Frage2275

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Lieber Hans Peter,

in diesem Beitrag versuche ich, die Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12) auf dem jüdischen Hintergrund zu reflektieren. Ich hoffe, dies ist ebenfalls von breiterem Interesse.

Joh 2, 6-9

"Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Metreten fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben an. 

Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war [...]."

Steinerne Wasserkrüge

Für die Aufbewahrung des Wassers für das Reinigungsbad wurden Steinkrüge benutzt. Grund: bei Tonkrügen war man nicht sicher, ob der Krug auch jederzeit Kosher war. Deshalb wurde das Wasser für das Reinigungsbad in Gefässen, die aus Kalkstein gehauen waren, aufbewahrt. Als Wasser wurde Quellwasser oder Regenwasser - lebendiges Wasser - benutzt.

Das spirituelle Reinigungsbad

Das Bad in der Mikweh ist ein Akt der Heiligung. Bei konservativen Juden nimmt die Braut vor der Trauung ein Reinigungsbad - die Mikweh. Die kleinste Mikweh hat ein Fassungsvermögen von rund 500 Liter Wasser. Warum? Es muss mindestens soviel Wasser dasein, dass ein Erwachsener vollständig im Wasser eintauchen kann, wenn er sich niederkauert.

Zur Zeit Jesu wurde die Mikweh zur Heiligung auch bei anderer Gelegenheit genommen. So nahmen die Essener (eine jüdische Gruppierung) sehr häufig ein solches Bad der Heiligung.

Wassermenge zu Kana

Die sechs Steinkrüge zu Kana fassten je zwei bis drei Metreten. Eine Metrete ist ca. 40 Liter. Ein Gefäss fasste somit 80 bis 120 Liter. Somit lieferten die sechs Steinkrüge genug Wasser, um eine Mikweh aufzufüllen.

Wein

Nach jüdischer Erwartung ist der Wein ein Merkmal des kommenden Königreiches Gottes. Man wird sich im kommenden Reich Gottes am Wein erfreuen können. Unter anderen spricht auch der Prophet Amos davon. Für die Juden zur Zeit Jesu waren noch weitere prophetische Bücher von Bedeutung wie Henoch und Baruch. Auch diese sprachen über den Wein als Merkmal des kommenden Königreiches Gottes.

Amos 9, 14

"Da wende ich das Geschick meines Volkes Israel. Sie werden die verödeten Städte aufbauen und bewohnen und Weinberge pflanzen und deren Wein trinken und Gärten anlegen und deren Frucht essen."

Spirituelle Bedeutung des Zeichens zu Kana

Wo Jesus - die Botschaft des Lebens (logou tes zoes) - ist, findet das Königreich Gottes schon statt. In seinem Reich werden Mikwehs nicht mehr benötigt.

 

Sechs Krüge: siehe Forumsbeitrag 2273.

 

Mit lieben Grüssen

 

Max B.

     Die 8 Zeichen im Johannes Evangelium:

Lieber Max B.

Herzlichen Dank für den wiederum interessanten Beitrag. Mögen doch Geschwister dadurch anregt werden, weitere Perlen in Gottes Wort zu finden.

in IHM
Hans Peter

 

Der Speisemeister hatte nebenbei die Aufgabe für das richtige  Verhältnis von Wasser und Wein zu sorgen, je höher der Zuckergehalt der

Trauben (Südhänge, Saronebene) desto mehr Wasser vertrugen sie - das glaub ich kommt bei den Auslegungen von der Kanaanäischen Hochzeit zu kurz, denn das hieße ähnlich wie Mt 11,11 dass die Fülle des Christentums das  Judentum, die Kirche die Synagoge überbietet

- wenn wir an die Strafe Gottes denken, dann ist das umgekehrte Bild verwendet: die  Ungläubigen bekommen SEINEN Zorneswein unvermischt eingeschenkt, so wie die Gläubigen mit IHM (unvermischt) von der Frucht dieses Weinstockes genießen
 (Of 14,8.10 16,18 19,15 Mk 14,25)

Josef/A

Lieber Josef

Glaubst Du nicht, dass der Herr hier Wasser in Wein verwandelt hat?

Liebe Grüsse
Hans Peter

 

Doch, das glaube ich schon, aber ich meine dass dieses Zeichen viel tiefgründiger ist, als es oft verstanden wird (Adventisten z.B. meinen es wäre Traubensaft gewesen), aber

der Wein des Gottesreiches (Kirche) geht eben weit über das Wasser des Synagoge hinaus (Mt 11,11 usw.)
 Gruß Josef /A

Lieber Josef  6.8.05
Das mit dem Wein = Gottesreich = Kirche  ist interessant, kannst Du dies etwas erläutern?

in IHM
Hans Peter

Grüß Dich Hans Peter!

