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Antwort auf den Artikel von Matthias Müller
“Weshalb ich der Bibel nicht mehr glauben kann"

Stand 04.02.2001


Allgemeine Bemerkungen
Ursachen von “Widersprüchen"S in der Bibel
Beantwortung von speziellen Einwänden:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Bibliographie
Buchbesprechung der von Matthias Müller angeführten Werke
Kurze Gedanken über den Atheismus und Skeptizismus
Weshalb man der Bibel voll und ganz vertrauen kann!

Bibliographie und Links

Beantwortung von speziellen Einwänden    23.09.2019  


Zu diesem Thema hat Bruder Roger Liebi ein Vortrag gehalten:  
 

Christliche Literatur- und Kassettenvermittlung Sanddornweg 1, CH-3613 Steffisburg

Tel. (0041) (0)33 437 63 43

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Matthias Müller führt in seiner Arbeit mindestens 30 angebliche „Widersprüche“, bzw. „Fehler“ der Bibel an. Die meisten Einwände stammen aus dem Buch „Losing Faith in Faith“ von Dan Barker - speziell die Seiten 164-177. Ihm folgt Matthias Müller in seiner Argumentation oft wortwörtlich. Andere Argumente hat Matthias Müller dem Buch „The Case Against Christianity“ von Michael Martin entnommen. (Mehr zu diesen Büchern im Kapitel „Buchbesprechung“).

 

Ich werde bei jeder Frage zuerst den Einwand von Matthias Müller vollständig wiedergeben (nur die graphische Gestaltung ist ein wenig anders). Manchmal versuche ich den Einwand mit eigenen Worten nochmals zu erklären, dann folgt die Antwort. Die Titel der Einwände stammen von Matthias Müller, bzw. Dan Barker, sie sind aber, entsprechend der Reihenfolge, in der ich sie beantworte, neu nummeriert.

 

 

Teil 1

 

1) Wann wurde Jesus gekreuzigt?

 

Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. (Mark.15.25)

Es war um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König! Sie aber schrien: Weg, weg! (Joh. 19.14)

 

Erklärung des Problems:

 

Gemäss dem Markusevangelium wurde Jesus Christus um die dritte Stunde gekreuzigt, während er gemäss Johannes um die sechste Stunde noch immer von Pilatus verhört wurde.

 

Antwort:

 

Nicht nur Markus, sondern auch Matthäus und Lukas bezeugen, dass Jesus um die dritte Stunde schon am Kreuz hing: Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Dann starb Jesus Christus. (Mt 27,45-50; Mk 15,33-37; Lk 23,44-46).

 

Der Widerspruch zwischen Matthäus, Markus, Lukas einerseits und Johannes andererseits löst sich sofort auf, wenn man weiss, dass die ersten drei Evangelisten ihre Tageszeitangaben nach der jüdischen Zeiteinteilung machten, Johannes dagegen die römische Zeiteinteilung benutzte.

 

Die jüdische Tageszeiteinteilung begann bei Sonnenaufgang und endete bei Sonnenuntergang. Die dazwischen liegende Zeit wurde in 12 Abschnitte aufgeteilt. Vereinfachend ergibt das 12 Stunden von etwa morgens 6 Uhr bis etwa abends 6 Uhr. Die dritte Stunde entspricht also etwa 9 Uhr vormittags, die sechste Stunde dem Mittag (Sonnenhöchststand), die neunte Stunde unserem 15 Uhr.

 

Die Römer dagegen zählten die Tages- und Nachtstunden wie wir von Mitternacht bis Mitternacht in 24 Stunden. Die Szene vor Pilatus, die Johannes in Kap. 19,14 schildert, fand also um 6 Uhr morgens statt. [Und tatsächlich: in Kap. 18,28 schreibt Johannes, dass Jesus „früh morgens“ zu Pilatus gebracht wurde. Kurz vorher hatte der Hahn gekräht (18,27).]

 

Eine Bestätigung, dass Johannes sich an die römische Zeiteinteilung hält, finden wir in Kap.20,19, wo er ein Ereignis beschreibt, das am Abend des Auferstehungstages stattfand. Zunächst müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass bei der jüdischen Zeiteinteilung der Tag nach Sonnenuntergang beendet ist. Der 1.Tag der Woche – unser Sonntag – dauert in jüdischer Sicht nur bis es dunkel ist. Johannes hingegen ordnet die späten Abendstunden des Auferstehungstages immer noch dem „ersten Tag der Woche“ zu. (Aus der Parallelstelle in Lukas 24 (Verse 13.29.33.36) lässt sich ableiten, dass nach dem Abendwerden nochmals 2-3 Stunden vergangen sein mussten, bis Jesus sich seinen eingeschlossenen Jüngern offenbarte.)

 

Eine weitere Bestätigung finden wir in Johannes 1,39. Dort heisst es, dass Andreas und Petrus Jesus Christus in der zehnten Stunde trafen und jenen Tag bei ihm blieben. Wenn hier Johannes die jüdische Zeitrechnung benützte, würde das heissen, dass sie sich um etwa 4 Uhr nachmittags/abends trafen, dies wäre etwas spät um den Tag mit Jesus zu verbringen. (Nach jüdischer Zeitrechnung hört der Tag um etwa 6 Uhr abends auf) Gemäss römischer Zeitrechnung wäre dies aber 10 Uhr morgens, also noch genug Zeit den Tag mit Jesus Christus zu verbringen.

 

 

Mögliche chronologische Abfolge der Ereignisse vor /während der Kreuzigung:

Fackeln,            Lampen Gefangennahme im Garten      Jh 18,3

Nacht            Verhör vor Hannas und Kajaphas

bei Tagesanbruch    Verhör vor dem Hohen Rat             Lk 22,66; Mt 27,1+2

frühmorgens      zu Pilatus ins Prätorium       Jh 18,28; Mk 15,1

                    von Pilatus zu Herodes und zurück     Lk 23,6-11

6 Uhr            Verurteilung durch Pilatus     Jh 19,14

                    Jesus wird nach Golgatha geführt      Jh 19,16

9 Uhr            Kreuzigung                     Mk 15,25

12 Uhr              Finsternis                            Mt 27,45-50; Mk 15,33-37; Lk 23,44-46

15 Uhr           Tod Jesu       do

 

 

Nun könnte man sich noch fragen, weshalb Johannes, im Gegensatz zu den anderen Evangelisten, die römische Zeitrechnung benützte. Eine mögliche Antwort liegt darin, dass er als einziger sein Evangelium nach 70 n. Chr. schrieb, also nachdem der Tempel und die nationale Identität der Juden zerstört worden war. Zu der Zeit, als er schrieb, war Judäa ganz römisch. Ausserdem schrieb Johannes gemäss Irenäus sein Evangelium in Ephesus, der Hauptstadt der römischen Provinz Asia.

