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Frage  466           Siehe auch:    452  Calvin und Islam A=15.02.02        Calvinismus

Liebe Brüder,

Lehrt der Calvinismus biblische Wahrheiten ?

im folgenden soll es weder um eine Differenzierung der verschiedenen

Spielarten des Calvinismus gehen (etwa Hypercalvinismus), noch um eine

Generalauseinandersetzung, sondern um die Darstellung einzelner Lehren,

die auf Johannes Calvin zurückgehen und heute auch in bibeltreuen Kreisen

absorbiert werden. Es geht um die Feststellung, ob die heilige Schrift die Thesen Calvins stützt oder nicht:

1) UNWIDERSTEHLICHE GNADE ?

A) Lehrt die Bibel, Menschen können sich dem Reden Gottes im Evangelium, dem Wirken des hl. Geistes und der Gnade Gottes keinen Widerstand leisten, etwa wie im Sinne des Zitates aus Calvinismus.de:

* "Er [Anm. der hl. Geist] kann bei seinem Werk vom Willen des Menschen nicht behindert oder eingeschränkt werden"

B) Kennt die Bibel bewussten und willentlichen Widerstand gegen Reden Gottes ?

* Luk 13,34 Jerusalem, Jerusalem, das da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!

=> d.h. Gott will - die Menschen wollen jedoch nicht.

 

* Luk 14,24 Denn ich sage euch, dass nicht einer jener Männer, die eingeladen waren, mein Gastmahl schmecken wird.

=> Die Einladung ist erfolgt - die Eingeladenen kommen jedoch nicht

 

 

* Apg 7,51 Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr.

=> Der Geist wirkt - die Menschen widerstehen

 

C) Gott fordert - da diese Möglichkeit gegeben ist- auf, sich seinem Wirken nicht zu versperren:

* Heb 3,7 "Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört,

8 verhärtet eure Herzen nicht"

 

D) Die Verstockung die Gott selbst schließlich im menschlichen Herzen hervorruft, ist Reaktion auf die Ablehnung seines Redens. (siehe Pharao der sich erst mehrfach selbst gegen Gottes Reden wendet und erst dann von Gott selbst verstockt wird)

 

E) Sogar Gläubige belügen (Hannanias), betrüben, dämpfen den Geist, wenn sie eigene Wege gehen.

 

=> Um dem Problem zu entgehen, dass nicht alle Gottes Rufen gehorchen, wird im Calvinismus eine Zwei-Klassen-Welt vorausgesetzt, d.h. nur die auserwählten Ungläubigen werden gerufen und kommen/gehorchen dann auch - die anderen ruft Gott i.e.S. nicht (siehe unten)

2) BEGRENZTE VERSÖHNUNG ?

 

Ist Christus für die ganze Welt gestorben, oder nur für die Auserwählten?

Zitat von Calvinismus.de "Das Erlösungswerk Christi war nur dazu bestimmt, die von Gott Auserwählten zu retten und ihre Rettung tatsächlich zu bewirken"

 

 

A) Zur Stützung der calv. These, die Erlösung sei ausschließlich im Hinblick auf die begrenzte Zahl der von Gott vorgesehenen Menschen geschehen, muss in der Deutung folgender Stellen eine gewisse Lehrakrobatik vollzogen werden:

 

* 1 Joh 2:2 Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.

* 1 Joh 4:14 Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.

* 2.Kor 5,19 Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst

B) Was muss angesichts dieser Aussagen der hl. Schrift im calv. Denken getan werden, um die Lehre der "begrenzten Erlösung" zu halten?

 

 

=> Die Welt wird in Calv. Sicht in zwei Klassen aufgeteilt und o.g. Stellen auf "Die Erwählten" der Welt bezogen, d.h. Eine Zwei-Klassen-Welt-Konstrukt

=> Welt ist im Calvinismus nicht gleich Welt !

Das führt zu folgender Fragestellung:

3) ERWÄHLUNG UNGLÄUBIGER ?

 

 

Gibt es wirklich eine Zweiteilung der ungläubigen und gottlosen Welt in Erwählte und Nicht-Erwählte?

