und zugleich ein Zweifel an dem vollbrachten Erlösungswerk Jesu!! . Paulus schreibt:

Eph 2,8-9 Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.

Röm 3,20 Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz ‹kommt› Erkenntnis der Sünde.   

Röm 11,6 Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.

Gal 2,16 aber ‹da› wir wissen, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Christus Jesus, haben wir auch an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird.  

2.Tim 1,9 Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach ‹seinem› eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor äonischen Zeiten gegeben ist.

Tit 3,5 errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit ‹vollbracht›, wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.  

Das einzige was wir IHM „schuldig“ sind, ist unser unaufhörlicher Dank für dieses unfassbargrosse Geschenk der Erlösung durch Jesus Christus! Wir dürfen und sollen als Christen „gute Werke“ tun, diese beeinflussen jedoch in keiner Art und Weise die Erlösung, sondern sollten lediglich ein Dank an Gott darstellen (1.Joh3.16; 4.11 u.a). Denn wenn wir die erste (griech. protos) Liebe“ verlassen (Off2.4) müssen wir wieder selber Werke tun und werden nach diesen gerichtet. Viele haben über diese „erste Liebe“ einen richtigen Gesetzeskatalog herausgelesen, was wir noch alles tun (Werke) müssen, damit wir in dieser „ersten Liebe“ stehen. Dabei ist genau diese „erste Liebe“ das „natürlichste“ überhaupt. Liebe kann man nicht erzwingen! Es ist nämlich nicht unsere Liebe, sondern es ist Gottes Liebe die wir in Gefahr sind zu verlassen um eine eigene „Liebesbeziehung“ aufzustellen, so nach dem Motto: „Gott hat mich lieb, weil ich dies und jenes Gute gemacht habe“, dabei heisst es ganz klar in der Bibel, dass da KEINER ist der Gutes tut, AUCH NICHT EIN EINZIGER! (Röm3.10-12) und weiter:

Röm 5,8-10 Gott aber erweist SEINE Liebe zu uns darin, daß Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. 9 Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch IHN vom Zorn gerettet werden. 10 Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.

Die erste (griech. protos) Liebe“ ist also die, die Gott in Jesus zu uns hat Joh3.16; 1. Joh3.1; 3.16; )

1.Joh 4,19 Wir lieben, weil ER uns zuerst (griech. protos) geliebt hat!!

Deshalb sind oft die Frömmsten die grössten Feinde des Kreuzes![7]  Und interessanter Weise werden bei den 7 Sendschreiben in Off2+3 die zwei Gemeinden die nicht getadelt werden auch nicht mit Werken konfrontiert, sondern Jesus lobt Ihr Vertrauen (Glauben), ihre kleine Kraft (Unvermögen) und am festhalten des Wortes Gottes und geht weiter nicht auf ihre Werke ein!! (Wer hier den Jakobusbrief mit den „Werkforderungen“ dagegen anführen will möge nur Jak1.1 gründlich studieren. Deren „letzten Tage“ (Jak5.3) gingen bereits im Jahr 70nChr. auf tragischster Weise zu ende. Man lese dazu die “Geschichte des Jüdischen Krieges“ von Flavius Josephus) um eine kleine Ahnung von dem zu Erhalten, warum Jakobus einen so eindringlichen Brief an das jüdische Volk schrieb.

 

Bin hier noch etwas vom eigentlichen Thema abgekommen, wer es aber fassen kann, der fasse es.

 

René Eschmann

info(ad)eschmann.ch

 


 

[1] Und anschliessend kommt es zum Völkergericht (Mt.25.31-46) Abschliessend 1000 jähriges Friedensreich hier auf dieser Erde (Die Erde ist natürlich durch die Siegel-, Posaunen- und Zornschalengerichte sehr stark verwüstet). Satan wird für fast 1000 Jahre gebunden (Off20.2+3) Deshalb ist auch ein Friedensreich erst möglich. Alle Bestrebungen der heutigen Christenheit und Weltbewohner einen „Weltfrieden“ herzuführen sind leider zum Scheitern verurteilt, da Satan noch nicht gebunden ist. Der Antichtist (= Anstelle von Christus) wird mit der Hilfe des falschen Propheten für 3 ½ Jahre ein Scheinfriedensreich aufrichten.

Also am Ende der 1000 Jahren (echtes Friedensreich) wird Satan nochmals losgelassen (Off20.7+8) um die Menschen zu verführen. Danach das Gericht vor dem grossen, weissen Thron (Off20.11-15; Joh5.27-29) Danach wird diese Erde (Kosmos) vor Gluthitze zerschmelzen und nicht mehr gefunden werden (2.Petr3.10.12)

 

[2] Ggs: apousia = Abwesenheit

[3] Mit Ausnahme von 2Tim1.10 wo Paulus sich auf das erste Kommen des HERRN bezieht

[4] Es gibt Bibelausleger, die hier den Leibestempel der Versammlung (ekklesia) verstehen in den sich der Antichtist nur durch seinen Geist setzen werde.

[5] Elberfelder Übersetzung (EÜ) benutzt für die 17 Vorkommen dieses Begriffes 10 verschiedene Übersetzungsvarianten.

[6] Das Bild der Jungfrau (Mat 25) bezieht sich dort auf Israel und nicht auf die ekklesia = herausgerufene Gemeinde! Israel geht leider durch diese Trübsalszeit.

[7] Man vergleiche nur die Pharisäer und Sadduzäher  zur Zeit Jesu!

 
Das 2. Kommen des Herrn
Die Wiederkunft Christi
Einteilung der Offenbarung

HLH Zukunft 
Zukunft
14 Gründe für die Entrückung der Gläubigen
vor der Drangsal

Offenbarung