Frage2097    Home       Bibelkreis.ch  Download dieses Frame mit rechter Maustaste:==>     2097 Geistliches Gebet?

 

1Chr 4,10 Und Jabez rief zu dem Gott Israels und sprach: Wenn du mich reichlich segnest und meine Grenze erweiterst, und deine Hand mit mir ist, und du das Übel fern hältst, {Eig. wirkest vom Übel weg} daß kein Schmerz mich trifft! Und Gott ließ kommen, was er erbeten hatte.

Ist das obige Gebet im alttestamentlichen Sinne ein geistliches Gebet?
Dürfen wir heute auch noch so "wenn <==> dann"  Gebete aussprechen? Ist das ein Gebet im Sinne von:

1Jo 5,15 Und wenn wir wissen, daß er uns hört, um was irgend wir bitten, so wissen wir, daß wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben.

in IHM
Hans Peter

Lieber Hans-Peter,   6.4.05
 
deine Frage ist von einiger Brisanz. Auf dem Bibelkreis kann man sich durchaus die Predigt von Spurgeon von 1871 herunterladen. Weiter findet die Google-Suche noch viele Hinweise auf Jabez. Offensichtlich ausgelöst durch den so genannten Welt-Bestseller von Pastor Bruce Wilkinson. Interessanter Weise wird das Buch im Onlineshop von Gerth Medien in direkter Nachbarschaft zu dem Buch von Rick Warren "Leben mit Vision" (Forumfrage 2092) angeboten. 
 
Zur Inhaltesangabe heisst es bei Gerth-Medien:
 
""Segne mich und erweitere mein Gebiet! Steh mir bei und halte Unglück und Schmerz von mir fern!" (1. Chronik 4,10)

Was passiert, wenn sich Menschen wie du und ich nach einem außergewöhnlichen Leben ausstrecken? Diese Frage hat sich der Pastor Bruce Wilkinson zu Beginn seines Dienstes auch gestellt. Und er begann, täglich das Gebet des Jabez zu beten.

Die unglaublichen Dinge, die er und viele andere Christen in Folge dieses einfachen Gebetes mit Gott erlebt haben, sind Thema dieses Buches. Damit möchte er Sie ermutigen, genau denselben Schritt zu wagen. Fangen Sie an zu beten - und Ihr Leben wird eine Fülle gewinnen, von der Sie bis dahin nicht einmal zu träumen wagten."
 
In der Bibel-Übersetzung, die in dem Buch verwandt wird, verschwindet vollkommen der Aspekt, dass Jabez zunächst einmal mit einem Gelübde beginnt. Jabez benutzt, und das geht aus der von dir zitierten Übersetzung auch hervor, eine hebräische Schwurformel zu Anfang seines Gebetes. Ich denke nicht, dass wir darüber reden müssen, ob ein Christ geistlich gesinnt einen Schwur oder ein Gelübte tun kann. Von seinem Ursprung her ist das Gebet des Jabez vollkommen ungeistlich, es ist sogar durch und durch egoistisch und fordert Gott heraus. Jabez benutzt eine Wenn <=> Dann Beziehung. Es ist offensichtlich, dass Gott auf die Forderungen von Jabez eingegangen ist. Die Frage ist: Hat Jabez sein Gelübde, seinen Schwur eingelöst?
 
Um diese Frage zu beantworten müssen wir genau das tun, was Pastor Bruce Wilkinson leider nicht getan hat, wir müssen den Vers in seinem Kontext stehen lassen. Wir müssen uns fragen, was die grundsätzliche Botschaft der Geschlechtsregister zu Anfang von 1. Chronika ist. Wie der Name schon sagt sollen uns Geschlechter gezeigt werden. Wenn ein Mann ein Geschlecht nach sich hat, dann ist er von Gott gesegnet, dann hat er, auch im alttestamentlichen Sinn gottwohlgefällig gelebt. Bei David sehen wir diesen Grundsatz ganz deutlich. In Jesaja 53 ist die große Frage im Bezug auf den Messias, wo sein Geschlecht ist? "Wer wird sein Geschlecht aussprechen?" Jes. 53,8.
 