 

Es wäre schon speziell, wenn Johannes, als Lieblingsjünger von Jesus Christus, nicht gewusst hätte wann Jesus Christus gestorben wäre, speziell, da er als Augenzeuge dabei war!

 

 

2) Paulus' Zeugnis

 

Die Männer aber, die mit ihm des Weges zogen, standen sprachlos, da sie wohl die Stimme hörten, aber niemand sahen. (Apg. 9.7)

 

Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. (Apg. 22.9)

 

Einwand: Ich habe mich immer gefragt, weshalb Gott nicht einen Augenzeugen als Autor für das halbe Neue Testament gewählt hat, sondern jemand, der lediglich eine Vision des auferstandenen Jesus hatte. Hier stellt sich heraus, dass Paulus nicht mal mehr sicher war, was bei diesem Zwischenfall genau geschehen ist – höchst suspekt!

 

Antwort: Hier gibt es nur einen scheinbaren Widerspruch in der deutschen Sprache, obwohl auch sie ein Hören im Sinne von „Geräusch wahrnehmen“ und ein Hören im Sinne von „verstehen“ kennt. Im Griechischen ist die Sache eindeutig. Das griechische Wort (im Infinitiv) für hören ist sowohl in Apg 9,7, wie auch Apg 22,9 „akouein“. In Kapitel 9 wird das Wort aber mit dem Genitiv (Wesfall) gebraucht, in Apg 22 hingegen im Akkusativ (Wenfall). „akouein“ mit dem Genitiv betont die Quelle der Wahrnehmung, „akouein“ mit dem Akkusativ betont den Inhalt des Gehörten.

 

Die Männer, die mit Saulus waren, hörten etwas, verstanden aber nicht, was gesagt wurde.

Ähnlich war es in Joh 12,28+29. Dort sprach Gott, der Vater über seinen Sohn Jesus Christus und die Volksmenge, die dastand hörte zwar ein Geräusch, verstand aber nicht was gesagt wurde.

 

Analog war die Wahrnehmung der Begleiter des Paulus in bezug auf das Licht. Sie sahen das Licht als Helligkeit, aber keine Person.

 

So heisst es auch in Apg 9,7: „…sie [die Begleiter] sahen niemanden“. Während es in Apg 22,9 heisst, dass die Begleiter das Licht sahen.

 

Vergleiche zur Bestätigung dieser Behauptung:

 

„Griechische Grammatik zum Neuen Testament“, Ernst G. Hoffmann/Heinrich von Siebenthal, Immanuel-Verlag, 1985/1990, S. 239 Fussnote 1 zu §167 a.

„Vine‘s Complete Expository Dictionary of the Old and New Testament Words“, W.E.Vine, Merrill F.Unger, William White, Jr.. Thomas Nelson Publishers, 1985, S.296 unter „Hear, Hearing“, A. Verbs, 1. akouo (b).

 

 

3) Messias oder Jungfrauengeburt?

 

Einwand: Das Alte Testament sagt, dass der Messias ein Nachkomme Davids sein wird. Auch Paulus bestätigt: "…Jesus, der aus der Nachkommenschaft Davids gekommen ist dem Fleische nach" (Römer 1.3). Die zwei Stammbäume in Matth. 1.1-16 und Lukas 3.23-38 versuchen, dies zu beweisen. Dass die zwei Stammbäume widersprüchlich sind, ist nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist, dass Jesus gar nicht der Sohn des Joseph war. In beiden Abschnitten wird dem Rechnung getragen:

 

Jakob aber zeugte Josef, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde... (Matth. 1.16)

Und Jesus war ungefähr dreissig Jahre alt, als er auftrat und war, wie man meinte, ein Sohn des Josef, des Eli,... (Lukas 3.23)

 

Aber diese Ergänzungen machen den ganzen Stammbaum zunichte! Der Autor des Lukasevangeliums sagt eigentlich "...wie man fälschlicherweise meinte...". Also entweder ist Jesus der Messias dem Fleische nach oder er ist von einer Jungfrau geboren, beides geht nicht! Vielleicht stammte ja Maria von David ab, wieso werden dann aber die Stammbäume von Joseph aufgeführt? Haben sich die Autoren des NT geirrt?

 

Erklärung des Problems:

 

Da Matthias Müller davon ausgeht, dass beide Evangelien das Geschlechtsregister von Joseph wiedergeben, sagt er, dass Jesus Christus gemäss den Stammbäumen gar nicht ein leiblicher Sohn („dem Fleische nach“) von David ist. Ausser Maria wäre auch aus Davids Linie. Ausserdem spricht er unbestimmt von „zwei widersprüchlichen Stammbäumen“. (Wenn die beiden Geschlechtsregister wirklich beide vom Joseph wären und beide den Stammbaum von Josephs Vater darstellen würden, wären sie tatsächlich widersprüchlich, bzw. verschieden).

 

Antwort: Das Neue Testament hat vier Evangelien, die uns die Person des Herrn Jesus Christus zeigen. Dabei zeigt uns jedes der vier Evangelien Jesus Christus von einer anderen Seite. Im Matthäus-evangelium sehen wir besonders den König, der gekommen ist um sein Reich zu empfangen. Er ist der Messias, der Sohn Davids, der im Alten Testament verheissen war. Im Markusevangelium liegt die Betonung auf dem Knecht Jesus Christus, der umherzieht und die Menschen heilt. Im Lukasevangelium sehen wir besonders die Seite des Menschen Jesus Christus. Das Johannesevangelium schliesslich betont, dass er der Sohn Gottes ist. Entsprechend ihren Schwergewichten bringen Markus und Johannes kein Geschlechtsregister (bei einem Knecht ist die Abstammung unwichtig; als Sohn Gottes von Ewigkeit (Joh. 1) hat Christus keine Abstammung.) Bei Matthäus, der die königliche Würde betont, und Lukas, der den wahren Menschen zeigt, finden wir folgerichtig ein Geschlechtsregister.

 

(vgl. Roger Liebi, Einführung in die vier Evangelien, Beröa, 1990)

 

Im Matthäusevangelium wird mit dem Geschlechtsregister nachgewiesen, dass Jesus Christus als „Sohn Davids“ Anrecht auf den Thron Davids hat. Als „Sohn Abrahams“ ist er auch  aus dem „Samen Abrahams“, durch den alle Geschlechter der Erde geegnet werden. Darum beginnt das Geschlechtsregister im Matthäusevangelium mit Abraham und David. Im Lukasevangelium wird sein Menschsein betont, darum beginnt das Geschlechtsregister mit dem ersten Menschen, Adam.

