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Frage: 656   19.07.02                   Thema:   ICOC    Boston Church of Christ  (Gemeinde Jesu Christi e. V.)


 

Hallo H.P.,
ich war 3 Jahre lang in sogenannten ev. Freikirchen, davon das letzte Jahr in einer charismatischen Freikirche. Ich bin vor 4 Monaten ausgetreten - sozusagen und habe Schwierigkeiten das erlebte zu verarbeiten und einzuordnen.
 
Es fing an mit einer Suche nach Wahrheit , nach Halt und Orientierung und vor allem nach Glück. Ich ging zunächst esoterische Wege, las verschiedene Bücher, die mich spirituell weiterführten, wie Z.B. Wirkliche Wunder von Wayne W. Dyer. Ich glaubte. Ich begann an Gott zu glauben  und begab mich auf eine Suche nach einer Glaubensform.
 
Irgendwann wurde ich auf der Strasse von einer jungen Frau angesprochen und zu einem Gottesdienst eingeladen. Ich ging nicht gleich hin. Es dauerte ca. 7 oder 8 Monate bis ich das erste Mal hinging. In dieser Zeit war ich in einer unglücklichen und schwierigen Beziehung.
 
Diese Gemeinde nannte sich "Gemeinde Christi" in den Staaten unter "Boston Church of Christ" bekannt. Dort machte ich erste Erfahrung mit religiösen Gruppen, wie ich es nennen will.
 
Es war schön und beengend zur gleichen Zeit. Ich spürte dort Gott, manchmal, und ich weinte, als ich das erste mal In der Bibel las.
 
Aber gleichzeitig begann ein Formungsprozess und Verunsicherungsprozess. Partys, Freizeiten, Evangelisationseinsätze. Offengelegte Bruttoeinkommen. Die Welt als feindliches Territorium. Gleichzeitig ein Verlust an Echtheit, an Authentizität. Brainwash.
 
Leider beschritt ich diesen Weg 3 Jahre lang. Heute fühle ich mich dadurch verunsichert, manchmal hilflos, abhängig von Ratschlägen und geschwächt. Vor allem fühle ich mich nicht angenommen, wie ich bin. Mit dem was ich denke. Was ich zu denken hatte, wurde bestimmt. Meinen Gefühlen sollte ich nicht mehr trauen. Kritische Bemerkungen waren gleich Dämonen. Kritikgeister, die ausgetrieben werden sollten. Ich verlor mein Selbstvertrauen, meinen Verstand zu einem Teil.
 
Gott, hilf.  
 
Manchmal bin ich auch traurig darüber, wie ich mir das selber antun konnte. Im Prinzip bin ich haltloser geworden, als ich es war. Ich bin am selben Punkt wie vor 3 Jahren.
Zuweilen weine ich über die Erfahrungen und Verletzungen, die ich erleben musste.
 
Wie Gott wirklich ist, weiss ich nicht mehr. Ausserdem habe ich meine Lebensfreude zu einem grossen Teil verloren. Ich bin eine Gemeindemarionette geworden. Teilweise.
 
Ich möchte mich selber wiederfinden, habe aber Angst es nicht zu schaffen. Misstrauen gegenüber Menschen allgemein blieb zurück und machte alles nicht einfacher. Ich möchte auch Gott finden. Gott in mir und nicht in einer Gruppe.
 
Wie ist Gott? Ist er wirklich der Sadist, den ich erleben musste. Nein, ich weiss, es war nicht Gott, was ich erlebte. Nur zum Teil. Herr, vergib mir, wenn ich schlecht über dich denke.
 
Das ist alles nicht so einfach, ich hoffe Sie können mir helfen alles etwas zu ordnen.
 
Grüsse

 Sylvia, 29 Jahre, Lehrerin


Liebe Sylvia

 

Ich verstehe dich sehr gut. Meine Frau Rita und ich haben auch allerlei durchgemacht, so können wir ein wenig mitfühlen. Es ist aber nicht so einfach, auf deine Anliegen in diesem Rahmen einzugehen. Das beste wäre, wir könnten uns einmal treffen. Wir wohnen halt - mindestens noch bis zum 1. Sept. - in Spiez am Thunersee. (Schweiz)  Anschliessend ziehen wir nach Amsoldingen Kanton Bern, CH um. Wenn das für dich nicht zu weit weg ist, wäre da vielleicht etwas zu machen. 

Es ist immer schwierig, ein Gottesbild, wie es dir eingeflösst wurde, wieder gerade zu biegen. Das braucht halt auch wieder viel Zeit, Geduld und Umgang mit Menschen, die dir den Herrn Jesus, wie wir Ihn kennen, wieder lieb machen können. Hier aber vielleicht einige Bibelstellen: 

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mtth. 11, 28-30)

 

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3, 16)

 

„Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und um alle die zu befreien, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren. Denn er nimmt sich doch wohl nicht der Engel an, sondern der Nachkommenschaft Abrahams nimmt er sich an. Daher mußte er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.“ (Hebr. 2, 14-18)

 

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.“ (Hebr. 4, 15)

 

 

Neben all dem, was du vielleicht schon gelesen und erlebt hast, darfst du nicht vergessen, dass auch diese Verse in der Bibel stehen. Ich bin überzeugt, dass der Herr uns sehr, sehr lieb hat. Ich hoffe, dass es möglich wird, dass auch du Ihn von dieser Seite kennen lernen kannst und nicht denken musst, dass Er ein Sadist ist. Eines darfst du mir übrigens auch glauben: Er vergibt dir gerne, wenn du schlecht über Ihn gedacht hast.

 Ganz liebe Grüsse

 P.K.

 

Hallo Herr ,    06.08.02

nachdem mir nun schon zwei Mal ein Senden einer Frage an Sie missglückte, versuche ich es auf diesem Weg. Unter ihrer angegebenen Forumadresse habe ich den Text verloren.

Meine Frage:

Ich war drei Jahre lang in einer charismatischen Freikirche. Dort gab  es unter anderem auch sogenannte Befreiungsgebete, bei denen Dämonen ausgetrieben werden sollten. Die Sitzungen fanden in Privatwohnungen statt, mindestens zwei Schwestern waren zugegen. Es begann mit der Schilderung eines Problems oder des momentanen seelischen Befindens und ging dann mit Zungengebet weiter.

Die Frauen hatte Eindrücke. Zum Beispiel schilderte ich einmal Probleme mit meiner Mutter. Daraufhin hatten die Frauen Eindrücke von vorgeburtlicher Ablehnung von Seiten meiner Mutter. Diese Ablehnung wurde dann parolenhaft gebunden.

Ich ging nach diesen Sitzungen oft sehr ausgelaugt, verletzt und verwirrt nach Hause. Wie schätzen sie solchen Sitzungen ein?

Ich hatte danach oft Angst, etwas Übles könnte von mir besitz nehmen und betete immer wieder Schutzgebete hoch und runter. Wirklich geheilt habe ich mich nicht gefühlt. Die Probleme lösten sich so nicht.  Mein Verstand behielt eine diffuse Vorstellungen von Geistern.

Was sind Dämonen? Was ist damit gemeint? Ist das alles nicht viel klarer, kann man solche Begriffe entemotionalisieren? Vielen Dank für die Antwort im voraus,

Ihre Sylvia,

29 Jahre, Lehrerin


Liebe Sylvia       07.08.02

Frage: Finden wir in der Bibel irgendwo einen Hinweis oder eine Aufforderung, dass wir zu "Dämonenaustreibern" gehen sollen, um unsere vermeidlichen Dämonen austreiben zu lassen? Finden wir eine Aufforderung oder einen Befehl, dass wir selbst auch Dämonen austreiben sollen?

Ich meine nicht historische Tatsachen wie das Jesus und seine Jünger Dämonen ausgetrieben haben oder Paulus oder wer auch immer, sondern das DU und ICH und alle Christen SELBST solches tun sollen, müssen oder dürfen? Denn wenn in der Bibel eine Geschichte steht, dann heisst das nicht, dass wir dann automatisch SELBST auch solches zu praktizieren haben!

Sonst lies einmal Epheser 6, 11- 17 (Rev. Elberfelder):

11 Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt.

Nun: Heisst es, dass wir gegen die Listen des Teufels kämpfen sollen, das wir ihn angreifen sollen, ihn töten sollen? Oder ist vielmehr eine passive Rolle unsererseits gemeint? Wir sollen das Heil in Gott suchen, wir sollen uns bei Gott in Schutz nehmen lassen (Psalm 18, 3) und Gott seine Sache mit Teufel und Dämonen machen lassen?

12: Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen <Mächte> der Bosheit in der Himmelswelt.

Willst du gegen solche kämpfen? Ich nicht!

13: Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen <bleiben> könnt!

Nochmals: WIR sollen die Waffenrüstung ergreifen, aber von kämpfen steht nichts, nur von stehen bleiben! Hast du schon jemals mit einer Waffenrüstung einen kämpfen sehen, ich meine aktiv. So mit dem eigenen Schild oder dem eigenen Helm den anderen eins über die Rübe geben? Oder ist die Waffenrüstung nicht zu Verteidigung, zum eigenen Schutz bestimmt? Das Schwert klammere ich hier einmal aus. Man sagt ja auch die Rüstung und das Schwert. Also ist es nicht so, das ZWINGEND IMMER die Waffenrüstung auch ein Schwert hat oder wenn eines auch vorhanden ist es immer auch dazugezählt wird.

14: So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit

15: und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft <zur Verkündigung> des Evangeliums des Friedens!

16: Bein alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt!

17: Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort.

Lendenschurz, Brustpanzer, Helm alles nur zur Verteidigung! Ausser die Füsse sind halbaktiv. Denn man kann somit auch einen Gegner angreifen und in bezwingen. Das Schwert ist aktiv, mit dem kannst du einen Gegner töten! Aber es ist nur das Wort Gottes gemeint. Aber, dass wir mit diesem Wort aktiv gegen den Satan und seine Dämonen kämpfen sollen, steht nicht in dieser Bibelstelle! Wir sollen es lediglich nehmen und du kannst dich ja auch mit einem Schwert verteidigen!

Nun noch allgemein zur Waffenrüstung: Das gute daran ist doch, dass du NIE mit dem Gegner in direkten Körperkontakt kommst. Immer ist die Rüstung dazwischen, und die Rüstung ist JESUS! Er verteidigt dich, wenn du dich von ihm schützen lassen möchtest! Wohlgemerkt, er schützt dich, nicht du dich selbst. Dies einmal kurz zu deinen Fragen. Hoffe dir geholfen zu haben. Lies doch einmal Psalm 18, 3 ganz gut durch. Oder auch Psalm 23! Die tun immer wieder gut!

Gruss Michael


09.08.02                                Siehe auch  Können Gläubige besessen sein?

Hallo Sylvia,

das Thema Dämonen und ob ich besessen sein könnte kann einem schon Angst einjagen - besonders wenn man darüber in Büchern ließt und einem eine "Gemeinde" in dem Irrglauben noch unterstützt. So ging es mir auch schon vor langer Zeit.

Also: Das Problem liegt doch wie immer in einer Mißdeutung der Bibel. Das Wort Gottes ist also erst einmal Grundlage aller Argumentation und Glaubens - wenn ich dem Wort nicht glaube, dann glaube ich dafür etwas anderes aber nicht der Wahrheit und werde so auch nie eine Lösung finden, sondern mich nur im Kreis drehen.

Um es Vorweg zu nehmen: In der Bibel gibt es keinen einzigen Fall, wo ein Gläubiger als Besessen gegolten hätte oder wo eine Austreibung an einem gläubigen Christen stattgefunden hätte oder notwendig wäre.

Ob es auch heute noch für Christen gilt, Dämonen auszutreiben ist nicht unser Thema - ich danke ja weil: Mk. 16,17 was sich natürlich auf sog. Ungläubige bezieht - die Positionen versch. Boardteilnehmer sind mir bekannt.

Zu den Dämonen: Die Dämonen waren einmal von Gott erschaffene Engel mit einem Freien Willen - also keine Marionetten. Satan ( hebräisch: der Ankläger - vor Gericht bzw. vor Gott) rebellierte eines Tages gegen seinen Schöpfer und wollte sein wie Gott und wurde daraufhin von Gott verstossen. Mit Satan rebellierten noch viele andere Engel (also Satan ist auch ein Engel, wenn auch ein sehr hoher) und wurden ebenfalls auf die Erde verstossen. Lukas 10,18 Offb. 12, 8-9. D. sind Geistwesen also haben keine "Hülle" wie wir. Gott hat die Engel mit verschiedenen Aufgaben oder "Rängen" erschaffen (Dan 10,13.21; 12,1; Jud 9; Dan 8,16; 9,16)

Bzw (Judas 6) sind sie gefesselt und warten bis zu ihrem Gericht. Da Satan und die Dämonen Gott hassen, versuchen sie alles um zu verhindern, dass Menschen zu Gott finden. Bzw. eine vorhandene Beziehung mit Gott zu zerstören. Die D., wenn sie in einem Menschen ( wir reden hier von Nichtchristen welche sich selbst mit Okkultismus, Drogen etc. in diese Situation gebracht haben) Besitz ergreifen dringen in Einzahl (Mt. 12,43 oder Lk 8,2) oder in Vielzahl Lukas 8,30 in einen Menschen ein. Die D. können dann Krankheiten: Mk 5,1ff; Mk, 9,17ff; Lk 13,11, Mt 9,32 Mt 12,22 verursachen.