A) Die Bibel kennt eine "Zweiklassenwelt" aus Erwählten und Nicht-Erwählten, bzw. eine "Auswahl von bestimmten Sündern" (Calvinismus.de) nicht.

* 1.Joh 5,19 "die GANZE Welt liegt in dem Bösen."

=> Gott findet an der von ihm abgefallenen Welt nichts auserwählenswertes: "Rom 3:12 Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer."

=> Alle Menschen stehen unter dem GLEICHEN ZORN und dem GLEICHEN GERICHT Gottes. Eine Zweiklassengesellschaft kennt Gott dabei nicht.

4) Zweifaches Rufen Gottes ?

A) Zitat aus Calvinismus.de:

* "In Ergänzung zum äußeren allgemeinen Ruf zur Errettung, der an alle ohne unterschied erfolgt, gestaltet der Heilige Geist für die Erwählten einen speziellen innerlichen Ruf, der sie unwiderstehlich zur Errettung führt"

D.h. Gott rufe auf zweierlei Weise: Ein Rufen für die Auserwählten der Welt, das zur Widergeburt führt und ein Rufen, das die Nicht-Auserwählten unbeantwortet lassen.

 

B) Da es keine Weltaufteilung gibt, ist der Zwei-Klassen-Ruf ebenso unhaltbar.

=> Die Auserwählung hat NICHTS mit der gottlosen Welt zu tun - daher steht auch NIEMAND, der noch in der Welt und in Feindschaft mit Gott lebt unter irgendwelchen Segenszusagen Gottes: Auserwählung ist vielmehr ein Segen der AUSSCHLIESSLICH die Gemeinde Gottes betrifft. Erwählung Gottes geschieht "in Christus" Eph 1,3ff

ZUSAMMENFASSUNG UND GEGENÜBERSTELLUNG:

 

 

1) Das Evangelium ergeht an ALLE Menschen. Gott will, dass ALLE Menschen gerettet werden. Daher "gebietet er jetzt den Menschen, dass sie ALLE überall Buße tun sollen" Apg 17,30, da er "will, dass ALLE Menschen errettet werden" (1.Tim 2,4).

=> d.h. Keine Bestimmung/Begrenzung des Heils auf einzelne "erwählte Ungläubige", wie im Calvinismus.

=> Das Erlösungswerk Jesu Christi ist für die gesamte Menschheit geschehen und wird dem Individuum zugeeignet, wenn er Jesus Christus als Heiland erkennt und ihn annimmt. D.h. "wer da will, der komme".

 

 

2) Generalirrtum im Calvinismus ist die angebliche Auserwählung Gottes ungläubiger Menschen der Welt und somit die Konstruktion einer Zwei-Welten-Lehre, bzw. in Folge davon eine "Zwei-Rufe-Lehre".

=> Die Bibel lehrt solches nicht, sondern allein die Erwählung der Gemeinde, also derer die an Jesus Christus glauben.

=> Die Auserwählung ist allein "in Christus" - nur wer an Jesus Christus glaubt ist vor Grundlegung der Welt auserwählt und nicht als Weltmensch, der nicht glaubt.

=> Ungläubige in Verbindung mit der Auserwählung der Gemeinde zu bringen ist biblisch völlig auszuschließen

3) Wenn Gott im Evangelium redet, ist der Mensch jedoch individuell verantwortlich, hat zu antworten und dem Evangelium zu gehorchen. Paulus redet im Römerbrief dabei vom "Glaubensgehorsam" dem Evangelium gegenüber.

4) Ungläubige, die im Unglauben bleiben wollen, obwohl Gott sie zu Jesus ruft, stellen sich jedoch dem Wirken des Geistes bewusst uns willentlich entgegen, widersetzen, verhärten und verstocken sich:

=> Von einem Heilsautomatismus und einem Übergehen der menschlichen Person im Handeln Gottes kann nicht die Rede sein (UNWIDERSTEHLICH GNADE)

 

9) Gott verdammt Menschen, wenn sie sich weigern dem Evangelium zu gehorchen:

2.Thes 1,8 "Dabei übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen"

 

Mit vielen Segenswünschen

Peter Streitenberger