Frage 2249

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Aufgrund einiger Forumbeiträge auf dem Bibelkreis.ch_ Forum habe ich eine generelle Frage:
Wie werden die  Gebote /Gesetze/ Vorschriften im AT für uns Christen ausgelegt und übertragen. Haben wir im neuen Testament Beispiele dazu?

Für eine baldige Antwort bin danke ich.

S.d. Emils

Lieber S.d. Emils,
 
grundsätzlich ist Wort Gottes unwandelbar, weil Gott der Ewige, der Unveränderliche, der Ich bin, der Ich bin ist. "Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin." 2. Mo. 3,14.
 
Wenn wir also über das Wort Gottes nachdenken, dann dürfen wir nicht einfach sagen das Gesetz ist für die Juden, wir leben in der Gnadenzeit, wir haben damit nichts zu tun. So handeln zwar viele, es ist aber völlig gegen das Evangelium. "So ist das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut" (Rö. 7,12)
 
Jetzt kommen natürlich sofort die Vertreter der "Gesetzlosigkeit" und führen Römer 6,14+15 an: "denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade." + "weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind?"
 
Wenn wir dann noch Römer 8,4 lesen: "auf dass das Recht des Gesetzes [die gerechte Forderungen des Gesetzes] erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln." Dann erkennen wir, dass wir nicht unter Gesetz stehen, das aber die Rechtsforderung des Gesetzes in uns (nach außen durch uns) erfüllt wird.
 
Wie geht das?
 
Wenn wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen, dann müssen wir wieder die Bibel fragen. Eine große Anzahl von Anweisungen und Geboten hatte das Volk Israel in Verbindung mit dem Gottesdienst erhalten. Diese Zeremonialgesetze haben, soweit wie sie aussschließlich den Gottesdienst betrafen für uns keine Verbindlichkeit mehr, dass sagt das Wort Gottes eindeutig. Der alte Bund hat seiner Nutzlosigkeit wegen aufgehört. (Hebr. 7,18)
 
Opfer und Beschneidung haben wir eindeutig nicht mehr, dass lehrt uns das neue Testament. Wer das einführen will (siehe Galater) der fällt aus der Gnade und ist von Christus abgeschnitten.
 
Wir haben dann noch die 10 Gebote. Bis auf das Sabbathgebot werden alle anderen neun Gebote im neuen Testament wiederholt und haben damit Gültigkeit. Das Sabbathgebot steht mit dem zur Seite gesetzten Gottesdienst im Zusammenhang, darum ist es nachvollziehbar, dass dieses Gebot für uns keine Gültigkeit haben kann.
 
In Apostelgeschichte 15,28+29 lesen wir "Denn es hat dem Heiligen Geiste und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen, als diese notwendigen Stücke: euch zu enthalten von Götzenopfern und vom Blut und vom Ersticktem und von Hurerei. Wenn ihr euch davor bewahrt, so werdet ihr wohl tun. Lebet wohl!"
 
Der Heilige Geist ist bemüht den HERRN JESUS zu verherrlichen. Dies geschieht, indem diejenigen, die behaupten dem HERRN JESUS anzugehören in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes leben. Der natürliche Mensch kann das nicht. Wenn Kinder Gottes in und unter der Gnade leben, dann wird der Geist in ihnen die Kraft dazu sein, damit buchstäblich durch sie die gerechten Forderungen des Gesetzes und damit die gerechten Forderungen Gottes erfüllt werden.
 
Nach außen steht der vom Geist geleitete und unter der Gnade lebende Christ als Erfüller des Gesetzes dar. Möglich ist das aber nur, weil er durch die Gnade den HERRN verherrlichen möchte. Er bittet den HERRN um Gnade, nicht damit er als "toller Hecht" dasteht, sondern damit der HERR geehrt wird. Wenn er tatsächlich dann in den Wegen des HERRN lebt, was von außen zu sehen ist, dann gibt er immer dem HERRN als der KRAFT- und GNADENQUELLE die Ehre.
 
Der HERR ändert das Prinzip seiner Handlungen mit uns nicht. Er errettet uns aus Gnade. Wir leben danach auch aus Gnade. Das Drama der Galater war, dass sie aus der Gnade gefallen waren. Das bedeutete nicht, dass sie wieder verloren gingen, sondern es bedeutete dass sie den HERRN in ihrem Leben gar nicht verherrlichen konnten. Selbst wenn die Rechtsforderungen des Gesetzes durch die Galater erfüllt worden wären, da wäre der HERR dadurch nicht verherrlicht worden, weil sie es nicht aus der Gnade getan hätten sondern in eigener Kraft.
 
Der Schlüssel in unserem Leben ist und bleibt die Gnade. Viele haben die rettende Gnade kennen gelernt und in Anspruch genommen. Sie haben aber nie die bewahrende, heiligende Gnade kennen gelernt. Darum ist unser Zeugnis so schwach. Wir singen in einem Lied: "Ganz zertrennt die Heiligen stehen, Einigkeit ist nicht zu sehen, oh, wie sehr wirst du entehret!" ohne dass uns bewusst wird, dass fehlende Inanspruchnahme der bewahrenden Gnade und das Vertrauen auf eigene Kraft in Verbindung mit vermeindlicher Erkenntnis die Ursache sind. Sobald ich nicht in der Gnade lebe, steht nicht mehr Christus sondern ICH im Zentrum.
 
Viele, die dann entdeckt haben, dass ihr Leben gar nicht in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes ist, die haben dann nur noch in Römer 6 zweimal gefunden das wir nicht mehr unter Gesetz leben und sich dann selbst beruhigt, was Selbstbetrug ist.
 
Möge der HERR uns allen schenken, dass Römer 8,4 tatsächlich Realität wird. Wir werden dann hier und jetzt schon zu seiner EHRE sein.
 
GEH UNTER DER GNADE, HÖR AUF GOTTES WORTE
 
herzliche Grüße
 
Ulrich 
 
6.06.05
 
Lieber S.d. Emils
 
Warum das Gesetz?
Erklärend dazu  "Der Abraham- Bund".
 