 

Das Evangelium des Matthäus zeigt uns das Geschlechtsregister von Joseph (Matthäus 1,1-17). Dort heisst es: „Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria“. Dies ist die rechtliche Linie. Da Joseph der rechtliche (wenn auch nicht der leibliche!) Vater von Jesus Christus war und selber von David abstammt, hat Jesus Christus Anrecht auf den Thron Davids. Dieses Geschlechtregister geht über Davids Sohn Salomo (2. Sam 7,12-16).

 

(Gott hat auf diese Linie einen Fluch gelegt, so dass kein leiblicher Nachkomme Konjas (=Jechonias) auf dem Thron sitzen soll. Jeremia 22,24+30; 36,30. Joseph war ein leiblicher Nachkomme Jechonias, aber Jesus Christus nicht.)

 

(Bezüglich den verschiedenen Namen von Konja=Jechonia siehe Kapitel „Ursachen von „Widersprüchen“ in der Bibel“).

 

Das Lukasevangelium, das uns Jesus Christus als Menschensohn zeigt, enthält das Geschlechtsregister von Maria, der menschlichen Mutter von Jesus Christus. Jesus Christus stammt also körperlich von Maria ab, die ihrerseits von David und Juda abstammte. Jesus Christus ist als Messias also ein Nachkomme Davids, wie es das Alte und Neue Testament (Röm 1,3) zeigen. Das Lukasevangelium sagt nicht, dass Eli Joseph zeugte, denn Eli war der Vater von Maria, der Schwiegervater von Joseph.

 

Für die sprachliche Bestätigung zitiere ich aus Roger Liebi, S.56:

 

„d)… Wenn Joseph gemäss Lukas 3,23 ein Sohn Elis sein soll, so müsste man dies im Sinne von „Schwiegersohn“ auffassen. Man beachte dabei, dass es durchaus eine hebräische Ausdrucksweise ist, den „Schwiegersohn“ als „Sohn“ zu bezeichnen (vgl. 1.Sam 24,17). Maria wird nicht erwähnt, weil es gemäss jüdischer Sitte nicht üblich war, Frauen in einem Geschlechtsregister als Bindeglieder zu verzeichnen.

 

e) Es ist durchaus denkbar, den Text auch folgendermassen zu übersetzen, indem man den griechischen Ausdruck „hos enomizeto Joseph“ („wie man meinte Josephs“) als kleine Parenthese auffasst: „Und er selbst, Jesus, begann ungefähr dreissig Jahre alt zu werden, und war ein Sohn (wie man meinte Josephs) des Eli, des Matthat, des Levi…“ (Luk. 3,23.24) Das Beachtliche an dieser Übersetzung ist, dass man sich dabei effektiv näher dem griechischen Satzbau anschliesst. Zudem ist es bemerkenswert, dass im Grundtext ausgerechnet nur vor dem Namen „Joseph“ der Artikel weggelassen worden ist, wie wenn dieser Name sprachlich dadurch vom Text des Geschlechtsregisters abgehoben werden sollte. Wenn Jesus hier somit als „Sohn“ seines Grossvaters Eli bezeichnet wäre, so muss man bedenken, dass dies durchaus hebräischer Ausdrucksweise entsprechen würde (vgl. z.B. Matth. 1,1).

 

Wie Matthias Müller richtig festhält, wird in beiden Evangelien klar gesagt, dass Jesus Christus von einer Jungfrau geboren wurde und nicht der leibliche Sohn des Joseph ist.

 

(Die Geschlechtsregister wurden von den Juden im Tempel aufbewahrt. Alle Zeitgenossen Jesu konnten die von Matthäus und Lukas aufgeführten Geschlechtsregister überprüfen. Da der Tempel mit den Unterlagen 70 n. Chr. zerstört wurde, wird andererseits kein zukünftiger Messias (den die Juden fälschlicherweise erwarten) sich mit Geschlechtsregistern als Nachkomme David ausweisen können.

 

 

4) Hat jemand Gott gesehen?

 

Niemand hat Gott jemals gesehen. (Joh.1.18)

Und Jakob gab der Stätte den Namen Pnuel: denn ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen. (1.Mose 32.31)

 

Antwort: Es ist sehr gefährlich Bibelverse nur teilweise zu zitieren. Die Antwort auf den obigen Einwand wäre im zweiten Teil von Johannes 1,18 gefunden worden: „der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat ihn kundgemacht.“ (Sowohl Matthias Müller, wie auch Dan Barker zitieren in Johannes 1,18 nur den ersten Teil des Verses).

 

Gott ist Geist und kein Mensch kann Gott sehen und leben (2.Mose 33,20), ausser Gott offenbart sich uns Menschen, und zwar so, dass wir es ertragen (Ri 13,22). Dies ist in Jesus Christus geschehen (Joh 1,18b; 14,9; Mt 11,27). Denn er ist „das Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15). Auch im Alten Testament hat sich der Sohn Gott schon bei verschiedenen Erscheinungen geoffenbart, z.B. dem Mose (5. Mose 34,10), dem Abraham (1. Mo 18,1+2; Apg 7,1; vgl. Joh 8, 56-58), dem Jesaja (Jes 6,1+5; Joh 12,41), dem Manoach (Ri 13,22) oder als „der Engel des Herrn“. So konnte Hagar sagen: „Du bist ein Gott, der sich schauen lässt.“ (1. Mo 16,13)

 

 

5) Frau und Mann gleichgestellt?

 

Da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. (Gal.3.28)

Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist, die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann, denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen. (1.Kor.11.7-9)

 

 

Antwort: Die an den Herrn Jesus Christus gläubige Frau ist dem an den Herrn Jesus Christus gläubigen Mann gleichgestellt was ihre geistlichen Vorrechte betrifft: „in Jesus Christus“. Sie hat ebenfalls direkt Zugang zu Gott durch den Herrn Jesus Christus. (Im alten Testament hatten nur einige männliche Juden, d.h. die Priester, direkten Zugang zu Gott. Jetzt haben alle wiedergeborenen Gläubigen, ob aus den Juden oder aus den Heiden, ob Männer oder Frauen, direkten Zugang zu Gott). Auch ist die Frau  nicht weniger wert als der Mann.

