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Frage 1988

Aus dem Buch der Sprüche stammt die Bitte an Gott

 

Armut und Reichtum gib´mir nicht

 

Ein bemerkenswertes Gebetsanliegen!

Wer arm ist, könnte in Gefahr geraten, - zu stehlen.

Wer reich ist, könnte in die Gefahr geraten, sich nur noch auf sein Geld zu verlassen, - und Gott zu vergessen.

Dieses Gebet „Armut und Reichtum gib´mir nicht“ ist auch heute hochaktuell.

 

Mein Opa war Bauer.

Wenn er eine gute Ernte hatte, dann konnte er sich darüber freuen.

Dann konnte er, wenn er wollte, zu Gott sagen:

            „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel.

            Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter..

            Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gäbest zur rechten Zeit.

            Wenn du ihnen gibst, sammeln sie.

            Wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.“.

 

Mein Opa konnte sich über die gute Ernte freuen, ohne, daß er sofort an das Elend irgendwo anders in der Welt denken musste.

Und, wenn es tatsächlich zur gleichen Zeit eine Hungersnot in Afrika gegeben hat, dann hat er überhaupt nichts darüber erfahren.

Oder erst sehr spät.

Ich dagegen, sitze an einem reich gedecktem Tisch und lasse es mir schmecken, während der Nachrichtensprecher bekannt gibt, daß jeden Tag auf dieser Erde 40.000 Kinder sterben, weil sie nicht genug zu essen haben.

Darum fragen Menschen, wie es möglich ist, Gott zu danken, ohne vor diesen und anderen schrecklichen Verhältnissen auf dieser Erde die Augen zu verschließen.

Ich kann gut verstehen, daß Menschen so fragen.

Vor allem, dann so fragen, wenn es ihnen selbst ganz schlecht geht.

Andere sprechen, trotz allem, Dankgebete.

Dazu zähle ich auch.

Dabei habe ich nicht den Eindruck, daß ich naiv oder oberflächlich wäre.

Ich entschließe mich auch nicht wieder einmal dankbar zu sein, geschweige denn, eine dankbare Stimmung „herbei zu kommandieren“.

Es ist völlig anders.

Irgendwie überfällt mich die Dankbarkeit.

Zum Beispiel, so:

Ich stehe morgens auf und sitze am Frühstückstisch und plötzlich werde ich dankbar dafür, daß ich aufstehen kann und genug zu essen habe.

Oder: eines unserer Kinder muß zum Arzt zu einer wichtigen Untersuchung.

Nachdem alles vorbei und nach den Aussagen des Arzte, alles in Ordnung ist, kann ich nur aufatmen  und sagen: „Herr, ich danke Dir“.

Natürlich können Sie jetzt einwenden: Das  ist bezeichnend.

Da begibt sich dieser Mensch auf eine Insel der Glücklichen.

Vergißt die übrige Welt und badet im Gefühl einer großen Dankbarkeit.

Ich kann Ihnen nicht widersprechen.

Wir Menschen können nicht in jeder Stunde unseres Lebens die ganze Welt überblicken.

Ich, persönlich, bin manchmal schon am Verzweifeln, wenn ich nur versuche, alle Informationen einer einzigen Nachrichtensendung zu erfassen.

Auch gefühlsmäßig zu erfassen!

Geschweige denn, sie zu verarbeiten.

Dabei muß ich an die Aussagen von verantwortlichen Wissenschaftlern denken, die ganz deutlich darauf hingewiesen haben, daß es mit unserer Welt bald nicht mehr so weiter geht. –

Wenn es so weiter geht, wie bisher!

Der  Hunger.

Die ungerechte Verteilung der Güter.

Die Zerstörung der Umwelt.

Das damit verbundene Ozonloch.     .

Und die absehbare Erschöpfung von Rohstoffvorräten bedrohen das Überleben der Menschheit.