Gal 3,19 Warum nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt (bis der Same käme, dem die Verheißung gemacht war), angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers.
 
Gal 3,24 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum hin, auf daß wir aus {O. auf dem Grundsatz des (der); so auch nachher} Glauben gerechtfertigt würden.
 
Die Rechtsforderung des Gesetzes (mosaische) wurde durch Gott, indem er seinen Sohn sandte, erfüllt,
also nicht durch uns, wie geschrieben steht:
 
Röm 8,3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt {O. Gleichheit, wie anderswo} des Fleisches der Sünde {Eig. von Sündenfleisch} und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleische verurteilte,
Röm 8,4 auf daß das Recht {d.i. die gerechte Forderung} des Gesetzes erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln.
 
Durch den Geist Gottes ist der Gläubige sich dieser Tatsache bewußt.  
Für den Gläubigen hat das Gesetz seinen Zweck erfüllt und er ist nicht mehr unter Gesetz.
 
Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.
 
Gebrauch des Gesetzes.
 
1Tim 1,5 Das Endziel des Gebotes {Vergl. V.3} aber ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben,
1Tim 1,6 wovon etliche abgeirrt sind und sich zu eitlem Geschwätz gewandt haben;
1Tim 1,7 die Gesetzlehrer sein wollen und nicht verstehen, weder was sie sagen, noch was sie fest behaupten.
1Tim 1,8 Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht,
1Tim 1,9 indem er dies weiß, daß für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und .....
 
Der Gerechte weiß, das Gesetz ist nicht für Ihn bestimmt !
 
Röm 1,17 Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben {O. auf dem Grundsatz des Glaubens; so auch nachher} zu Glauben, wie geschrieben steht: "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben". {Hab. 2,4}
 
Weil aber das Gesetz nicht für mich bestimmt ist, so gebrauche ich es gesetzesmäßig, das heißt, ich zerpflücke es nicht (= gesetzlos) und suche Brauchbares heraus wie neun von zehn Geboten.
 
Gal 2,18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wiederum aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter dar.
Gal 2,19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf daß ich Gott lebe;
 
 
Lieber Ulrich
 
Dein Zitat:
 
"Wenn Kinder Gottes in und unter der Gnade leben, dann wird der Geist in ihnen die Kraft dazu sein, damit buchstäblich durch sie die gerechten Forderungen des Gesetzes und damit die gerechten Forderungen Gottes erfüllt werden.
Nach außen steht der vom Geist geleitete und unter der Gnade lebende Christ als Erfüller des Gesetzes dar"
 
Ist das bei Dir der Fall, oder sind es nur 9 von 10 Geboten, und nicht einmal da ?
Für mich hast du das "nach dem Geiste wandeln" nicht verstanden (Röm. 8.4).
Sondern versuchst es mittels Gnade aus eigener Kraft.
 
Schon unter 2176  Manna hast du eine Möglichkeit offeriert, wo du das Manna, Bild für das Wort Gottes (Jesus) als ein
Bild für die Gnade falsch darstelltest, vertauschtest.
 
Joh 6,49 Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben.
Joh 6,50 Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herniederkommt, auf daß man davon esse und nicht sterbe.
Joh 6,51 Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brote ißt, {O. gegessen hat} so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, {Eig. Und das Brot aber} daß ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.
 
Grüße
Kurt R.
 
 
Lieber Kurt R.,
 
es ist schon möglich, dass ich Dinge falsch verstehe. Mit hilft allerdings nicht weiter, wenn mir jemand sagt das ich etwas falsch mache. Um tatsächlich Korrektur zu erfahren muss ich wissen, wie ich es richtig mache.
 
Wie ich mittels der Gnade aus eigener Kraft wandeln kann, ist mir wirklich nicht klar. Für mich ist es bisher immer die Frage gewesen aus Gnade oder aus eigener (nicht vorhandener) Kraft. Das, was du aus meinen Ausführungen herausliest, habe ich immer für unmöglich gehalten. Vielleicht habe ich mich auch undeutlich ausgedrückt.
 
Wenn du Johannes 6 anführst, dann bitte ich dich um eine Erklärung in Verbindung mit 1. Kor 10,1-5. In Vers 4 wird sogar eindeutig betont, dass der Fels der Christus war. Trotzdem kommt die Aussage in Vers 5.
 
Wenn ich deine Ausführungen zu Johannes 6 richtig deute, dann meist du das lebendiges Brot und Manna das Gleiche sind. Wenn ich dich dann weiter richtig interpretiere, dann wären Gläubige oder Errettete wieder verloren gegangen. Bitte achte aber darauf, dass wir in Johannes 6 eine Steigerung haben:
  1. Manna (Vers 49)
  2. das Brot (Vers 50)
  3. das lebendige Brot (Vers 51) den HERRN
Erst von sich selbst behauptet der HERR das er Leben in Ewigkeit bringt. Wenn ich aber hier daneben liege, dann bin ich auf deine Korrektur gespannt.
 
herzliche Grüße
 
Ulrich 

 

Lieber Kurt,  6.6.05
 
ich vermute, dass die Geschichte mit dem Abrahambund, die Zitate aus 1. Tim. 1 und aus Galater 2 ebenfalls von dir stammen. Hierzu will ich dir ein Beispiel geben:
 
Wie gehst du mit jemanden um, der behauptet ein Bruder in Christo zu sein, der aber
  1. Ehebruch begeht
  2. offensichtlich ein Dieb ist
  3. seine Frau schlägt
  4. seine Eltern nicht ehrt
  5. usw. usw. ich könnte jetzt alle Dinge aufzählen, die du auch aus dem Gesetz kennst.
nun, wie würdest du ihn behandeln?
 
Ich kann dir nur sagen, wie ich handeln würde! Ich würde ihn behandeln wie jemand der sich Bruder nennt! Ich könnte nicht anerkennen, dass er ein Bruder ist. Nach Jakobus ist der Glaube ohne Werke tot, also gar nicht vorhanden. Jak. 2,20 + 26.
 