Jetzt stellt sich also die eigentlich alles entscheidende Frage, wo das Geschlecht des Jabez ist? Die Antwort lautet, er hat keins!! Jabez ist völlig fruchtlos!! Alle anderen, die in diesen Kapiteln erwähnt werden haben ein Geschlecht, Jabez nicht! Die Bibel teilt uns zu Jabez überhaupt nichts mit. Wir kennen weder seinen Ursprung, noch sein Geschlecht! Wir wissen nur, dass er geehrt war. Das ist aber nichts besonderes. Menschen denen es gut geht wurden zu allen Zeiten von anderen Menschen geehrt. Beachte, hier steht überhaupt nicht, dass er von Gott geehrt war. Alle die von Gott geehrt wurden hatten im Alten Testament ein Geschlecht, Jabez nicht!
 
Wenn man diese Zusammenhänge betrachtet, dann fragt man sich unweigerlich, was für ein Hirte dieser Pastor Bruce Wilkinson wohl ist. Er fordert Menschen millionenfach auf ein völlig ungeistliches Gebet zu sprechen. Er erzieht Menschen dazu Gott auf eine selbstsüchtig und egoistische Art herauszufordern, so wie es Jabez getan hat.
 
In Hebräer 13,7 werden wir aufgefordert solche Führer oder Menschen nachzuahmen, bei denen wir den Ausgang ihres Wandels kennen. Hat Bruce Wilkinson tatsächlich nie darüber nachgedacht, wie das bei Jabez geendet ist? Nochmal, wo ist sein Geschlecht?
 
Asaph muss in Psalm 73 solche Typen vom Schlage des Jabez vor Augen gehabt haben. Völlig sorglos, völlig ohne Probleme. Asaph wird fast verrückt, wenn er auf seine eigenen Probleme sieht und seine Situation mit der von diesen Jabezen vergleicht. Bis er hineingeht ins Heiligtum und deren Ende betrachtet. Asaph sieht den Ausgang des Wandels an und sieht das alles NICHTS ist. Es fehlt der Segen Gottes, der über dieses irdische Leben hinaus reicht. Nimm Nabal, den Mann der Abigail 1. Sam. 25 oder den reichen Mann aus Lukas 16. Schon vor der Gnadenzeit war irdischer Segen kein Beleg für ewigen Segen.
 
Lass Jabez und sein Gebet im Zusammenhang stehen. Es gibt keinen Grund, dieses Gebet täglich, vielleicht sogar mehrfach zu plappern. Es mag schon sein, dass oberflächlich betrachtet sogar etwas dabei herauszukommen scheint. Ob die Dinge die dann geschehen tatsächlich von Gott sind steht auf einem anderen Blatt und kann sicher erst untersucht werden, wenn man Ergebnisse kennt.
 
Geistlich ist das Gebet des Jabez zu keiner Zeit gewesen, es ist irdisch, fleischlich und egoistisch.
 
Diese Ausführungen stehen nicht im Gegensatz zu 1. Joh. 5,15. Nach solchen Gelübden, gerade wenn sie mehrfach und täglich inbrünstig geplappert werden, wird genau wie bei der Bitte um die so genannte Geistestaufe etwas geschehen. Nur die Tatsache, dass etwas eintrifft worum ein Mensch bittet bedeutet also überhaupt nicht, dass ein Gebet im Sinne von 1. Joh. 5,15 vorliegt. In 1. Joh. 4,1 werden wir bereits aufgefordert die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind, erst danach kommt 1. Joh 5,15.
 
Jemand der das Gebet des Jabez propagiert ist im Sinne von Joh. 10 ein Mietling, den Titel Pastor sollte er schleunigst ablegen, dass ist Etikettenschwindel.
 
herzliche Grüße
 
Ulrich
 
Das Gebet des Jabez