Ich meine, dass Jesus immer wieder in Gleichnissen aus der Umgebung sprach:
 ER sagte z.B. dass man nicht neuen Wein in alte Schläuche füllt, weil die Lebendigkeit (Gärung) des Neuen Weines die alten schon spröde gewordenen Schläuche zerreissen würde (Mk 2,22 Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche sonst zerreisst der Wein die Schläuche und der Wein geht verloren) - da finde ich viele Parallelen, eine - vielleicht nicht auf den 1.Blick sichtbare,
Jo 9,28, wo die Pharisäer dem ehemals Blinden sagen, sie bleiben bei Moses, er solle dem Rabbi Jesus nachfolgen!
Ähnlich Mt 11,11, Johannes der Täufer war Jude (*) (das gehört wesentlich zum Bild) und vom Weibe geboren (=natürliche Geburt), aber der kleinste im Himmelreich (vgl Mt 12,28) ist größer als Johannes, wegen Jo 3,3-6!
Er ist neu geboren. Auch wenn er noch nicht als das sichtbar ist (Kol 3,2.3)!
 Und auch bei der Hochzeit zu Kanaa finde ich diesen Hintergrund, denn das "Wasser der Synagoge", was typisch ist für die Reinigung bei den Pharisäern (vgl Mt 23,25.26 Mk 7,19 usw.), ist im NT nicht mehr von Bedeutung und deshalb ist es für mich ein Zeichen für das Himmelreich!

In Mt 12 kann Jesus deshalb auch sagen: Hier (wo Gemeinschaft mit mir besteht) ist mehr als der Tempel und wo der Sohn Gottes die Dämonen austreibt ist das Himmelreich schon ganz nahe bei euch! Auch in Mk 10,wo es um die Gefahr des Reichtums geht, sehe ich eigentlich, dass Jesus vom Eintritt in SEINE Jüngerschaft spricht (der Knecht ist nicht über dem Meister Jo 15...), es ist für einen Reichen schwer möglich, aber wo Gott wirkt ist alles möglich und so sehe ich auch die Stelle Mt 13,52 letztlich in diesem Zusammenhang: erst wenn der Schriftgelehrte über Lk 9,62 und Jo 9,28 hinauswächst, hat er "das Wasser der Synagoge" hinter sich gelassen und kann am Geschehen Mk 14,25 mit IHM einst teilnehmen! Wasser und Wein sind also Bilder dafür, dass alles neu (kaine =qualitativ andsers) wird, wenn wir uns auf Christus einlassen - wenn nichts unmöglich ist, dann gelten uns die Mächte und Gewalten nicht mehr (Gal 4,9 Kol 1,16 usw.) - wie Sonst hätte Jesus den Petrus über das Wasser gehen lassen können? Auch Gal 4,19-26 und Heb 13,14 gehören - so meine ich - in diesen Kontext

Josef / A

Lieber Josef

Johannes war im engeren Sinne Levit nicht Jude.

HP

Grüß Dich Hans Peter!  8.8.05

Du wolltest wissen, wie ich zu meiner Ansicht Wasser (Judentum) Wein (Himmelreich) komme...

Jesus hat ja immer in für die Zeitgenossen verständlichen Gleichnissen gesprochen, das Wasser in den Krügen war meist zum Reinigungsritual nötig, (Hochzeit viele Gäste viele Krüge Wasser), wir können dabei an Mt 23 denken, das Reinigen der Gefäße ausserhalb, oder an Mk 7, das Reinigen des Menschen ausserhalb - obwohl die Sünde sich im Inneren abspielt (vgl. auch Mt 5,28). Beim Gleichnis in Mk 2, wo ER sagt, dass man nicht den neuen Wein in alte Schläuche füllt, gehet es ebenso wie in Mt 11,11 darum, dass das Wesen des Christentums das der Synagoge überbietet!
Johannes/ T ist der Größte, weil er Wegbereiter des Herrn war, aber er gehörte noch zur Synagoge (vgl Jo 9,28)- und auch beim Reichen Jüngling in Mk 10 sehe ich den Parallelpunkt, dass der Eintritt ins Reich die Veränderung fordert, die ER schon in Mt 13,52 verlangt hat (vgl Mt 12 da wo ER ist (und zwei oder drei mit IHM), ist mehr als der Tempel und das Himmelreich ganz nahe - das kann ich Dir momentan antworten, jetzt haben wir dann Servicesierungsarbeiten am Server und ich kann nicht mehr lange schreiben

 Gruß Josef