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Frage 981

Lieber Hans-Peter,

bitte erlaube mir die persönliche Frage:

Wie stehst du zum Geld-Geben in der Gemeinde/Mission usw.?

Ich habe im Bibelkreis-Forum einiges dazu gelesen und auch von dir ein paar Zeilen:

"Den "Zehnten" geben ist sowieso nicht Christlich, ich bezahle meine Steuern."

Kannst du das etwas näher beschreiben? Warum ist der Zehnte als biblischer Richtwert fürs Geldgeben nicht christlich? Meinst du damit, daß wir unser Leben dem Herrn ganz zur Verfügung stellen s(w)ollen, und damit auch das Geldgeben im richtigen Maß geschieht, da wo Hilfe nötig ist? Wie denkst du aber über die fixen Kosten wie Energie, Kinder- u. Jugendarbeit, missionarische Unterstützung, bauliche Erneuerung wegen Verschleiß u.s.w.? Sind das nicht Beträge, die von den Geschwistern regelmäßig und treu im Kleinen erbracht werden müssen?

 

und aus Frage 394:

"Noch etwas interessantes, wenn Du die "Zehnten" im AT zusammenzählst, kommst du auf 23 -26% Abgaben. Interessantes Bibelstudium! Auch interessant für was der "Zehnte" eingesetzt wurde!"

Wie hast du das gerechnet?

Herzliche Grüße

David


19.05.03

Lieber Daniel

Zunächst zu dem Zitat: "Den "Zehnten" geben ist sowieso nicht christlich, ich bezahle meine Steuern.". Dies könnte von mir persönlich stammen, müsste ich aber suchen. Auf jeden Fall stehe ich dazu, dass Christen keinen Zehnten zahlen müssen obwohl ich liebend gerne den "Zehnten" zahlen würde. Ich will einfach nicht geistlicher dastehen  wie....., nun lassen wir das und werden wieder ernst.

Israel war ein sogenannter Gottesstaat. da wurden die Staatssteuer und die Kirchensteuer "Zehnten " genannt. Das tun wir ja auch manchmal wehmütig  in der Umgangsprache wenn wir von der "Staats-Steuer" sprechen. Ich kenne kein Land,  das mit 10 % Steuer auskommen würde, ausser einiger Ölscheichtümern.
Darum  ist der  "biblische" Richtwert eben auch gar nicht so  biblisch. Z.B.. hat die arme Witwe von Ihrem "Schatz" wie viel gegeben? Da kommen wir dem biblischen Sinne des Gebens schon näher.
Wenn nun ein Bruder 7 Kinder hat und 25000 Euro/a verdient, meinst Du,  dass er dann der Gemeinde in der er hingeht,  2500 Euro/a  geben muss / soll / kann? Ich weiss nicht. Eventuell gibt er aber, wenn er 100 Euro gibt,  in den Augen des Herrn mehr, denn ein Bruder der 10hoch6 Euro/a  verdient und 10 hoch 5 Euro/a in die Gemeindekasse abliefert.  Meinst Du, dass Gott die 10 hoch 5 überhaupt beachtet? Ich denke nicht.

Wenn aber dem Bruder mit den vielen Kindern und "wenig" Gehalt der Familie vorangeht, und sein Leben dem Herrn darlegt und allenfalls im Glauben auch mal mehr gibt als "vernünftig" erscheint, ist doch diese Familie einfach ein leuchtendes Beispiel und ein Segen.

Zu den fixen Kosten. Nun das kann auch zu einer fixen Idee werden. Wenn ich nur denke, wie viel Geld auch bei uns benötigt (verbraucht ) wird für eben die fixen Kosten... nun da würde ich mir aber in der Gemeinde das Maul schön verbrennen wenn ich sagen würde,  was ich da manchmal denke, also schreibe ich es lieber still und heimlich ins Forum.
Ist  doch manchmal wie ein Tagebuch.
 Natürlich  müssen die Geschwister dafür aufkommen. Wer A sagt, muss auch B sagen, aber ob es nicht bessere Lösungen gibt? Ich denke wir sind in vielem alttestamentlich geworden auch in den Evangelikalen Gemeinden.

