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Frage: 601

Sali HP

Ich habe nochmals eine Frage, und zwar  zum "Nächsten".

In Lukas 10, 29ff steht das wohlbekannte Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

So landläufig meint man ja folgendes:  Der barmherzige Samariter solltest du persönlich sein, denn dein  Nächster ist eben dein Schulkollege, dein Freund, dein Geschäftspartner, deine Mutter, eben wir wissen ja, wer alles damit gemeint ist... So  lehrt man dann vielerorts, dass wir als Christen gleich handeln sollen  wie der Samariter (sage nicht, man solle nicht so handeln, es geht nur  darum, ob das Gleichnis auf das handeln wie der Samariter abziehlt). Wir  sollen allen helfen und allen für ihr wohl bedacht sein, etc...  Nun habe ich da aber eine andere Auslegung gehört. Ich möchte wissen,  was du dazu meinst:

Die Geschichte des barmherzigen Samariter ist die Geschichte über die  Menschen und vorallem über Jesus.  Der Mensch der unter die Räuber fiel sind wir. Dann wurde er geschlagen (soll unser Leiden sein, unsere Sünden, etc.). Niemand kommt ihm zu  Hilfe (soll die Welt sein). Dann kommt aber als einziger der Samariter  (soll Jesus sein). Er goss Öl darauf und Wein (soll Wiedergeburt sein).  Er bringt ihn in die Herberge, er versorgt ihn (das Leben des  Gläubigen). Der Samariter geht aber wieder, er bleibt nicht dort (auch Jesus ist jetzt nicht bei uns, sondern "nur" durch seinen Geist). Er  wird aber wieder kommen und dann die restliche Schuld bezahlen (wenn  Jesus wiederkommt und wir zu ihm kommen).  Auch stellt sich die Frage wer ist mein Nächster? Die Antwort ist dann  klar: Mein Nächster ist eben mein Nächster. Aber wer ist dann konkret  mein Nächster, wer hat mein Nächster zu sein? Dein Schulkollege, dein Freund, dein Geschäftspartner, deine Mutter?  Aber soll nicht Jesus unser Nächster sein. Er ist immer am "Nächsten"  (nähesten) bei uns. Ihn sollten wir am meisten lieben. Ihn sollten wir  immer zuerst fragen, wenn wir eine Antwort brauchen. Er ist unser  Nächster. Seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Eben. Jesus lieben wie sich  selbst.

In Vers 36 und 37 steht: "Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war? * Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm übte. Jesus aber sprach: Gehe hin  und tue ebenso!" Das will heissen, das eben der Samariter der Nächste ist. Es wird ja  nicht gefragt, ob der am Weg lag, der Nächste ist, sondern wer VON DEN DREIEN. Wer von den dreien war der Nächste von dem Überfallen? Es war der Samariter!

Wie gesagt, ich hab's gehört. Kommt also nicht von mir...

Danke für die Beantwortung!

Gruss Michael


Lieber Michael
Ich denke auch so, dass deine Frage auch gleich die Antwort ist.
 
In Joh.3.14 sehen wir das heutige Zeichen der Samariter: die Schlange auf der Stange.
Die Israeliten in 4.Mo.21 waren halbtot von der Schlange gebissen.
Nur der Aufblick zur erhöhten Schlange konnte sie gesund machen und retten vor dem Tode.
Und so auch heute.
Joh 3,14 Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muß der Sohn des Menschen erhöht werden. Joh 3,15 auf daß jeder, der an ihn glaubt, [nicht verloren gehe, sondern] ewiges Leben habe.
 
Auch im Epheserbrief lesen wir, dass wir tot in Sünden und Vergehungen sind oder waren.
Eph 2,1 auch euch, die ihr tot waret in euren Vergehungen und Sünden,
Nun aber kommt der barmherzige Gott:
Eph 2,4 Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, Eph 2,5 als auch wir in den Vergehungen tot waren, hat uns mit dem Christus lebendig gemacht, durch Gnade seid ihr errettet -
 
Dieses Gebot, das der Gesetzgelehrte richtig sagte:
Lk 10,27 Er aber antwortete und sprach: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstande, {O. Gemüt} und deinen Nächsten wie dich selbst". {5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18}Lk 10,28 Er sprach aber zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dies, und du wirst leben.
Dieses Gebot kann der Jude und kein Mensch halten damit er lebe.
Aber um errettet zu werden müssen wir diesen barmherzigen Samariter aus Nazareth
den Herrn Jesus Christus lieben und an ihn glauben.
 
Es gibt sicher noch mehr Gedanken dazu.
 
Liebe Grüsse
Martin v. K.

Forum 601

Lieber Michael

Die Bibel ist sehr vielschichtig. Das heisst, dass oftmals verschiedene Sichten einer Stelle möglich sind, und diese Sichten wesentliche Wahrheit der Stelle zu Tage fördern. Anderseits besteht bei uns Menschen immer die Gefahr, etwas in eine Stelle hineinlegen zu wollen, um unsere Sicht zu beweisen. Bei der Auslegung der Bibel darf es uns deshalb niemals darum gehen, unsere Sicht beweisen zu wollen, sondern es muss uns immer einzig und alleine darum gehen, Gottes Wille erfahren und umsetzen zu wollen, sonst können wir niemals erfahren, was Gott uns lehren will (siehe Joh. 7, 17).

Obwohl die Auslegung, die du beschreibst, möglich wäre, müssen wir doch sehr aufpassen. In der Situation in Lukas 10 geht es ja darum, dass besagter Schriftgelehrter sich rechtfertigen wollte: er suchte eine Möglichkeit finden, um das Gebot Gottes zu umgehen (Luk. 10, 29). Um ihm diese Möglichkeit zu nehmen, hat Jesus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählt.

Wenn wir nun das Gleichnis so auslegen, dass wir der verwundete Mann sind und Jesus der barmherzige Samariter, dann dürfen wir zweierlei nicht vergessen: Erstens sagt Jesus am Schluss des Gleichnisses (Luk. 10, 37): "So geh hin und tu desgleichen!" Zweitens heisst es im 1. Johannesbrief (2, 6 und 3, 16): "Wer sagt, das er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat," bzw. "Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen." Wir kommen also nicht darum herum, das Gebot der Nächstenliebe ganz praktisch auch in unserem Leben umzusetzen.

Herzlichen Gruss

P.K.


Lieber Peter

Danke für dein Posting.

Ja es ging mir auch nicht darum, zu sagen, dass wir nicht ebenso wie der  Samariter handeln sollen sondern eben wie im ersten Posting:

<<sage nicht, man solle nicht so handeln, es geht nur darum, ob das Gleichnis auf das handeln wie der Samariter abziehlt)<<

Dass für uns der Samariter ein Vorbild und nachahmenswert ist, das ist keine Frage und auch hier nicht die Frage. Sondern nur, ob man ableiten  kann, dass uns dieses Gleichnis sagt, wie wir zu sein haben, eben wie  der Samariter. Dass wir so zu sein haben, ist klar, aber aufgrund dieser Stelle? Das war die Frage.

Schöner Tag.

Gruss Michael