Satan und die D. haben ja ca. 6000 (Seit Adam und Eva) Jahre Zeit gehabt den Menschen zu studieren und zu beobachten. und auch weil sich Satan als Engel des Lichts verstellen kann, gibt es unzählige Verführungen.

Doppelt tragisch und heimtückisch (und ich könnte mich unendlich über solche Gemeinden aufregen) wenn Satan Gemeinden für sein eigenes Werk benutzt und die es vor lauter Salbungen, Bildern, und sonstigen Trips nicht mal merken - obwohl das Wort etwas ganz anderes sagt. Doch die Verführung muss leider kommen und sie fängt in solchen "Gemeinde Gottes" zuerst an !!

Wenn ein Mensch sein Leben Jesus gegeben hat, so ist er u.a. ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Korinther 6,19) und der Heilige Geist nimmt Wohnung in ihm - und nur der heilige Geist, es gibt da kein Platz mehr für Dämonen. Als Bekehrte sind wir frei von allen Bindungen .... weil ALLES durch das Opfer unseres Herrn rein gewaschen wurde. (1. Joh 3,8) Doch der Teufel ist alles andere als dumm und versucht durch falsche Lehren Menschen an sich zu binden - wo er VOR ALLEM Gemeinden und Geschwister benutzt - weil ja diese gerade nicht den Anschein eines offensichtlichen Feindes hermachen.

Also noch mal: Satan ist "nur" ein Geschöpf und ehemaliger Engel also kein Gott - ein Wort Jesu würde reichen und Satan wäre schon längst in der Hölle. Jeder Bekehrte ist frei von ALLEN Bindungen und Besessenheiten weil

er eine neue Kreatur (2. Kor. 5,17) also von Grund auf ein neuer

Mensch geworden ist. Und weil er ein Tempel des Heiligen Geistes geworden ist. So wenig, wie im Himmel die Dämonen hausen (könnten), sie würden die Heiligkeit Gottes gar nicht mehr ertragen, ebenso wenig haben sie ein Recht in Dir und mir zu wohnen.

Du kannst direkt zu Jesus kommen und Ihm alle Deine Probleme auftischen - Jesus lebt und wird dem der an ihn glaubt sicherlich nicht enttäuschen - Du mußt nicht mehr auf die charismatische Kartenspieltricks hören - ganz im Gegenteil würde ich eine solche Gemeinde umgehend verlassen.

Interessant ist auch das Thema Engel in der Bibel - viel interessanter als die Dämonen. (Hes. 41,19 ; Hes. 10,12 ...)

 

Gruß

 

Michael-2


10.08.02

 

Liebe Silvia

nach unserem heutigen, offenen Telefongespräch, für das ich Dir herzlich Danke, bin ich nochmals in google.de rein: Ein "klassischer Fall:"

http://www.icoc.de/Erfahrungen/Login/Erfahrungsberichte/Aussteiger_I/aussteiger_i.html

Auch habe ich einen Artikel auf der eigenen Website: Internationale  Gemeinde  Christi

 

Darf ich Dir einen einfachen Rat gebe: lies doch hier:  Evangelium,

wenn Du möchtest,  sende ich Dir die CD`dazu.

Herzliche Grüsse

Hans Peter


Ich war wohl nicht der einzige, den Dean Farmer (in wechselnden Wohnungen) auf seine „Couch“ gebeten hat. Auf diesem Möbel kam es zu besonderen Gesprächssituationen. In meinem Fall quetschte mich Dean über meine „Einstellungen“ zur Gemeinde aus. Er erzählte mir die Geschichte von einem seiner Freunde, der sich auch erst nicht taufen lassen wollte und zögerte. Dann ist dieser Freund auf tragische Weise bei einem Unfall ums Leben gekommen. Ich habe von vielen Ex-Mitgliedern genau die gleiche Geschichte gehört – es war aber nicht immer Dean Farmer.

Auf der Couch haben meine zweifelhaften „Freunde“ (Markus, Rodeon und Jörg) mit mir über Sünde gesprochen (Wo ist Sünde in Deinem Leben?!) und sehr genau registriert, was ich darauf gesagt habe. Mir war nicht klar, dass hier das sog. Bibelstudium planmäßig ablief und auch die Beteiligung von Dean vorgesehen war. Jedenfalls behauptete Dean Farmer am 1.6.1996 vor Zeugen, dass er „alle meine Sünden kenne“. Und das, obwohl ich sie ihm nie persönlich offenbart hatte! Da muss also jemand „gequatscht“ haben – ich weiß heute natürlich genau, wer.

Es hat also System, wenn sich ein „Leiter“ zu dir auf seine Couch setzt. Hier soll in einer privaten Umgebung eine bestimmte Atmosphäre geschaffen werden, in der Neugeworbene „weich“ werden und sich zur Taufe entscheiden (darauf ist das Bibelstudium ausgerichtet). Mir wurde mehrfach gesagt: „Warum zögerst Du? Du bist den Weg bis hierher gegangen, jetzt stehst Du vor der Tür, die schon einen Spalt weit offen ist – stoß die Tür auf...

In solchen Situationen wird Interesse und Vertrauen vorgespielt. Ich habe es als regelrechtes bedrängendes Umwerben empfunden, um mir bestenfalls ein „Ja“ zur bald möglichen Taufe abzuringen.

Was die „Schwestern“ in der ICOC betrifft, die haben mit Kim auf Dean’s Couch gesessen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Helmut Schmidt, bereits 1998

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Leiterschaft in der ICOC – von coolen Typen

Begegnungen mit Mitgliedern der ICOC, die der sog. Leiterschaft angehören, fallen immer anders aus, als die mit „einfachen“ Mitgliedern. Da ist zunächst ein starkes Bedürfnis nach Nähe zu den Ehemaligen. Immer, wenn AussteigerInnen im Bannkreis der ICOC auftauchen, z.B. während der Info-Demonstrationen, dauert es nicht lange und schon strömen sie heran, die smarten und coolen Leiter, Noch-Leiter und auch Ex-Leiter. Vielleicht gehört jeder, der einmal einer „Gemeinde“ der ICOC vorgestanden hat, zur vereinseigenen „Feindabwehrtruppe“. Natürlich wird nicht mit körperlicher Gewalt versucht, die vermeintlichen Gegner abzuwehren oder in die Flucht zu schlagen. Es ist vielmehr eine subtile psychische Bedrängung und Beeinflussung, die auch auf der eigenen Seite wirksam sein muss.

Den eigenen Leuten wird durch die Präsenz der Leiterschaft, dich dran am sog. Feind, signalisiert, die „Gemeinde“ hat die Situation auf allen Linien im Griff. Einige haben vorbildlich reagiert und angebotene Infoflyer gar nicht erst entgegengenommen. Diejenigen, welche dann doch (spontan?) zugegriffen haben, müssen vielleicht damit rechnen, dass dieser Umstand von der anwesenden Leiterschaft registriert worden ist. Bei nächster Gelegenheit wird bestimmt der Jüngerschaftspartner nachfragen. Da gibt natürlich auch noch die Leiter, die sich „aufopferungsvoll“ und selbstherrlich ein paar Meter weiter aufbauen und versuchen, die interessierten Mitglieder zur Abgabe des Flugblattes zu bewegen bzw. darauf hinzuweisen, dass „es besser sei, den Text nicht zu lesen“. Mit viel Energie versuchen so die Leiter der ICOC eine regide Informationskontrolle durchzusetzen.

Ich habe beobachtet, dass sich gerade die Frauen in der ICOC ohne Diskussion in ihrem Recht auf Informationsfreiheit einschränken ließen. Mit einem angestrengten Lächeln wird scheinbar souverän die Entgegennahme abgelehnt. Allerdings entsteht trotzdem vielfach der Eindruck, einzelne Mitglieder sind sich nicht ganz sicher, wie sie sich verhalten sollen.

An dieser Stelle muß auch gesagt werden, dass nach jeder Aktion von Ehemaligen und auch nach Medienberichten zumindestens in den Bibelkreisen darauf reagiert wird. Grundsätzlich wird vor Kritik gewarnt. Die Leiterschaft der ICOC ist davon überzeugt, dass allein Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern (oder Journalisten) genügen können, um in seiner „tiefen Überzeugung“, letztendlich im Glauben an die Lehre der ICOC, beeinträchtigt und beeinflusst werden zu können. Daher sollte solche Situationen vermieden werden.

Obwohl mit einer zunehmenden Häufigkeit und auch Regelmäßigkeit von Informationsaktionen ein gewisser Überraschungseffekt verschwindet, kann nicht verhindert werden, dass bei den (auch) sehr persönlichen Begegnungen zwischen Ehemaligen und Mitgliedern eine Menge Emotionen mitspielen. Spontane und unerwartete bzw. nicht konforme Reaktionen bestätigen das. Solange das noch möglich ist, machen die Aufklärungsaktionen auch für überzeugte Mitglieder Sinn. Eine vollständige Ausschaltung des kritischen Bewusstseins ist offenbar erst nach vielen Jahren der Mitgliedschaft möglich.

Sind aber nun die Leiter wirklich so cool, wie sie auftreten?

Ich denke, nein. Es mag sein, dass einige Leute rhetorisch gut geschult sind und bestimmte Gesprächsführungstechniken beherrschen (einige wären gute Verkäufer!). Hinter diesen Drohgebärden steht meiner Meinung nach eine große Hilflosigkeit und auch Naivität. „Warum sein ihr denn schon wieder hier? Wir haben doch darum gebeten, keine Demonstrationen mehr durchzuführen“ – so in etwa der ehemalige Leiter aus München bei einer der letzten Demos. Er wirke regelrecht erbost und sauer, weil wir uns nicht daran gehalten hatten. Die Hilflosigkeit drückt sich dann noch in einer direkten und persönlichen Bedrängung von Aussteigern (Demonstranten) aus. Der Leiter stellt sich physisch dicht an den Aussteiger und erklärt, nicht weichen zu wollen, weil es besser sei, wenn er den Aussteiger „beschattet“. Das man sich dadurch bedrängt und belästigt fühlt, wird nicht wahrgenommen. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang für mich, dass gerade solche (Ex-)Leiter an die „Front“ geschickt werden, die in der Vergangenheit eher in der Führung einer „Gemeinde“ versagt haben, Natürlich werden Fehler eingestanden, aber man müssen eben auch einen Lernprozess (auf Kosten Anderer) durchlaufen.

Um es auf einen Punkt zu bringen: Freiheiten werden in der ICOC schon mal mit Füßen getreten – selbstherrlich und überheblich plustern sich die Leiter gegenüber Kritik von außen auf und wollen ihre Untergebenen vor etwas schützen (Informationen), was sie selbst aktiv unterschlagen.

Helmut Schmidt, 2/2001

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Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt

Was ist bloß aus euch geworden?! Es liegt mir sehr am Herzen meinen ehemaligen Freunden bzw. „Geschwistern im Glauben“ der ICOC und denen, die neu dazugekommen sind, etwas mitzuteilen, was mich in den letzten Jahren immer wieder sehr bedrückt und auch traurig macht.

Zunächst: Diejenigen von euch, die mich gar nicht persönlich kennen (können), sollten vorsichtig sein und sorgfältig prüfen, was von Leuten aus der Gemeinde (die mich teilweise auch gar nicht persönlich kennen bzw. nur sehr flüchtig) über Menschen, die einen anderen Weg als den der ICOC eingeschlagen haben, also mich, erzählen.

Jeder aus der Gemeinde, der mich kennt, hat damals (1995) einen Menschen kennengelernt, der sich seit dem weiterentwickelt und verändert hat. Das hat ein Leben so an sich, ist also eigentlich nichts ungewöhnliches. Wenn mir jedoch unterstellt wird, ich wäre vom Glauben an Gott abgefallen oder Satan hätte mich von Gott getrennt und zu seinem Werkzeug gemacht, so ist das böswillig, unfair und eine Lüge!

Die Verleumdungen gehen noch weiter. Da wird mir nachgesagt, ich würde immer wieder Mitglieder der Gemeinde anrufen oder aufsuchen, um sie von der „Gemeinde“ wegzubringen. Dann heißt es fortwährend, ich würde (im Internet) nur Lügen über die „Gemeinde“ verbreiten. Schließlich wird aus mir fast der personifizierte Teufel oder zu mindestens des Satans Werkzeug. Als Ketzer beschimpft zu werden, macht mir schon gar nichts mehr aus.

Ich bedaure die Menschen, die solche Dinge über mich und andere ehemalige Mitglieder (Aussteiger) sagen und kann nur diejenigen verstehen, die mir zu mindestens die Chance geben würden darauf zu antworten, sich aber nicht trauen oder gar Angst haben, die Leiterschaft könnte es mitbekommen.

Ich weiß sehr genau, wie das System ICOC funktioniert. Die Verfolgungsszenarien, die willkürlich von den Führern und Leitern der ICOC entworfen werden, sind so voll von tiefster Menschenverachtung und zeugen nicht von christlicher Nächstenliebe.

Wenn Dean Farmer behauptet, ihr (die Gemeinde) würdet biblische Verfolgung erleiden, wenn ein ehemaliges Mitglied über seine Erfahrungen berichtet oder ein Sektenbeauftragter im Radio eine Einschätzung über Organisation und Lehre der ICOC gibt, dann verhöhnt er diejenigen Christen, die in biblischer Zeit wirkliche Verfolgung wegen ihres Glaubens erleiden mußten. Es ist fatal, wenn biblische Verfolgung mit Kritik bzw. Andersdenken, Andersleben und eine Meinung vertreten gleichgesetzt wird.