 

Was ihre (Aufgaben-)Stellung hier auf der Erde betrifft, zeigen Stellen wie 1. Kor 11;14, 1,Tim 2,12. Die Frau ist sowohl in der Ehe, wie auch in der Gemeinde, dem Manne untergeordnet, sie hat andere Aufgaben als der Mann.

 

Ein schwacher Vergleich: Eine Sekretärin mag in einer Firma dem Direktor untergeordnet sein, aber vor dem Gesetz ist sie ihm gleichgestellt.

 

 

6) Das Gesetz des AT

 

Einwand: Jesus bestätigt, dass das Gesetz des AT eins zu eins zu übernehmen ist:

 

"Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen..." (Matth.5.18)

 

Damit gilt das beliebte Argument vom alten und neuen Bund bezüglich dem Gesetz nicht! In der Apostelgeschichte wird ein Teil des Gesetzes dann trotzdem aufgehoben:

 

"Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich irgend etwas Gemeines oder Unreines gegessen. Und wieder erging die Stimme zum zweiten Mal an ihn: Was Gott gereinigt hat, mach du nicht gemein!" (Apg.10.13-14)

 

Christen scheinen frei zu wählen, welche Gesetze vom AT zu übernehmen sind und welche nicht. Alle Reinheits-, Feiertags- Rechtsgesetze und das Sabbatgesetz werden zum Beispiel ersatzlos und willkürlich gestrichen.

 

Antwort: Leider ist die Frage, wieweit das Gesetz auch noch für an Jesus Christus Gläubige Gültigkeit hat, nicht nur eine Frage für Matthias Müller, sondern auch für viele Gläubige.

 

Das Gesetz wurde einem einzigen Volk (und nur diesem) gegeben: Israel (2.Mo. 19,3-8; Röm 9,4). Kein Teil des Gesetzes wurde je einem Nichtjuden gegeben. Zum Gesetz gehören nicht nur die 10 Gebote, sondern auch alle (über 600!) Reinheitsvorschriften, Opfergesetze, usw.. Es wird nirgendwo gesagt, dass die Christen dieses Gesetz „eins zu eins zu übernehmen“ haben. Der von Matthias Müller zitierte Vers Mt 5,18 sagt nur aus, dass das Gesetz bleiben wird bis „Himmel und Erde“ vergehen werden. Und es wird bis dann seinen Zweck erfüllen als Aufzeichnung der Gerechtigkeit Gottes. Das Gesetz wurde nicht abgeschafft. Aber wozu wurde überhaupt das Gesetz gegeben? (Gal 3,19) Das Gesetz wurde nicht gegeben zur Errettung. Das Gesetz wurde gegeben zur Erkenntnis der Sünde (Röm 3,19.20;7,7).

 

Das Gesetz hat auch eine Funktion für die Ungläubigen (1.Tim 1,8+9). Hingegen sind die Wiedergeborenen nicht unter dem Gesetz. Nicht weil das Gesetz abgeschafft wäre, sondern weil sie dem Gesetz gestorben sind. (vgl. Röm 7; Gal 2,19) Das Gesetz hat keine Gewalt über gestorbene Menschen!

 

vgl. „Das Gesetz - Die Lebensregel des Christen?“, J.G.Fijnvandraat, CSV, n.d.

 

 

7) Der Sabbat

 

Einwand: Es ist interessant, wie locker speziell das Sabbatgesetz unter Christen gehandhabt wird, obwohl es ja eines der 10 Gebote ist. Das Gebot "Kein Sex vor der Ehe" z.B. ist den meisten Christen viel heiliger, obwohl es nirgends explizit in der Bibel steht!

 

"Und als die Söhne Israel in der Wüste waren, da fanden sie einen Mann, der am Sabbattag Holz auflas. Und die ihn gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und zu Aaron und zu der ganzen Gemeinde. [...] Da sprach der HERR zu Mose: Der Mann soll unbedingt getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn ausserhalb des Lagers steinigen." (4.Mose 15.32-35)

 

"Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Saaten ging; und seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken. Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist?" (Markus. 2.23-24)

 

Hatten die Pharisäer nicht absolut recht mit ihrer Bemerkung? Sie berufen sich auf das Gesetz des Mose! Hat Gott inzwischen seine Meinung geändert?

 

Antwort: Dass das Sabbatgebot eines der 10 Gebote ist, ändert nichts daran, dass die Christen nicht unter dem Gesetz stehen. (Das Sabbatgebot ist übrigens das einzige der 10 Gebote, das in bezug auf die Gemeinde - in den Lehrbriefen oder in der Offenbarung - nicht wiederholt wird).

 

Dass das Gebot „Kein Sex vor der Ehe“ nicht explizit in der Bibel stehe, stimmt natürlich nicht.

 

Sowohl im Alten Testament, wie auch im Neuen Testament (Joh 7,53-8,11) wird vor-, bzw. ausserehelicher Geschlechtsverkehr als Sünde bezeichnet. (Es gibt keinen Unterschied bezüglich vor- und ausserehelichem Geschlechtsverkehr, beides wird unter dem Begriff „Hurerei“ in der Bibel verurteilt, als Geschlechtsverkehr mit jemandem mit dem man nicht verheiratet ist).

In jeder Konkordanz kann man nachschlagen, was die Bibel über die Hurerei sagt. Als Beispiel erwähne ich nur 1. Kor 6;7, 2, und Offenbarung 22, 15.

 

Noch eine Bemerkung zu der genannten Stelle aus Markus: Das Ausraufen von Ähren war nirgends im Alten Testament verboten worden. Die Juden hatten unzählige menschliche Vorschriften zum alttestamentlichen Gesetz hinzugefügt, die keine biblische Grundlage hatten.

 

 

9) Die Hölle

 

Einwand: Im Alten Testament wird nicht unterschieden zwischen Himmel und Hölle. Es gibt nur den Scheol, wo alle Toten hingehen. Wie konnte Gott nur über Tausende von Jahren schweigen zu diesem Thema? Im Neuen Testament sieht es anders aus:

 

Er (Jesus) wird die Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. (Matth.3.12)

Jeder der seinem Bruder sagt: Du Narr! Wird der Hölle des Feuers verfallen sein. (Matth. 5.22)

 

In der Hölle werden Menschen unendlich lange gefoltert. Aber kein Mensch hat ein unendliches Mass an Sünden begangen, denn er hat ja nur endlich lange gelebt. Zudem genügt ja schon der Spruch: "Du Narr" um dieser grauenhaften Strafe zu verfallen. Ist dies nicht absolut unverhältnismässig? Zudem war das Leiden Christi am Kreuz zeitlich endlich - nur sechs Stunden und soll diese unendliche Strafe aufwiegen! Ich zum Beispiel, weil ich vom blind Vertrauenden zum ehrlichen Zweifler geworden bin, würde vom Biblischen Gott dafür ewig gefoltert. Der Biblische Gott ist sicher nicht derjenige, der meinen Verstand geschaffen hat, welcher mich zu meinen Erkenntnissen und Schlüssen geführt hat!