Alles, wirklich alles was du aus den Paulusbriefen anführen kannst ist in Übereinstimmung mit diesen Versen aus Jakobus 2.
 
Natürlich erkenne ich an, dass es nur Gottes bewahrende Gnade ist, wenn die Dinge, die ich oben aufgezählt habe nicht bei mir vorhanden sind. Trotzdem bleibt der Grundsatz bestehen. Wenn ich einen Gläubigen betrachte, dann sieht es so aus, als ob er die Gebote und das Gesetz hält! (Einschränkungen habe ich schon in den vorherigen Beiträgen genannt). Wenn ich jemanden treffe, der nicht in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes, nicht in Übereinstimmung mit dem Gesetz lebt, dann betrachte ich einen solchen nicht als Gläubigen, er kann erzählen, was er will!
 
Natürlich hat für mich das Erfüllen des Gesetzes überhaupt keinen rettenden Charakter. Es ist aber für mich sehr wohl der Beweis der Errettung. Genau weil in jemanden neues Leben aus dem Tode ist, kann er durch die Gnade die Gedanken Gottes in seinem Leben verwirklichen.
 
Wie sonst sollte wohl die Aufforderung: "Also auch ihr, haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu." Römer 6,11.
 
Da behauptet ein Gläubiger dieses neue Leben durch den HERRN JESUS zu haben. Er behauptet Glied des LEIBES Christi zu sein. Er behauptet die EWIGKEIT in der Gegenwart Gottes zu verbringen! Ja, sagt Jakobus dann, beweise das einmal. Paulus zeigt uns wie das geht!
 
Ich möchte, im Gegensatz zu Martin Luther, den Jakobusbrief nicht aus meiner Bibel entfernen. Meine Bibel wäre dann nämlich nicht mehr komplett und ich würde nicht mehr die ganze Bandbreite des Evangeliums kennen.
 
herzliche Grüße
 
Ulrich

 

07.06.05
 
Lieber Ulrich
 
Es gibt verschiedene Gnadenerweisungen, so z. b. in der Welt vor Gericht usw...
Gott ist gnädig und langmütig, das heißt noch nicht, daß der Einzelne im Wohlgefallen Gottes lebt.
Nach dem Motto, wem es am Besten geht, das ist der Geistigste und Gesegnete. 
 
Daß du (d)ein Gesetz halten tust, naja, aber es ist nicht das Gesetz (Mose) von dem das Wort spricht!
Das sind doch zwei Welten. So müßtest du ja den ehebrecherischen Christen steinigen ?
So etwas habe schon lange nicht mehr gelesen.
 
Du hältst ein Stück vom Gesetz, den unliebsamen Teil läßt du einfach verschwinden.
Du lebst unter der Gnade obwohl du ein Stück am Gesetz festhältst. 
 
Röm 7,18 Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt; {Eig. Gutes nicht wohnt}
denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, [finde ich] nicht.
 
Kannst du diese Aussage des Apostels auch für dein Leben bejahen ?
Ansonsten reden wir aneinander vorbei.
 
Grüße Kurt R.
 
Lieber Kurt,
 
um unseren Austausch nicht zu umfangreich werden zu lassen, sollten wir die weltlich irdischen Definitionen weglassen. Das hilft überhaupt nicht weiter. In der Welt (zumindest in der BRD) ist es so, dass jemand eine Strafe bekommen kann, dann ist er aber, wegen der Geringfügigkeit der Strafe in einem neuen (weiteren) Verfahren nicht vorbestraft ist, er ist aber keineswegs schuldlos. Bei diesen komplizierten Zusammenhängen kann man leicht den Über- und Durchblick verlieren.
 
Dem HERRN sei Dank, so kompliziert ist Gott nicht. Darum ist es für mich immer wieder von besonderer Bedeutung, dass David an Mephiboseth, eigentlich aber grundsätzlich an jemandem vom Hause Sauls, Güte Gottes erweisen wollte. (2. Sam. 9,3)
 
Grundsätzlich, wenn wir über Gebote oder Gesetze nachdenken, müssen wir, gerade wenn wir in der Gnadenzeit leben, dies unter Berücksichtigung von 1. Joh. 2 tun. Johannes betont dort ausdrücklich, dass er den Gläubigen kein neues, sondern ein altes und damit bekanntes Gebot schreibt. Auch gegen Ende des 1. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung hat es bereits solche gegeben, die meinten, weil Christus des Gesetzes Ende sei, hätten sie mit Geboten und Gesetzen nichts mehr zu tun. Diesen Irrtum muss Johannes ausräumen! Er muss die Gültigkeit eines alten Gebotes betonen.
 
Was bedeutet denn dann, dass Christus des Gesetzes Ende ist? (Rö. 10,4)
 
Ich denke, dass der HERR in zweifacher Hinsicht Gesetzesende gebracht hat. Zunächst einmal ist der HERR, auf Grund des vollbrachten Opfers das Ende des gottesdienstlichen Zeremonialgesetzes. Mit diesem Thema beschäftigt sich der Hebräerbrief und ich will hier nicht in der ganzen Tiefe darauf eingehen. Aber der HERR ist das bessere Opfer, er ist der bessere hohe Priester, und er ist des besseren Bundes (des Testamentes) Bürge. Dann lernen wir noch, dass das Bessere das Vollkommene ist. Also, mit den Zeremonialgesetzen haben wir nichts mehr zu tun!
 
Der HERR ist aber auch das Ende der Knechtschaft unter den Ethik- und Moralgesetzen des alten Bundes. Der HERR hat uns von der Knechtschaft unter diesen Gesetzen befreit. Die Knechtschaft war doch gerade dadurch gekennzeichnet, dass niemand, außer dem HERRN dieses Gesetz halten konnte. Ich komme jetzt zurück zu 1. Johannes 2. In Vers 3 lesen wir: "Und hieran wissen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten." Und in Vers 6 lesen wir: "Wer da sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt hat." Wie hat Christus auf der Erde gewandelt? Er hat alle Gebote Gottes erfüllt, ohne Ausnahme.
 