Fühlt ihr euch wirklich verfolgt, wenn ich an einer Demonstration gegen die Organisation ICOC teilnehme und Flugblätter verteile? Warum laßt ihr euch in eurer persönlichen Freiheit einschränken, wenn ihr euch verbieten laßt, mit AussteigerInnen zu reden? Warum laßt ihr euch bevormunden, indem ihr euch die Meinung eines anderen aufzwingen laßt? Warum habt ihr Angst, wenn ihr mir begegnet? Warum glaubt ihr uneingeschränkt euren Jüngerschaftspartnern oder Leitern? Warum laßt ihr euch zu Werkzeugen einer unbiblischen Organisation machen?

Jeder vernünftig denkende Mensch kommt bei der Betrachtung dieses angeblich christlichen Handelns bzw. fragwürdigen zwischenmenschlichen Umgangs sehr schnell ins grübeln.

Jedesmal, wenn ich euch begegne (und das ist nicht selten) und erleben muß, wie bitter, hart und gefühllos eure Blicke sind, wie verzweifelt eure Handlungen sind, dann finde ich die Bestätigung meiner Kritik an dem System ICOC.

Gerade die Menschen, die damals in meinem Bibelkreis waren, die „Schwestern“, mit denen ich Dates hatte (Diana, Sabine, Marianne, Fromut, Silke), können mir nicht mehr normal begegnen. Sie wechseln die Straßenseite oder den U-Bahnwagen und rennen weg, wenn wir uns mal zufällig über den Weg laufen! Mein Jüngerschaftspartner hat mich vor ein Gericht gezerrt, um mir untersagen zu lassen, mich ihm mehr als 50 Meter zu nähern (Das traurige Ende einer Freundschaft).

Jetzt höre ich aus München, daß dort mit neuen Mitgliedern (kurz nach der Taufe) diese Internetseiten „studiert“ werden. Was ist das nun für eine miese Tour? Ich kann mir lebhaft vorstellen, was den „Babychristen“ da vorgeführt wird: Diese Seiten werden von Helmut Schmidt gestaltet und der ist ein Ketzer, ein Werkzeug des Teufels und will nur mit seinen Lügen die Gemeinde spalten.

Kennst Du eigentlich wirklich ein ehemaliges Mitglied der ICOC? Ich habe in den letzten 6 Jahren fast 100 kennengelernt. Zu vielen habe ich heute noch einen guten Kontakt, mit einigen bin ich sehr gut befreundet. Ich kann deshalb mit guten Gewissen sagen: Meine Erfahrungen sind kein Einzelfall und ihr liefert immer wieder neue Bestätigungen.

Ich wünsche euch von ganzem Herzen, auch im Namen der vielen AussteigerInnen im deutschsprachigen Europa, daß ihr eure von Gott gegebene Kritikfähigkeit nicht verliert oder euch nehmen laßt. Und bevor ihr bei der nächsten Demo erhobenen oder gesenkten Hauptes an ehemaligen Mitgliedern der ICOC vorbeigeht, solltet ihr darüber nachdenken, daß es auch euch treffen kann! Habt einfach mehr Vertrauen und prüft selbst, ob ein Mensch etwas böses von euch will. Wir AussteigerInnen haben ein Herz für euch. Wenn Du noch niemals mit einem ehemaligen Mitglied gesprochen hast, dann solltest Du es nachholen. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt!

Helmut Schmidt, 23.4.2001

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Predigtvorbereitungen an der Sushibar

Es gibt hochrangige Mitglieder einer christlichen Sekte in Deutschland, die sich offensichtlich einen anderen Lebensstil erlauben, als von den eigentlichen Mitgliedern verlangt.

Bereits vor 3 Jahren, exakt am Nachmittag des 31. Dezember 1996, wurde der Leiter dieser christlichen Sekte, nennen wir ihn Sean Garner, in der 6. Etage des Kaufhaus des Westens (Ka-De-We) an der Sushi-Bar gesehen. Er befand sich in Begleitung seiner Frau. Die Kinder wohlbehütet von Frauen aus der Gemeinde in der elterlichen Wohnung.

Der Berichterstatter, nennen wir ihn Axel P., bemerkte die Garners von der benachbarten Sektbar aus und entschloß sich spontan zu einer kurzen Begrüßung. Schließlich kannten ihn die Garners recht gut, denn Axel war Mitglied der Sekte und vor seinem Ausstieg einige Male zu Gast bei ihnen (u.a. während des Bibelstudiums). Sean bezahlte gerade seine Zeche mit einer Kreditkarte (es war wohl die Goldene Kundenkarte des KaDeWe) und seine Frau hielt einige KaDeWe-Tüten mit den Sylvestereinkäufen in der Hand. Die nachfolgende kurze Begegnung zwischen Axel und den Garners verlief so: "Nice to meet the Garners in the KaDeWe", sprach Axel und das Gesicht von Sean verlor schlagartig seine glücklichen Züge. Verwirrt stellte Sean ihm seine Frau vor, obwohl die sich schon kannten. Axel konnte sich nicht des Eindrucks verwehren, daß diese Begegnung Garner sehr unangenehm war. Schnell, fast hektisch, verabschiedete sich Garner mit den Worten "Einen guten Rutsch noch" - und weg waren sie.

Viel später, im Frühjahr 2000, erfuhr Axel von Freunden, daß Sean in der Vergangenheit wohl öfter im KaDeWe gesehen wurde. Angeblich soll es sogar bei einer Begegnung auch zu Handgreiflichkeiten gekommen sein (Ohrfeige oder so).

Selbstverständlich bleibt es Sean Garner unbenommen sein Geld (oder etwas von dem, was er von der Gemeinde zu Leben erhält) in das KaDeWe zu tragen. Nur sollte der vorbildliche Christ überlegen, wie er das vor seiner Gemeinde rechtfertigt: Selbstsüchtig überflüssiges Geld in einem Nobelkaufhaus unter die Leute zu bringen und dann noch die Zeit nicht in der Gemeinde zu verbringen. Jedem anderen würde dies als Sünde vorgehalten und er würde zur sofortigen Umkehr von diesem Verhalten aufgefordert, denn es entspricht doch nicht dem Lebensstil eines Jüngers der ...

Humorvoll, wie Axel P. nun mal so ist, kam es überraschender Weise am abend des 26. August 2000 in Berlin-Tempelhof zu einer weiteren Begegnung mit Sean Garner. Axel, der wie Sean Kunde des KaDeWe ist, hat eigens für Sean einen eleganten schwarzen Baumwollbeutel mit dem Aufdruck "KaDeWe" mitgebracht. Sollte es ihm gelingen, so wollte Axel diesen Beutel Sean als Geschenk überreichen.

Das geduldige Warten hat sich gelohnt. Mit einem Großraumtaxi traf Sean mit seiner Frau ein. Kurz nach dem Ausstieg (aus dem Taxi natürlich) von Sean, ging Axel auf ihn zu und begrüßte Sean freundlich, wieder auf Englisch, damit er es auch versteht. Sean aber schien Axel zunächst nicht wiederzuerkennen. Zu sehr war er wohl von seinen vor dem Gebäude wartenden Anhängern geblendet. Als schließlich Axel Sean den KaDeWe-Beutel mit den Worten: "I have a little gift for you" überreichen wollte, schien Garner erst zu realisieren, was da vorging (er hatte den Beutel schon fast in der Hand). "No, I don't like that" - so die ablehnenden Worte von Garner. Die Frau von Sean, die Vorgang beobachtet hatte, reichte trotzdem Axel die Hand und strahlte rechte geistesabwesend. Sie hatte Axel nicht wiedererkannt.

Ob Sean Garner weiterhin der Kaufeslust im KaDeWe fröhnt, weiß man nicht. Eines jedoch weiß ich ganz genau: Da wird wohl reichlich Wein gesoffen und Wasser gepredigt. Wenn das die untergeordneten Mitglieder in der Gemeinde von Garner wüßten?

H.S.

P.S. Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, daß Sean Garner am 6.12.1998 in der Firma angerufen hat, in der Axel arbeitet. Sean hat frech behauptet, Axel würde ihm mehrfach Drohbriefe per Firmenh.p.wepf@bibelkreis.ch geschickt haben. Richtig ist, daß Axel zwei h.p.wepf@bibelkreis.ch an den Verein geschickt hat, dem Sean vorsteht und um Drohungen hat es sich bestimmt nicht gehandelt. Es ging im besonderen um anonyme Anrufe eines Mitglieds der Gemeinde bei Axel. Was wollte Sean damit erreichen?! Wahrscheinlich hat er geglaubt, Axel würde aus der Firma geworfen (was natürlich nicht geschehen ist). Das erinnert ganz stark an Methoden, wie sie auch die Scientologen einsetzen, um Aussteiger und Kritiker "mundtot" zu machen.

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Tiefe Freundschaften

Fast jeder Aussteiger braucht in seiner persönlichen Aufarbeitung der Erfahrungen in der ICOC lange Zeit, um wirklich realisieren zu können, was „Freundschaften“ innerhalb einer solchen religiösen Extremgemeinschaft bedeuten.

Nach der Ideologie der ICOC müssen im Endeffekt „tiefe Freundschaften gebaut“ werden, damit ein Zusammenleben im „Reich Gottes“ nach der Interpretation der ICOC möglich ist. Dies betrifft vor allem die Zeit nach der Taufe.

Bei der Rekrutierung von neuen Mitgliedern wird dieses problematische „Freundschaftsmodell“ gezielt eingesetzt. In jedem Fall ist es Ziel, zum Gottesdienst und oder einem Bibelkreis Eingeladenen schnell eine „Freundschaft“ anzubieten. Dies geschieht natürlich zur Einbindung in die Gemeinschaft. Denn wer hat nicht gerne nette Freunde und mit Freunden verbringt man häufig viel Zeit. Zu Freunden hat man auch Vertrauen, mit Freunden spricht man über persönliche und intime Dinge. An Freunden kann man sich messen und vergleichen. Freunde können auch Vorbilder sein. Oder man selbst wird von den Freunden (der ICOC) zu einem vorbildlichen und eifrigen „Christen in spe“ (Studierender der Bibel) gemacht.

Die neuen Freunde in der ICOC können sehr gut schmeicheln, loben und anspornen, aber auch (mal) belehren und ermahnen. Eigentlich unmerklich nehmen diese Freunde während des Bibelstudiums Einfluß. Sie schleichen sich sozusagen in die Persönlichkeit des Neugeworbenen ein. Auffällig ist, daß die getauften Mitglieder (die bereits „Jünger machen dürfen“, also an einer Bibelstudie mitwirken) von sich aus (unaufgefordert) sehr viel von sich erzählen bzw. aus ihrem „Innersten“ preisgeben. Davon abgesehen, daß wahrscheinlich nicht immer alles so stimmt, soll damit erreicht werden, daß der Neue seine Hemmungen oder auch Zweifel ablegt und sich völlig öffnet. Das würde ich sogar als „blindes Vertrauen“ bezeichnen.

Eine Freundschaft in der ICOC entwickelt sich also nicht in einem (vorsichtigen) Annäherungsprozess und wächst durch das Zutun beider Seiten. Es sind einseitig, von Mitgliedern der ICOC „auftragsgemäß“, geknüpfte Beziehungen, die eben rein Zweck- und Zielorientiert sind. Das merkt man natürlich erst nach einer Distanzierung oder dem Ausstieg. Plötzlich werden die „Freunde“ sehr bedrängend. Es erfolgen Anrufe, Besuche, Briefe werden geschrieben und kleine Päckchen werden geschickt. Das alles geschieht nur, um den drohenden „Abfall vom Glauben“ abzuwenden. Denn wer nicht mehr in der ICOC seinen christlichen Weg gehen will, dem wird pauschal vorgehalten, vom Glauben an Gott abgefallen zu sein. Stärker ausgedrückt wird sogar behauptet, der Teufel versuche einen von Gott wegzubringen.

Ich würde die Beziehungsebene „Freundschaft“ in der ICOC mit einer Art „Gleichschaltung“ bezeichnen. Nach der Taufe gehört man zur „Familie“ und das Verhalten als „Familienmitglied“ wird explizit vorgegeben (und auch permanent vor der Taufe von den werbenden Mitgliedern vorgelebt). Eine Freundschaft in der ICOC, die in der Jüngerschaftsbeziehung stets gleichgeschlechtlich ist, kann durchaus sehr harmonisch und liebevoll sein. Das Bekenntnis „Ich hab Dich lieb“ drückt eigentlich aus, die Beziehung ist (wieder) in Ordnung, man befindet sich (noch) auf der gleichen Ebene.

Viele Mitglieder schmücken sich gerne mit „Freundschaften“ zu den als Leiter Auserkorenen wie beispielsweise derzeit Dean Farmer, der Leiter der ICOC im deutschsprachigen Europa mit einigen Ostblockstaaten. Natürlich bestimmen die Leiter selbst, wer in den Kreis der „Leiterschaft“ aufgenommen wird.

