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Frage 835

Hallo Hans Peter

Du hast letzthin mal erwähnt dass der Herr Jesus nie in der Hölle gewesen sei. Aber er hat doch im ersten Petrus Brief denen der Hölle gepredigt!

Martin (L)


Lieber Martin

einfach mal vorab ein hervorragender Artikel den ich letzthin gelesen habe

Aus:

 Zeit & Schrift  Ausgabe 6  -2002     https://www.emmaus.ch/Seminar/material/docu/03%20Die%20Bibel.pdf
https://www.zs-online.de
 

den mir der Übersetzer Werner Mücher zur Verfügung gestellt hat.   (doc)
 

 

Was lehrt die Heilige Schrift über Scheol und Hades?

 

Fragenbeantwortung in Bible Treasury, Band N 9, Seite 79

 

1.       Bezeichnet der Ausdruck „also wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein“ (Mt 12,40) mehr als das Grab und der Ausdruck „er ist hinabgestiegen in die unteren Teile der Erde“ (Eph 4,9) mehr als den Tod und das Grab?

 

2.       Stimmt es mit der Schrift überein, wenn wir sagen, dass Scheol oder Hades (einschl. Abrahams Schoß und Paradies) unter der Erde sind und dass der Herr Jesus dorthin hinabstieg und Teile leerte, um sie zur Höhe mitzunehmen? Oder war das Paradies bzw. der Schoß Abrahams allezeit im Himmel und niemals unter der Erde, selbst nicht in der Zeit des Alten Testaments?

 

3.       Was bedeutet der Ausdruck „zum Scheol hinabfahren“?

 

4.       Ist der „Abgrund“ etwas anderes als der „Hades“?

 

5.       Können die Worte Scheol oder Hades auf den Himmel angewendet werden, der ja ein Teil des Unsichtbaren ist?

 

J.C.B.

 

Antwort

 

Der alttestamentliche Ausdruck „Scheol“ kommt 65 Mal und ist in der Authorised Version 31 Mal mit „Grab“, 3 Mal mit „Abgrund“ und 31 Mal mit „Hölle“ übersetzt. Das zeigt, dass das Wort verschiedene Bedeutungen haben kann. Dasselbe Wort ist in der Septuaginta (griechische Übersetzung des AT) 31 Mal mit „Hades“, zweimal mit „Tod“ (thanatos) ( 2. Sam 22,6; Spr 23,14) und an zwei Stellen (Hi 2419; Hes 32,21) gar nicht übersetzt worden, weil die griechische Sprache kein Wort kennt, das die Bedeutung an diesen Stellen wiedergeben könnte.

 

An folgenden Stellen – um nur einige zu nennen – 1. Mose 37,35; 42,38; 44,29.31; 4. Mose 16,30.31; 1 Könige 2,6.9; Psalm 49,15; 141,7 bedeutet Scheol lediglich „Grab“ und ist auch so in der engl. Ausgabe übersetzt worden, mit Ausnahme von 4. Mose 16, wo Abgrund steht, wohingegen an allen anderen Stellen der Ausdruck Scheol den Ort abgeschiedener Geister bezeichnet. Das Grab nimmt den leblosen Körper auf. Zusammenfassend können wir sagen, dass der alttestamentliche Ausdruck „Scheol“ sowohl für das Grab als auch für den Aufenthaltsort abgeschiedener Geister gebraucht wird.

 

Wenn wir uns nun dem Neuen Testament zuwenden, verschwindet diese doppelte Bedeutung, denn Leben und Unvergänglichkeit sind durch das Evangelium ans Licht gebracht worden. Das Wort „Hades“, das eigentlich die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes „Scheol“ ist, wird im NT nur auf die Welt abgeschiedener Geister bezogen, genauso wie die Worte „Tod“ und „Grab“ (Offb 20) sich nur auf den Leib und nicht auf die Seele und den Geist beziehen. Es ist der Leib, der stirbt, während der Geist zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat. Der Geist und die Seele hören niemals auf zu existieren. Der Hades nimmt nur ungläubige Tote auf. Wenn der Gläubige heimgerufen wird, geht er nicht in den Hades, sondern ins Paradies.

