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Frage 883      "Finale" von Tim LaHaye et. al.    https://www.betanien.de/Material/ermahnendes_Artikel/finale.htm

Liebe Freunde,
 
Vor zwei Jahren hatte ich keine Arbeitsstelle, hatte daher genügend Zeit um vier von den erwähnten Bänden zu lesen. Nach vier Bände hatte ich keine Lust mehr, weiter zu lesen...
Literatur- mässig sind es billige, Amerikanische, schnell geschriebene leicht zu lesen Geschichten.
 
 
Starke Punkte:
- man macht sich Gedanken über das Buch Offenbarung, und wie man dieses Buch lesen sollte.
- man realisiert sich dass wenn der Herr heute für uns käme, alle meine unbekehrte Kollegen, Nachbarn und Verwandten eine schreckliche Zeit entgegen sehen. Das wirkt (hoffentlich) eine weitere Motivation Menschen zu dem Herrn zu führen.
- die Wirkung von der Lüge und die Rücksichtslosigkeit des Bösen wird gut dargestellt.
 
Schwache Punkte
- Wichtig fand ich, dass unterstellt wurde dass Personen, die in der Gnadenzeit das Evangelium abgelehnt haben, oder eine Entscheidung immer wieder verschoben hatten, sich nach der Entrückung auf einmal doch für den Herrn entschieden. Das kommt mir 'nicht-biblisch' vor. Es wirkt auch in der Hand dass manche die Entscheidung noch weiter verschieben, vielleicht...
- Die Bibel wird als 'Drehbuch' der Endzeit gelesen. Eine der Hauptfiguren, ein bekehrter Rabbi, kann bei jedem Ereignis die richtige Bibelstelle hervorzaubern so dass jeder weiss was er machen soll. So ist die Bibel nicht gemeint, denke ich.
- Es ist geschrieben wie ein Film-Skript, daran habe ich mich geärgert.
 
 
Schlussfolgerung.
Im grossen ganzen denk ich dass die Bücher ungefährlich sind. Es kann sogar einen Anreiz geben das Buch Offenbarung zu studieren, und sich zu fragen wo stehe ich?
Was eine Gefahr sein könnte, ist das manche die Entscheidung für den Herrn noch weiter verschieben. Andererseits ist es vielleicht auch nicht schlecht wenn die Motivation 'Angst vor der Hölle' als Grund für eine Bekehrung hierdurch weggenommen wird... wenn nur bessere Motivationen dafür an die Stelle gesetzt werden. 
 
Es gibt sicherlich noch vieles mehr zu sagen, ich bin gespannt ob noch mehrere die Bücher gelesen haben.
 
Der Film ist übrigens in mancher Hinsicht besser als das Buch, in anderen aber auch (noch!) schlechter....
 
Euer,
Herman

21.02.03

Liebe Foren-Teilnehmer,

ich habe die ersten fünf Bände zunächst mit großer, danach stark

abnehmender Begeisterung in englisch gelesen. Zugegeben: Sie sind sehr

ansprechend und spannend. Andererseits sind sie ziemlich spekulativ,

auch wenn sich die Autoren große Mühe geben, sich an die Schrift zu

halten. Aber ich denke, dass die Perspektive der Offenbarung bewusst

aus der himmlischen Perspektive ist, d.h. die Ereignisse werden aus

Sicht des Beobachters im Himmel beschrieben, der auf die Erde schaut.

Hier steht die Größe Gottes und Sein gerechtes Handeln in den Gerichten

im Vordergrund, weniger die Reihenfolge der Ereignisse auf der Erde.