Wer das alles auf einmal erfassen will, was da möglicherweise noch auf uns zukommt, - und wer dann noch seine persönlichen Probleme hinzu nimmt, die,  in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis, - wer das alles zusammen kriegen will, erfassen und auch geistig verarbeiten will, der wird verrückt!

Ich kenne solche Menschen, ganz feinfühlige Menschen, die genau aus dem Grund sehr krank geworden sind.

Krank geworden sind vom Elend dieser Welt.

Nur Gott kann alle Tränen und Freudenausbrüche zusammen schauen.

Nur er kann alles überblicken.

Nur er kann alle Dankgebete und Flüche sehen.

Feiern und Hinrichtungen.

Festtagsessen und Hungersnöte.

Nur Gott kann das!

Ich habe nur Ausschnitte meines Lebens vor Augen.

Nie das Ganze.

Darum muß ich mich auch nicht mit Gott verwechseln.

Ich habe deshalb das Recht, mich auch einmal an den Augenblick zu verlierern

Und mit dem Psalmisten zu beten:

            Lobe den Herrn, meine Seele.

            Und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.

Ohne diese spontane Dankbarkeit geht es nicht!

            Dankbarkeit ist die Wachsamkeit der Seele gegen die Kräfte der Zerstörung.

Ohne Dankbarkeit geht es nicht!

 

Unser Leben verkümmert, wenn wir dazu nicht mehr in der Lage sind.

Darum gilt:

Gönnen wir uns die Freude, wenn wir von der Dankbarkeit überwältigt werden.

Das Leben wäre nicht auszuhalten, könnte man nicht von Zeit zu Zeit vor Freude außer sich sein.

Und das ist jetzt kein privater Ratschlag von mir, sondern alte biblische Weisheit.

Im Buch Prediger, im alten Testament, im 3. Kapitel, heißt es:

            Ein jegliches hat seine Zeit.

            Und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.

Und dann wird aufgezählt und ich greife nur einen Vers heraus:

            Weinen hat seine Zeit.

            Lachen hat seine Zeit.

            Klagen hat seine Zeit.

Und im weiterem Verlauf dieser Betrachtung heißt es:

            Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat.

            Daß sie sich damit plagen.

            Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit.

            Auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt.

            Nur – daß der Mensch nicht ergründen kann,  das Werk, das Gott tut.

            Weder Anfang noch Ende.

Da merkte ich, daß es dabei nichts Besseres gibt, als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.

 

Ohne diese spontane Dankbarkeit geht es nicht!

Nun kommt manch einer nicht mehr zu dieser spontanen Dankbarkeit.

Manch einer hat den Blick dafür verloren, daß, z. B., der gedeckte Frühstückstisch eben keine Selbstverständlichkeit ist.

Ein anderer tut so, als wenn Gesundheit das Normalste auf dieser Welt sei.

Und er es selbst in der Hand habe, gesund zu bleiben.

Wieder anderen reicht auch das Essen nicht.

Reicht auch die Gesundheit und die schöne Natur nicht.

Sie wollen mehr!

Sie meinen, dieses oder jenes noch haben zu müssen, um glücklich zu sein. –

Um wirklich dankbar zu sein.

Und sie stellen fest, daß sie an dieses Ziel nie kommen.

Jedenfalls nicht auf diese Weise, indem sie immer mehr haben wollen.

Das klassische Beispiel für einen, der immer mehr haben will, ist der reiche Kornbauer.

Im Gleichnis Jesu, von dem es heißt:

            Es war ein reicher Mann, dessen Feld hatte gut getragen.

            Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun?

            Ich habe nicht, wohin ich meine Früchte sammle.

            Und er sprach: Das will ich tun!

            Ich will meine Scheunen abbrechen  und größere bauen.

            Und will darin sammeln mein Korn und meine Vorräte.

            Und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast Vorrat für viele Jahre.

            Habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut.

            Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr!

            Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.

            Und wen wird dann gehören, was du angehäuft hast?

 

Dieses Denken, diese Haltung, immer mehr haben zu wollen, ist bei vielen Menschen verbreitet.

Nicht nur bei den großen Kornbauern dieser Welt.