Ehemalige Mitglieder berichten oft davon, daß sie sich nicht vorstellen könnten, die Freundschaften in der Gemeinde seien nur vorgetäuscht und Zielorientiert. Leider muß man als Ex-Mitglied sehr schnell die leidvolle Erfahrung machen, daß sich die angeblichen Freunde von einem abwenden, wenn man nicht mehr den Weg mit der ICOC weiter gehen will. Schließlich kann es von Vorteil sein, sich einer Aussteigergruppe anzuschließen, denn dort findet man seine Erfahrungen bestätigt und kann sich gute Argumente für eine eventuelle Auseinandersetzung mit den „alten Freunden“ aus der ICOC holen.

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Begegnungen im Wedding

Seit bald 4 Jahren ist die ICOC dort zahlender Untermieter. Das Gebäude gehört einem Verein unter dem Namen „Gemeinde Gottes e.V.“ Der Verein kann sicherlich das Geld der ICOC gut gebrauchen. Aber das will gar nicht erzählen. Im Jahr 1995 war ich Mitglied der damaligen „Gemeinde Jesu Christi Berlin e.V.“ Mein Ausstieg war im Frühjahr 1996 vollständig geschafft. Ich habe die Veranstaltungen der ICOC noch im ehemaligen Gewerkschaftshaus in Mitte (nähe Märkisches Museum und Jannowitzbrücke) miterleben können. Einige Zeit später tauchten zu meinem Entsetzen die „ehemaligen Brüder und Schwestern“ (natürlich nicht nur die aus der alten DDR) in „meinem Kiez“, dem Wedding auf. Das hat mir zunächst ganz schön zugesetzt, denn plötzlich traf ich (besonders Dienstags Abend) immer wieder in der U-Bahn, der Müllerstraße, der Gegend um den Leopoldplatz und eben auch bei Karstadt auf diese Menschen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nur gehe ich mit diesen Begegnungen jetzt anders um. Am Anfang beschleunigte sich stets mein Puls, wenn ich wieder einen oder eine von „Denen“ sah. Zunächst bin ich einer direkten Begegnung ausgewichen. Zu sehr schmerzten noch die traurigen Erfahrungen nach meinem Ausstieg.

Irgendwann habe ich dann mein Verhalten geändert und bin zuweilen direkt auf die mir bekannten Menschen zugegangen und habe einige auch angesprochen. Jedes mal bemerkte ich auf der anderen Seite eine merkwürdige Nervosität und Verunsicherung. Besonders diejenigen, mit denen ich seinerzeit in einem Bibelkreis war, reagierten zum Teil sehr krass. „Ich möchte nicht, das Du mit mir sprichst“ sagte beispielsweise Marianne zu mir, als ich mich in der U-Bahn zu ihr stellte. Die Zeit über schien sie mir zuzuhören, war aber nicht in der Lage das „Gespräch“ zu beenden bzw. mir deutlich zu sagen, daß sie nicht mit mir sprechen wolle. Einmal traf ich beim Umsteigen am Leopoldplatz auf eine Frau aus der ICOC, die ich noch vom Sehen kannte. Die ist regelrecht vor mir weggelaufen. Auch das bisher einzige Zusammentreffen nach meinem Ausstieg mit Frohmut war von einer seltsamen „Stimmung“ begleitet. Von den Begegnungen mit meinem ehemaligen Jüngerschaftspartner Markus möchte ich hier nichts erzählen; das ist ein eigenes Kapitel von dem ich vielleicht ein anderes Mal berichten werde.

Warum kann man diesen Menschen nicht (mehr) normal begegnen?!

Solange die ICOC weiterhin vor ehemaligen Mitgliedern warnt, diese Menschen und Mitchristen als „Abgefallene“, „Ketzer“, „Verbündete des Satans“ oder auch als „vom Teufel besessen“ tituliert, wird sich nichts ändern. Es ist für mich erschreckend, wenn ich sehe und erlebe, wie sich Menschen von Vertretern einer autoritären und totalitären Organisation wie der ICOC derart beeinflussen lassen. Diese Beeinflussung geht meiner Meinung nach mit einer gefährlichen Manipulation einher. Wenn mir eingetrichtert wird, daß es für mich (und mein geistiges Wachstum in der ICOC) nicht gut sei, mit „Abgefallenen“ zu reden, dann muß ich natürlich mindestens ablehnend reagieren. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus: Menschen, die mir einmal gesagt und beteuert haben, sie hätten mich lieb, wechseln die Straßenseite oder laufen angsterfüllt vor mir weg. Ich ahne, was geschieht, wenn raus kommt, daß man als einfaches Mitglied gegen den „Befehl“ ehemalige Mitglieder zu meiden, verstoßen hat. Bei den „Leitungskadern“ (und davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge in der ICOC) sieht es etwas anders aus. Die dürfen sich, immer mit der Bibel bewaffnet, schon mal an einen der „Abgefallenen“ heranwagen. Allerdings wird da nicht diskutiert oder es werden Meinungen ausgetauscht. Der Auftrag lautet offenbar: „Zeigt denen, daß sie keine richtigen Christen sind, daß sie von Gott meilenweit entfernt sind oder gar ganz vom Glauben abgefallen sind und vor allen Dingen, daß deren Erfahrungen nichts weiter als Lügen sind.“

In den letzten Monaten habe ich immer wieder Mitglieder der ICOC am Leopoldplatz gesehen. Gestern, am 13. März 2001, auch Christine, die etwas gestreßt mit Kinderwagen bei Karstadt einkaufte. Vor dem Eingang meine ehemalige „Dating-Partnerin“ Sabine, blaß und müde - offenbar beim „Missionieren“. Da bemerkte ich plötzlich wieder: Es muß heute Dienstag sein und in einer Stunde beginnt die sog. Berufstätigenandacht (Vereinsversammlung) in der Neuen Nazarethkirche. Es hat eine Zeit in meinem Leben gegeben, da habe ich es vermieden an Dienstagen am Leopoldplatz einkaufen zu gehen. Heute ist das wieder anders. Schließlich lebe ich seit 13 Jahren in „meinem Wedding“, viel länger als die Mitglieder der Boston-Church ihr „Verwirrspiel“ am Leopoldplatz treiben. Helmut Schmidt – 14.3.2001

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Mutterinstinkt

Wir fuhren in der Nacht von Freitag auf Pfingstsamstag mit dem Auto los, d.h. ich saß am Steuer und Mirko machte es sich mit seinem Bettzeug auf der Rückbank bequem (Tut mir leid, lieber Mirko, aber es sind tatsächlich nur wir beide nach Düsseldorf gefahren!). Ziemlich übermüdet sind wir dann am Samstag morgens in Düsseldorf angekommen. Meine Mutter kam gerade aus dem Haus, als wir vorfuhren. Bei der Begrüßung stellte ich Mirko als meinen „christlichen Bruder“ vor, was bei meiner Mutter zu einigen Irritationen führte. Sie wußte lediglich aus Telefonaten, daß ich seit einiger Zeit in einer „christlichen Gemeinde in Berlin“ sei. Mirko war freundlich, wich aber kaum von meiner Seite.

Dank diesem „Auftritt“ und dem Verhalten von Mirko und mir, sprach mich meine Mutter bei einer Gelegenheit allein in der Küche an. Sie fragte mich, ob „dieser Mirko mein Aufpasser sei“. Ich beruhigte sie mit den Worten, daß schon alles in Ordnung sei. Doch das kam wohl nicht sehr überzeugend rüber. Meine Mutter blieb skeptisch.

Mirko genoß sichtlich die Gastfreundlichkeit meiner Mutter, er hatte einen gesegneten Appetit und war froh, als er Gelegenheit hatte, lange Telefonate mit seiner Verlobten in Berlin zu führen (Christine hat ihn zurückgerufen). Wir verbrachten aber nur wenig Zeit in der Wohnung meiner Mutter. Mirko wollte einen „Giselher“ ausfindig machen, der irgendwo in einem Vorort von Düsseldorf wohnen sollte und erst vor kurzer Zeit mit dem „Missionsteam“ aus München gekommen war. Unsere Suche war am Samstag allerdings erfolglos. Erst am Abend erreichte Mirko jemanden per Telefon und konnte so herausbekommen, wo der Gottesdienst am Sonntag stattfinden sollte.

Am Pfingstsonntag fanden wir uns in einer großen Wohnung in der Charlottenstraße in Düsseldorf (Bahnhofsnähe) ein. Dort sollte auch der „Gottesdienst“ gehalten werden. In dem Wohnzimmer versammelten sich rund 30 Leute und der damalige Leiter aus München, Thomas Marks, hielt eine „Predigt“. Lautes Rufen oder Klatschen war nicht gewünscht, da es sich um eine Privatwohnung handelte. Man einigte sich darauf, anstatt Applaus, mit den Händen über dem Kopf zu wedeln.

Die Rede von Thomas Marks ging mir durch Mark und Bein. Als er schließlich davon sprach, es gäbe auch Jünger, die es nicht schaffen, täglich ihren Glauben mitzuteilen und andere Menschen einzuladen (denn das stand ja nun in Düsseldorf an). Aber in der Gemeinde (Gemeinschaft) könne man seinen Lebensstil dahingehend ändern, es gäbe viel Unterstützung und Hilfe dabei. Doch wer dies ausschlägt, der soll es lassen. In diesem Moment lief es mir eiskalt den Rücken runter. Ich dachte: Helmut, dann laß es ...

So waren die Weichen zu meinem Ausstieg aus der ICOC gestellt. Kurz nach unserer Rückkehr aus Düsseldorf habe ich zunächst die Kontakte abgebrochen und keine Veranstaltungen der Gemeinde mehr besucht. Erst viel später, als ich detaillierte Informationen bekommen hatte (Danke übrigens, liebes Sekten-Info-Essen), wurde mir bewußt, auf was ich mich da eingelassen hatte bzw. wovon ich mich distanziert hatte. Aus der Distanz, die mir wieder Freiraum zum Nachdenken gegeben hat, wurde dann die bedingungslose Entfernung, der Ausstieg war fast geschafft.

Pfingsten 1995 in Düsseldorf wird mir unvergessen bleiben. Ganz besonders wegen meiner (leider 1999 gestorbenen) Mutter, die mich ganz deutlich spüren ließ, daß sie Angst um mich hatte. Dieses Erleben hat den entscheidenden Impuls für meinen Ausstieg gegeben. Dies ist aber nur ein Weg von vielen anderen.

Helmut Schmidt, 8. März 2001

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Kein Herz für Aussteiger

So wie die Leiter der ICOC ihre eigenen Leute unter Kontrolle halten wollen, sind sie auch bemüht, die Demonstranten (überwiegend Aussteiger) nicht alleine zu lassen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, die Leitung sei nicht Herr der Lage und liefert die Mitglieder den erklärten Gegnern hilflos aus. Regelmäßig unangenehm tritt der abgesetzte Leiter der Münchener Gemeinde bei unseren Aktionen auf den Plan. Mit einer überheblichen und gespielten Freundlichkeit versucht er alle Demonstranten mit Handschlag zu begrüßen. Doch gelingt es Christian Herbst nicht, uns dadurch zu „entwaffnen“. Er fühlt sich berufen, auf Manndeckung zu gehen, meistens habe ich diesen Typen am Hals. Er scheut nicht davor zurück, seine Unsicherheit mit verbalen Angriffen zu überspielen: „Was willst Du schon wieder hier?! – Wir haben doch darüber gesprochen, dass ihr nicht mehr demonstriert! – Habt ihr nichts besseres zu tun?! – Warum bist Du so aufgeregt, Helmut?! usw.“ Da ich –Gott sei Dank- nicht zu den coolen Typen von Christen gehöre, die andere Mitmenschen/-christen bedrängen und verunsichern wollen, sind meine Reaktionen eher zurückhaltend. Mir kommt es nicht auf eine lautstarke Konfrontation an.

Eine Äußerung von einer Sandra bei unserer Demo im November 2000 war in etwa: „Also, wer redet jetzt nun nicht mit wem?! In dem Gespräch mit Astrid Herrmann und Christian Herbst (August 2000), hatten wir unter anderem darüber gesprochen, dass ehemalige Mitglieder (Aussteiger) oft nicht mit den Leuten, die noch in der Gemeinde sind, reden können. Besonders mit denen sie vorher sehr eng verbunden waren. Hier haben Astrid und Christian wohl nicht richtig hingehört. Kaum einer hat ein ernsthaftes Interesse daran, mit Menschen zu reden, die in Ermangelung jeglicher Menschenkenntnis, nur mit der Bibel bewaffnet, eingeübte stereotype Phrasen dreschen. Hier sind private, persönliche und letztendlich vertrauliche Gespräche gemeint.

Natürlich werden Begegnungen der geschilderten Art auch dazu ausgenutzt, von Ehemaligen etwas über die „Aussteigersituation“ in Erfahrung zu bringen. Vielleicht sogar, wer von den Mitgliedern (bereits) Kontakt mit Ehemaligen aufgenommen hat. Das zeugt von einer großen Unsicherheit und Angst, die Kontrolle über die „Gemeinde“ zu verlieren.

Allerdings sollte man nicht alle in die gleiche Ecke stellen. Es gibt auch unter den aktiven Mitgliedern Menschen, die sich von der Organisation nicht völlig einschüchtern lassen und ein Stück weit (noch) ihre eigene Auffassung vertreten. So ärgert sich die Eine darüber, keinen einzigen Abend in der Woche für sich zu haben, eine Andere möchte nicht mehr der leitende Part in einer Jüngerschaftsbeziehung sein. Einer sprach sogar davon, nicht mehr Bibelkreisleiter sein zu wollen, weil er die Konflikte mit dem Leiter (Dean Farmer) nicht mehr aushalten will. Das sind auch interessanten Einblicke in den „Gemütszustand“ einer autoritären Glaubensgemeinschaft.

