Frage2349  Home       Bibelkreis.ch  Download dieses Frame mit rechter Maustaste:==>   2349  Peter und Paul

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"Es ist daher aufgezeichnet, dass Paulus in Rom selbst enthauptet wurde und

das Petrus ebenso unter Nero gekreuzigt wurde. Dieser Bericht über Petrus

und Paulus wird gestützt durch die Tatsache, dass ihre Namen in den

Grabstätten bis zum heutigen Tag bewahrt wurden. Es ist ebenso durch Gaius

bestätigt, ein Mitglied der Kirche unter Bischof Zephyrinus von Rom (199 -

217), ... der über die Orte, wo die heiligen Leichname der Apostel liegen,

sagt: Aber ich kann die Trophäen der Apostel zeigen. Denn wenn du zum

Vatikan(-hügel) oder zur Via Ostia gehst, wirst du die Trophäen derer

finden, die diese Kirche gründeten."

 

Ich bin überzeugt dass es es Fabulierer waren, die den Petrus in Rom sterben liessen. Paulus wäre nie nach Rom gegangen, wenn Petrus dort gewesen wäre.
Siehe Römer 15.20. Im ganzen Wort Gottes gibt es auch keinen einzigen aktiven Hinweis, dass Petrus in Rom gewesen sei. Eigenartig, dass die "gelehrte" Welt dies aber umso fester behauptet. Na klar, bei den Quellen, an die sie glauben. 

Hans Peter

Die Ursprünge der Legenden um Petrus sind u.a. auf einige sog. 'Kirchenväter' zurückzuführen und äußerst widersprüchlich. Irenäus von Lyon berichtet z.B. davon, dass die Gemeindegründung in Rom auf Paulus und Petrus zurückzuführen sei. Eusebius berichtet, dass Petrus unter Nero gekreuzigt worden sei. Vor allem aber: es gibt kein eindeutiges, biblisches Zeugnis über diesen Umstand.

 

Paulus kennt Kephas noch als einen der 'drei Säulen' der Jerusalemer Gemeinde (Gal 2,9), er dürfte also dort erheblich eingebunden gewesen sein. Ebenda wird auch beschlossen, dass dem Paulus die 'Heidenmission' anvertraut wird ("unter die Nationen"; Gal 2,9, Elberfelder 1871), während die Jerusalemer Gemeinde die Verkündigung des Heils 'unter die Beschneidung' (unter den Juden) annahmen (ebd.). Ob dies auch geografische Einteilung bedeutete, ist mit Sicherheit nicht zu sagen, zumal jüdische Gemeinden weit verstreut waren; auch in Rom lebten Juden.

 

Nun war Kephas zum Zeitpunkt der Zusammenkunft mit Paulus und den anschließenden Auseinandersetzungen bzgl. der Beschneidung in Antiochia (Gal 2,11) sicherlich bereits ein Mann betagten Alters, so dass eine Reise mit den entsprechenden Strapazen durchaus problematisch gewesen sein kann. Allerdings war er wohl durchaus ein sehr aktiver Apostel und nahm auch die Reise nach Antiochia auf sich auf, die aber sehr belastend gewesen sein dürfte. Antiochia (heute Türkei: Antakya) war damals eine große, sehr wichtige Stadt im römischen Imperium. Dort lebte eine große jüdische Gemeinde, die auch den Disput in Gal 2,11 erklärbar macht.

 

Der 1. Brief des Petrus (5,13) endet u.a. mit einer Grußformel: "Es grüßt euch die Miterwählte in Babylon...". Dies wird von der römischen Kirche als Beleg angeführt, dass Kephas aus Rom geschrieben habe, das mit 'Babylon' identifiziert wird. Es gibt keine weiteren Briefe oder Berichte, die eindeutigere Rückschlüsse zuließen.

 

Nun wird legendär gerade von der kath. Kirche behauptet, Kephas sei unter Nero gekreuzigt worden. Die Anwesenheit des Kephas in Rom ist für die römische Kirche eine wichtige Stütze ihrer Legitimation als allein wahre Kirche, deren Gründung rechtlich auf Kephas zurückgehen muss, da sie ansonsten ihren Status und selbst erklärten Vorrang der eigenen, unsinnigen Argumentationskette verlöre.

 

Nun ist es allerdings äußerst unwahrscheinlich, dass Kephas unter Nero gekreuzigt worden ist. Der Brand Roms im Juli 64 wird allgemein als Start ungeheurer Christenverfolgungen angesehen, in deren Wirren auch Kephas zu Tode gekommen sei. Doch gibt es daran große Zweifel, die bis zu naheliegenden Verdächtigungen einer 'korrigierten Geschichtsschreibung' gehen.

 

Nero ließ nach dem Brand Roms etwa 300 Verdächtige (genaue Zahlen ungewiss) verhaften und nach Folter zum Tode verurteilen. Die Verfolgungen beruhten allerdings nicht auf Religionszugehörigkeiten, sondern standen in direkter Verbindung zum Vorwurf mutmaßlicher Brandstiftung. Tacitus berichtet diesbezüglich von "Wucherern" ("chrestiani"), also von Spekulanten oder auch Bauspekulanten, die ihre Verurteilung fanden. Irrtümlich (oder eben verfälschend) wird hier aber "christiani" zitiert, also "Christen".

 

Die ersten sicher überlieferten Christenverfolgungen werden zudem erst später mit Maximus fundiert überliefert (ca. 235). Die größte Christenverfolgung fand unter Diokletian (ca. 303) statt. Es liegt also durchaus nahe, dass Neros Regentschaft instrumentalisiert wird und zur Legitimation einer Historienverfälschung dienen muss, um der römischen Kirche ein entsprechendes Fundament zu belegen. Nun dreht sich die kath. Kirche selber allerdings einen Strick dadurch: denn eine Kirche, die damit prahlt, mit 'Babylon' identifiziert zu werden, hat sich selber als das offengelegt, was sie ist: eine Hure Satans!

 

In IHM

Holger