Gott will nicht unseren "Zehnten " Er will uns ganz. Alles was wir tun alles was er uns geschenkt hat, und das ist alles was wir "haben",   ist für IHN und soll für IHN sein.

- Bezahlte Dienste, (Ich weiss das tut viel weh die es eventuell lesen und ich schätze die Brüder ja auch, aber eben sie müssen bezahlt werden)
- Von Menschen eingesetzte Alteste, was eh ein Unding ist. (Jedenfalls gibt es,  A. Strauch hin, A. Strauch her,  keine einzige Bibelstelle dafür!)
- falsch verstanden Missionsbefehl n.  Mt 28. (Lesen muss man können)
- Jugendarbeit mit allen Manien  (Noch nie was in der Bibel gelesen, ist auch so nicht Gott gewollt.
(Ich glaube ich stoppe mich mal..)
Summasummarum. Der Gemeinde wird der Stutz ausgehen wie dem Staat. Warum? Weil die Gemeinde + Staat  als Goldesel für gewisse Dinge benütz wird, die im Lichte des Wortes Gottes betrachte, gar nicht soooo christlich - wichtig - heilbringend sind  wie sie dargestellt werden.
 

 

 

Zum "Zehnten",
Nun so viel habe ich auch nicht wieder gerechnet, mehr gelesen:

Also der 10nte gab es nur im AT.

Da mal einige Schriftstellen,  die ich damals, als ich mit unseren Kindern jeden Abend einfach stur wie ich bin, das Wort Gottes gelesen habe,  gefunden habe. (Eltern sollen mit Ihren Kindern das Wort lesen und es nicht anderen lieben Menschen überlassen..

4Mo 18,21 Und siehe, den Kindern Levi habe ich allen Zehnten in Israel zum Erbteil gegeben für ihren Dienst, den sie verrichten, den Dienst des Zeltes der Zusammenkunft.

Diese Steuer war für den priesterlichen Dienst und für den Unterhalt der Leviten die ja in dem eigentlichen Sinne kein irdisches Erbteil besassen.

5Mo 14,26 Und gib das Geld für alles, was deine Seele begehrt, für Rinder und für Kleinvieh und für Wein und für starkes Getränk, und für alles, was deine Seele wünscht; und iß daselbst vor Jehova, deinem Gott, und freue dich, du und dein Haus.

(Lies einfach einige Verse vorher und nachher, Es geht hier darum, die Feste des Herrn zu finanzieren. Da sind wir nun bei ? %?.  (Von diesem 2ten "Zehnen" haben alle partizipiert)

5Mo 26,12 Wenn du fertig bist mit dem Abtragen alles Zehnten deines Ertrages im dritten Jahre, dem Jahre des Zehnten, und du ihn dem Leviten, dem Fremdling, der Waise und der Witwe gegeben hast, damit sie in deinen Toren essen und sich sättigen:

Du siehst also, schon damals gab es "Sondersteuern"  Ich glaube ich bin auf weniger als 30% gekommen wegen der Überlegung dass ja von 100% die am Anfang da waren,  zuerst 10% abgezählt wurden und dann von den verblieben 90 % wieder 10 % und dann von den verbliebenen ca,  81 % wieder durchschnittlich 2,6 % abgezählt werden musste. Und da ja vom 2 ten !0nten alle auch wieder was zurückbekamen, kann man es eventuell auch nicht ganz exakt berechnen Wieviel % vom Einkommen der "Zehnte nun wirklich war.

Nun die Israeliten wussten sicherlich besser  wie ich, wie man das schlau  rechnen  muss. Aber wie gesagt, der "Zehnte" war auch ein Wunschtraum...