Ein Wort noch zu Astrid Herrmann: Sie ist nach meinem Erleben eine der wenigen Frauen in der Berliner Gemeinde, die sich noch traut, spontane Gefühle zu haben. Ich denke da an unsere Begegnung und Gespräch am 2. Juli 2000 zurück, obwohl Astrid eigentlich nur die „Manndeckung“ übernehmen sollte. Ich traue ihr durchaus mehr Selbstbewusstsein zu, als sie bisher an den Tag gelegt hat. Nur: Schmetterlinge im Bauch zu haben (wie es Astrid im August 2000 formuliert hat), wenn man mit Aussteigern zusammentrifft und ernsthaft über die Folgen einer Mitgliedschaft in der ICOC redet, reicht mir nicht aus. Ich habe da eher mal Wut im Bauch. Trotzdem, wir Aussteiger sind meistens gesprächsbereit, können es aber nicht so gut leiden, wenn von Mitgliedern der ICOC versucht wird, uns als „Abgefallene“, „Ketzer“ oder „Verbündete des Satans“ hinzustellen. Das ist keine Art unter Christen miteinander umzugehen.

Helmut Schmidt, März 2001

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Ein Gespräch im August 2000

ICOCler reden mit Aussteigern – Bericht von Helmut Schmidt

22.8.2000: Die Pressesprecherin der „Internationalen Gemeinde Christi“ in Berlin, Astrid Herrmann, hat die Idee eines Gesprächs aufgegriffen und Ende Juli einen Terminvorschlag gemacht. Aufgrund der Feriensituation fand das Gesprächstreffen jedoch erst am 17. August 2000 statt.

Nach anfänglichen kleineren Schwierigkeiten bei der Auswahl der Teilnehmer, trafen in lockerer Atmosphäre die Aussteiger und ehemalige Mitglieder Lutz Kosanke (München) und Helmut Schmidt (Berlin) sowie Daniela Weber (Religionswissenschaftlerin aus Berlin) mit Astrid Herrmann (Pressesprecherin) und Christian Herbst (ehemaliger Gemeindeleiter in München) zusammen.

Die Themenwahl war noch völlig offen, es war schließlich der erste ernsthafte Versuch miteinander ins Gespräch zu kommen, vielleicht sogar in einen Dialog zu treten. Allerdings traten als Vertreter der Sekte zwei langjährige Mitglieder an, die in der Vergangenheit eher distanziert mit der Aussteigerproblematik umgegangen sind. Astrid Herrmann hat stets die restriktive Informationspolitik der ICOC vertreten und hat besonders gegenüber Anfragen von Medienvertretern eher ablehnend reagiert. Offensichtlich haben aber die Begegnungen während der Demonstration am 2. Juli 2000 bei ihr ein ernsthaftes Interesse an einem Gespräch geweckt.

Christian Herbst hat als „abberufener“ Leiter der Münchener Gemeinde (1997) direkte und intensive Erfahrungen mit einer besonderen Aussteigerproblematik machen müssen. Damals wurde rund 40 Mitgliedern nahegelegt, über eine Umkehr von einem nach der ICOC-Lehre „sündigen Lebensstil“ nachzudenken. Dazu führte Herbst mit Hilfe von Randy McKean (dem Bruder des Sekten-Führers Kip McKean) sog. „Umkehrgespräche“, die jedoch nur bei wenigen der vom „Abfall Bedrohten“ Wirkung gezeigt haben.

Im Verlaufe des Abends kristallisierten sich einige Schwerpunkte heraus, die im „Dialog“ angesprochen wurden. Natürlich waren sich die Teilnehmer dieser Runde klar darüber, daß eine wirkliche Annäherung und Verständigung nicht erfolgen wird (kann). Neben dem kritikwürdigen und zuweilen auch konfliktträchtigen Umgang der ICOC mit Aussteigern (ehemaligen Mitgliedern), wurde über den Aspekt des „Rettungsverlustes“ bei einem Austritt aus der Gemeinde gesprochen.

Sowohl Astrid Herrmann, wie auch Christian Herbst haben eingestanden, in der Vergangenheit auch Fehler im Umgang mit Menschen gemacht zu haben. Diese wurden jedoch als „Lernprozesse“ verteidigt. Mit der Seele der ihnen anvertrauten Menschen scheint  man sich aus Unkenntnis über Psychologie nur schwer befassen zu können. Im Vordergrund steht ein Wachstums- und Erfahrungsprozeß im geistlichen Sinne, abgleitet aus der der ICOC eigenen Bibelauslegung. Mitglieder in seelischen Krisensituationen (z.B. gibt es extreme Selbstmordgefährung bei ehemaligen Mitgliedern der ICOC) können so nur sehr schlecht aufgefangen werden. Dieser sensible Punkt wurde von Daniela Weber angesprochen und von Astrid und Christian ein wenig erstaunt aufgenommen. Eine konkrete Stellungnahme haben sie jedoch nicht dazu abgegeben.

An diesem Ausweichen hat nach meinem Empfinden das ganze Gespräch gelitten. Ich hatte oftmals während unserer Unterhaltung das Gefühl, die beiden Vertreter der ICOC befinden sich auf einer anderen Ebene und argumentieren nur sehr vage und oberflächlich. Daher war auch eine echte Diskussion nicht möglich.

Hinzu kommt: Astrid hat sich im ersten Teil des Gesprächs sehr zurückgehalten und Christian das Feld überlassen.

Zum Abschluß hat Christian Herbst angeboten, als Vermittler bei Gesprächen zwischen Aussteigern und Mitgliedern der Gemeinde aufzutreten. Er erwähnte mehrfach, daß er viele Leute kenne, die die Gemeinde verlassen haben und trotzdem noch z.T. intensive Kontakte zu Mitgliedern pflegen. Ob wir ihm vermitteln konnten, daß es sich bei diesen Menschen nicht um wirkliche Aussteiger handelt, die für sich festgestellt und entschieden haben, mit Gottes Hilfe einen anderen Weg gehen zu wollen, bleibt fraglich. Denn im Fall eines konsequenten Ausstieges besteht nach unseren Erfahrungen kaum noch Bedarf an „geistlichen Gesprächen“ mit Mitgliedern der ICOC. Zumal, wenn vor Aussteigern in der Gemeinde gewarnt wird („meidet die Abgefallenen“) und diesen Mitchristen ein Bündnis mit dem Teufel unterstellt wird.

Christian Herbst hat deutlich klargestellt, daß es nach ICOC-Meinung biblisch sei, bestimmte Menschen (Aussteiger) als „böse zu kennzeichnen“ und deshalb auch legitim vor „solchen Leuten“ zu warnen.

Eines konnten wir allerdings als positives Ergebnis aus diesem Gespräch mitnehmen: Es kann eigentlich nicht verwerflich oder sündig sein, mit Aussteigern bzw. ehemaligen Mitgliedern zu sprechen, wenn dies Astrid und Christian tun. Inwieweit dies „einfachen Mitgliedern“ möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Wir AussteigerInnen in Deutschland stehen zur Verfügung!

Wir haben keinen Folgetermin vereinbart und auch nicht in absehbarer Zeit in Aussicht gestellt. Daniela Weber bekundete ihr Interesse an einem Gespräch mit Dean Farmer.

Berlin im August 2000

Helmut Schmidt

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Es gibt noch ein Leben Außerhalb

Nachfolgend wird aus einem Brief zitiert, den ein junger Mann 2 Jahre nach seinem Ausstieg aus der Münchener Gruppe der ICOC (damals „Gemeinde Christi München e.V.“) an den Gemeindeleiter Christoph Meister geschrieben hat.

Das ehemalige Mitglied Berthold (Name geändert) möchte zunächst klarstellen, daß dieser Brief keine Feindseligkeit zum Ausdruck bringen soll oder gar als Kampagne gegen die ICOC zu verstehen ist.

„Zurückblickend bin ich (jedoch) heilfroh, daß es so gekommen ist, obwohl die Zeit danach für mich nicht einfach und die Trennung mit Schmerzen verbunden war. (...) Es gab trotz verschiedener Konflikte auch schöne, wertvolle Zeiten, die ich persönlich auch erlebt habe. Die Gemeinde tut viel Gutes im Sinne Gottes und praktizierende Nächstenliebe. Doch im Nachhinein möchte ich (...) einige Erfahrungen, meinen Unmut und Ärger mitteilen.

Es haben sich schon viele Dinge in meinem Leben geändert, (...) worin mir auch die Gemeinde, als Gruppe, sehr geholfen hat. Jedoch in vielen (anderen) Dingen hat sie (die Gemeinde) mir in keinster Weise geholfen und mich sogar in anderen Bereichen, gerade auch was meine Talente betrifft, behindert.“

Berthold mahnt Fehler bei der Leiterschaft an. Er ist bereit ihnen dafür zu vergeben, will aber die „Angelegenheit nicht einfach unter den Teppich kehren“ und auf keinen Fall vergessen. Er kritisiert in erster Linie den Leistungsdruck des „Jüngermachens“. Er ist davon überzeugt, daß viele Dinge, die er in der ICOC erlebt hat, auch Anderen so widerfahren sind.

„(...) Fazit: die Gemeinde Christi ist eine (Sekte) Glaubensgemeinschaft, in der sektiererische Machenschaften am Werk sind und das es in vielen Dingen um totalitäre Machtansprüche (von Seiten) der Leiterschaft geht. (...) Es wurde von den Mitgliedern allezeit Glaubensgehorsam gefordert, jedoch kam auch von Seiten der Leiterschaft in mancher Hinsicht kein ausreichendes Verständnis und Entgegenkommen, gerade auf die Schwächeren im Glauben. Wie in der Welt: „Nur der Starke setzt sich durch.“ Das macht offensichtlich, daß eure Bosse überhaupt kein Interesse an den Außenseitern zeigten, sondern nur diejenigen unterstützen, die als funktionsfähige Jünger, brav und artig in allem konform mitliefen.“

Er stellt in Frage, daß sich in der Zwischenzeit etwas geändert haben könnte. Berthold geht dann auf den Absolutheitsanspruch („Absolutheitsgrößenwahn“) ein und kritisiert den „völlig übertriebenen Sittenkodex“ in der ICOC.

„(...) Viele Auslegungen (der Bibel) werden bei Euch ein Stück weit so ausgelegt, wie ihr es haben wollt. Ich möchte sogar behaupten, daß Vieles einfach falsch, völlig überbewertet und zu einseitig betrachtet und ausgelegt wird. Abgesehen von der Tatsache, daß auch viele Dinge, die in der Bibel stehen, veraltet sind und in der heutigen Zeit, im Praxisalltag nicht mehr umsetzbar sind. (...) Selbst wenn man versucht hat, einen Freien Geist, auch in punkto persönlicher eigener Ansicht zu vertreten, konnte man zwar hin und wieder mit seinem Jüngerschaftspartner darüber diskutieren, doch zu guter letzt bekam dieser ohnehin immer recht. (...) Es wurde immer große Freiheit in Christus gepredigt, jedoch wurde keinem (...) auch nur ein bißchen eigener Spielraum gewährt. Kurz: Die totale Einengung!“

Raum für Kreativität wurde nicht geboten. Projekte wie Band-, Theater- oder Chorgruppe wurden kurzerhand wieder eingestellt. Das „Jüngermachenhinterhergehetze und Leuteindengottesdiensthineingezerre“ sei dafür die Hauptursache.

„(...) Wenn es dann doch gelang, Menschen für Gott zu begeistern und diese auch tatsächlich in den Gottesdienst kamen, war es (dieses) dann noch immer nicht gut genug! Auch begeisterte, strahlende und leuchtende Augen änderten nichts daran. Man bekam in den Andachten ständig eingetrichtert, daß das, was man tat, einfach noch nicht gut genug war. Auch gute Gruppenkonstellationen, in denen sich spürbar gute Freundschaften entwickelten, wurden deswegen ständig umstrukturiert.“

Nun wird der sensible Bereich der psychischen Beeinflussung angeschnitten. Allein durch die Einengung der Mitglieder in ihrer Freiheit wurden „psychische Belastungen und Schuldgefühle hervorgerufen“, die nicht ohne weiteres wieder aus der Welt geschafft werden können.

„(...) Das sage ich aus eigener Erfahrung! Man kann sich auch mit Frömmigkeit selbst im Wege stehen. Besonders deutlich wurde dieses auch in Beziehungen zwischen Schwestern und Brüdern. Diese unmöglich hohen Erwartungshaltungen, welche Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt sein müssen, um eine tiefere Freundschaft eingehen zu können, war beängstigend. Abgehobenes Gerede wie „Schwestern wolle nur absolut geistige Brüder“ oder „Such dir die geistigste Schwester aus“, haben Hemmungen ausgelöst (...)“

Ein großes Manko in den zwischenmenschlichen Beziehungen führt Berthold als einen der Hauptgründe für seinen Weggang an. Die Jüngerschaftsbeziehungen empfand er als unzulässiges Eindringen in seine Privatsphäre. Bei vielen Leitern konnte er eine geistige Unreife feststellen. Er sieht Defizite bei der Menschlichkeit, Wärme, Verständnis, spontane Kreativität und Toleranz.

