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Frage: 723       12.09.02

Hallo

Wie ist das mit Träume. Soll man auf Träume hoffe und dran glauben, ist es möglicherweise etwas von Gott oder ist es einfach aus dem Unterbewusstsein ?

Besten Dank für Ihre Antwort

Nadia Wall


13.09.02

Liebe Nadia,

mit Deiner Frage hast Du ein heikles Thema angeschnitten. Ein Thema, was unter den Christen sehr umstritten ist. Der Gedanke, dass Gott heute durch Träume zu uns spricht, ist sehr verlockend. Er entspringt dem sicher verständlichen Verlangen nach einer möglichst intensiven, direkten persönlichen Beziehung zu Gott. Wenn man eine innere Stimme hörte oder einen Traum von Gott hätte - das wär doch was! Endlich hätte man damit den Beweis, dass Gott sich direkt um mich kümmert - ja, dass er mich womöglich sogar gegenüber anderen Christen bevorzugt. Aber nicht unsere Träume verbinden uns mit Gott, sondern einzig und allein unser Glaube.

Es ist irgendwie komisch: man erwartet nicht, dass Gott sich einem optisch wahrnehmbar zeigt (Offenb. 1,17a) und mit akustisch wahrnehmbarer Stimme zu einem spricht - was er zweifellos jederzeit tun könnte - nein, dazu sind wirklich die wenigsten bereit. Statt dessen verschiebt man die so sehnsüchtig erwartete Gottesbegegnung in das Innere bzw. in das Reich der Träume, in das sowieso kein anderer Mensch zwecks Prüfung der Echtheit hineindringen kann. Man erwartet nicht mehr - wie einst ein Mose - dass Gott sichtbar und hörbar redet. Warum nicht? Ganz einfach: weil er's erfahrungsgemäß nicht tut. Oder hat er Dich schon einmal besucht wie einst den Abraham? Dass Gott heute aber (nicht mehr erscheint und) nicht mehr individuell redet, will man nicht akzeptieren. Was ist der Ausweg? Auch ganz einfach: Gott soll heute angeblich im Inneren bzw. im Traum zu uns reden. Ist das nicht sonderbar?

Natürlich kann Gott auch im Traum zu uns reden, aber es bleibt die berechtigte Frage, ob er's tatsächlich auch tut. Wenn er uns nicht begegnet, wenn wir wach sind, warum sollte er's ausgerechnet nur dann tun, wenn wir schlafen? Übrigens: einer der Freunde Hiobs war auch auf diesem Trip (Hiob 33,13-18).

Hier noch ein weiteres, gewichtiges Argument: Das Reden Gottes zu uns heutigen Menschen ist abgeschlossen. In Hebräer 1,1+2 steht, dass Gott abschließend in seinem Sohn geredet hat. Als Jesus auf dieser Erde war, hat er immer wieder betont, dass er nicht aus sich selbst rede, sondern nur das, was er vom Vater gehört hat. Gott hat also in seinem Sohn geredet. Der Herr Jesus wollte uns allerdings noch mehr mitteilen, aber er tat es nicht, weil seine Jünger es noch nicht tragen konnten (Joh. 16,12-15). Deshalb übertrug er diese Aufgabe (nämlich das Reden Gottes zu vervollständigen) dem Heiligen Geist und seinen Jüngern (Joh. 15,26+27). Das Ergebnis dieses Prozesses ist das vollständige Neue Testament.

Gott hat sich gebunden an sein Wort, die Bibel - deshalb kann es nicht sein, dass er heute noch außerhalb seines Wortes zu uns spricht. Wir haben heute die vollständige Offenbarung Gottes, die Bibel, in Händen. Darin ist uns alles mitgeteilt, was wir über Gott und von ihm wissen müssen. Wenn Gott zu uns redet, dann durch sein Wort, die Bibel. Das geschieht vornehmlich in der Gemeinde, während der Predigt und während der persönlichen Beschäftigung mit Gottes Heiligem Wort.

Wenn Gott heute also nicht zu uns direkt - im Sinne einer Gottesoffenbarung

- redet, bleibt noch die Frage, ob er uns evtl. nicht doch auch durch einen Traum persönlich führen will. Auch das kann Gott in seiner Souveränität zweifellos jederzeit tun - und hat es sicher hier und da auch getan. Aber Vorsicht! Nicht nur unser Unterbewusstsein, sondern auch der Teufel kann uns mit wunderschönen Träumen verführen. Deshalb sollten wir stets das Letzte beachten, was Gott durch die Feder des leiblichen Bruders des Herrn Jesus, eines Heiligen Mannes Gottes aus der ersten Christengeneration, getrieben durch den Heiligen Geist, den Christen zum Thema Träume zu sagen

hatte: "Träumende beflecken das Fleisch." (Judas Vers 8).

Wir wollen deshalb nicht auf unsere Träume achten, sondern auf das, was Gott uns in der Bibel sagt.

Gruß

Bernd G.