Mit deinem Einwand, dass ich einen ehebrecherischen Christen steinigen müsste, hast du natürlich vollkommen Recht. Tatsächliche tue ich das auch. Keine Angst, ich werfe nicht mit Steinen! Wir müssen uns doch einfach Fragen, was die Steinigung in Israel bedeutete. Mit der Steinigung wurde jemand aus dem irdischen Volk Gottes entfernt. Es gab keine andere Möglichkeit. Heute ist das Mittel von gleicher Bedeutung der Ausschluß. Mit dem Ausschluß gebe ich bekannt, dass jemand auf Grund seines Verhaltens zum Ausdruck gebracht hat, dass er gar nicht zum Volk Gottes gehören kann. Ich tue ihn hinaus. (1. Kor. 5,13). Das ist nichts anderes als Steinigung im alttestamentlichen Sinne.
 
Wenn bei mir selbst die Steinigung (der Ausschluß) nicht notwendig ist, dann liegt das allein an der überströmenden Gnade. Nur überströmende Gnade (die Gabe aus Gnade. Römer 5 ab Vers 12) versetzt einen Christen in die Lage die immer (ewig) gültigen Ethik- und Moralgesetze Gottes zu halten. Wir müssen einfach realisieren, dass es keine Möglichkeit gibt, dass diese Bestimmungen geändert werden, es sei denn, es gäbe etwas Besseres, wie bei den Zeremonialgesetzen für den Gottesdienst.
 
Die ethischen und moralischen Anforderungen Gottes können nicht geändert werden, sonst würde das Wort Gottes hinfällig, und genau das kann nicht sein, denn dann wäre Gott hinfällig. (Rö. 9,6 in Verbindung mit Joh. 1)
 
Da sich Gott nicht ändert, kann es auch keine Änderungen im  Ethik- und Moralgesetz geben, es sei denn, du weist nach, dass genau wie bei dem Zeremonialgesetz etwas Besseres das Vorübergehende abgelöst hat. Dagegen spricht natürlich die Wiederholung der Gebote im Neuen Testament.
 
Lieber Kurt, ich halte überhaupt nichts fest. Das in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt, (Rö. 7,18) das habe ich sicher umfangreicher erfahren als der Verfasser des Römerbriefes. Allerdings kann ich aus der Nutzlosigkeit meiner menschlichen Natur nicht ableiten, dass Gott das Gesetz ändert. Wenn jemand das Gesetz verwirft, ich spreche hier noch einmal vom Ethik- und Moralgesetz, wenn ich im Weiteren den Begriff Gesetz gebrauche, dann meine ich genau das, dann kommt er in die Nähe der Allversöhner. Wenn die Ethik- und Moralgesetze (eigentlich wenn Gott) keine Gültigkeit mehr (hat) haben, warum geht dann überhaupt jemand verloren? Gelten die Gesetze nur für die Ungläubigen, nicht aber für die Gläubigen? Sorry, Kurt, den Gedanken muss du schon zu Ende denken.
 
Also, die eindeutige Aussage, nach dem Römerbrief, nach dem 1. Johannesbrief, und auch wie in vorherigen Beiträgen schon erwähnt, nach dem Jakobusbrief ist die: "Ein Christ erfüllt durch die Gnade die Gesetze Gottes"! Das ist biblische Lehre!
 
Praxis
 
Dies sieht in weiten Teilen der Christenheit leider ganz anders aus. Genau die Zeremonialgesetze, die sich auch sehr stark an die Gefühle richten, haben im Rahmen des Katholizismus und der Charismatik sehr stark an Bedeutung und Wiederbelebung gewonnen. Es gibt geradezu eine inflationäre Tendenz, in der diese, tatsächlich überholten Vorschriften, wieder ans Licht gezerrt werden. Sowohl in der katholischen Kirche, als auch in der Charismatischen- und Pfingstbewegung werden die alttestamentlichen Zeremonialvorschriften neu belebt.
 
Viele sind auf den ersten Blick überrascht, das es in der katholischen Kirche auch ein Charismatische Bewegung gibt, aber das ist nur konsequent. Darum wird auch über die Ökumene die Vereinigung unter einem einheitlichen Mantel funktionieren.
 
In dem Maße, wie die alten Zeremonialgesetze neu betont und entdeckt werden, werden die Ethik- und Moralgesetze sinnentlehrt und für ungültig erklärt. Das der Teufel eine solche List anwendet, dass ist ja durchaus noch zu verstehen, warum aber solche, die behaupten Christen zu sein, dass nicht erkennen, ist zu hinterfragen.
 
Ja! Ich kann die Aussagen des Apostels für mein Leben bejahen! Ich kann aber die Ethik- und Moralgesetze nicht für ungültig erklären! Ich hoffe, die Konsequenzen sind in diesem Beitrag deutlich geworden.
 
herzliche Grüße
 
Ulrich
 
 
16.06.05
 
Lieber Ulrich,
 
sei unbesorgt, durch mich wird der Austausch nicht zu lange, vergleiche unsere Beiträge!
 
 "wir die weltlich irdischen Definitionen weglassen"  "...Zeremonialgesetzen haben wir nichts mehr zu tun!"
 
Ich denke nicht, daß Gott Zeremonien einführen wollte, sondern dies ist das, was Menschen aus Gottes Anordnungen machen,
wenn sie seine Anordnungen nur zum Schein erfüllen, - Zeremonien - , kein biblischer Ausdruck, sondern ein Weltlicher.
 
Das Zeremonialgesetz, "so wie du es nennst", ist keinesfalls beendet, sondern wird geistgemäß durch den Menschen umgesetzt.
 
Röm 12,1 Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst {O. vernünftiger Gottesdienst} ist.
 
