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Frage  517
 

Hallo Hans Peter
 wie soll man folgende Schriftstelle verstehen?

Mk 8,24 Und aufblickend sprach er: Ich sehe die Menschen, denn ich gewahre solche, die wie Bäume umherwandeln.

bis bald

Hans S.


Lieber Hans,

in der Lutherbibel (1984) heißt es: "Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen."  Ich verstehe diese Stelle so, daß der Blinde nun zwar sehen konnte, aber doch nicht deutlich. Er konnte Menschen von Bäumen nur durch ihr  Umhergehen, also ihre Bewegung, unterscheiden. Offensichtlich war dieser  Mensch nicht nur blind, sondern darüber hinaus auch stark kurzsichtig (bzw. fehlsichtig).  Der Herr Jesus heilte Beides.

Aber vielleicht gibt es im Leserkreis jemanden, der diesen "Sehfehler" noch besser erklären kann.

Gruß
Bernd Grunwald

 


Liebe Geschwister im Herrn

Zuerst wollen wir diesen Bibeltext betrachten:

Mk.8,22 Und sie kommen nach Bethsaida; und sie bringen ihm einen Blinden und bitten ihn, dass er ihn anrühre. 23 Und er fasste den Blinden bei der Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus; und als er in seine Augen gespien [und] ihm die Hände aufgelegt hatte, fragte er ihn, ob er etwas sehe. 24 Und er blickte auf und sagte: Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen. 25 Dann legte er wieder die Hände auf seine Augen, und er sah deutlich, und er war wiederhergestellt und sah alles klar.

 

Selbstverständlich hätte der allmächtige Sohn Gottes diesen Blinden auf Anhieb völlig gesund machen können, er brauchte dazu nicht 2 Anläufe zu nehmen. Dass Er aber zweistufig vorging, hat uns etwas zu sagen. Vielleicht können wir das so sehen:

 

Der Blinde zeigt uns zuerst den natürlichen Menschen, der für die wahren, geistlichen Dinge völlig blind ist (1.Kor.2,14).

Nun kommt er mit dem Herrn Jesus in Kontakt und erhält Leben aus Gott. Er versteht aber vieles noch nicht richtig und ist vor allem noch stark auf Menschen konzentriert. Die Bäume symbolisieren Menschen. Er sieht auf diese, wie es bei vielen neu Bekehrten der Fall ist, v.a. wenn die Botschaft evt. zu wenig klar auf Christus hin ausgerichtet war. Wie rasch sind dann junge Gläubige geneigt, die Evangelisten oder andere Vorbilder zu bewundern. Sie sehen diese gross wie Bäume. Sie beobachten, wie diese umhergehen, d.h. sie bewundern deren Geschäftigkeit, deren Aktivitäten.

Gott will aber nicht nur, dass (alle) Menschen gerettet werden, sondern auch, dass sie zur Kenntnis der Wahrheit gelangen (1.Tim.2,4).

So muss der Herr ihn (und uns!) nochmals anrühren, damit wir klar sehen. Dann werden wir vor allem Ihn, unseren Herrn und Heiland betrachten und werden, IHN anschauend, verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie [es] vom Herrn, dem Geist, [geschieht] (2.Kor.3,18).

Dass der Herr Jesus den blinden zuerst aus dem Dorf hinausführte, deutet ebenfalls an, dass Er uns aus dem menschenzentrierten Denken herausholen will, damit wir lernen, dem treuen und guten Hirten zu folgen und zu vertrauen.

So wollen wir beten, dass auch wir stets klarer sehen, was sich anzuschauen lohnt. Ich schliesse mit Hebr. 12,2:

... indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

In Seiner Liebe grüsse ich herzlich

Hans Rapold