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Frage 262 

Hallo!

Bin ein jüngerer Christ aus BRD  und schon einige zeit stiller Leser dieser Site.
Älteste: In unserer Gemeinde ( Brüdergemeinde im Bund) wird sein einiger Zeit über dieses Thema geredet - ich bin der Sache gegenüber auch aufgeschlossen.
Ich kann die Bedenken gegen eine Ältestenschaft gut nachvollziehen - muß dann aber zurückfragen, wie eine schriftgemäße, heutige Gemeindestruktur aussehen soll . Eine Brüderstunde kann ich in der Bibel nicht entdecken.
 grüße Konrad

Frage 262

Lieber Konrad

Ich begreife deine Frage, die viele "in unseren Kreisen" bewegt und immer wieder zu Diskussionen führt.

Auf der Homepage findest du unter dem Titel "
Älteste in der Gemeinde" gute Artikel und Hinweise zu diesem Thema. Ich will deren Inhalt nicht wiederholen, sondern bitten, dort zu lesen.

Grundsätzlich vertrete ich entschieden die Auffassung, dass uns Gottes Wort alles Wesentliche mitteilt, das wir über die örtliche Versammlung wissen müssen. Zwar gibt es bestimmt auch Dinge von untergeordneter Bedeutung, wo wir in der Abhängigkeit von unserem Herrn Jesus Christus "selber" entscheiden müssen. Dass die Führungsstruktur Seiner Versammlung zu diesen weniger wichtigen Dingen gehören sollte, kann ich nicht glauben.

Also muss uns die Schrift mindestens im Wesentlichen Aufschluss darüber geben! (Siehe Artikel auf Homepage)

Erste Voraussetzung zum Erkennen von Gottes Willen ist immer, dass es uns nicht um eigene Interessen geht, sondern um den Herrn Jesus. Leider hapert es meistens hier, wenn um diese Frage Streitigkeiten entstehen. Wie oft sind gerade da persönliche Anliegen hinter einer frommen Fassade verborgen, weil man gerne etwas zu sagen hat, bestimmen will, angesehen sein will etc.! Wie treffend hat Paulus in Phil.2,21 geschrieben:

... denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist.

Da liegt oft das wahre Problem!

Wer allein den Willen des Herrn der Gemeinde sucht, wird sich fürchten, etwas zu tun, das ER nicht geboten hat. Denn wenn etwas in der Bibel nicht geschrieben steht, heisst das ja auch etwas. Gerade in solch wichtigen Sachen kann Gottes Wort nicht schweigen über etwas, das angeblich alle Versammlungen tun müssten.

So finden wir nach meiner Erkenntnis in der ganzen Schrift keinerlei Anhaltspunkt, dass wir Älteste wählen sollten. Genau so wenig, dass sich solche selber ernennen dürften. Vielmehr geht es ganz einfach darum, dass die Geschwister solche erkennen und anerkennen sollen, welche der Heilige Geist eingesetzt hat (Apg.20,7) und die in der im Wort geoffenbarten Weise arbeiten und dienen (1.Kor.16,16; 1.Thes.5,12).

Der oft gehörte Unsinn, dass eine "geistlich gesinnte Gemeinde" ja nur solche Ältesten wähle, die sie wie oben geschildert erkennt, ist ein Widerspruch in sich selber. Wenn wir diese erkennen, weshalb wollen wir sie dann noch wählen?? Wollen wir Gottes Geist nachhelfen?

Vermutlich hat Albert von der Kammer in seinem Büchlein "Hütet die Herde" nicht unrecht, wenn er sinngemäss schreibt, dass wir bei der heutigen Zersplitterung der Gemeinde Jesu nicht mit klar sichtbaren Konturen und mit einwandfreiem Funktionieren der örtlichen "Splitter" (=Versammlungen) rechnen dürfen. Gerade dieser geschätzte Bruder (er ist schon beim Herrn) war mir stets ein Vorbild darin, wie er immer den Herrn Jesus im Zentrum hatte, auch wenn es um sogenannte Sachfragen ging, wie hier. Ich möchte deshalb diese Lektüre allen empfehlen.

Sicherlich, gibt Gott in Seiner Gnade auch heute noch die nötigen Gaben und Dienste, aber wir sind tatsächlich nicht Urgemeinde, sondern Endzeitgemeinde. Vielleicht sollten wir uns dessen etwas mehr mit Demut und Busse über unser Versagen als Leib Christi bewusst sein.


Halte fest das Vorbild der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus [sind].     (2.Tim.1,13)


Mit liebem Gruss: Hans Rapold        (10.7.2001)