Liebe Grüsse

Hans Peter

Siehe auch  590  909  954


Zur Frage 981
Oranienburg, 18.06.2003
Hallo Hans-Peter,

vielen Dank für die ausführliche Antwort! Hat sich einiges geklärt.
Das Zitat "Den Zehnten geben ist sowieso nicht Christlich, ich bezahle meine Steuern."
habe ich aus Frage 947 ganz unten.
Ja stimmt, das "Zehntengeben" gibt es im neuen Testament nicht.
Für uns als Christen in der Nachfolge Jesu gilt die Aufforderung, jeden Lebensbereich
ins Licht des Herrn zu stellen. Du hast es gut ausgedrückt:
"Gott will nicht unseren "Zehnten " Er will uns ganz. Alles was wir tun alles was er uns geschenkt hat, und das ist alles was wir "haben", ist für IHN und soll für IHN sein."
Ich habe eine sehr treffende Andacht von Spurgeon beigefügt, was hältst du davon?

2 Bibelstellen, die mir auch weitergeholfen haben:
Pred 5,18 Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und sein Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, - das ist eine Gabe Gottes.

2 Korinther 9,7
Jeder gebe, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat: nicht mit Verdruß oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott.


Herzliche Grüße
David



C.H.Spurgeon "Du hast mir nicht für Geld Würzrohr gekauft..." Jes. 43, 24a

Wer im Tempel anbetete, pflegte Geschenke an Weihrauch und Spezereien mitzubringen,
damit sie auf dem Altar Gottes verbrannt würden; aber Israel ward zur Zeit seines Abfalls
des Gebens müde und brachte seinem Herrn nur wenige Dankopfer; das war ein Zeichen
der Erkaltung gegen Gott und sein Haus. Liebe Seele, kommt dies bei dir nie vor? Könnte
nicht die Klage in unsrer Schriftstelle gelegentlich, wenn nicht etwa häufig, auch gegen
dich vorgebracht werden? Wer arm ist an Gütern, aber reich an Glauben, ist nicht umso
minder angenehm, ob auch seine Gaben gering sind. Aber, lieber armer Bruder, steht dein
Geben auch in einem Verhältnis zur Liebe deines Herrn, oder entziehst du dem
Gotteskasten das Scherflein der Witwe? Der reiche Gläubige sollte für das ihm anvertraute
Pfund dankbar sein, aber dabei seine große Verantwortlichkeit nicht vergessen; denn
welchem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert. Du aber, dessen Feld so
reichlich trägt, bist du auch eingedenk deiner Pflichten und erstattest du dem Herrn, was
Ihm nach deinem empfangenen Segen gebührt? Der Herr Jesus gab sein Blut für uns, was
geben wir Ihm? Wir sind sein samt allem, was wir haben, denn Er hat uns Ihm erkauft.
Handeln wir nun nicht so, als ob wir unser eigen wären? Ach, daß wir mehr Opfersinn
hätten und zu dem Ende mehr Liebe! Hochgelobter Herr Jesu, wie gut bist doch Du, daß
Du unsern um Geld gekauften Kalmus annehmen willst! Nichts ist zu kostbar zu einem
Geschenk für Deine unvergleichliche Liebe, und dennoch nimmst Du mit Wohlwollen
auch das kleinste aufrichtige Zeichen der Liebe entgegen! Du empfängst freundlich unsre
armseligen Andenken und Liebeszeichen, als ob sie unschätzbar köstlich wären, obgleich
sie nur sind wie ein Strauß von Feldblumen, den ein Kind seiner Mutter darreicht. Ach,
daß wir doch nie geizig werden möchten gegen Dich; daß doch von dieser Stunde an wir
Dich nie wieder über uns klagen hörten ob der Zurückhaltung und der Entziehung der
Gaben unsrer Liebe. Wir wollen Dir die Erstlinge unsers Gedeihens schenken und Dir den
Zehnten geben von allem, und danach bekennen: ,,Von dem Deinen haben wir es
genommen und Dir gegeben."

Quelle: C.H. Spurgeon "Auf Dein Wort" © Christliche Literatur Verbreitung, Bielefeld 1994