 

Manche meinen, dass der Hades sowohl Gläubige als auch Ungläubige in gleicher Weise beim Tod aufnehme und dass diese beiden Klassen dann trotzdem durch eine große Kluft getrennt sind. Die Schrift spricht an keiner Stelle davon, dass Gläubige zum Hades gehen, sondern vielmehr, dass sie weit davon entfernt sind (Lk 16,23). Wenn Vers 10 in Psalm 16, ein Vers, der zweimal in Apostelgeschichte 2 zitiert wird, eine Grundlage für die Lehre wäre, dass der Herr nach seinem Tod zum Scheol bzw. Hades hinabfuhr und seine Seele dort nicht gelassen worden ist – doch wir wissen, dass er zum Paradies ging, einem Garten der Wonne und nicht der Finsternis, wo auch der Schächer am Kreuz war –, müsste es dort zwei Teile für Gläubige und Ungläubige geben. Doch dieser Fehler ist auf Grund einer falschen Übersetzung dieses Verses in der engl. Ausgabe entstanden. Dieser Vers drückt aus: „Du wirst meine Seele nicht in den [nicht: im] Scheol überlassen (übergeben oder dorthin verweisen)“. Diese richtige Übersetzung wird durch den „korrigierten Text“ von Apostelgeschichte 2,27.31 bestätigt, anerkannt von Lachmann, Tischendorf, Tregelles, Westcott, Hort und weiteren Übersetzern.

 

Das Wort „Hades“ wird im NT niemals in positiver Bedeutung gebraucht. Falls es sowohl einen Bereich für Gläubige als auch für Ungläubige im Hades gäbe, warum lesen wir ohne Ausnahme vom Hades in Verbindung mit Ungläubigen und finden keinen einzigen Hinweis, dass sich dort ein Gläubiger aufhält?

 

1.       Mit den Ausdrücken „im Herzen“ oder „die unteren Teile der Erde“ ist das Grab gemeint. Unser Herr starb nicht nur, sondern wurde auch begraben und am dritten Tag auferweckt. Davon ist Jona ein Vorbild. Psalm 139,15 kann uns vor einer zu wörtlichen Interpretation der Worte bewahren. Ohne Zweifel ist hier mit den unteren Örtern der Erde etwas Unsichtbares oder Verborgenes gemeint. Das Grab wurde mit einer Wache gesichert, nachdem es mit einem Stein versiegelt worden war (Mt 27,66). Kein menschliches Auge konnte in den heiligen Bereich hineinschauen, in dem der Leib Jesu lag.

 

2.       Bevor Christus kam, war der Ausdruck „in Abrahams Schoß“ für den frommen Juden der Inbegriff der Glückseligkeit, weil er wusste, dass Abraham „Freund Gottes“ genannt wurde. Bei Christus zu sein, ist die glückselige Aussicht eines Christen. Das ist oben in dem Paradies Gottes. Paradies ist nicht gleichbedeutend mit Hades. Abraham war nicht im Hades, sondern die gequälte Seele, die im Hades war, sah ihn „von fern“. Es ist eine Erfindung des Menschen, dass der Herr im Hades war und irgend jemanden daraus befreit hat. Der Herr ging nicht zum Hades, sondern zum Paradies. Die Schrift gibt keinen einzigen Hinweis auf eine Befreiung aus dem Hades. Die Stellen Richter 5,12; Psalm 68,18; Epheser 4,8 sprechen nicht von der Befreiung Gefangener, sondern von der Gefangennahme böser Mächte, die hier die Gefangenschaft genannt werden. Christus hat die Fürstentümer und die Gewalten ausgezogen und sie öffentlich zur Schau gestellt, indem er über sie einen Triumph hielt (Kol 2,15). Er führte die Gefangenschaft gefangen. Das bezieht sich nicht auf die Freilassung Gefangener aus der Hölle, wie einige das auslegen.

 

3.       „Niederfahren zum Scheol“ bezieht sich auf das Grab oder die Grube. Beide sind unter (in) der Erde.

 

4.       Der Abgrund (Offb 20) ist ein Ort, an den kein Mensch kommt, sondern wo Satan für tausend Jahre gebunden sein wird, bevor er endgültig für alle Ewigkeit in den Feuersee geworfen wird. Der Hades dagegen nimmt Seele und Geist derjenigen auf, die gestorben sind, also der ungläubigen Toten, deren Geist einmal im sterblichen Leib wohnte. Seele und Geist gehen zum Hades, während der Leib, der aus Staub gebildet ist, einen Ort im Grab (im Meer oder Land) findet und auf die Auferstehung zum Gericht wartet. Wenn der Mensch auferweckt wird – Himmel und Erde bestehen dann nicht mehr –, wird er nicht in den Hades geworfen (der dann nicht länger existiert), sondern in den Feuersee, der nicht für Menschen, sondern für den Teufel und seine Engel bereitet ist (Mt 25,41). Der Gläubige, der entschlafen ist, wird nicht zum Gericht, sondern für die Herrlichkeit auferweckt (Phil 3,20.21).