 

Antwort: Die Bibel ist ein Buch der fortlaufenden Offenbarung des Heilsplans Gottes. Es ist richtig, dass vieles erst im Neuen Testament ganz offenbart wird. Die Behauptung aber, dass die Menschen vor der Offenbarung des Neuen Testamentes nichts von dem unterschiedlichen Schicksal von Gläubigen und Ungläubigen wussten, stimmt nicht. Als Beispiel möchte ich Daniel 12,2 anführen:

 

„Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu.“

 

Ebenso spricht Psalm 49, 14-16 von einem unterschiedlichen Schicksal von Gläubigen und Ungläubigen.

 

Aus den Bemerkungen wird offenbar, dass Matthias Müller die wahre Sündhaftigkeit des Menschen, seine eigene eingeschlossen, noch nicht realisiert hat. Ebensowenig die Grösse des Erlösungswerkes Jesu Christi.

 

Empfehlenswerte Lektüre zu diesem Thema: „How can a God of Love send people to Hell?“, John Benton, Evangelical Press, 1985/87

 

 

10) Sollen wir gute Werke zeigen?

 

So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen. (Matth. 5.16)

Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden. Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. (Matth. 6.1)

 

Antwort: Das, was diese beiden Aussagen voneinander unterscheidet ist das Motiv. Wieso mache ich gute Werke? Damit sie „euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen“ (Matth. 5,16) oder „um von ihnen [den Menschen] gesehen zu werden“? (Matth. 6,1) 

Für Fragen, Verbesserungsvorschläge und Einwände darf man sich gerne an mich wenden: 

Patrick Tschui, Heuweidlistr. 12, CH-8340 Hinwil, Tel. + h.p.wepf_______bibelkreis.ch: 01/937 18 64; patrick.tschui@clkv.ch.ch

 

 

Teil 2

11) Das leere Grab


Einwand: Es gibt keine ausserbiblischen Berichte vom leeren Grab. Und diejenigen in der Bibel widersprechen sich stark:

Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu besehen. Und siehe, da geschah ein grosses Erdbeben, denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Ansehen aber war wie der Blitz und sein Kleid weiss wie Schnee. Aber aus Furcht vor ihm bebten die Wächter und wurden wie Tote. (Matth 28.1-4)
Und sie (Maria und Maria Magdalena) kommen sehr früh am ersten Wochentag zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war. Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von der Tür der Gruft wegwälzen? Und als sie aufblickten, sehen sie, dass der Stein zurückgewälzt ist, er war nämlich sehr gross. Und als sie in die Gruft eintraten, sahen sie einen jungen Mann zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem weissen Gewand, und sie entsetzten sich. (Markus 16.1-5)
An dem ersten Wochentag aber, ganz in der Frühe, kamen sie zu der Gruft und brachten die wohl-riechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein von der Gruft weggewälzt, und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. Und es geschah, als sie darüber in Ver-legenheit waren, siehe, da standen zwei Männer in strahlendem Gewand bei ihnen. (Lukas 24.1-4)
An dem ersten Wochentag aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zur Gruft und sieht den Stein von der Gruft weggenommen. Sie läuft nun und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen. Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus hinaus und der andere Jünger, uns sie gingen zu der Gruft. [...] Da gingen nun die Jünger wieder heim. Maria aber stand draussen bei der Gruft und weinte. Als sie nun weinte, bückte sie sich vornüber in die Gruft und sieht zwei Engel in weissen Kleidern dasitzen. (Joh. 20.1-12)

Erklärung: Wenn man die verschiedenen Berichte in den vier Evangelien miteinander vergleicht, so scheint es zahlreiche Widersprüche zwischen ihnen zu geben, was den Zeitpunkt, die Anzahl Frauen, den Zweck ihres Besuches am Grab, die Anzahl Engel, usw. betrifft.

Antwort:
a) Dass Matthäus nur einen Engel erwähnt, heisst nicht, dass nicht zwei dort waren. Die beiden Aussagen würden sich nur widersprechen, wenn Matthäus sagen würde, dass nur ein Engel dort war. (Und auch dann müsste man sicher sein, dass sich beide Aussagen auf den gleichen Zeitpunkt beziehen würden). Matthäus konzentriert sich auf den Engel, der sprach (Mt 28,5), während Johannes bezug nimmt darauf, wieviele Engel die Frauen sahen, nämlich zwei (Joh 20,12).

b) Dasselbe gilt für die unterschiedliche Anzahl der Frauen, die zum Grab gingen. Ausserdem waren sehr wahrscheinlich nicht immer alle Frauen zusammen. Sie trafen sich, schlossen sich einander an, einige eilten zurück, andere blieben länger am Grab, Š

c) Johannes erwähnt in Kap. 20,1 zwar nur Maria aus Magdala, die zum Grab gekommen sei, aber auch aus seinem Bericht wird klar, dass Maria nicht alleine gekommen war: Am Ende von Vers 2, sagt sie nämlich zu Petrus: “wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben". Johannes und die anderen Evangelien widersprechen sich nicht!
d) Ein anderer Einwand betrifft den Zeitpunkt, wann die Frauen zum Grab kamen. War es “in der Dämmerung" (Mt 28,1), “als die Sonne aufgegangen war" (Mk 16,2), “als es noch finster war" (Joh 20,1)? Vielleicht sind die Frauen bei Dunkelheit losgegangen, und dann bei Sonnenaufgang zum Grab gekommen? (Das in den angegebene Stellen vorkommende griechische Verb “erchomai" kann sowohl “kommen", wie auch “(weg-)gehen" bedeuten).