Deshalb ist es meiner Meinung nach so schwer, eine klare Chronik der

letzten sieben Jahre aufzuzeichnen. Beim Studieren der

Endzeitereignisse ist es mir deshalb ein Anliegen herauszufinden, was

die Absichten Gottes sind, uns dies zu offenbaren. Es bleiben viele

Fragen, die mich menschlich gesehen, brennend interessieren, einfach

offen. Aber viele Dinge, die mir als natürlicher Mensch zu abstrakt

sind wie himmlische Ereignisse werden detailliert beschrieben. In der

Bibel gehören Prophetie und Anbetung zusammen, so dass ich viele

Ähnlichkeiten zwischen dem Psalter und der Offenbarung sehe. Die

Offenbarung ist ein Buch voller Singen, das uns zum Singen bringen

soll. Das "Finale" wechselt die Perspektive auf die Erde. Da aber viele

Schlüsselereignisse in der Bibel nicht beantwortet werden, ist es der

Freiheit des Autors überlassen, diese Lücken zu schließen, was

sicherlich keine einfache Aufgabe ist. Insgesamt hat meine Begeisterung

für diese Bücher deshalb stark nachgelassen und habe die folgenden

Bände nicht mehr gelesen.

Schmunzeln musste ich über die Idee, dass der Rumänische Präsident der

Antichrist ist, da ich selbst Beziehungen zu Rumänien habe. Der Name:

"Carpathia" ist kein rumänischer Name, ich kann mir niemanden in

Rumänien vorstellen, der so heißt ;)

Gruß Fritz


21.2.03

Lieber Bruder D.

beigefügt zwei Zeitungsartikel, die zeigen, was Tim LaHaye mit seinen Büchern anrichtet: Die Bibel wird verspottet, und man liest die Offenbarung als bloßen Science-fiction-Roman. Bemerkenswert finde ich auch die Einschätzung des literarischen Niveaus dieser Billiglektüre.

Schon die ersten Seiten in "Finale" erscheinen mir sehr bedenklich. Da wird der Leser mit Gedanken des Ehebruchs vertraut gemacht. Wenn ich den Text einer genauen Stilanalyse unterziehe - es gibt ja durchaus objektive Stilkriterien -, stelle ich fest, daß hier in der Erzählform der sog. erlebten Rede berichtet wird, erkennbar an der dritten Person Präteritum. Der Effekt einer solchen Erzählweise ist die Illusion der Unmittelbarkeit. Die Gedanken des Ehebruchs spiegeln sich also geradezu in meinen Gedanken wieder, wenn ich den Text lese. Und das erklärt mir auch den Erfolg der Kitschromane. Den Ungläubigen bedienen sie mit dem, was er hören will, und sein Gewissen wird nicht angesprochen, zumal er seit Orwell und Huxley an solche Szenarien gewöhnt ist; die Christen unter den Lesern können beruhigt so etwas lesen, weil ja der Anspruch ein christlicher ist.

Was mich aber v. a. an dem Buch verärgert, ist die darin vertretene falsche Auffassung, daß es nach der Entrückung noch eine Chance für die Menschen gibt, die mit dem Evangelium vertraut waren. Matthäus 25 spricht da eine andere Sprache: "Und die Tür ward verschlossen."

Übrigens, m. W. ist der Apostel Paulus nicht als Multimillionär gestorben, sondern hat das Evangelium, Tag und Nacht arbeitend, kostenfrei gemacht.

Bei dem zweiten Artikel ist interessant, wie klar hier die prophetische Abfolge der Ereignisse beschrieben wird und daß die Sprache auf Darby gebracht wird. Wie gut, daß es die sog. "Krise der Moderne" gab, die bei den Wegbereitern der "Brüderbewegung" die entscheidenden Fragen aufwarf, wie gut aber auch zu wissen, daß der günstige historische Kontext ein direktes Wirken Gottes nicht ausschließt und die "Brüder" mehr als bloße Deserteure der Moderne waren. Daß der Biblizismus-Vorwurf Unsinn ist, brauche ich hier ja nicht näher auszuführen.