 

5.       Die Worte „Scheol“ oder „Hades“ können nicht auf den Himmel bezogen werden, da sie im Gegensatz dazu stehen.

 

 

 

Anmerkung des Übersetzers

 

An folgenden Stellen kommt das Wort Hades im NT vor:

 

Matthäus 11,23 (Lk 10,15): An diesen beiden Stellen steht der Hades im deutlichen Gegensatz zum Himmel. Der Herr spricht davon, dass Kapernaum bis zum Hades hinabgestoßen werden soll. Die negative Bedeutung ist offensichtlich.

 

Matthäus 16,18: Hier spricht der Herr davon, dass der, der durch die neue Geburt und Glauben ein lebendiger Stein im Haus Gottes geworden ist, nicht von den Pforten des Hades überwältigt werden kann, also niemals in den Hades kommt. Diese Stelle ist ebenfalls eindeutig negativ, indem der Herr sagt, was nicht geschehen kann.

 

Lukas 16,23: Der Reiche schlägt seine Augen im Hades auf und ist dort in Qualen. Es wird nicht gesagt, dass Lazarus auch im Hades war. Im Gegensatz dazu sieht der reiche Mann Lazarus im Schoß Abrahams. Der Schoß Abrahams oder das Paradies ist nicht ein Teil des Hades, sondern beide sind klar unterschiedene Orte, und es ist unmöglich, von dem einen Ort an den anderen zu gelangen. „Und zu diesem allem ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt.“

 

Apostelgeschichte 2,27.31: Die Übersetzung des Zitats aus Psalm 16,10 in Apostelgeschichte 2,27. 31 ist nicht richtig. In der Septuaginta steht wörtlich enkataleipheis eis haden (in den Hades lassen). Die Grundform des Verbs ist enkataleipo und wird an anderer Stelle besser mit überlassen (oder: verlassen) übersetzt. Dieses Wort enkataleipo kommt im NT außer in Apostelgeschichte 2,27.31 noch 8 Mal vor und ist 6 Mal mit verlassen übersetzt worden (Mt 27,46; Mk 15,34; 2. Kor 4,9. 2. Tim 4,10.16; Heb 13,5), einmal mit übrig lassen (Röm 9,29) und einmal mit versäumen oder aufgeben (Heb 10,25). Das Entscheidende ist, dass hier nicht eis haden steht (Dativ, wie in Lk 16,23) , sondern eis haden (in den Hades, Akk.). Die Präposition eis (in) steht nur in Verbindung mit dem Akkusativ. Der Akkusativ deutet im Griechischen wie im Deutschen auf die Bewegung oder Richtung hin. Wenn im Grundtext en hade stünde, könnte enkataleipheis mit zurücklassen übersetzt werden. Der Ausdruck eis haden schließt diese Möglichkeit aus. Es ist hier nicht eine Frage verschiedener Lesarten, sondern eindeutig eine Frage der Übersetzung[1] (vgl. die ausführlichen Bemerkungen von W. Kelly in seinen Büchern An Exposition of the Acts of the Apostles und The Preaching to the Spirits in Prison.[2]

 

Die Präposition eis kommt u. a. in Matthäus 18,20 vor, „versammelt in (wörtlich: zu) meinem Namen“; dann in Verbindung mit der Taufe z. B. Röm 6,3.4; 1. Kor 10,2 usw. (vgl. das Vorwort in der E.Ü. bezüglich der Taufe).

 

Petrus zitiert Psalm 16,10 in Apostelgeschichte 2, um gerade zu beweisen, dass Gott den auferweckt hat, der durch die Hand Gesetzloser ans Kreuz geheftet und umgebracht worden war. Es war nicht möglich, dass der Herr im Tod blieb und davon behalten wurde. Petrus will mit diesem Zitat in den Versen 25-27 sagen, dass der Herr niemals im Hades war. Gott konnte nicht zulassen, dass die Seele des Herrn während der Zeit, als sein Leib in der Gruft lag, im Hades war. Genauso wenig, wie sein Leib die Verwesung gesehen hat, wurde seine Seele in den Hades verwiesen. Die Gesetzlosen hätten das getan, wenn es in ihrer Macht gestanden hätte. Doch Gott dachte anders darüber, weil der Herr Jesus das ganze Wohlgefallen Gottes hatte. Das hat Gott dann auch auf das Deutlichste bewiesen, indem er den Herrn auferweckte. Gibt es eine Stelle, die den negativen Charakter des Hades deutlicher macht?

