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Max S. Weremchuk 

Bemerkungen zum Schaubild auf Seite 99 in

„Weil ihr aber Söhne seid…“ 2. Auflage 

 Anstatt die 100-seitigen Ausführungen von Weremchuk zu kommentieren, nimmt man besser sein Schaubild, das auf den ersten Blick zeigt, dass etwas in seiner Theorie nicht stimmt. Fängt man zeitlich hinten an fällt auf:

Nach W. empfing Christus im Jahr 70  das Reich, was sich dadurch kundtat, dass Jerusalem zerstört wurde. (Zerstörung Jerusalems gleich Umbringen der Weingärtner). Seine Belegstelle ist Matth.21:41-43. „Er (der Sohn des Hausherrn) wird jene Übeltäter übel umbringen.“

W. stützt sich auf Vers 43 der sage, Christus habe bei dieser Gelegenheit das Reich empfangen. Ein solcher Gedanke findet sich  nirgends in dieser Bibelstelle. Es heisst, das Reich werde von den Juden weggenommen und  einer Nation gegeben, welche dessen Früchte bringt. Von einer Übergabe des Reiches an Christus  weit und breit keine Spur.

Nimmt man Luk 19:11-27 hinzu, wird klar, dass Christus  d a n n  wiederkommen wird, wenn Er (vom Vater) Sein Reich empfangen hat (V.12) Man könnte also argumentieren: Christus hat im Jahr 70 zwar Sein Reich empfangen, aber Er ist noch nicht zurückgekommen. Ist das wirklich der Sinn der Aussage von Jesus? „Als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte“ (V.15) bedeutet sicher nicht, dass Christus, nachdem er das Reich bereits empfangen hat, noch lange im fernen Land (im Himmel) verweilt bevor Er schliesslich zurückkommt.

Man kann W. zu gut halten, dass er glaube, Christus habe im Jahr 70 das Reich empfangen, aber Er sei noch nicht zurückgekommen. (Sonst wären alle, die noch auf die Wiederkunft von Jesus warten, auf dem Holzweg!) So weit so gut. Die Frage ist: Was wird sich in diesem Fall ändern, wenn Er schliesslich zurückkommt? Wird dann überhaupt etwas passieren und was? Das Diagramm hört an diesem entscheidenden Punkt  auf! Vielleicht ändert sich gar nichts, da Christus ja schon längst im Regiment ist oder es folgt doch noch etwas von dem, was schon die Propheten angekündigt haben? Zum Beispiel Ps.2:6 und Ps.45:3,4 oder Ps. 110:5,6.

W. interpretiert „dieses Geschlecht“ als „diese Generation (als 40 Jahre)“  und leitet davon ab, dass jede endzeitliche Ankündigung von Jesus (stehe sie in den Evangelien oder in der Offenbarung) im Jahre 70 bereits in Erfüllung gegangen sei. Damit das aufgeht, muss natürlich die Offenbarung  v o r  dem Jahr 70 geschrieben worden sein; bevor die Dinge eintraten, sonst wäre es keine Offenbarung mehr, nur noch eine Berichterstattung. (Seite 13) Eine ziemlich kühne Behauptung!

Wie W. die Abschaffung des regelmässigen Opfers eingliedert ist unglaublich. Sie fand angeblich etwa um 66 statt, im jüdisch-römischen Krieg. Offensichtlich ist sich W. bewusst wie schwach seine Position ist und zitiert deshalb nur Dan.12:11-12. Hätte er fairer Weise auch auf Dan.9:27 verwiesen, würde jedermann sofort klar, dass etwas nicht stimmt. Die Abschaffung des Opfers ist nicht irgendwann  n a c h  der siebzigsten Woche, sondern in der Mitte der siebzigsten Woche.

Irgendwie abstrus ist auch die Einordnung der 70. Woche. Erstens einmal wird gemäss der Prophezeiung Daniels der Messias nach der 69. Woche weggetan (Dan.9:26) und nicht in der Mitte der 70. Woche, wie es im Schaubild von W. dargestellt ist. „Und er wird einen festen Bund mit den Vielen schliessen für eine Woche“ (oder eine Woche lang) heisst für W. Christus habe beim Antritt Seines öffentlichen Dienstes mit den Juden ein Bund geschlossen, den die Juden dann gebrochen hätten, als sie Ihn kreuzigten. Tatsache ist, dass gemäss Daniel nicht Christus einen Bund schliesst, sondern ein Fürst, von dem gesagt ist, dass das Volk, zu welchem er gehört, Jerusalem und den Tempel zerstören werde. Der „er“ ist also Kaiser Titus und nicht Christus.

Was die 2. Hälfte der 70. Woche anbelangt darf für W. einfach nicht wahr sein, dass es sich um die Drangsal Jakobs handelt. Er findet aus unerklärlichen Gründen, dass diese 2. Halbwoche etwas mit der Begegnung des Petrus mit Kornelius in Cäsarea  (die Einführung der Nationen) zu tun habe, die 34 n.Chr., 3,5 Jahre nach der Kreuzigung von Jesus stattgefunden habe.

Jesus spricht in Matth.24:15 vom  Gräuel der Verwüstung und bezieht sich dabei ausdrücklich auf Daniel (12:11) Gemäss Jesus beginnt am Tag, da der Gräuel aufgestellt wird schlagartig eine Verfolgung (eine Drangsalszeit), bei W. die Evangelisierung der Nationen. Die Frage erhebt sich somit: ist die Periode von 3,5 Jahren, die W. selbst als Abschluss der 70. Wochen darstellt, eine Periode der Drangsal oder eine Vorbereitungszeit für die Einführung der Nationen. Wer hat recht, Jesus oder W.?

Was den Zeitraum von 69 Jahren angeht stellt man fest, dass W. darunter Julianische Jahre versteht (-457 bis +27 -1 = 483) und damit abweicht von den sonst im A.T. durchgängig 360 Tage enthaltenden Jahre. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Erlass des Kyrus im Jahr -445 anzusetzen ist. Von da an gerechnet sind es 476 Jahre à 365 Tage bis zum Jahr 32, was manche als das Jahr der Kreuzigung ansehen. Das ist allerdings ein Detail, um das zu streiten es sich nicht lohnt.

Zusammenfassend muss man sagen, W. stellt viele biblische Aussagen auf den Kopf. Da nicht anzunehmen ist, dass er eine neue Bibel schreiben will, bleibt es der Phantasie des Lesers überlassen, seine Motive ausfindig zu machen.

Edi Rohner / 22. Nov. 2005

 

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Das Erbe Israels

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