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Frage: 532

Lieber Hans Peter

Was sagt die Schrift über das Schächten aus? Was ist die richtige Art des Tötens?

Gruss Marco aus Basel


25.04.02

Liebe Leser

 

Im Internet steht viel über das Schächten und über die Streitereien deswegen. Wir sollten uns jedoch nicht eine Meinung bilden, indem wir uns an den momentanen jüdischen Gesetzen orientieren, denn die Juden haben viele eigene Gesetze geschaffen, sogar solche, die Gottes Gesetze aufheben, wie wir in Mk 7, 9-15 nachlesen können:

 

9 Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung haltet.

10 Denn Mose hat gesagt: »Ehre deinen Vater und deine Mutter!« und: »Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben.«

11 Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter spricht: Korban - das ist eine Opfergabe - <sei das>, was dir von mir zugute gekommen wäre,

12 laßt ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun,

13 indem ihr das Wort Gottes ungültig macht durch eure Überlieferung, die ihr überliefert habt; und ähnliches dergleichen tut ihr viel.

14 Und als er die Volksmenge wieder herbeigerufen hatte, sprach er zu ihnen: Hört mich alle und versteht!

15 Da ist nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn hineingeht, das ihn verunreinigen kann, sondern was aus dem Menschen herausgeht, das ist es, was den Menschen verunreinigt.

 

Der religiöse Mensch im negativen Sinn versucht durch peinlichste Einhaltung verschiedener Gebote eine selbst geschaffene Untadeligkeit heranzubilden. Auch ist er in diesem Prozess so auf sich und die Einhaltung konzentriert, dass alles andere wie Demut, Gnade vor Recht bei Schwachheit, etc, auf der Strecke bleibt. Er treibt es sogar so weit, dass er das Ritual der Gesetzeserfüllung bis zur Knechtschaft weiterentwickelt. Gott erhob zum Beispiel den Zehnten vom Volk. Was machten nun die Pharisäer mit diesem Gesetz? Zur Erinnerung:

 

Der Zehnte 5. Mo 14

22 Du sollst gewissenhaft allen Ertrag deiner Saat verzehnten, was auf dem Feld wächst, Jahr für Jahr,

23 und sollst essen vor dem HERRN, deinem Gott, an der Stätte, die er erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen, <nämlich> den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öles und die Erstgeborenen deiner Rinder und deiner Schafe, damit du lernst, den HERRN, deinen Gott, alle Tage zu fürchten...

 

Gott erhob den Zehnten im AT. Er soll gewissenhaft ausgesondert werden. Alle Gebote des HERRN sind recht. Daher hat man sie auch zu befolgen. Die Pharisäer taten dies auch mit einer beispiellosen Gewissenhaftigkeit, denn sie verzehnteten sogar die Küchenkräuter. Das ist doch sehr gut, oder nicht? Weshalb schalt sie Jesus dennoch, wie wir untenstehend lesen?

 

Mt 23,23

23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Anis und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.

 

Die Pharisäer dachten, der Herr hätte Gefallen an ihnen, wenn sie, einige ausgewählte Forderungen Gottes auf‘s Peinlichste einhalten würden. So genau, dass es viel Kraft kostete, indem man sich ständig unter Kontrolle und demnach auch Stress halten musste, damit man ja kein Zuckerkriställchen oder Brotkrümelchen zuwenig abgab. Das Ergebnis eines solchen Verhaltens, das sehr streng und zweifelsfrei auch erfinderisch (mit welchen Methoden kann ich das Gesetz noch besser erfüllen) sein konnte, war - unter anderem - auch falscher Stolz im betreffenden Menschen. In der Meinung alles richtig gemacht zu haben und der Erkenntnis, die anderen Menschen würden das Gesetz des HERRN nicht so genau einhalten, blähte sich der Pharisäer auf und bildete sich ein, besser zu sein als, ich sage es bewusst provokativ, der Pöbel. Deshalb war es auch selbstverständlich für sie überall die besten Plätze zu beanspruchen:

 

Lk 20

46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten lieben und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern; ...

 

Die Pharisäer forschten in den Schriften, verzehnteten alles, waren fähig dem Herodes den Geburts- ort des Heilandes anzusagen, etc. Trotzdem war der Herr überhaupt nicht zufrieden mit ihnen. Sie dachten sie stünden dem HERRN durch ihre Abstammung oder durch ihre Stellung im Volk näher (siehe auch Joh 9, 34) und vergassen dabei, dass man dem HERRN nur durch seinen Sohn nähern darf, durch Jesus Christus, dessen Kreuzigung sie in die Wege leiteten! Was für eine Tragik und was für ein Irrglaube! Sie vergassen die Barmherzigkeit und das man durch deren Anwendug auch Anspruch darauf hat, durch ihre Beschäftigung mit dem „Gesetz halten wollen“:

 

Lk 10

30 Jesus aber nahm <das Wort> und sprach: Ein Mensch ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn auch auszogen und ihm Schläge versetzten und weggingen und ihn halbtot liegenließen.