„(...) Ich habe dort eine Menge an positiven Erfahrungen gemacht und trotz der Problematik, viele Menschen in mein Herz eingeschlossen. Selbstverständlich werde ich aber all diejenigen, die mir in meinem Leben noch begegnen werden (und auf der Suche nach Gott sind) auf meine negativen Erfahrungen, die ich in der Gemeinde gemacht habe, hinweisen. Das soll keine Kampagne gegen die Gemeinde sein, jedoch möchte ich meine Erfahrungen weitergeben, damit wir aus ihnen lernen können.

Es gibt noch ein Leben außerhalb der Gemeinde Christi München e.V.!“

Dieser Brief blieb, wie auch ein anderer Brief von Berthold an Christoph Meister, bis heute unbeantwortet.

Aufgezeichnet von Helmut Schmidt im November 2000

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International Churches of Christ und die Borgs

Viele Eltern, Verwandte und Freunde von „Jüngern Jesu“ der ICOC können sich oft genug keine Vorstellung davon machen, wie das Leben in der Gemeinde so tagtäglich verläuft. Vielleicht kennst Du ja die menschlichen Roboter aus der Serie „Raumschiff Enterprise“ und „Raumschiff Voyager“. Als ehemaliges Mitglied kommt es mir vor, als schaut sich Kip McKean ständig solche Filme über die Borg an.

Die Borg, Sammler unterschiedlicher Geschöpfe aus den fernsten Winkeln der Galaxien verleiben sich ganze Besatzungen der Raumschiffe ein, die sie kapern. Wenn die Borg Dich erwischen, so werden Apparaturen an deinen Augen und den Händen angebracht, um deinen Körper an das Kollektiv zu binden. Sie assimilieren Dich. Bei den Borg bist du nach den vielen Operationen mit Meßsonden und Sendern voll überwachbar und steuerbar. Du erhältst Deine Befehle direkt von Deiner Gruppe, der Du durch Deine besonderen Fähigkeiten zugeordnet bist. Jeder Borg hat eine spezielle Aufgabe zu erfüllen, die seinen speziellen Fähigkeiten entspricht und die mit seinen Werkzeugen leicht ausführbar ist.

So auch die ICOC, die zwar keine Raumschiffe kapert, doch wenn die Sterne günstig stehen, werden die Verwandten und Freunde der Mitglieder gleich mit zu Jüngern gemacht. Die ICOC treibt Dich als Interessent durch ein mehrstündiges Bibelstudium, daß über Wochen verteilt wird, bis jede Einstellung oder Meinung, die der Lehrmeinung der ICOC zuwider steht, seziert ist. Fragen wie „Das habe ich nicht verstanden“ oder „aber die Wissenschaft sieht das doch anders“ wird mit „du bist eben stolz, deshalb kannst du das nicht annehmen“ beantwortet. Wenn die Studie „Sünde“ absolviert ist, kommt schon auch mal „siehst du, daß Sünde in deinem Leben ist“ oder „Satan verführt und belügt dich“ vor. Wenn Du an einen strengeren „Ausbilder“ gerätst, kann schon mal kommen: „Das Reich Gottes ist eben keine Demokratie“.

Mittlerweile hat sich ein Jünger aus der Gemeinde sich ganz speziell auf Dich eingestellt. So etwas nennt man Jüngerschaftspartner, der darauf achtet, daß Du keine Sünden begehst. Du wirst nach Wochen angestrengten Durchknetens Deiner Überzeugungen, und wenn sicher ist, daß Du Deinen Verstand bei deinem Jüngerschaftspartner abgegeben hast, zu einem Jünger Jesu - einfach so über Nacht. Du holst Dir bei allen Lebensentscheidungen immer vorher den Rat Deines Jüngerschaftspartners ein. Du holst Dir Rat und holst nicht etwa eine Erlaubnis ein. Ob Du nun die Arbeit wechseln willst, ob Du Dir ein paar Schuhe kaufen willst oder auch, ob die nächste Currywurst vielleicht doch zuviel des Guten ist - denn Du willst gerade abnehmen, um attraktiver zu sein und so mehr Leute für die wahre Gemeinde Gottes zu gewinnen, alles ist bei Deinem Jüngerschaftspartner an der richtigen Stelle. Dein Jüngerschaftspartner ist sehr demütig und unterwirft sich Gott und deshalb fragt er wiederum bei seinem Jüngerschaftspartner nach. Du bist völlig von der Richtigkeit des Stoffs überzeugt und trägst nur noch den Standpunkt der ICOC zu Tage. Dein Bibelkreisleiter bespricht mit dem Gemeindeleiter die Taufe und Du erhältst eine persönliche Audienz beim „König“ der Gemeinde.

Der „König“ prüft dann nochmals, ob Du wirklich als Jünger lebst. Erst dann folgt der große Tag, nämlich die Aufnahme in das Kollektiv - die Taufe. Du wirst an einem Tag, wenn möglichst viele Gäste da sind, vor die Gemeinde geführt. Ein Jünger Jesu, der dich besonders gut kennt, stellt Dich mit Namen vor. Ein weiterer sagt Dir dann wie sehr er Dich während des Bibelstudiums lieben gelernt hat und was er an Dir besonders schätzt. Dann kommt noch einer, der einen Vers aus der Bibel zitiert - Dein Taufspruch. Dann wirst Du hochfeierlich gefragt, ob Du an Jesus Christus glaubst, daß er der Sohn Gottes ist, daß er gekreuzigt wurde und daß er am dritten Tage auferstanden ist. Du antwortest mit stolzer Brust „Ja“. Dann wird Dir die Frage „was ist dein gutes Bekenntnis“ gestellt. Du antwortest: „Jesus ist mein Herr“. Dann geht es in das Taufbecken. Nachdem Du den Heiligen Geist empfangen hast und die Vergebung Deiner Sünden erhalten hast, stehst du naß, erleichtert und frierend vor Deinem Taufbecken. Ein Leiter stößt ein Dankesgebet auf dich aus und es donnert der Gesang der anderen Jünger „Ich will dir folgen - Jesus“. Danach wird Dir gesagt, zu welchem Bibelkreis Du gehören wirst und warum man denkt, daß sich Gott Dich genau an dieser Stelle wünscht. „Du kannst in diesem Bibelkreis am meisten für Gott erreichen“.

Die Borg treten immer in Gruppen von acht bis zehn Kreaturen auf. Eine Gruppe von Borg hat einen gemeinsamen Bereich, indem Ladestationen stehen und in die sie sich zurückziehen, um sich zu regenerieren. Wenn sie sich nicht regenerieren arbeiten sie. Die Werkzeuge einzelner Borg sind aufeinander abgestimmt. Wenn sie Raumschiffe kapern, so gehen sie planvoll vor. Nur wenn sich ein Besatzungsmitglied ganz besonders wehrt, wird getötet.

Nach der Taufe wird Dir geraten, in eine der vielen Wohngemeinschaften zu ziehen. Du erhältst neben der Hilfe Deines Jüngerschaftspartners noch geistliche Unterstützung durch die WG. Du teilst Dir ein Zimmer mit einem, manchmal vielleicht auch mit zwei anderen. Abends ab 23 Uhr ist Hausruhe, damit Du am nächsten Tag wieder für Jesus da sein kannst. Nach Deiner Arbeit, um das Geld für Deinen Unterhalt und den Unterhalt der hauptamtlichen Leiter zu verdienen, triffst Du Dich abends mit Deinem Bibelkreis zum „Einladen“: Ihr sprecht paarweise Leute an, ob sie nicht zum Gottesdienst kommen wollen. Manche sagen: „Nein danke“. Denen läuft man noch ein paar Meter nach, um sie mit einer Frage zum stehenbleiben zu bringen. Manche sagen gar nichts und manche bleiben stehen. Mit diesen Menschen unterhält man sich dann höchstens fünf Minuten über ihren Glauben und bittet sie um ihre Telefonnummer. Ist jemand wirklich interessiert und ist die Telefonnummer auch wirklich richtig, wirst Du Dich mit deinem Opfer wieder und wieder treffen, bis klar ist, welche Interessen Dein Opfer hat und welcher aus Deinem Bibelkreis am besten zu Deinem Opfer passt. Nach der „Evangelisation“ trifft man sich dann in der WG, um den Tag abzuschließen.

Ein Borg ist über seine Implantate mit dem Kollektiv verbunden. Alle seine Eindrücke werden wie in einem neuronalen System allen anderen, oder zumindest einigen anderen Borg, mitgeteilt. Bei der Verarbeitung der Eindrücke sind einige Borg an herausragender Stelle. Sie bilden die Schaltstellen zu anderen Gruppen der Borg. So entsteht eine Hierarchie, die bis zur Königin der Borg führt. Erst wenn der Eindruck verarbeitet ist, wird eine Antwort an den betroffenen Borg geschickt. So kann es sein, daß die Borg oft nicht sehen, was eigentlich da ist, weil deren neuronales Prinzip die Wahrnehmung nicht zulässt. Erst wenn eine Wahrnehmung sehr kraß ausfällt, z. B. ein Borg wird getötet, reagiert das Kollektiv. Die Borg konzentrieren sich so auf ihre eigentliche Aufgabe.

In der ICOC ist es eine Aufgabe für alle, allen andern zu helfen, möglichst nicht zu sündigen. Deshalb wird jede Wohngemeinschaft geleitet. Dieser Leiter wird nach Absprache der Hauptleiter von der Gemeindeleitung bestimmt. Dieser Leiter legt die Andacht fest, die jede WG einmal in der Woche halten sollte und es wird eine WG-Zeit festgelegt, in der die ganze WG etwas gemeinsam unternimmt. Jedes Mitglied der WG hat einen Dienst in der WG zu leisten - eines der Zimmer zu putzen oder einkaufen zu gehen. Nun geht es in der ICOC natürlich um Deine Sünde, mit der Du ja radikal und unerbittlich umgehen sollst. Darauf achtet der Leiter der WG ganz genau und berichtet darüber Deinem Jüngerschaftspartner und Deinem Bibelkreisleiter. Wenn Du zu lange schläfst und deshalb die Andacht der WG verpasst, wird Dir der Leiter der WG die entsprechende Bibelstelle dazu zeigen und Dir Ratschläge geben, wie Du die Andacht das nächste Mal nicht verschläfst, um radikal mit dieser Sünde Schluss zu machen. Wenn Du aber zur WG-Zeit ein Essen vorbereitet hast, sich Dein Leiter aber zur WG-Zeit verspätet und deshalb der Braten verkocht ist, so drückt er sein Bedauern aus, denn der Gemeindeleiter hatte ihn aufgehalten, was er sich lieber gefallen lässt als Braten zu essen. Bei der WG-Zeit werden dann in erster Linie Belange der WG behandelt, die der Leiter der WG festlegt - manchmal mit Absprache der Teilnehmer.

So kommt es dann, daß auch die WG einfach etwas übersieht, also wenn Du Dich der Unterschiede wegen nicht wohl fühlst oder wenn Dein Leiter mehrmals seinen WG-Dienst nicht gemacht hat. Wenn Du dann sagst, ich möchte die WG wechseln, so sagt man „das ist sehr ungehorsam, was Du forderst“ oder „Sei nicht so selbstsüchtig“ oder „Du willst nicht geben, was Gott von Dir verlangt, eben daß Du für uns da bist“. Man sagt dann auch „Du stellst ja Forderungen“. Hältst Du inne und sagst dann lieber gar nichts, so sagt man „Du bist ja so still“ oder „von Dir kommt gar kein Beitrag mehr während der Andacht“ oder „achte auf Dein Herz, damit Du nicht fällst“. Irgendwann weist Du gar nicht mehr, wie Du Dich verhalten sollst und sagst dann „Ich schmeiße alles hin und gehe weg“.

Dann ist es wie bei den Borg, denn wenn einer gehen will, muß man natürlich etwas tun. Wer das Kollektiv verläßt, verläßt Gott und jemand sagt zu Dir „Wenn Jesus jetzt auf die Erde kommt, fährst Du in die Hölle, aber sofort“. Dann gibt es Gespräche und Gespräche, denn wer in der Hölle ist, der ist verloren. Dann läßt Du Dich erweichen und kehrst zurück. Aber glaube nicht, daß sich etwas ändert, denn der Leiter der WG, oder Dein Bibelkreisleiter oder Dein Gemeindeleiter sind sturer als zehn Pferde. Ich weiß nicht, wie man aus dem Borg-Kollektiv herauskommt, aus ICOC kommt man sehr leicht heraus: Mache auf einen Mißstand aufmerksam und beharre auf der Beseitigung des Mißstandes. Irgendwann sagt Dir dann einer „Du trägst die Gemeinde nicht mehr mit - Du bist kein Jünger mehr“. Dann hast Du es geschafft.

Rainer Fabian

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Jüngermachen und Verantwortung

Ich möchte hier aus der Sicht des anwerbenden Mitgliedes der GJCB den Vorgang des „Jüngermachens“ schildern. Ich habe diesen Text meinem Jüngerschaftspartner über ein halbes Jahr nach meinem Ausstieg in Form eines Briefes zu lesen gegeben. Meine Absicht war, ihm hier die ungeheure Verantwortung bewußt zu machen, die sich die Gemeinde und somit auch er selbst auferlegt, wenn Menschen „gefischt“ werden. Doch ohne einen gesunden, kritischen Verstand ist es schwer, sich dessen bewußt zu werden.

„Du bist von Deinem Glauben überzeugt, Du willst Dein Leben auf die Bibel gründen, streng nach der Bibel leben. Du siehst Dich als Christ, fühlst Dich seit Deiner Taufe gerettet. Du hast Probleme mit dem, was in der Welt geschieht. Es ist viel Leid, Ungerechtigkeit und Sünde unter den Menschen. Schließlich hast Du den Anspruch, Deine Überzeugung, Deinen Glauben nicht für Dich alleine zu behalten. Du befolgst den biblischen Missionsbefehl, willst zumindest versuchen dem gerecht zu werden.

Nun gehst Du auf die Straße in diese große Stadt Berlin, hast Deine Einladungskarten dabei und betest, Gott möge Dir doch wenigstens einen Menschen schenken, den Du zu ihm führen, ihm Deinen Glauben mitteilen kannst (Du bist überzeugt, daß Du den einzig wahren Glauben hast und lebst). Du verspürt vielleicht den Wunsch, einen Menschen aus der sündigen Welt in das Reich Gottes hinein zu retten. Berlin ist voll von verlorenen Menschen. Sie alle sollen Gott erfahren können. Jetzt sprichst Du jemanden an und überreichst ihm Dein Kärtchen und lädst ihn zu einem tollen Gottesdienst ein, kommst vielleicht sogar mit ihm ins Gespräch. Schon in diesem Moment hast Du Verantwortung gegenüber diesem einen Menschen. Mit Glauben spielt man nicht, Glauben ist kein Geschäft - Du vertrittst also eine sehr ernsthafte Sache. In diesem Moment greifst Du in das Leben dieses Menschen ein, Du willst ihn auf Deine Seite ziehen, denn Du empfindest Dich auf der richtigen Seite bzw. dem richtigen Weg.

Zunächst kennst Du diesen Menschen noch gar nicht. Du hast vielleicht den Eindruck, daß er genau der ist, für den Du zu Gott gebetet hast. Also darfst Du ihn nicht verlieren, denn es heißt: "Machet zu Jüngern alle Völker auf dieser Welt". Dieser Auftrag steht hinter deinen Bemühungen. Dann nimmt der Mensch Deine Einladung tatsächlich an. Er will nächsten Sonntag zum Gottesdienst kommen! Was geht jetzt in Dir vor? Du freust Dich, bist glücklich und willst auch schnell Deinen Brüdern und Schwestern aus Deinem Bibelkreis diese gute Nachricht überbringen. Du hast ersten Erfolg gehabt. Gott hat Dich benutzt, wird in der Gemeinde gesagt, und das willst Du ja schließlich auch. Das muß für Dich wirklich ein großes Gefühl sein, wenn der Eingeladene dann tatsächlich am Sonntag zum Gottesdienst erscheint. Dieser Mensch ist vielleicht katholisch, evangelisch -welcher Konfession auch immer- hat mit Glauben und Gott keine oder nur wenig Berührungspunkte in der Vergangenheit gehabt. Er ist vielleicht sogar älter als Du, und es macht Dich auch ein wenig stolz, daß DIR diese Einladung geglückt ist. Jetzt steht dieser Mensch vor Dir, ist bestimmt unsicher und braucht jetzt Dich, weil er ja nur Dich kennt. Und hier hast DU wieder Verantwortung, denn Du bezweckst etwas mit Deinem Handeln. Der Fremde wird nicht alleine gelassen und soll sich nicht einfach so sein Bild von Deiner Gemeinde machen. Du bekundest viel Interesse gegenüber diesem Menschen, willst wissen, was er macht, wie er lebt. Das ist alles sehr wichtig, um eine Beziehung aufbauen zu können. Nun beginnt der Gottesdienst (Du hast ihn vielleicht schon ein paar Deiner Brüder und Schwestern aus Deinem Bibelkreis vorgestellt - auch sie freuen sich und drücken das herzlich aus) und Du setzt Dich neben ihn. Er erlebt nun mitten unter euch diesen Gottesdienst - was denkt er, wie empfindet er? Hoffentlich fragst Du Dich das, denn Du hast noch immer die Verantwortung für diesen Menschen und die Verantwortung wächst weiter.

Beim gemeinsamen Essen nach dem Gottesdienst sprichst Du weiter mit ihm, fragst ihn, wie ihm der Gottesdienst gefallen hat, und irgendwann auch, ob er die Bibel kennt bzw. ob er die Bibel näher kennenlernen möchte. Wenn Du merkst, daß er hier zögert, nicht so recht will, lädst Du ihn einfach in Deinen Bibelkreis ein oder verabredest Dich zu einem Spielabend. Er gibt Dir seine Telefonnummer und Adresse, du ihm Deine. Du läßt nicht los, denn jeder Mensch soll seine Chance bekommen, gerettet zu werden. Das weiß der Neue natürlich noch nicht. Er fühlt sich ein wenig komisch, aber durchaus wohl, irgendwie auch geborgen. Schöne Gefühle, die vielleicht ein vorhandenes Mißtrauen auflösen. Er ist bereit, sich mit Dir schon am Montag wieder zu treffen. Jetzt beginnt Dein Plan (!), der Plan, den Du über die Gemeinde verinnerlicht hast. "Machet zu Jüngern", so heißt der Leitfaden der Gemeinde, der Dir helfen wird, wenn Du noch nicht so erfahren und sicher auf diesem Gebiet bist. Du hast also einen Plan für diesen Menschen, sagst ihm das aber nicht. Hier ist Deine Verantwortung schon enorm gewachsen! Ziel Deines Plans ist, über das Studieren der Bibel diesen Menschen für die Rettung (= Taufe) vorzubereiten. Je nach dem, mit was für einem Typ von Mensch Du es zu tun hast, ist das ein gewagtes Unterfangen. Du wirst also behutsam und zunächst auch geduldig sein.

Bei Deinem Treffen am Montag hast Du das Ziel herauszufinden, ob er an Gott glaubt, denn der Glaube spielt eine große Rolle. Davon wird es abhängen, ob derjenige bereit ist, tiefer zu gehen. Du wirst vielleicht feststellen, daß dieser Mensch noch nie bewußt in der Bibel gelesen hat. Das Bibelstudium hat planmäßig begonnen. Du schenkst ihm eine Bibel, damit er gleich zu Hause darin lesen kann, Du ermutigst ihn, das Johannes-Evangelium und die Apostelgeschichte zu lesen. Er soll seine ersten Erfahrungen mit dem Wort Gottes machen. Daß er daran glaubt (oder glauben will), hat er Dir bereits gesagt. Die Grundlage ist geschaffen.

Nun hat Deine Verantwortung eine weitere Dimension erreicht. Du willst diesem Menschen die Bibel erklären, in der Bibel forschen und zeigen, worauf sich Dein Glaube gründet. Du willst auch ihn überzeugen und freust Dich darüber, daß er sehr fleißig und bereitwillig in der Bibel studiert. Er wird von Dir gelobt und ermutigt, sich über die Bibel der Gemeinde anschließen zu wollen. Er ist vielleicht katholisch als Baby getauft worden. Du sprichst von der Unwirksamkeit einer Kindertaufe. Man muß sich selbst entscheiden können. Du wagst Dich weit vor, wenn Du ihm erklärst, was nach Deiner Auffassung einen „wahren Christen“ ausmacht. Er soll schließlich feststellen, obwohl getauft, (noch) kein Christ zu sein! Und Du kannst ihm helfen, Christ zu werden! Ihr studiert über Jesus und über das Wort.

Durch den häufigen Kontakt (ihr trefft euch sehr oft - auch außerhalb der Gottesdienste) bekommt er einen ersten Einblick in das Gemeindeleben. Da aber alles geplant ist, wird es keine Zufälligkeiten geben, Mißtrauen findet keine Grundlage. Warum auch, denn Du willst mit ihm eine tiefe Freundschaft aufbauen und eine Freundschaft fordert Offenheit und Vertrauen. Du erlebst, daß sich Dein neuer Freund öffnet! Er erzählt viel aus seinem Leben, er freut sich, daß sich jemand für ihn interessiert. Er wird Dir sagen, daß ihm diese Freundschaft viel bedeutet. Nun kann es geschehen, daß er einmal nicht zum Gottesdienst kommt oder ein Treffen nicht wahrnehmen kann. Das wirst Du zum Anlaß nehmen, um mit ihm über Gemeinschaft zu reden. Du wirst ihm sagen, daß die Gemeinschaft in der Gemeinde sehr wichtig ist (das Thema Gemeinde habt ihr noch nicht studiert), daß es besser ist, seine Zeit so einzuteilen, ohne ein Zusammentreffen zu versäumen. Der Neue wird sich vielleicht etwas komisch darüber fühlen. Du hast vielleicht Befürchtungen, er könne wieder abspringen. Also mußt Du ihn noch enger einbinden. Verabrede Dich auch außerhalb der Gemeinde mit ihm. Geh mit ihm ins Theater, zeig ihm, daß Du schon Verständnis dafür hast, nicht seine ganze Freizeit in der Gemeinde verbringen zu wollen. Aber Du wirst nun auch dringlicher, schließlich ist das Ziel der Rettung noch nicht erreicht. Der Neue weiß immer noch nichts davon. Während der Studie über Jüngerschaft wirst Du ihn ermuntern, einen Freund oder Bekannten mal zum Gottesdienst einzuladen. Du gibst ihm einige Deiner Einladungskarten. Es wird ihm einleuchten, daß es aus der Bibel hervorgeht, Menschen zu finden, um Jünger aus ihnen zu machen, also für das Wachstum der Gemeinde zu arbeiten, hier bewußt Zeit zu opfern. Hier aber siehst Du vielleicht auch, daß der Neue das nicht so ganz versteht und denkt, er könne das nicht (Angst hat). So wirst Du ihm anbieten, gemeinsam Einladen zu gehen. Du wirst ihm auch von Deinen Schwierigkeiten berichten, die Du anfangs hattest. Er soll Dir und Gott vertrauen, daß das auch bei ihm gelingen kann, vor allen Dingen soll er viel beten („Betet ohne Unterlaß“), denn nur so wird er eine tiefe Beziehung zu Gott finden können.

Du bist jetzt an dem Punkt angelangt, ihm zu sagen, wie die Prioritäten in seinem Leben aussehen müssen, um dem Anspruch als Jünger Jesu/als Christ gerecht werden zu können. Schon in der Zeit davor habt ihr viel zusammen gebetet. Du wirst ihn schon mehrmals aufgefordert haben, offen mit Dir zu beten - Du hilfst ihm dabei. Hier wird es kritisch mit Deiner Verantwortung. Du hast dich entschlossen, gemeinsam mit der Gemeinde, in das Leben dieses Menschen einzugreifen und es zu verändern. So umzugestalten, daß er den Ansprüchen der Jüngerschaft in dieser Gemeinde genügen kann. Das schafft er natürlich nicht alleine, er gibt sich vertrauensvoll in eine Abhängigkeit. Du knüpfst hier an und versuchst ihn immer mehr so wie Dich zu formen (Vorbild = Jesusbild der Gemeinde), ihn Dir und Deinen Überzeugungen (bzw. den Überzeugungen der Gemeinde) gleichzumachen.

Nun wird es Zeit, Du siehst seinen Eifer und spürst und weckst seine Bereitschaft, immer tiefer einzusteigen. Ihr studiert über Licht und Finsternis und das Reich Gottes. Es kommt der Zeitpunkt, an dem Du ihn dem Leiter der Gemeinde vorstellen willst. Der Plan sieht vor, daß hierbei das Kapitel „Verfolgung“ studiert wird. An dieser Stelle könnte alles noch wie eine Seifenblase zerplatzen. Hier brauchst Du die Unterstützung Deines Leiters. Der Begriff Sekte wird erwähnt. Es wird dem Neuen gesagt, daß es „Leute“ in der Welt gibt, die das von Deiner Gemeinde behaupten. Doch dem soll und darf er keinen Glauben schenken. Die Berichte in den Medien sind alle falsch und haben nur das Ziel, die Einheit in der Gemeinde zu zerstören, eine Spaltung herbeizuführen. Der Neue wird hier lernen, wie man mit dieser Verfolgung umgeht. „Trag es mit Freude“. Laß dich durch die Verfolgung ermutigen, sprich auf jeden Fall mit einem erfahrenen Christen aus der Gemeinde darüber.

An dieser Stelle hast Du Mitverantwortung dafür, daß diesem Menschen sein kritisches Bewußtsein entzogen wird. Du (die Gemeinde) stülpst ihm eine Glasglocke über, aus der man zwar nach außen schauen kann, aber an den gläsernen Wänden ringsum blenden die Reflexionen der Gemeindeideologie. Man hat u.U. gar kein Interesse mehr, Meinungen, Einstellungen oder Beurteilungen von außen wahrzunehmen. Gut, der Neue nimmt das so auf, sagt vielleicht nicht, daß er doch noch ein paar Zweifel hat und kommt zum nächsten Treffen.

Nun ist es an der Zeit, über Sünde, Gemeinde und noch einmal über Jüngerschaft zu studieren. Du befragst ihn anhand der Bibel über seine Sünden, verlangst sein Sündenbekenntnis. Er wird Dir alles offenbaren, denn er vertraut Dir immer noch. Eine Deiner Aufgaben ist es, diesem Menschen ein Sündenbewußtsein zu geben, mit dem er in Deiner Gemeinde nur leben darf. Schließlich studiert ihr auch über das Kreuz und die Taufe. Du hast den Eindruck, der Neue ist „heiß“, er ist also bereit, sich vor eine bedeutende Entscheidung stellen zu lassen (vielleicht die bedeutendste seines Lebens). Jetzt ist Deine Verantwortung am Gipfel angelangt. Du hast einen neuen Menschen aus ihm gemacht. Er ist auf dem Weg zu der Tür -wirst Du sagen- die ihn in das Reich Gottes führen wird.