Da das Gesetz geistlich zu verstehen ist, so wissen wir auch um seine Anwendung.
 
So brauche ich keine Tieropfer zu bringen, wohl aber ein Menschenopfer (sich selbst).
Wer sich aber selbst opfert, ist kein Übeltäter, sondern er wird für andere geopfert, z.B. für der anderen Boshaftigkeiten.
1Kor 5,13 Die aber draußen sind, richtet Gott; tut den Bösen von euch selbst hinaus.
So ist ein Trunkenbold nicht anders zu behandeln wie ein Hurer.
Man steinigt diese Menschen nicht mit Worten, sondern erklärt, daß sie nicht in der Gemeinschaft stehen mit dem Opfer (Jesus selber),
sowie auch denjenigen, welche ihre Leiber hingeben zu einem Opfer.
Man bringt also hier niemanden geistlich um, sondern schließt diesen Menschen aus,
weil er als Sauerteig erkannt wurde, damit nicht alles durchsäuert wird.
 
- Wenn jemand Bruder genannt wird - und ist ein Huerer, so unterscheidet diesen Paulus von den Menschen der Welt
und sagt nicht, daß ein solcher kein Christ sei, so wie du erklärst.
 
"Da sich Gott nicht ändert, kann es auch keine Änderungen im  Ethik- und Moralgesetz geben, es sei denn, du weist nach, dass genau wie bei dem Zeremonialgesetz etwas Besseres das Vorübergehende abgelöst hat. Dagegen spricht natürlich die Wiederholung der Gebote im Neuen Testament."
 
Die Zerlegung des Gesetzes (mosaische) in Gesetzesbereiche lehrt die Schrift nicht (zumindest erkenne ich es nicht und was du als weltlich irdische Definition bezeichnest, findet man gerade bei deinen Erklärungen), daher kann ich auf deine Verstümmelung / Zerstückelung des Gesetzes nicht in gleicher Weise antworten. Sondern das Gesetz ist immer als ein Ganzes zu sehen,
daher ist Christus des Gesetzes Ende, als Ganzes.
 
Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.
 
"Das in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt, (Rö. 7,18) das habe ich sicher umfangreicher erfahren
als der Verfasser des Römerbriefes."
 
Bin fassungslos.
 
"Ein Christ erfüllt durch die Gnade die Gesetze Gottes"! Das ist biblische Lehre!
 
Das Erfüllen der Gebote Gottes (seinen Willen tun) im AT wie im NT kommt durch die Liebe zu Gott zum Ausdruck und nicht unter welcher Haushaltung (Gesetz oder Gnade) man steht. 
 
Gruß Kurt R.

 

Lieber Kurt,   16.06.05
 
bei der weiteren Beschäftigung mit unserem Thema bin ich auf Römer 13,0 gestossen. "Denn das: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, lass dich nicht gelüsten", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Worte zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst"."
 
Hier wird meiner Meinung nach richtig deutlich, dass wir tatsächlich die Tugenden dessen zeigen müssen, der uns berufen hat.

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;“ (1. Petr. 2,9)

 

Das kann nur geschehen, wenn die Tatsache, dass die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist, durch den Heiligen Geist, (Rö. 5,5) durch die überströmende Gnade sichtbar wird.

 

Wir sind dann ein Zeugnis für und von Christus. Wir erfüllen dann das Gesetz des Christus (Gal. 6,2). Geehrt wird Christus, geehrt wird Gott. Auch in 1. Joh. 3,1 wird uns der Schlüssel vorgestellt, durch den wir ein Gott wohlgefälliges Leben führen können, in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst (1. Tim. 2,2) wir sollen die Liebe betrachten, die uns der Vater gegeben hat.

 

Nicht auf das Gebot sehen, denn der Buchstabe tötet. Sondern die Liebe betrachten, aus der Gnade heraus leben, dann werden IN UNS DIE RECHTSFORDERUNGEN DES GESETZES ERFUELLT. (Rö. 8,4)

 

herzliche Grüße

 

Ulrich  

 
17.06.05
 
Lieber Ulrich,
 
Da bin ich immer noch fassungslos über deine Behauptung, denn sie widersprechen den Aussagen des Apostels ganz gewaltig.
 
"Das in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt, (Rö. 7,18) das habe ich sicher umfangreicher erfahren als der Verfasser des Römerbriefes."
 
1Tim 1,12 - 16 [Und] ich danke {Eig. bin dankbar} Christo Jesu, unserem Herrn, der mir Kraft verliehen, daß er mich treu erachtet hat,
indem er den in den Dienst stellte, der zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war; aber mir ist Barmherzigkeit zuteil geworden,
weil ich es unwissend im Unglauben tat. Über die Maßen aber ist die Gnade unseres Herrn überströmend geworden mit Glauben und Liebe,
die in Christo Jesu sind. {O. ist} Das Wort ist gewiß {O. zuverlassig, treu; so auch Kap. 3,1; 4,9 usw.} und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von welchen ich der erste bin.
Aber darum ist mir Barmherzigkeit zuteil geworden, auf daß an mir, dem ersten, Jesus Christus die ganze Langmut erzeige, zum Vorbild für die, {O. als Beispiel derer} welche an ihn glauben werden zum ewigen Leben. (Elb 1905)
 
Andere Übersetzung:
1Tim 1,15 Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten,
von denen ich der größte bin. (Schl. 2000)
 
1Kor 15,9 Denn ich bin der geringste der Apostel, der ich nicht würdig {Eig. genugsam, tüchtig} bin, ein Apostel genannt zu werden, weil ich die Versammlung Gottes verfolgt habe.
1Kor 15,10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war. {O. ist}
 
Wenn du dich hier mit Paulus vergleichst und über Paulus stellst, so vermisse ich nur eines;
 
 - und seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich,
sondern die Gnade Gottes, die mit mir war. {O. ist} -
 
Lk 7,47 Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
 
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"Nicht auf das Gebot sehen, denn der Buchstabe tötet. Sondern die Liebe betrachten, aus der Gnade heraus leben, dann werden

IN UNS DIE RECHTSFORDERUNGEN DES GESETZES ERFUELLT. (Rö. 8,4)"

 

Was verstehst du unter "aus der Gnade heraus leben" worauf ist diese Gnade gegründet ?
 
Gruß
Kurt R.
Lieber Kurt, 17.06.05
 
bist du nicht der Meinung, dass jeder für sich zu dem Punkt kommen muss, dass er ganz persönlich der Erste oder der Größte der Sünder ist? Ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich meine, dass der HERR für mich weniger Gnade aufwenden musste als für Paulus. Selbst wenn ich nur eine Sünde begangen hätte, dann hätte ich doch die gleiche überströmende Gnade nötig gehabt, die jeden, der sich bekehret hat wirksam geworden ist.
 
Ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns Erster unter gleichen ist. Schon in Römer drei wird uns gesagt: "Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes," also, kein Unterschied.  Paulus drückt sowohl im 1. Tim. 1 als auch in 1. Kor. 15 seine persönlichen Empfindungen aus und bringt zum Ausdruck, dass er Angesichts der ihm vergeben Schuld von der Gnade überwältigt ist.
 
Dass sollte jeden von uns Kennzeichnen. Meine für mich unbezahlbare und überwältigende Schuld trennte mich von Gott. Von keinem Menschen kenne ich mehr Sünden als von mir persönlich. Darum kann ich mir bezogen auf alle anderen Geretteten schon vorstellen das sie es wert waren gerettet zu werden, auch wenn ich natürlich genau weis das niemand seine Errettung verdient hat. Bei mir persönlich bin ich aber ganz erstaunt darüber. Dann kann ich die Gnade rühmen, die nicht vergeblich gewesen ist. Wenn es von mir abhängig gewesen wäre, dann wäre die Gnade vergeblich gewesen. Da es aber von Gott abhängig ist preise ich die Gnade Gottes in mir.
 
Deine Fassungslosigkeit kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe sicherlich nicht gearbeitet und nichts vollbracht. Es gibt nichts zu rühmen. Sollte die Gnade etwas bewirkt haben, dann ist es nicht an mir mich dessen zu rühmen.
 
Gnade gründet sich allein auf Gott. Darum gehört Gott alle Ehre und dem Menschen gar nichts. Wer sich rühmt, rühme sich des HERRN. (1. Kor. 1,31, 2. Kor. 10,17).
 
Für meinen Teil werde ich dieses Thema mit diesem Beitrag abschließen. Wir haben uns inzwischen relativ weit vom Ursprung entfernt. Ein Austausch über persönlich Einstellungen und Ansichten macht im Forum wenig bis gar keinen Sinn, denn den lehrmäßigen Boden haben wir lange verlassen. Ich muss nicht Recht haben. Von deiner Fassungslosigkeit kann ich dich sicher nicht befreien.
 
herzliche Grüße
 
Ulrich 

 

17.06.05

 Lieber Hans Peter 

Kannst du das reinstellen?

 Gesetz und Gnade im neutestamentlichen Sinn

https:///brunoob/gesgnad.htm

 Frage 1: Seit wann besteht das (alttestamentliche) Gesetz?
Frage 2: Wem wurde das Gesetz auferlegt? Gilt es fÜr alle Menschen?
Frage 3: Bis wann hat das Gesetz seine GÜltigkeit?
Frage 4: Welche Haltung, resp. Stellung hat ein Christ dem Gesetz gegenÜber?

                 Ist das Gesetz die Lebensregel für einen Christen?
Frage 5: Welche Wirkung hat das Gesetz auf den Menschen oder was bewirkt es nicht?
Frage 6: Welche Bedeutung hat das Gesetz heute fÜr den Christen noch?
Frage 7: Welche Lebensregel besitzt nun ein Christ, wenn er nicht unter dem Gesetz

Frage 8: Ist jemand, der sich nicht unter das Gesetz stellt gesetzlos?

 Grüße Kurt R.

 

Lieber Kurt, lieber Ulrich! 06.07.05
 
Ich habe mir eure Diskussion über Gesetz und Gnade z.T. durchgelesen z.T. überflogen, weil es zu viel ist. Ich bin selbst noch nicht so lange gläubig und hab auch nicht so viel Bibelwissen. Aber ich hab mich schon oft gefragt, in wie weit das Gesetz für uns Gültigkeit hat. Ist es nicht so, dass es Gottes Willen und Wesen offenbart? Und wenn er doch unveränderlich ist, so ist das doch auch heute noch seine Einstellung, oder? Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz, weil Jesus alles bezahlt hat, aber ist es nicht als Richtlinie für unser Leben zu gebrauchen? Oder betrifft es mich in keinster Weise? Wozu soll ich dann das AT (oder zumindest Mose) überhaupt lesen?
Ich selbst habe noch nicht richtig verstanden, wie die richtig Praxis eines Christen auszusehen hat. Wie verhalt ich mich korrekt und nicht gesetzlich, wenn ich zum Beispiel versucht bin zu Trinken (Alkohol)? Soll ich mich der Versuchung hingeben, um nicht gesetzlich zu sein?
 
Ich wäre für eine hilfreiche Antwort sehr dankbar.
 
Liebe Grüße
Michael

 

2318 Weltlich <> Geistlich
Lieber Michael,
 
weder Kurt noch ich werden dir vorschlagen zu trinken um nicht gesetzlich zu sein. Um diese Frage überhaupt als Beschäftigungsgrund zu haben, dazu muss man ein Problem mit dem Alkohol haben. In dieser konkreten Sache geht es sicher nicht darum, dass jemand alle Jubeljahre ein Glas Wein oder Bier trinkt. Ich glaube, dass der Betreffende immer als erstes merkt ob er ein Problem, sprich eine Abhängigkeit hat oder nicht. So etwas zuzugeben ist natürlich eine zweite Sache.
 
In dem Bekenntnis liegt aber der Schlüssel zu einem behandeln dieser Frage in und mit Gnade. Solange kein Bekenntnis vorkommt, kann Gnade nicht wirksam werden. Das Bekenntnis muss in mehrfacher Weise erfolgen. Ein reines Zwiegespräch mit Gott, "bitte vergib mir mein Trinkverhalten und die Sucht und gib mir Kraft es nicht wieder zu tun" kommt nicht zum Ziel.
 
Menschen die einfach ihren Begierden nachgeben, in unserem Fall trinken, nennt Judas in Kap. 1,4 "Denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die schon vorlängst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet waren, Gottlose, welche die Gnade unsere Gottes in Ausschweifung verkehren und unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnen.
 
Das zeigt, das Gnade und Ausschweifung sich ausschließen. Es zeigt auch eindeutig, dass Ausschweifung einen Leugnung der Herrschaft des HERRN Jesus im Leben eines Menschen ist, ganz egal was dieser Mensch behauptet. Judas bezeichnet ihn als Gottlosen. Er nimmt tatsächlich das Adjektiv als Substantiv. Er sieht nicht nur gottlos aus, nein er ist ein Gottloser und zwar durch und durch.
 
Wir spüren hier schon, dass Gnade überhaupt nicht bedeuten kann, dass Gott fünf gerade sein lässt. Dass würde Gott als Gott völlig widersprechen.
 
Apg, 24,16 fordert uns auf, allezeit ein Gewissen ohne Anstoß zu haben vor Gott und den Menschen. "Wer seine Übertretungen verbirgt, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen." (Spr.28,13)
 
Also zurück zum Bekenntnis:
 
  1. "Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit." (1. Joh. 1,9)
  2. "Ein jeder nun, der mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist." (Matt. 10,32)
Der Teil, bei dem wir dem Vater oder dem HERRN unsere Sünden bekennen, ist sicherlich der einfachere Teil für einen Erretteten. Ich bin aber völlig überzeugt, dass dies erst der erste Schritt von Spr. 28,13 ist. 1. Joh. 1,9 ist sicher nicht das Endziel. Wenn ich meine Sünden Gott bekenne, dann macht er alles das, was er verheißen hat, dass führt aber überhaupt nicht dazu, dass ich die Sünden auch lasse. Es ist sehr interessant, dass die Gnade (Barmherzigkeit) in Spr. 28,13 nicht als Folge des Bekenntnisses erlangt wird, sondern als Folge des Bekenntnisses in Verbindung mit dem LASSEN der Sünde.
 
Wenn ich vor Gott bekenne, dann habe ich in dem Augenblick ein Gewissen ohne Anstoß vor Gott. Wie sieht es aber vor den Menschen aus? Was meint denn überhaupt die Stelle den HERRN vor den Menschen bekennen? Ich bin völlig davon überzeugt, dass es zweierlei bedeutet, nämlich
 
  1. Den HERRN als HERRN in meinem Leben zu bekennen, und
  2. Den HERRN HERR in meinem Leben sein zu lassen.
"Wer da sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt hat." (1. Joh. 2,6) Kann überhaupt nur funktionieren, wenn ich vor Menschen bekenne, dass der HERR die verändernde Kraft in meinem Leben ist. Jede positive Veränderung in meinem Leben geht von dem HERRN aus, IHM muss die EHRE dafür zu teil werden.
 
Die Gnade führt zu Gerechtigkeit. Bei der Bekehrung werde ich durch die Gnade gerechtfertigt. Wenn die neue Natur in meinem Leben sichtbar wird, und dass geschieht einzig und allein wenn ich nicht sündige, also in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes lebe, dann wird sichtbar, dass ich Gnade (Barmherzigkeit) erlangt habe.
 
Leider finden wir heute sehr viele "Christen", die unabhängig von den Gedanken Gottes leben. Diese reden zwar immer wieder davon das sie Gnade erfahren haben, nur straft ihr Leben ihre Worte Lügen. Man kann bei ihnen nicht sehen, dass sie Barmherzigkeit erlangt haben.
 
Ich habe letztes Jahr von einem Alkoholiker gehört, der zum Glauben gekommen sei. Er hat viermal einen Rückfall erlitten. Viermal hat er seine Bibel zerrissen und gemeint dass alles keinen Sinn habe. So wie die Geschwister ihn geschildert haben bin ich davon überzeugt, dass er wirklich bekehrt ist. Er scheitert aber am "LASSEN" der Sünde. Der Grund liegt darin, dass der Gläubige seinen Alkoholismus selbst besiegen will. Dabei wird man immer und immer und immer wieder scheitern, ja unendlich oft. "Denn ich weis, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, [finde ich] nicht." (Rö. 7,18) In die Klammer würde ich am liebsten schreiben "finde ich in mir" nicht. Denn da liegt das Problem.
 
Kraft finde ich bei dem HERRN. Lies das Ende von Römer 8. Da ist Kraft gegen alles da. Aber nicht gegen mein Alkoholproblem oder gegen meine Nikotinsucht? Doch! Aber nur dort bei dem HERRN. Wenn IHM die Ehre zuteil wird, wenn ich IHN vor den Menschen als meinen HERRN und meine KRAFTQUELLE bekenne, dann bekennt er mich vor dem VATER, dann habe ich Gemeinschaft mit dem VATER und mit seinem Sohne JESUS CHRISTUS, dann wird sichtbar, dass ich Barmherzigkeit erlangt habe.
 
Wenn sichtbar, dass ich Barmherzigkeit erlangt habe, dann wandle ich tatsächlich so, wie er gewandelt ist. Dann wir in mir die gerechte Forderung des Gesetzes erfüllt. (Rö. 8,4). Dann habe ich den Schlüssel entdeckt, warum Gott sagen kann, "seid heilig, denn ich bin heilig" (3. Mos. 11,44+45; 3. Mo. 20,7; 1. Petr. 1,16) Die drei Stellen aus dem Alten Testament hätte ich nach dem Motto "ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade" locker zur Seite geschoben, aber dann entdecke ich plötzlich, dass der Heilige Geist Petrus dazu bringt es noch ein viertes Mal aufzuschreiben. Irgendwie scheint es doch für mich zu gelten.
 
Also:
  • Gott bekennen, dass eine Gewohnheit in meinem Leben Sünde ist und ihn verunehrt.
  • Gott um ein Leben zu seiner Ehre bitten. (Nicht "Herr gibt mir die Kraft das sein zu lassen")
  • Vor Menschen bekennen, dass bisheriges Verhalten zu Unehre Gottes war und dass nur er die Kraft zur Veränderung geben kann.
  • Bekennen wie Gott Kraft gibt zum Wandel in Neuheit des Lebens und die Mitgeschwister um weitere Fürbitte bitten.
Dann stehe ich nicht unter Gesetz wenn ich nicht trinke, sondern unter Gnade. Unter Gesetz stehe ich wenn ich trinke, denn genau das Gesetz hat keine Kraft mich von der Trunksucht zu befreien, darum werde ich zu einem Gesetzlosen und zu einem Gesetzesübertreter wenn ich unter Gesetz stehe. In Römer 7 steht, "als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf" (Vers 9). Gerade die sichtbare Sünde ist der Beweis dafür das jemand unter Gesetz steht. Jetzt ist auch deutlich, das nur ein Gottloser behaupten kann, dass vorhandensein von Sünde sei Zeichen der Gnade. Römer 6 zeigt deutlich, dass Gnade durch die Abwesenheit von Sünde gekennzeichnet ist. (Besonders Vers 2 + 15)  
 
  
Lieber Michael, ich bin seit über 40 Jahren bekehrt. (Da ich mich wegen der starken Ungewissheit sicherlich hundert Mal, wenn nicht öfter bekehrt habe, kann ich nicht genau sagen, wann meine Bekehrung stattgefunden hat). Ich bin auch seit fast 32 Jahren getauft. Wie Gnade tatsächlich gottgemäße Veränderungen im Leben bewirkt, dass kenne ich erst seit weniger als 12 Monaten.
 
Es hat mir nie jemand gesagt wie Römer 6 "haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu" (Vers 11) funktionieren kann. Ich hoffe, du kommst mit dem hier gesagten klar.
 
herzliche Grüße
 
Ulrich

 

 

 
07.07.05
 
Lieber Michael
 
 "...in wie weit das Gesetz für uns Gültigkeit hat. Ist es nicht so, dass es Gottes Willen und Wesen offenbart?"
 
Der ganze Wille Gottes und sein ganzes Wesen werden im (durch) Gesetz nicht geoffenbart, sonst würde nicht noch anderes geschrieben sein. 
 
Joh 1,17 Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden.
Joh 16,13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus {W. von} sich selbst reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.
 
"Und wenn er doch unveränderlich ist, so ist das doch auch heute noch seine Einstellung, oder?"
 
1Petr 1,20 welcher zwar zuvorerkannt ist vor Grundlegung der Welt, aber geoffenbart worden am Ende der Zeiten um euretwillen,
 
Wie leben nach dem Neuen Testament und nicht nach dem Alten Testament. und im AT gab es kein NT, aber im NT haben wir Zugriff
auf das AT, und durch das NT können wir das AT verstehen. 
 
"Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz, weil Jesus alles bezahlt hat, aber ist es nicht als Richtlinie für unser Leben zu gebrauchen?"
 
Das Gesetz ist nicht als Richtlinie für unser Leben aus dem Geist zu gebrauchen, weil wir nicht mehr durch das Gesetz geleitet werden, sondern durch den Geist, welcher uns die Bedeutung des Gesetzes erklärt. 
 
Gal 5,18 Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz.
 
"Oder betrifft es mich in keinster Weise? Wozu soll ich dann das AT (oder zumindest Mose) überhaupt lesen?"
 
Gal 2,19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf daß ich Gott lebe;
Gal 2,20 ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, {O. ich lebe aber, nicht mehr ich} sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, {O. den des Sohnes Gottes} der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.
Gal 2,21 Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben.
Gal 3,1 O unverständige Galater! wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus, als [unter euch] gekreuzigt, vor Augen gemalt wurde?
 
Mir scheint du bist Zauberern verfallen, welche vorgeben das Gesetz zu halten und das sei die Gnade, weil sie das Gesetz halten,
welches sie aus dem Zusammenhang gerissen haben nach belieben.
Solche Menschen wären zu Mose Zeiten gesetzlos gewesen, sowie sie es heute auch sind.
 
Jak 2,10 Denn wer irgend das ganze Gesetz halten, aber in einem straucheln wird, ist aller Gebote schuldig geworden.
 
"Wozu soll ich dann das AT (oder zumindest Mose) überhaupt lesen?"
 
Ein Grund von vielen, damit man nicht auf Schwätzer hereinfällt ....
 
1Tim 1,6 wovon etliche abgeirrt sind und sich zu eitlem Geschwätz gewandt haben;
1Tim 1,7 die Gesetzlehrer sein wollen und nicht verstehen, weder was sie sagen, noch was sie fest behaupten.
1Tim 1,8 Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht,
 
"Wie verhalt ich mich korrekt und nicht gesetzlich, wenn ich zum Beispiel versucht bin zu Trinken (Alkohol)? Soll ich mich der Versuchung hingeben, um nicht gesetzlich zu sein?"
 
Röm 2,12 Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden,
 
Du kannst auch ohne gesetzlich zu sein sündigen, aber wenn ein Gesetz da ist, so tritt die Sünde überaus deutlich hervor,
vor allem dann, wenn man deswegen bestraft wird.
 
Auch sollst du dich (ich) nicht der Versuchung (Versucher) hingeben, damit du/ich erkennst, das der Geist Gottes so nicht leitet.
Das heißt auch, daß wir uns nicht versuchen lassen, etwas anderes zu bezeugen als in der Schrift steht.
 
Gruß Kurt R.