 

Offenbarung 1,18: Hier sehen wir, dass der Herr die Schlüssel des Todes und des Hades hat. Der Herr wird uns in diesem Vers als der Richter vorgestellt, wie wir ihn auch in Offenbarung 20,11-15 sehen, wo er alle Toten richtet. Dort müssen der Tod und der Hades alle Toten wiedergeben, damit sie gerichtet werden. Satan gibt die Toten nicht freiwillig zurück. Doch der Herr hat auch über den Tod und den Hades die letzte Macht.

 

Offenbarung 6,8: Der Hades folgt dem fahlen Pferd, auf dem der Tod sitzt. Diese Stelle steht in Verbindung mit den Gerichten nach der Entrückung, die die Erde treffen werden. Diejenigen, die der Tod tötet, nimmt der Hades sofort auf, natürlich nur die Seele und den Geist der Toten. Die treuen Juden, die während dieser Zeit umkommen, befinden sich im Gegensatz dazu unter dem Altar (Kap 6,9).

 

 

Offenbarung 20,13.14: Hier wird der Tod und der Hades in den Feuersee geworfen. Tod und Hades ist das letzte, was im Gegensatz zu Gott steht und deshalb in den Feuersee geworfen wird. Sollte Gott Geist und Seele eines Gläubigen, die bereits errettet sind, an einen Ort verweisen, der im Gegensatz zu Ihm steht? Das ist unmöglich! Der Tod steht zwar auch im Gegensatz zu Gott, ist aber für den Gläubigen die Tür in das Unsichtbare. Wenn der Herr nicht vorher kommt, müssen auch wir noch durch den Tod, weil der Leib der Sünde noch nicht errettet ist. Doch unsere Hoffnung ist, dass der Herr kommt und dass Er bald kommt und „unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil 3,21).

Werner Mücher


 

[1] Diese Auffassung weicht allerdings von der Sicht J.N. Darbys ab, der diese Stellen anders übersetzt hat (vgl. das Vorwort der E.Ü. über Hades und Hölle, das von J.N.D stammt, Coll. Writings, Bd. 13).

[2] W. Kelly, The Preaching to the Spirits in Prison, 1 Peter III. 18-20, S. 133, 134, Belivers Bookshelf, Sunbury: „Das Hebräische in Psalm 16,10 bedeutet nicht „in“, sondern „zum“ Scheol, es beinhaltet kein Hinabsteigen, genauso wenig wie Apostelgeschichte 2,27 im kritischen Text (eis haden) von Alford, Lachmann, Tischendorf, Tregelles, Wordsworth, Westcott und Hort. So übersetzt die R.V zurecht das Hebräische: „Du wirst meine Seele nicht zum Scheol lassen [dem Scheol überlassen]“ usw., obwohl sie fälschlicherweise das Griechische als „in“ anstelle von „zum“ übersetzen. Als unser Herr starb, befahl Er seinen Geist in die Hände seines Vaters, der mit Sicherheit im Himmel ist; und bekehrte Räuber, so spät es auch geschah, war an genau diesem Tag mit Ihm im Paradies (Lukas 23). Jetzt haben wir bereits gesehen dass, statt im Hades zu sein, das Paradies im Himmel ist, und wie gesagt, sein herrlichster Teil. Ein Apostel verbindet es mit dem „dritten Himmel“ (2. Kor 12,3.4); und unser Herr sagt durch einen anderen, dass Er dem, der überwindet (bei der Verherrlichung), vom Baum des Lebens zu essen geben will, bestimmt nicht im Hades (Offb 2,7). Im Alten Testament blieben Hades wie auch Tod, Leben und Unverweslichkeit unbestimmt; doch diese Dinge und weitaus mehr sind durch das Evangelium ans Licht gebracht worden. Daher beschreibt unser Herr im letzten Gleichnis von Luke 16 den reichen Mann, der weder Glauben noch Liebe hatte, wie er nach dem Tod seine Augen im Hades aufschlägt, der gläubige Lazarus hingegen gesegnet bei dem treuen Abraham. Eine solch große Kluft war befestigt, um ein Hinübergehen von beiden Seiten auszuschließen. Der Hades war tatsächlich „weit weg“; und sich dort aufzuhalten bedeutet, „in Qualen“ zu sein. Kein Sterbenswörtchen wird davon gesagt, dass Lazarus dort war; er war im Schoss Abrahams.