31 Zufällig aber ging ein Priester jenen Weg hinab; und als er <ihn> sah, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber.

32 Ebenso aber kam auch ein Levit, der an den Ort gelangte, und er sah <ihn> und ging an der entgegengesetzten Seite vorüber.

33 Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin; und als er <ihn> sah, wurde er innerlich bewegt;

34 und er trat hinzu und verband seine Wunden und goß Öl und Wein darauf; und er setzte ihn auf sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn.

35 Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt und sprach: Trage Sorge für ihn! Und was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.

 

Sie vergassen die Gnade indem sie das Recht (und sie waren ja in ihren Augen im Recht, weil sie die Gebote vermeintlich sehr gut hielten) davor setzten:

 

Joh 8

3 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte

4 und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.

5 In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du?

6 Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7 Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.

8 Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde.

9 Als sie aber <dies> hörten, gingen sie einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand.

10 Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt?

11 Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!

 

Sie hätten die Frau umgebracht gemäss dem Gesetz, aber wo war der Ehebrecher? Weshalb wurde er nicht von ihnen zur Rechenschaft gezogen? Vielleicht weil es sogar einer von ihnen war? War denn das Leben der Ehebrecherin weniger wert als jenes des Ehebrechers? Gemäss dem Gesetz hätten beide gesteinigt werden müssen.

Das fällen solcher ungerechten Urteile musste damals an der Tagesordnung sein, sonst hätte der HERR ihren Zustand nicht als so übel bezeichnet:

 

Mt 23

24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seht, das Kamel aber verschluckt!

25 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit.

 

Zum Thema „Ist das Schächten gottgewollt oder nicht“:

 

Der HERR verlangte durch Mose das Schlachtopfer (Tiere mussten dabei getötet werden). Der Herr verbot auch in seinem Wort das Essen von Blut. Der genaue Tiertötungsritus ist jedoch nicht explizit festgelegt. Für einen selbsternannten Perfektionisten im Halten des Gesetzes ist es nun naheliegend, ein Tier mit schlagendem Herzen ausbluten zu lassen. So liefen bestimmt einige Tropfen Blut mehr aus dem Körper und die Gefahr, Blutmoleküle zu verspeisen, war geringer.

 

 

Ob das im Sinne des Herrn war, weiss ich nicht. Doch an dieser Stelle muss ich auch einwenden, dass ich kein Metzger bin und meine Gefühle nicht ausschlaggebend für biblische Lehren sein dürfen. Was ein Tier beim schächten spürt, kann ich auch nicht sagen. Die Befürworter sagen, es sei ein schmerzloser Tod, die Gegner dementieren das verhement. Sicher ist: Dem HERRN liegt etwas am Wohl der Tiere, sonst hätte er diesen Vers nicht in sein Wort aufgenommen:

 

Spr. 12

10 Der Gerechte kümmert sich um das Wohlergehen seines Viehes, aber das Herz der Gottlosen ist grausam.

 

Es kann sein, dass bei den Juden hier das Recht auch vor der Gnade steht, anstatt umgekehrt. Lieber stirbt das Tier einen umstrittenen Tod und man steht der Erfüllung des Gesetzes, kein Blut essen zu dürfen, näher anstelle man das Tier mit einer konventionellen Methode schlachten würde, mit der Gefahr, dass einwenig mehr Blut im Körper bleiben würde. Da man sowiso nicht alle Blutteilchen aus dem Körper bringt, frage ich nach dem Sinn dieser umstrittenen Methode.

 

 

Wir Christen stehen auch in der Gefahr „Pharisäer“ zu werden.

 

Was hat der Herr schon wieder zu den Pharisäern gesagt?

 

 

Mt 23

24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seht, das Kamel aber verschluckt!

 

Liebe Leser, es ist wichtig, dass wir unseren Blick nicht durch das Überbewerten von kleinen Sachen von den grossen wenden. Sonst stehen wir im gleichen Irrtum wie die Pharisäer damals im Mt 23:

 

16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden.

17 Narren und Blinde! Was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?

18 Und: Wenn jemand bei dem Altar schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, so ist er gebunden.

19 Blinde! Was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt?

20 Wer nun bei dem Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist.

21 Und wer bei dem Tempel schwört, schwört bei ihm und bei dem, der ihn bewohnt.

22 Und wer bei dem Himmel schwört, schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Anis und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.

 

...diese hättet ihr tun... bezieht sich auf Recht und Barmherzigkeit ...jene... bezieht sich auf das Verzehnten. Das Verzehnten war somit nicht grundsätzlich falsch. Doch das Kleine halten und das Grosse nicht, ist nicht richtig.

 

Liebe Grüsse

 

Emil