Eingehend mit diesem Thema befasst hat sich Karsten Bürgener. Sein Buch mit dem Titel “Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten: Eine Osterharmonie ist möglich" trug in den ersten Auflagen noch bibelkritische Züge. Im Vorwort zur 4. Auflage bekennt er: “Es waren vor allem jene Entdeckungen, über die ich in diesem Buch berichte, die [nach dem Theologiestudium] mein Vertrauen zur Bibel allmählich wieder fester und meine Bereitschaft zur Kritik immer geringer werden liessenŠSo kommt es, dass vor allem in der ersten Auflage einige Sätze stehen, die ich heute bedaure. In der dritten Auflage habe ich das Meiste davon zurückgenommen, es blieben aber immer noch gewisse Reste übrig. Inzwischen ist mein Vertrauen zur Heiligen Schrift absolut geworden. Immer wieder habe ich erlebt, dass scheinbar anfechtbare Bibelstellen eines Tages ihre überraschend sinnvolle Erklärung fandenŠ" (S.3)

Dieses Buch bietet ausführliche Antworten auf die scheinbaren Widersprüche in den Auferstehungsberichten der 4 Evangelien. (Erschienen im “Verlag für Kultur und Wissenschaft", Dr. Thomas Schirrmacher, Bonn)

Weitere Literaturhinweise: “Die Übereinstimmung der Osterereignisse in den vier Evangelien", Peter Mergler, Bibel und Gemeinde 4/96, S.272-279
“Das Rätsel der Auferstehung - eine Osterharmonie", Klaus Riebesehl, Licht+Leben 4/2001, S.10-12


12) Sollen wir töten?


Du sollst nicht töten! (2.Mose 20.13)
So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder lege sein Schwert an die Hüfte! Geht im Lager hin und zurück, von Tor zu Tor, und erschlagt jeder seinen Bruder und seinen Freund und seinen Verwandten! (2.Mose 32.27)

Antwort: a) Die Bibel offenbart die Realität des menschlichen Wesens und da es so viel Krieg in der Gesellschaft gibt, ist es naheliegend, dass sie sich auch oft zu diesem Thema äussert.

b) Die Bibel gebraucht verschiedene Wörter für “töten", wobei sich ihre Bedeutung oft überschneidet. Das hebräische Wort in 2. Mose 20,13 wird hauptsächlich (nicht ganz immer) für das individuelle (vorsätzliche oder versehentliche) Töten eines anderen Menschen verwendet. Das Gebot “Du sollst nicht töten" verbietet das Ermorden eines anderen Menschen aus Hass, Neid oder allgemein um persönlicher Vorteile willen.

c) Dass sich das Gebot 2.Mo 20,13 nicht auf alle Arten des Tötens bezieht, zeigt schon das darauffolgende Kapitel, wo es heisst: “Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, soll gewisslich getötet werden..." (2.Mose 21,12). Die Todesstrafe wurde auch in 1.Mose 9,6 angeordnet. Ebenso war das “Töten im Krieg" nicht verboten.

d) Gott gebraucht im Alten Testament auch Menschen, um an anderen sein Gericht auszuüben, die sich in Götzendienst oder Unmoral begeben haben (vgl. 2.Mo 21,12; 1.Kö 19,1: falsche Propheten.). Dies zeigt, wie ernst die Sünden des Menschen sind.

e) Die Bibel kennt auch den juristischen Tatbestand: “Töten aus Versehen" (z.B. 4.Mose 35,11) und gibt dem Täter in diesem Fall spezielle Schutzmassnahmen (Freistädte).

vgl. “100 Fragen zur Bibel", Band 1, Benedikt Peters, Frage Nr.25
   “Encyclopaedia of Bible Difficulties", Gleason Archer, S.121

13) Versucht Gott die Menschen?


Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. (Jak. 1.13)
..und führe uns nicht in Versuchung (Matth.6.13)

Antwort: Zunächst müssen wir wieder die Wortbedeutung klären. Im vorliegenden Fall haben die Wörter “versuchen"/"Versuchung" sowohl im Hebräischen, wie im Griechischen, wie auch im Deutschen zwei Hauptbedeutungen:

a) “Jemanden zum Sündigen verleiten" (z.B. Lukas 4,13; Gal 6,1; 1.Tim 6,9).

b) “Jemanden auf die Probe stellen" oder “testen". Ein Beispiel dafür ist die Versuchung Abrahams durch Gott (1.Mo 22) bei der sich sein Glaube als echt erwies. Derselbe Wortstamm wird auch in 1.Sam 17,39 gebraucht, wo David die Rüstung Sauls “testet" (um herauszufinden, ob sie für ihn passend ist).

Durch diese Art von Versuchung/Prüfung soll eine Person erkennen, wie es um sie steht (Hiob 23,10; Joh 6,6; 1.Petr 1,6+7). Der Glaube und Gehorsam des Geprüften (z.B. von Abraham, 1.Mo 22,1+12, oder von Jesus Christus, Mt 4,1-11) soll dabei offenbar werden und durch die Niederschrift in der Bibel bis heute als Vorbild dienen (vgl. Heb 11,17-19). Wenn aber durch die Erprobung Böses zum Vorschein kommt, soll sie dazu führen, dass der geprüfte Mensch Busse tut.

c) Eine dritte Bedeutung von “Versuchung" ist “Trübsal", “Widerwärtigkeiten" oder “Verfolgung" (Apg 20,19; Mk 4,17; Offb 3,10).

Fazit: Gott verleitet niemanden zur Sünde (Jak 1,13). Wir dürfen ihn bitten, uns vor Trübsal und Widerwärtigkeiten jeder Art zu bewahren (Mt 6,13). Trotzdem wissen wir, dass auch diese zu unserem Besten dienen (Jak 1,2), wenn sie uns begegnen.

vgl. “Alleged Discrepancies of the Bible", John W.Haley, Whitaker House, 1992, S.79ff


14) Sollen wir Abbilder machen?


Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was in den Wassern unter der Erde ist. (2.Mose 20.4)
Und mache zwei goldene Cherubim; in getriebener Arbeit sollst du sie machen an den beiden Enden der Deckblatt. (2.Mose 25.18)

Antwort: a) Das Verbot, sich ein Bildnis zu machen, ist kein absolutes, wie im Islam, sondern es besagt, dass wir uns Gott nicht bildlich darstellen sollen und auch kein Wesen im Himmel, auf der Erde oder unter der Erde als Gott betrachten und anbeten sollen. Wir sollen uns kein Bild machen, um es zu verehren und uns keinen Götzen machen. Im Römerbrief Kapitel 1 finden wir im Vers 23 genau diesen Tatbestand, dass Menschen “die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes" verwandeln “in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüssigen kriechenden Tieren."

b) In der Bibel finden wir ausser den erwähnten Cherubim auch andere Wesen, die auf Befehl Gottes hergestellt wurden: z.B. eine Schlange (4.Mose 21,8+9), 12 Rinder und Löwen (1.Könige 7,25-29)


15) Sollen wir stehlen?