Schon bevor es "Left behind" gab, werden die meisten von uns sich aufgrund der Lektüre der nichtfiktiven, glaubwürdigen Bibel auf die Entrückung gefreut haben; so "verschlüsselt", wie es Moltmann suggeriert, scheint die biblische Prophetie nicht zu sein (vgl. z. B. 1. Kor 15, 51 f.). Dabei ist die Erwartung einer Entrückung alles andere als Realitätsflucht oder gar Weltverachtung. Die Überzeugung, daß es plötzlich ein definitives Zu-spät für diejenigen geben kann, die mit der Heilsbotschaft vertraut waren, sie aber nicht annahmen, veranlaßt den Christen, eindringlich mitten in die Realität zu rufen: "Laßt euch versöhnen mit Gott!" (2. Kor 5, 20).

Herzliche Grüße

Marcel


 

Tim LaHaye, der teuerste Autor der Welt, übt für die Apokalypse

"Rayford Steele war mit seinen Gedanken bei einer Frau, die er nie berührt hatte." Mit dieser unkeuschen Überlegung nahm vor sieben Jahren ein Romanzyklus seinen Anfang, der es in den Vereinigten Staaten unter dem Serientitel "Left Behind" (in der deutschen Fassung "Die letzten Tage der

Erde") zu mittlerweile neun Fortsetzungen und einer Gesamtauflage von fünfzig Millionen Exemplaren gebracht hat. Das Autorenduo Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins kommt aus dem Dunstfeld des christlichen Fundamentalismus. Tim LaHaye, Ideengeber des Unternehmens, promovierte vor fünfzig Jahren an der Bob Jones University in South Carolina und hat seither eine zentrale Rolle als Prediger, Schriftsteller (mehr als vierzig Titel gehen auf sein Konto), Institutsgründer und Berater in den Reihen der extremen Rechten gespielt. Die römisch-katholische Kirche und der Papst sind ihm genauso verhaßt wie außerehelicher Sex, Homosexuelle, Abtreibung, die Vereinten Nationen, Israel und so weiter.

In San Diego gründete LaHaye das "Christian Heritage College", das ebenfalls von ihm gegründete "Pre-Trib Research Center" befaßt sich mit der Vorbereitung für das Jenseits. "Trib" steht für "tribulation" (Drangsal, Heimsuchung), jene Zeit, in der der Antichrist die Erde beherrscht und bezwungen werden muß, damit das Reich Gottes auf Erden errichtet werden kann. Zeichen dafür, wie sich das Reich des Bösen konstituiert, sieht LaHaye mehr als genug. Allah, der Gott der Muslime, gilt ihm als Erfindung des Propheten Mohammed - und als eines dieser Zeichen.

Das starre Weltbild des fünfundsiebzigjährigen LaHaye spiegelt sich in der belletristischen Light-Version seiner Bibelauslegung: Die "Left Behind"-Serie ist ein Armageddon der Erzählkunst. Die Geschichte um die "Tribulation Force", eine Art schnelle Eingreiftruppe zur Bekehrung zaudernder Christenmenschen, bestehend aus dem Piloten Rayford Steele, dessen Tochter Chloe, dem Journalisten Cameron "Buck" Williams und dem Priester Bruce Barnes, ist ein wüstes Konglomerat aus Hollywood-B-Movie, Heiliger Schrift und Erbauungsliteratur à la Tom Clancy. Steele hat bei der "Entrückung" Frau und Sohn verloren und beginnt - geplagt vom schlechten Gewissen (lüsterne Gedanken an eine Flugbegleiterin) - sogleich den Bibelweg einzuschlagen. Die Tochter kann auch bekehrt werden, der sie verehrende Journalist ebenso - und schon geht es los: "Ihr Ziel war kein geringeres, als sich während der sieben schlimmsten Jahre, die dieser Planet jemals erleben würde, gegen die Feinde Gottes zu stellen und gegen sie zu kämpfen."

Durch hanebüchene Verstrickungen geraten die Mitglieder der "Tribulation Force" in den Bannkreis des charismatischen rumänischen Präsidenten Nicolai Carpathia, der sich im Lauf mehrerer Bände vom UN-Generalsekretär zum Weltherrscher, Religionsstifter und Antichrist entwickelt - Wiederauferstehung inbegriffen. Handwerklich ist dieses literarische Ungetüm von simpelster Machart und an bleierner Zähigkeit kaum zu überbieten. "Chloe weinte leise, während die Gruppe für ihn betete" - die Flachheit der Charaktere spottet jeder Beschreibung, alles Begehren ist ausgeschaltet, die Bibel stets zur Hand, sollte sich die Libido dennoch melden. Das ist Prosa aus dem christlichen Reinstraum: Noch in den tödlichsten Momenten der Gefahr spricht man zivilisiert und höflich miteinander, trinkt Mineralwasser und benimmt sich wie im Kommunionunterricht.

LaHaye/Jenkins haben sich und dem Bibelverlag Tyndale House Publishers mit ihren Weltuntergangsvisionen großen Geldsegen beschert. Jahr für Jahr zog der Verkauf der Romane an, den bisherigen Rekord hat der neunte Band

"Desecration: Antichrist Takes The Throne" aufgestellt, der Ende Oktober 2001 mit 2,8 Millionen Exemplaren ausgeliefert wurde. Der Verlag benötigte 126 Lastkraftwagen, um die Startauflage ins Auslieferungslager zu befördern. Bis Weihnachten hatte sich das Buch an allen Grishams vorbei auf Platz eins aller wichtigen Bestsellerlisten gesetzt - und das, obwohl diese den christlichen (Versand-)Buchhandel nicht berücksichtigen.

Im Juli folgt der nächste Band, aber damit nicht genug. Tim LaHaye macht jetzt noch einmal im Alleingang Kasse (F.A.Z. vom 13. Februar). Unter den Fittichen einer neuen Agentur trennte sich LaHaye von Tyndale und von seinem Coautor Jenkins, der früher einmal Ghostwriter des Fernsehpredigers Billy Graham war. Der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Verlag Bantam Dell soll LaHaye für vier Romane den sagenhaften Vorschuß von umgerechnet 51 Millionen Euro gezahlt haben; damit ist LaHaye der teuerste Autor der Welt. Daß ihn außerhalb Amerikas kaum jemand kennt, ist eine ironische Volte, die ein bezeichnendes Licht auf den amerikanischen Buchmarkt wirft. In Deutschland wurde die "Left Behind"-Serie zunächst von der Gerth Medien GmbH in Aßlar-Berghausen veröffentlicht, einem christlich orientierten Verlag mit Mail-Order-Service. Seit dem vergangenen Herbst hat nun der Münchner Blanvalet Verlag - ein Unternehmen der zu Bertelsmann gehörenden Verlagsgruppe Random House - mit einer Taschenbuchausgabe begonnen. Die beiden ersten Bände ("Finale", "Die Heimsuchung") haben sich nach Angaben von Verlagsleiter Georg Reuchlein in 40 000 beziehungsweise 20 000 Exemplaren verkauft - ordentlich, aber nicht aufsehenerregend. Im Halbjahres-Rhythmus folgen nun die Fortsetzungen.

Ungeklärt ist die Frage, ob dem deutschen Buchmarkt eine Werbeattacke in Sachen christlicher Fundamentalismus droht. Schließlich geht es um sehr viel Geld. Reuchlein ist mit Blanvalet der erste Ansprechpartner für die deutschen Rechte, deren Erlös einen Teil der teuren Weltrechte refinanzieren soll. Aber mehrere Unwägbarkeiten bremsen den Elan des Verlagsleiters: Der Markt für religiöses Schrifttum im weitesten Sinn ist in Deutschland längst nicht so entwickelt wie in Amerika. Speziell in Glaubensfragen, sagt Reuchlein, weiche der hiesige Leser eher auf die asiatischen Religionen aus, bevor er sich der heimischen christlichen Variante zuwende. Außerdem sei bislang völlig unklar, wie sich LaHaye ohne seinen bewährten Coautor Jenkins entwickle - "das ist wie Mick Jagger ohne die Rolling Stones", vermutet Reuchlein.

Die Bibel als die bessere Tageszeitung von morgen - mit diesem Konzept haben LaHaye und Jenkins in Amerika ein Millionenpublikum von sinnsuchenden Seelen erobert. Rund tausend Prophezeiungen birgt die Bibel. Daraus läßt sich noch der eine oder andere Roman für Bantam Dell saugen, gesetzt den Fall, LaHaye hat nach Abgabe dieses zwölften und damit letzten "Left Behind"-Bandes - in welchem der Heiland zum zweiten Mal wiederkehren soll - noch genügend göttliche Eingebungen: Wie wird Jesus aussehen? Welche Sprache wird er sprechen? Wen nimmt er mit? Eines jedoch ist sicher: Eine literarische Heimsuchung wird es auf jeden Fall.

HANNES HINTERMEIER

FAZ 73, 27.03.2002, S. 41.

 

Die Endzeit hat begonnen

Warum viele Amerikaner die Bibel als verschlüsselten Fahrplan der Weltgeschichte lesen

Von Jürgen Moltmann

Ein regulärer Flug mit dem Jumbojet über den Atlantik ist auf dem Weg nach London. Die Maschine ist voll besetzt. Da kommt plötzlich die Stewardess zu dem Kapitän ins Cockpit. Mit weichen Knien und zitternder Stimme meldet sie: Dutzende der Passagiere sind verschwunden. Ihre Schuhe, Socken, Hosen und Kleider sind zurückgeblieben. Er sieht nach, findet in der ersten Klasse alles in Ordnung, in der zweiten Klasse aber schreit eine Frau nach ihrem verschwundenen Mann. Keiner weiß, was los ist. Er ruft Heathrow Airport an, kann dort aber nicht landen: Zahllose Flugzeuge sind abgestürzt, weil die Piloten plötzlich verschwunden sind, auch in der Flugleitung ist keiner mehr.

Der Pilot fliegt nach Chicago zurück. Dort herrscht dasselbe Chaos, aber Räumdienste machen ihm eine Landebahn frei. Die Katastrophe ist perfekt: abgestürzte Flugzeuge, zusammengestoßene Autos, entgleiste Züge, Tausende von Toten. Nur CNN funktioniert noch, und man sieht Bilder aus Kreißsälen, in denen Babys plötzlich aus dem Bauch schwangerer Frauen verschwinden, einem Bräutigam vor dem Altar die Braut abhanden kommt und auf den Philippinen ganze Schulklassen sich in nichts auflösen. Als der Kapitän endlich nach Hause kommt, ist auch seine Frau verschwunden. Was ist passiert? Für ihn selbst war die Sache mit Gott immer nur irgendwie okay, aber seine Frau ging regelmäßig in Bibelstunden und gehörte zu einer Gruppe wiedergeborener Christen. Das bringt ihn auf die Spur. Sein Pastor erklärt es ihm: Die Endzeit hat begonnen. Wie die Bibel prophezeit, werden die wahren Gläubigen in die Wolken zu Christus "entrückt", während über die zurückbleibenden Ungläubigen die Schrecken des Weltuntergangs kommen. Die Endzeit beginnt mit the great rapture der Gläubigen und führt die Ungläubigen sieben Jahre lang in the great tribulation mit Seuchen, Erdbeben, Tornados, Überschwemmungen und dem Terror des Antichristen im "Zeichen des Tieres". Zuletzt aber kommt Christus wieder, tötet den Antichristen und errichtet sein tausendjähriges Reich, in dem die Gläubigen mit ihm herrschen werden, während die Ungläubigen vernichtet sind.

Wem die Stunde schlägt

Natürlich sind das Fiktionen, aber die Leser sind reale Menschen. Seit 1995 erscheint in Amerika in Romanform die (auch verfilmte) Serie Left Behind der beiden Sonntagsschullehrer Tim LaHaye und Jerry Jenkins, die mit dieser Story anfängt. Auflage mehr als 40 Millionen. Für Band zehn The Remnants gab es in diesem Jahr 2,5 Millionen Vorbestellungen. Nur die Hälfte der Leser mögen evangelikale Christen sein. Nach den Anschlägen vom 11. September stieg der Absatz um 60 Prozent. Auch säkulare Menschen fragten: Kommt das Weltende?, und viele lieben den doom and gloom in der Welt des Krimis und der Science-Fiction: "Beam me up, Scotty!" Zweifellos die angenehmste Art, mit dem Bösen umzugehen. 1970 gab es schon einmal eine solche fiktive Apokalypse in Hal Lindsays Buch The Late Great Planet Earth mit ähnlicher Millionenauflage. Damals ging es um Harmaggedon, den Endkampf zwischen Gott und den Teufeln, Christus und Antichrist, den Guten hier und dem Reich des Bösen dort in jenem Tal bei Jerusalem. Dort sollten zuerst die Rote Armee der antichristlichen Sowjetunion, dann die Volksarmee des gottlosen China mit Atom- beziehungsweise Wasserstoffbomben vernichtet werden. Lindsay diente Ronald Reagan als Nahost- und Israelberater und überzeugte den Präsidenten von einem unvermeidlichen "Armageddon in unserer Generation". Zum Glück kam Michail Gorbatschow mit seiner Friedenspolitik dazwischen. Es scheint, als ob das apokalyptische Szenario immer dann attraktiv wird, wenn säkulare Menschen die Welt nicht mehr verstehen wie nach dem Terror des 11. September. Nach Time/CNN fürchteten 59 Prozent aller Amerikaner, dass die apokalyptischen Weissagungen der Bibel wahr werden, und 25 Prozent glaubten sogar, die Bibel habe den terroristischen Angriff auf New York vorausgesagt.

Woher stammt die typisch amerikanische Lust auf den Weltuntergang? Theologisch gründet sie seit 1860 im so genannten dispensationalism des englischen Evangelisten John Nelson Darby und wurde durch die Scofield Reference Bible von 1909 populär. Hier wird die Bibel nicht als Glaubenszeugnis gelesen, sondern als verschlüsselter göttlicher Fahrplan für die Weltgeschichte. Die Zahl - zum Beispiel 666 - wird zum Schlüssel der Weltgeschichte. Man nennt diese Lesart der Bibel zwar "Biblizismus", es handelt sich jedoch um eine Errungenschaft der frühen Aufklärungszeit. Wie Newton durch Erkenntnis der Naturgesetze die Natur entzauberte, so wollten die frühen "prophetischen Bibelausleger" die Geheimnisse der Geschichte durch Erkenntnis ihres geplanten Ablaufs durchschauen. Der Grundgedanke ist

einfach: Wie Gott in sieben Tagen die Welt geschaffen hat, wird auch - dispensations genannt - ihre Geschichte in sieben Zeitaltern ablaufen. Mit dem Erscheinen Christi sind wir in das christliche sechste Zeitalter eingetreten, und heute steht uns das siebte und letzte Weltzeitalter bevor. Biblische Prophetie soll geschichtliche Weissagung sein. Die Weissagung für die Endzeit steht in der Apokalypse. Folglich ist die Johannes-Offenbarung das wichtigste Buch der Bibel. Auch von Sir Isaak Newton gibt es Auslegungen der Apokalypse, schließlich war seine Weltmaschine eine Weltenuhr, an deren Zustand man erkennen sollte, was die Stunde geschlagen hat. Die apokalyptische Aussicht auf die bevorstehenden Schrecken der Endzeit gewann im Zeitalter der allgemeinen Fortschrittseuphorie Bedeutung für die fundamentalistische Reaktion auf den Modernismus und Liberalismus der protestantischen Welt. Sie stammt aber aus der gleichen Wurzel der Aufklärungszeit, die Glauben in Wissen überführen wollte. Fromme Entrückung

Kritisch wird bemerkt, dass dieses Endzeitszenario nicht von Christus stammt, denn "Zeit und Stunde weiß niemand, auch nicht der Sohn" (Markus 13, 32). Die "Entrückung" der Glaubenden, von der Paulus in 1. Thess. 4, 17 spricht, ist auch kein Eskapismus zum Hohn auf die Hinterbliebenen, sondern ein Bild, in dem die Bewohner einer Stadt ihrem ankommenden König entgegengehen, um ihn in ihre Stadt zu geleiten. Von Schrecken der Zurückgelassenen steht da nichts. Die Zukunft Christi findet auf Erden statt, nicht im Himmel. Es wäre also besser, die Glaubenden blieben der Erde auch in Katastrophen treu und würden sich nicht ins Jenseits flüchten. Der fromme Entrückungstraum dagegen enthält eine Resignation, die diese Erde der Vernichtung preisgibt. Wer in seinem Glauben andere "zurücklässt", verlässt sie. Das kann weder eine gesegnete Hoffnung sein, noch etwas mit Liebe zu tun haben. Schließlich: Ein Gott, der nur darauf wartet, christliche Besatzungen aus ihren Flugzeugen zu "entrücken", damit diese abstürzen und Tausende Menschen getötet werden, kann kein Gott sein, dem man vertrauen kann. Das ist eher der üble Abgott einer krankhaften Weltverachtung.

In sektiererischen Zirkeln hat es solche Vorstellungen immer gegeben, im heutigen Amerika aber sind sie eine Massenerscheinung. Mehr und mehr Amerikaner lesen und sprechen über das Weltende, während Europäer das ziemlich kalt lässt. Warum? Ein Land, das seine Bestimmung von Anfang an in göttlicher Vorsehung begründet, hat eine natürliche Schwäche für Prophetien. Ein Volk, das eine "neue Welt" gegenüber einer "alten Welt" in Europa bauen wollte, ist geneigt, in dualistischen Kampfkategorien zu denken: hier die Guten - dort die Bösen und "wer nicht für uns ist, ist wider uns". Im 19. Jahrhundert mobilisierte der Fortschrittsglaube den Aufstieg Amerikas, aber es entstanden auch drei apokalyptische Bewegungen der "letzten Tage": Zeugen Jehovas, Mormonen und Adventisten. Heute schwanken viele zwischen einem messianischen Sendungsbewusstsein für das American empire und den dargestellten Weltuntergangsängsten. Es sind zwei Seiten derselben Medaille, die man auch Egomanie nennt. Christlicher Glaube ist demgegenüber demütige, aber anhaltende Leidenschaft für das Leben.

Jürgen Moltmannn ist emeritierter Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Zuletzt erschien von ihm "Wissenschaft und Weisheit. Zum Gespräch zwischen Naturwissenschaft und Theologie"; Gütersloher Verlagshaus; 19,95 Euro

Die Zeit 51/2002, S. 42.


Liebe Freunde, lieber Bruder Deppe,

 zu der Frage, ob die Finale Bände gefahrvolle  Auswirkungen haben, habe ich gerade kürzlich von  lieben Freunden gehört, dass seid dem ihre 13  jährige  Tochter eines dieser Bände gelesen hat, sie starke   Glaubenszweifel  bekommen hat und ihre Eltern seid 3 Wochen auch  nachts oft keine Ruhe  mehr haben, weil ihre Tochter mit Angstzuständen  aufwacht. Dieses  Mädchen hat vorher froh und mutig in ihrer Klasse  ihren Herrn verkündigt

 und sagt jetzt, dass sie nicht mehr glauben kann.  Ich hoffe, dass das  bald vorübergeht. Bitte betet für dieses Mädchen   (Leonie). Ich habe  selbst eines dieser Bücher gelesen und finde sie  sehr bedenklich, da  vieles ausgeschmückt wird, was nicht mit Gottes Wort  übereinstimmt.  Gerade auch für junge im Glauben und Jugendliche,    die nicht bibelfest  sind ist es eher schädlich. Positiv war für mich,  dass ich mal wieder  darüber nachgedacht habe, dass unser Herr bald  wiederkommt und dass es  dann mal ein "zu Spät" (für meine Mitmenschen) gibt,  und keine letzte  Chance wie es im "Finale" beschrieben wird.  
Im Herrn Jesus grüßt euch

Christian Schäfer aus Steinfurt