Die Bibelstudien werden jetzt sehr intensiv und emotional. Das Studieren über das Kreuz bricht ihn, er weint. Du tröstest ihn und versicherst ihm, daß er nun bereit sei, das ewige Leben zu empfangen, an den göttlichen Verheißungen teilhaben zu können. Er wird vielleicht ein wenig euphorisch und wird nun deutlich gefragt, wann er sich taufen lassen möchte. Zögert er, zweifelt er noch, wirst Du wieder dringlicher und suggestiv. Du erzählst ihm, daß es auch für Dich und die Gemeinde ein Gewinn ist, ihn als getauftes Mitglied zu haben, mit ihm gemeinsam im Reich Gottes sein zu dürfen. Er ist -wie Du- sogar auserwählt.

Waren es erst noch Monate, so spricht der Neue jetzt nur noch von Wochen. Du drängst ihn ein wenig, sich ein Taufziel zu setzen. Vielleicht wagst Du es sogar, ihm den nächsten Sonntag vorzuschlagen! Er geht mit vielen Gefühlen nach Hause, nein - Du bietest ihm an, auch den Rest des Wochenendes mit Dir zu verbringen, mit in Deiner Wohngemeinschaft zu wohnen. Am Samstag dann fragst Du noch einmal nach, und er wird Dir sagen, daß er gerne am Sonntag getauft werden möchte. Warum denn noch zögern? Er ist endlich am Ziel. Du bist sehr glücklich über diese Entscheidung. Du freust Dich mit ihm darauf und weißt vielleicht schon, daß DU sein Jüngerschaftspartner sein wirst. Es ist Dir gelungen, einen neuen Jünger zu machen. Ein wunderbares Erfolgsgefühl. Deine Verantwortung hört hier natürlich nicht auf. Als Jüngerschaftspartner wirst Du viel mit ihm gemeinsam unternehmen, wirst ihm nun das Gemeindeleben ganz offenbaren. Er wird schon am Mittwoch seine erste Andacht besuchen.

Hier beginnt vielleicht ein Weg, der nicht ohne Probleme beschritten werden kann. Das neue Mitglied ist noch schwach und unbeholfen im neuen System Gemeinde und braucht noch viel Zuwendung und Unterstützung. Denn eines ist klar: Ohne diese Gemeinde soll er nicht mehr leben können. Er wird sich unbewußt in eine durchaus auch gefährliche Abhängigkeit begeben. Der Plan hat mit dem Bibelstudium begonnen und muß nun weitergeführt werden.“

Man wird Dir in der Gemeinde sicher auch gesagt haben, daß es Menschen gibt, die plötzlich vom Glauben an Gott abfallen und nicht mehr zur Gemeinde kommen. In der Welt kursieren böse Gerüchte über die Gemeinde. Du darfst dem keinen Glauben schenken, denn hier ist Satan am Werk. Er will auch Dich von Gott wegbringen. Deshalb mußt Du unbedingt darauf achten, Deinen neuen Bruder immer wieder zu fragen, ob er etwas über die Gemeinde von Außerhalb gehört hat oder sich gar bei den Menschen in der Welt erkundigt hat und mit ihnen über die Gemeinde spricht. Du bist verpflichtet, sofort die Gemeindeleitung zu unterrichten, wenn Du etwas bemerkst.

Es ist letzten Endes für mich schwer nachvollziehbar, warum mit der Verantwortung für andere Menschen in der ICOC insgesamt nicht umgegangen werden kann. Die dominierende Rolle der Leiter in den ICOC führt bei absolut überzeugten Mitgliedern (die eigentlich nur Gott dienen wollen!) zu einer unreflektierten Übernahme (Imitation) der Definition von Verantwortung, wie sie in der Sekte gebraucht wird. Wenn dann einzelne Mitglieder von der Gemeindeleitung oder dem Bibelkreisleiter dazu angehalten werden, bedenklichen Einfluß auf das neu geworbene Mitglied auszuüben, können leicht schwerwiegende Fehler gemacht werden.

Ich möchte niemals in die Situation kommen, für die Lebenskrise eines anderen Menschen verantwortlich zu sein. Gipfelt etwa die Verzweiflung in einem Selbstmordversuch, kann mit der Ideologie dieser Glaubensgemeinschaft etwas nicht stimmen. Das sogar ein Mensch sein Leben dabei verlieren kann, will ich mir erst gar nicht vorstellen.

Axel P. (aus “Menschenfischer” Erfahrungsbericht)

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Wer redet jetzt nicht mit wem?

Ein Kommentar zur Informationsaktion der Ehemaligen der ICOC am 26.11.2000

Wir nahmen an der Demonstration der Aussteiger nach dem Gottesdienst der „Gemeinde Jesu Christi“ auf dem Leopoldplatz teil. Wir waren erstmals nach unserem Ausstieg vor ca. 3 Jahren bei einer solchen Demo der Aussteigergruppe dabei. Unser Anliegen ist es, kurz zu schildern, was uns dort erwartete.

Die Aktion lief schon, als wir kamen. Wir steuerten auf einige Bekannte zu. Christian Herbst sowie weitere Gemeindemitglieder standen dabei und zwar hauptsächlich, um die Aussteiger unter Kontrolle zu halten - durch Beobachtung und Ausfragen (z.B.: Macht ihr noch andere Aktionen? - Wie habt ihr Kontakt zu den anderen Aussteigern bekommen?). Wir empfanden es als ziemlich frech, da Gemeindemitglieder uns sonst meiden oder sogar das Schwimmbad sofort verlassen, wenn auch Aussteiger anwesend sind (eine persönliche Erfahrung unsererseits im Schwimmbad Lankwitz). Vor allem Christian Herbst wirkte sehr arrogant und machte zum Teil verletzende Bemerkungen. Auf der anderen Seite des Kircheneingangs hatte Sandra Hagedorn gleich drei von uns in Beschlag genommen und argumentierte mit der Bibel in der Hand. Auch sie wirkte als Leitern sehr überheblich. Ihre abschließende Bemerkung war: „So! Wer redet jetzt nicht mit wem?!“ (...als wenn das an dem Tag unser Ziel gewesen wäre...).

Mitglieder ohne Leitungsfunktion versuchten uns auf freundschaftlicher Ebene in ein Gespräch zu verwickeln. Ein neues Mitglied wollte wissen, warum wird das hier täten. Wir hätten doch selbst einmal „Verfolgung“ gehabt und müssten doch wissen, wie das sei. Sie fügte gleich hinzu, daß „Einladengehen“ für sie nicht wichtig sei; im letzten halben Jahr hätte sie wohl 2 - 3 Mal Leute deswegen angesprochen. Es liege ihr nicht und das sei auch nicht schlimm. Verwunderlich für uns, denn Mission ist doch das Hauptanliegen der ICOC.

Insgesamt war besonders bei den Leitern zu spüren, daß sie uns verachteten. Unser kleines Kind wurde bemitleidet, weil wir es der Kälte aussetzten. Das Ziel der Gemeinde war es offensichtlich, dafür zu sorgen, daß wir so wenig Gelegenheit wie möglich bekämen, unsere Info-Zettel zu verteilen. Außerdem stand ein Stück weiter ein Posten, der den Besuchern die Zettel wieder abnehmen sollte. Zum verteilen kam, wer sein „Mitglied-Gegenüber“ auch mal ignorierte. Wer einen Zettel nahm, war fast ausschließlich kein Mitglied der ICOC. Offensichtlich sieht die Gruppe uns als bedrohlich an, denn ihr Aufgebot an Mitgliedern, „die uns zur Seite standen“, war etwa 1 : 1.

Uns beiden fiel eine emotionale Distanz nicht sehr schwer, denn entweder schlug uns Kälte und Verachtung oder ein ignorantes Dauerlächeln entgegen, welches besonders junge Paare aufsetzten, als sie an uns vorbeirauschten. Uns wurde mit Vorliebe berichtet, wer geheiratet oder Kinder bekommen hätte. Wir wurden gleich nach der Ehelichkeit unseres Kindes gefragt.

Ein bißchen enttäuscht hat uns schon, daß fast alle Mitglieder nur in den Kategorien der Gemeinde denken, manche versteckter, andere offensichtlich. Eine persönliche Annäherung ist kaum möglich, da sie uns zwar fragen und fragen, aber selber kaum Dinge von sich preisgeben.

Simone und Matthias

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AussteigerInnen-Seminar zur Boston-Church-of-Christ

vom 26.5. - 28.5.2000 in Berlin

Die auch als „Boston-Bewegung“ bekannt gewordene christliche Sekte „International-Churches-of-Christ“ des Kip McKean (1979 in Boston gegründet, heute mit weltweit rund 100.000 Mitgliedern und Hauptquartier in Los Angeles) sind nach wie vor in Deutschland vertreten. Die Zahl der Anhänger liegt bei derzeit rund 700 Personen (überwiegend Studenten und Singles unter 30 Jahre).

Seit Beginn des Jahres sind die „Internationalen Gemeinden Christi im deutschsprachigen Europa“, zu denen auch die „Gemeinde Jesu Christi Berlin e.V.“ gehört, verstärkt im Kreuzfeuer des öffentlichen (Medien-) Interesses geraten. Die Zahl der AussteigerInnen hat deutlich zugenommen.

In Berlin hat sich 1996 eine Aussteigergruppe „AG - Arbeitsgemeinschaft AussteigerInnen der Internationalen Gemeinden Christi Deutschland“ formiert.

Gemeinsam mit AussteigerInnen aus Berlin, Düsseldorf, Köln und München veranstaltete die AGvom 26.5. bis 28.5.2000 in Berlin ein Wochendseminar, an dem teilweise über 40 Personen teilnehmen.

Vor allem wurden die Erfahrungen von ehemaligen Mitgliedern beim Einstieg (Anwerbung), während der aktiven Mitgliedschaft und beim Ausstieg wiedergegeben und diskutiert.Daneben wurde die Internetpräsenz der Sekte (http://www.icoc.org) und (http://www.igchristi.org) und der Aussteigergruppierungen in den USA (http://www.reveal.org) und England ( http://www.tolc.org) dargestellt. Schließlich wurde auchdie Arbeit der Eltern- und Betroffeninitiativen vorgestellt. Das Seminar wurde von der EBI - Berlin organisatorisch betreut.

Ein Seminar in Berlin - bewegende Begegnungen

Bericht über das erste deutschsprachige europäische AussteigerInnen-Treffen in Berlin

Vom 26. bis 28. Mai 2000 hat in Zusammenarbeit mit der EBI - Berlin und dem Dialog-Zentrum Berlin ein Wochenendseminar von AussteigerInnen und anderen Betroffenen der sog. Boston-Church stattgefunden.

Die insgesamt 50 Teilnehmer aus Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart und Zürich haben an den 3 Tagen ein informatives, spannendes und bewegendes Programm absolviert. Unter der fachkundigen Moderation der angehenden Religionswissenschaftlerin Daniela Weber, haben AussteigerInnen und betroffene Eltern bzw. Geschwister und Freunde über ihre Erfahrungen mit der christlichen Sekte berichtet.

Es stand umfangreiches Videomaterial zur Anschauung zur Verfügung. Besonders eindrucksvoll war ein Beitrag der Aussteigergruppe Berlin, in dem neben Ausschnitten aus Fernsehbeiträgen auch Aufnahmen interner Veranstaltungen der Gemeinde Jesu Christi Berlin und der Boston-Church (Pariskonferenzen) zu sehen waren.

Bewegend waren auch die Berichte von betroffenen Eltern, die gezeigt haben, wie wichtig es ist, sich umfassend zu informieren. Mitglieder der Sekte werden zumindestens verunsichert, wenn ein Elternteil Fakten kennt, die eigentlich zu den gehüteten Interna gehören. Patentrezepte für einen schnellen Ausstieg können nicht gegeben werden. Jeder Ausstieg hat individuelle Gründe. Entscheidend ist aber im jeden Fall, wie schnell das ausstiegsbereite Sektenmitglied kompetente Hilfe erfährt. Ehemalige Mitglieder sind dabei die besten Gesprächspartner.

Erfahrungsgemäß trugen die abendlichen Runden am Freitag und Samstag, nach dem offiziellen Programm, wesentlich zur Kommunikation bei. Hier konnten die Themen aufgegriffen werden, für die das Seminar keinen oder nur wenig Raum gelassen hat.

Im Ergebnis dieses Seminars soll voraussichtlich Anfang Oktober 2000 eine deutschsprachige Informationsbroschüre aufgelegt werden. Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt bilden dabei Erfahrungsberichte von AussteigerInnen und Sekundärbetroffenen.

Das Ziel des gegenseitigen Kennenlernens unter den AussteigerInnen konnte also in vollem Umfang erreicht werden. Bestehende Kontakte untereinander wurden ausgebaut, neue Freundschaften, auch grenzüberschreitend, geknüpft. Es wird im nächsten Jahr eine Folgeveranstaltung (vielleicht in München) geben, darin waren sich die Teilnehmer zum Schluß einig.


14.08.02

 

Hello hp,

über die Haufen Sekten, könnte man sich wohl Jahre belesen.

gruß

michael