Du sollst nicht stehlen! (2. Mose 20,15)
Die (Kleidungs- und Schmuckstücke) sollt ihr euren Söhnen und Töchtern anlegen und so die Ägypter ausplündern. (2. Mose 3,22)

Antwort: a) Wenn wir den ganzen Bericht von 2. Mose 11+12 lesen und ausserdem die Bedeutung des hebräischen Wortes “schaŒal" (“fordern") studieren, so sehen wir, dass die Juden den Ägyptern die Kleidungs- und Schmuckstücke nicht stahlen, sondern von den Ägyptern bekamen.

Zuerst die Stellen nach der nichtrevidierten Elberfelderübersetzung:

“Und ich werde diesem Volk Gnade geben in den Augen der Ägypter, und es wird geschehen, wenn ihr ausziehet, sollt ihr nicht leer ausziehen: und es soll jedes Weib von ihrer Nachbarin und von ihrer Hausgenossin silberne Geräte und Kleider fordern; und ihr sollt sie auf eure Töchter legen und die Ägypter berauben." (2. Mo 3,21+22)

“Šdass sie ein jeder von seinem Nachbarn und eine jede von ihrer Nachbarin silberne Geräte und goldene Geräte fordern. Und Jahwe gab dem Volk Gnade in den Augen der Ägypter." (2.Mo 11,2+3)

“Und die Kinder Israel taten nach dem Worte Moses und forderten von den Ägyptern silberne Geräte und goldene Geräte und Kleider. Und Jahwe gab dem Volke Gnade in den Augen der Ägypter, uns sie gaben ihnen das Geforderte; und sie beraubten die Ägypter." (2. Mo 12,35+36)

Das mit “fordern" übersetzte hebräische Wort “schaŒal" bedeutet nach “VineŒs Complete Expository Dictionary of Old and New Testament Words" (S.9) “fragen, erbeten, erfragen" [engl. “to ask, inquire, consult"]. (Vergleiche auch “Hebrew and English Lexicon of the Old Testament" von Brown/Driver/Briggs). In 1. Mo 24,47 fragte (“schaŒal") der Knecht Abrahams die Rebekka, wessen Tochter sie sei. In Richter 5,25 erbat (“schaŒal") Sisera Wasser von Jael.

b) Das Wort “berauben"/"plündern" bedeutet also kein an-sich-Reissen von Dingen gegen den Willen der ursprünglichen Besitzer. Die Ägypter gaben ihnen den Schmuck und die Kleider, sicher  auch aus Angst vor weiteren Plagen. Sie waren froh, wenn die Israeliten so schnell wie möglich das Land verliessen (2. Mo 12,33; vgl. Psalm 105,38).

c) Heute spricht man viel von Wiedergutmachung an den Juden, für das was ihnen angetan wurde. Wieso sollten die Israeliten nicht auch damals eine Art Wiedergutmachung für die Unterdrückung und Sklaverei erhalten, die sie so lange erdulden mussten?

d) Interessant ist, wie Josephus diese Begebenheit beschreibt:

“Die Ägypter gaben ihnen sogar Geschenke, einige, um ihren Aufbruch zu beschleunigen, andere aus Freundschaft zu ihren alten Bekannten." (Josephus, Jüdische Altertümer II, zitiert in: “Josephus", Paul L.Maier, Hänssler, S.52, 1994; Hervorhebung PT)

vgl. “Encyclopaedia of Bible Difficulties", Gleason L.Archer, S.110+111


16) Sollen Sklaven gehalten werden?


Lasst euch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. (Matth. 23.10)
Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren irdischen Meistern. (Kol. 3.22)

Einwand: Sowohl in den USA, als auch in Südafrika wurden pro-Sklaven-Bibelverse zitiert, um Sklavenhaltung zu rechtfertigen, denn es gibt noch mehr solche Verse.

Antwort: a) Dass in den USA und in Südafrika Bibelverse zitiert wurden, um die Sklavenhaltung zu rechtfertigen ist bedauerlich, kann aber wohl kaum der Bibel angelastet werden.

b) Beim Evangelium von Jesus Christus geht es nicht um eine Veränderung der Welt und ihrer sozialen Strukturen. So setzte sich Jesus Christus auch nicht für die Abschaffung der Sklaverei oder den Umsturz des Kaisers ein. Das Evangelium ist nicht von dieser Welt. Wenn Sklaven gläubig wurden, so sollten sie nicht gegen ihren Herrn rebellieren.

“Ein jeder bleibe in dem Beruf, in welchem er berufen worden ist. Bist du als Sklave berufen worden, so lass es dich nicht kümmern; wenn du aber auch frei werden kannst, so benutze es vielmehr." (1. Kor 7,20+21)

c) Das griechische Wort “doulos" kann “Sklave" oder “Knecht" bedeuten.


17) Bereut Gott?


Nicht ein Mensch ist Gott, dass er lüge, noch der Sohn eines Menschen, dass er bereue. (4.Mose 23.19)
Und es reute den Herrn, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein. (1.Mose 6.6)

Antwort: a) Als Ergänzung seien noch die Stellen 2.Mo 32,14 und 1. Sam 15,11-29 angefügt.

b) Wieder geht es um die Frage der Wortbedeutung. Das hebräische Wort “bereuen" deckt sich teilweise, aber nicht vollständig mit dem deutschen Begriff. Gott sündigt nicht, so kann er auch nicht seine Sünden bereuen wie ein Mensch (4.Mo 23.19). Er kann aber, wenn Menschen auf eine Gerichtsankündigung hin doch noch umkehren, das Gericht aussetzen, also bereuen, es verhängt zu haben. (vgl. z.B. Jesaja 26,13; Jeremia 18,7-10; Joel 2,13) Gottes Reue ist die Antwort Gottes auf die Busse des Menschen. Ein weiteres Beispiel findet sich im Buch Jona (Jona 3,10). vgl. auch 2.Kö 20,1-7; 4.Mo 16,20-25; 44-50; 1.Mo 18,23-33.

c) Gott lässt sich jedoch nicht immer gereuen (Hes 24,14). So sollen wir unsere Umkehr nicht verschieben in der Meinung, Gott werde dann doch noch gnädig sein.

d) In 1.Mose 6,6 haben wir die gegenteilige Situation, dass die Menschen nicht umkehren, und es den Herrn gereute, dass er die Menschen geschaffen hatte.

e) Was Gott hingegen verheissen hat, ist und bleibt “unbereubar" (vgl. Röm 11,29)!

vgl. die Antwort von Benedikt Peters in “100 Fragen" , Nr.73
“Verteidigt den Glauben: Biblische Antworten auf herausfordernde Fragen", Dave Hunt, Fliss-Verlag, 2000, S.115-117
“Encyclopaedia of Bible Difficulties", Gleason Archer, S.80+81


18) Erbsünde?


Ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters tragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes tragen. (Hesekiel 18.20)
Gott..., der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern, an der dritten und vierten Generation. (2.Mose 34.7)

Antwort: a) Der Titel zu dieser Frage ist falsch gewählt. Die angegebenen Bibelstellen äussern sich nicht zur Frage, ob es Erbsünde gebe oder nicht. Unter “Erbsünde" versteht die Bibel die Sündennatur, die als Folge von Adams Übertretung auf alle Menschen (ausser Jesus Christus) übergeht, so dass jeder Mensch als Sünder geboren wird.

b) Betrachten wir zunächst die mit Hesekiel 18,20 verwandte Stelle in 5. Mose 24,16: hier geht es um das zivile Gesetz in Israel: Wie soll die Gesellschaft sein? Sünden und Verfehlungen, die der Menschen begeht, soll allein er büssen. Kein Mensch wird schuldig erklärt werden für die Sünden seines Vaters. Man beachte, dass hier auch gesagt wird, dass auch der Vater die Schuld des Sohnes nicht tragen soll.

Hesekiel 18,20 behandelt die Frage des individuellen Gerichts jeder Person vor Gott (siehe ganzes Kapitel). Auch heute kann sich kein Sohn darauf berufen, dass seine Eltern gläubig waren, dass also auch er dazu gehört. Eine christliche Abstammung nützt einem Menschen nichts. Er muss selber (individuell) wiedergeboren werden, um ewiges Leben zu haben. Auch muss jeder Gläubige “für sich" vor Gott Rechenschaft ablegen (Röm 14,12).

c) Was 2.Mose 34,6+7 betrifft, wollen wir zuerst die erste Erwähnung dieses Gedankens in 2. Mose 20,5+6 zitieren: “Šdenn ich Jahwe, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Ungerechtigkeit der Väter heimsucht an den Kindern, am dritten und am vierten Gliede derer, die mich hassen; und der Güte erweist, auf Tausende hin, an denen, die mich lieben und meine Gebote beobachten." (vgl. 5.Mose 5,9+10)

Wenn Matthias Müller die ausführlichere Stelle 2.Mose 20,5 zitiert hätte, wäre der “Widerspruch" fast schon erklärt gewesen. (Dan Barker zitiert in seinem Buch neben 2.Mo 34,6+7 auch 2.Mose 20,5, lässt allerdings dort die entscheidende Erklärung am Ende von Vers 5 und den Vers 6 aus!)

Diese erklärenden Versteile sind: “derer, die mich hassen; und der Güte erweist, auf Tausende hin, an denen, die mich lieben und meine Gebote beobachten".

Es geht um Söhne, die auch Gott hassen und in den Fussstapfen des Vaters wandeln. Welche Sünden begehen sie? Die “Sünde der Väter"! [Ungerechtigkeit; kollektiver Singular!] Die Geschichte der Könige von Juda und Israel ist das klassische Beispiel hierfür (2. Kö 13,2; 14,3.24; 15,3.9).

Moses spricht in 2.Mo 34,7 (2.Mo 20,5; Jesaja 14,21) von den Konsequenzen der Sünden des Vaters. Wie oft gerät ein Sohn oder Tochter eines Alkoholikers, Drogenabhängigen, Š auch auf die schiefe Bahn, weil sein Vater ihm dies vorlebte. Welch eine Verantwortung für alle Väter!

d) Heute wird die Stelle 2.Mo 20,5 und 34,7 oft missbraucht, um eine angebliche “dämonische Belastung" von Nachfahren zu belegen. Dieser Satz spricht aber nirgendwo von Dämonen, sondern davon, dass der Herr Š heimsuchen wird. Allerdings nur diejenigen, die ihn hassen, wie es heisst.

Literaturhinweis: “Können Gläubige besessen sein?", Gil Rugh, (dt. von P.&A.Tschui, Hinwil, 1999)
“Belasten uns die Sünden von Vorfahren?", Wolfgang Bühne, fest und treu, Nr. 83, 3/1998, CLV, Bielefeld, S. 17-19)


19) Wie ist Gott?


Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er! (5.Mose 32.4)
Ich bin der HERR - und sonst keiner -, der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der Frieden wirkt und das Unheil schafft. Ich, der HERR, bin es, der das alles wirkt. (Jes. 45.7) Das hebräische Wort für "Unheil" in diesem Vers ist ,ra' und kommt auch im Begriff "Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen" vor!

Erklärung: In Jes 45,7 wird gesagt, dass Gott auch das Unheil schafft. Das im Hebräischen für “Unheil" gebrauchte Wort (“ra") kann auch mit das “Böse" übersetzt werden, wie beim Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen in 1. Mo 2,9.

Antwort: a) Es ist richtig, dass das Wort “ra" mit “das Böse" übersetzt werden kann. Und so wird es auch im Buch Amos 5,14+15; 9,4 in der nichtrevidierten Elberfelderübersetzung übersetzt. Das Wort “ra" kommt aber noch an anderen Stellen im Buch Amos vor, wo es nicht mit “das Böse" übersetzt wird: Amos 3,6 (Unglück); 5,13 (böse Zeit); 6,3 (Unglück); 9,10 (Unglück).

(Die Möglichkeit, dass das Wort “ra" auch das “Böse" bedeuten kann, heisst noch nicht, dass es in jedem Textzusammenhang so übersetzt werden kann oder muss).

b) In Jes 45,7 wird “ra" als Gegensatz zu “Frieden" gebraucht. Die nichtrevidierte Elberfelderübersetzung gebraucht dafür das Wort “Unglück".

c) In den genannten Stellen im Buch Amos sehen wir auch, dass Gott tatsächlich “ra" über bestimmte Menschen kommen lässt oder bewirkt, und zwar als Gericht über diese (vgl. Amos 3,2).

Gott ist nicht der Urheber des Bösen. Doch verlangt gerade seine Gerechtigkeit und Geradheit die Bestrafung aller Ungerechtigkeit der Menschen.


vgl. “Verteidigt den Glauben ­ Biblische Antworten auf herausfordernde Fragen", Dave Hunt, Fliss-Verlag, 2000, S.201-204
“The Berean Call", February 2001, Dave Hunt, S.3


20) Ist Gott allmächtig?


Bei Gott sind alle Dinge möglich (Matth. 19.26)
Und der HERR war mit Juda, und er nahm das Gebirge in Besitz. