Home   Forum    Bibellehre.ch   Bibelkreis.ch  Singetdemherrnkomplett_23_09_2019/singetdemherrn/index.htm  Jahresbibelleseplan  Evangelium

Frage: 657                      19.07.02

Gibt es auf Bibelkreis.ch auch Artikel zum Thema Streik?

Wenn nein, schließt sich die Frage an:

Wie sollte sich ein Christ dazu stellen, wenn gestreikt wird? Aktuelles Beispiel sind ja die Banken, aber überall wird gestreikt.

Ist es für einen Christen "falsch" mitzumachen, muß man da einen Unterschied machen, ob es eine Sache der Gewerkschaft oder ein allgemeiner Streik ist?

Wäre für eine Antwort dankbar.

XL


Lieber XL

 

Kannst Du dich da mal reinlesen und wieder antworten?

Politik / Schwören / Militärdienst: 

Liebe Grüsse

Hans Peter


23.07.02

Lieber Hans-Peter,

ich habe mir den Artikel unter Frage 39 (Politik/Schwören/Militärdienst) angesehen. Zum Thema Politik, Wahlen etc. war mir schon klar, daß wir als Christen uns damit nicht weiter beschäftigen brauchen und sollten.

Mir stellt sich dann die Frage: Ist ein Streik immer Politik? Ist es etwas anderers, wenn ein Streik über Gewerkschaften hinaus geht? und ist die Frage für einen Christen, mitzumachen, abhängig vom "Streikgrund"?

Kurzum ist Streik Streik und für einen Christen von daher in jeglicher Situation abzulehnen?

Danke und Gruß XL


23.07.02

Lieber XL,

zum Thema "Streik" will ich gerne versuchen, eine Antwort zu geben, die sich an den neutestamentlichen Prinzipien orientiert.

a) Wenn wir bereits das erhalten, was recht und billig ist:
Der Streik ist in der Regel ein Instrument des Arbeitskampfes, mit Hilfe  dessen man (nach gescheiterten Verhandlungen) entsprechende Lohnerhöhungen erzwingen will.
Für einen Christen, der seine Arbeit natürlich in erster  Linie für den Herrn Jesus verrichtet (Kol. 3,22-24),
ist das kämpferische Durchsetzten von Forderungen allein schon deshalb ein Problem.
Seine  Forderung würde sich nämlich nicht nur gegen seinen irdischen Arbeitgeber,  sondern ebenso gegen seinen himmlischen Arbeitgeber richten.
Wer ein Sklave Christi ist, weiß, dass er von ihm das empfängt, was sein Herr ihm gewährt. 
Es geht nicht um ein Fordern (des Sklaven), sondern um ein Gewähren (des  Herrn). Das schließt natürlich nicht aus, dass wir -wenn es angebracht  erscheint-
auch unsere Arbeitgeber um entsprechende Lohnerhöhungen bitten  dürfen.

Bitten ist immer etwas anderes als fordern. Sofern sich allerdings  das, was ein Christ als Lohn für seine Arbeit empfängt,
im Rahmen dessen  bewegt, was recht und billig ist (Kol.4,1), wird er sich nicht an darüber  hinausgehenden Mehrforderungen etc. beteiligen. 
b) Wenn man uns den berechtigten Lohn vorenthält:  Ausbeutung ist ein übles Geschäft, das leider immer wieder praktiziert  wird.
Die Bibel weist darauf hin, dass vor allem in den letzten Tagen   dieses Übel vermehrt auftritt. Jakobus behandelt dieses Thema (Jak. 5,1-6).
Er sagt, dass der vorenthaltene Lohn schreit und dass die Lohnberechtigten  schreien, und deren Geschrei ist vor die Ohren Gottes gekommen.
In diesem  Fall ist also "Schreien" angesagt. Das meint nicht nur beten, sondern auch klagen (notfalls sogar vor Gericht) und auch publik machen, z.B. durch Demonstration.
Eine Demonstration z.B. für den Erhalt der Arbeitsplätze bei  Insolvenzgefahr etc. kann auch für einen Christen ein durchaus legitimes  Mittel sein.

Vor einigen Wochen ging es bei uns in der Firma um genau diese  Sache.
Seit Ende Mai wurden keine Gehälter mehr gezahlt. Es wurde zur  Demonstration vor der Staatskanzlei unseres Bundeslandes aufgerufen.
Das  Ergebnis dieser Demonstration war, dass unser Landesvater eine Woche lang  sein Tagesgeschäft verließ und sich ausschließlich für den Erhalt unseres  Unternehmens einsetzte.

Wenn er auch die Insolvenz nicht mehr verhindern  konnte, so hat er doch etwas bewegt und hat auch bei der Neubesetzung der  Unternehmensführung
und der Planung der Unternehmenssanierung entscheidend mitgewirkt.
Er teilte uns in einer Betriebsversammlung mit, dass der  Auslöser seiner Aktivitäten unsere Demonstration gewesen sei.

 Ich hoffe, einige Gedankenanstöße gegeben zu haben und verbleibe

mit herzlichem Gruß

Bernd G.