            Herr, schicke, was du willst.

            Ein Liebes oder Leides.

            Ich bin vergnügt, daß beides aus deinen Händen quillt.

            Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden

            Mich nicht überschütten.

            Doch in der Mitten liegt holdes Bescheiden.

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht.

Mir fällt dieses „holde Bescheiden“ manchmal nicht leicht.

Und vielleicht sagen Sie, wenn Sie sich besonders schwer tun mit der Dankbarkeit: Das ist das Letzte, was ich mir wünsche – holdes Bescheiden!

Nur, daß ich zufrieden bin!

Aber vielleicht ist tatsächlich dieses „holde Bescheiden“ ein neuer Weg für Sie, um wirklich dankbar zu werden.

Um glücklich zu werden.

Wie betet einer zur Zeit des AT zu Gott?

            Zweierlei bitte ich von dir:

            Daß wollest du mir nicht verweigern, ehe ich sterbe.

            Falschheit und Lüge laß ferne von mir sein.

            Armut und Reichtum gib mir nicht!

            Laß mich aber mein Teil Speise dahinnehmen,

            das du mir beschieden hast.

            Ich könnte sonst, wenn ich zu satt würde,

            verleugnen und sagen: Wer ist der Herr?

            Oder, wenn ich arm würde, könnte ich stehlen.

            Und mich an den Namen meines Gottes vergreifen.

 

In der Mitte liegt holdes Bescheiden.

Wer ständig nach „mehr“ schielt, nach etwas „Besserem“, etwas „Größerem“, - der kommt nicht auf diesen neuen Weg!

Und wer nach dem schielt, was der oder die andere hat, - wer also neidisch wird, - kommt auch nicht auf diesen neuen Weg.

Jedem, der von Neidgefühlen gequält wird, empfehle ich ein ganz einfaches Experiment.

Du meinst also, der andere, also dein hochbegabter Kollege, sei ein Schoßkind göttlicher Güte.

Und mit einem bombigen Glück beschenkt worden!

Weißt du das  w i r k l i c h ? -

Ob du mit ihm tauschen würdest?

Aber dann mit  a l l e m  tauschen würdest?

Nicht nur dein Fahrrad gegen seinen Mercedes.

Sondern, vielleicht, die ehelich, sehr verborgene Not gegen deine Unabhängigkeit?!

Nicht nur deine Mansardenwohnung gegen die Villa.

Sondern auch seine Langeweile, Lebensangst, Leerlauf  gegen dein einfaches, aber klares Leben?

Vielleicht klafft im Leben des reichen Mannes, den du beneidest, eine tiefe Wunde. –

Weil er keinen Erben hat.

Oder – weil der liebste Mensch an einer tödlichen Krankheit leidet.

Vielleicht schlägt sich dein junger Mitarbeiter, den du als gehetzter, zerrissener managerkranker Chef so um sein  einfaches, fröhliches Temperament  beneidest, daheim mit einer Lebensnot herum, von der du keine Ahnung hast!

Möchtest du wirklich tauschen?

Dann aber – in allem!

Soweit die Bemerkung zu „Neid“!

Es bringt nichts!

Wenn ich ständig nach „mehr“ schiele.

Nach etwas „Besserem“.

Vielmehr gilt es, für das einen Blick zu bekommen, was ich habe.

Im Augenblick.

An diesem Tag.

Die Freude, die Gott mir jetzt schenkt.

Ich muß das Leben mit anderen Augen sehen.

Nicht mit den Augen der einen oder anderen Werbung, von der mir gesagt wird, du musst dieses oder jenes unbedingt haben.

Um glücklich zu werden.

Nein!

Ich muß versuchen,  mit offenen Augen Beweise der Liebe Gottes zu entdecken.

Versuchen, die Spur Gottes heraus zu finden.

Meine Erfahrung ist jedenfalls: Wenn ich mich darum bemühe – leider tue ich das nicht immer – aber, wenn ich mich darum bemühe, wenn ich, z. B. meinen Blick konzentriere auf das, was ich bereits habe, werde ich ruhig – und dankbar.

Wer danken kann, für den bekommt die Welt ein anderes Gesicht.

Beides brauchen wir.

Die spontane Dankbarkeit und auch die bewusste Besinnung auf das, was wir haben.

Aus dem Dank heraus kann ich mich dann auch den anfallenden, zahlreichen Aufgaben zuwenden.

Wenn ich die Nachrichten aufmerksam verfolge, weiß ich, wo die Krisenherde in dieser Welt sind.

Wo Menschen es besonders schwer haben.

Dafür will ich beten.

Es hat mal einer gesagt: In der Bibel steht,  w i e  wir beten sollen.

In der Zeitung steht,  w o f ü r  wir beten sollen.

Selbstverständlich ist, daß ich Gott nicht danken kann, ohne von meinem Überfluss denen abzugeben, die weniger haben, als ich.

Ich denken in diesem Zusammenhang an einen anderen reichen Mann, von dem Jesus in einem Gleichnis erzählt hat.

Von diesem reichen Mann heißt es:

            Daß er alle Tage herrlich und in Freuden lebte.

Und weiter erzählt Jesus:

            Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus.

            Der lag vor seiner Tür, der Tür dieses Reichen.

...Wir kennen dieses Gleichnis.

Je glücklicher einer ist, umso mehr kann er loslassen.

Demzufolge muß der reiche Mann, von dem Jesus erzählt, sehr unglücklich gewesen sein.

Er konnte sich nämlich nicht von seinem Besitz lösen.

Er hatte nichts, aber auch gar nichts übrig für den armen Lazarus.

Ich kann Gott nicht danken, ohne von meinem Überfluss  denen abzugeben, die weniger haben, als ich.

Es gibt für uns, wenn es uns gut geht, genügend Möglichkeiten, anderen zu helfen.

Auch in unserem Land.

Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer.

Auch in unserem Land kann ich Menschen helfen.

Nicht nur in der dritten Welt.

Und noch etwas kommt aus dieser Dankbarkeit heraus:

Wenn ich an Gott glaube, - und das, was ich habe, bewusst aus seiner Hand nehme.

Und dazu gehört ja auch meine Beziehung zu Jesus Christus. –

Wenn ich diese Beziehung zu Jesus Christus habe, dadurch ein sinnvolles Leben habe: weiß, woher ich komme, wozu ich da bin und wohin die Reise geht – dann gehört diese Beziehung zu Jesus Christus an die allererste Stelle auf meinem Danktisch.

Wenn ich diese Beziehung zu Jesus Christus habe, - dann werde ich dankbar.

Wenn ich Jesus Christus kenne, wenn das so ist, dann werde ich anderen Menschen diese gute Botschaft von Jesus Christus weitersagen.

Mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen.

Wenn einer von Gott ein neues, ein anderes Leben, geschenkt bekommen hat,  - dann will er auch andere, diesen seinen Gott kennen lernen.

Und, indem er die gute Nachricht von Jesus Christus weitersagt, gibt er, ganz automatisch,  seinen Dank an Gott weiter.

Wenn wir das eine oder andere tun, dann ändert sich einiges in unserer Welt.

Dann können sich sogar Verhältnisse ändern.

Wobei die Reihenfolge immer so sein muß: zuerst muß sich der Mensch ändern, - erst dann verändern sich die Verhältnisse.

Daran sind bisher alle Revolutionen gescheitert, weil sie nicht den Menschen im Blick hatten.

Aber, wenn der Mensch sich ändert, vor allem dann, wenn sein Leben durch Gott verändert wird, - dann können sich auch die Verhältnisse ändern.

Und vor allem ändern sich Menschen und werden dankbar, durch  u n s e r e   Dankbarkeit.

Dankbarkeit ist ansteckend.

Und das ist dann auch wieder ein Grund für uns zum Danken.

            Der Dank ist der Maßstab unserer Gottesnähe – oder Gottesferne!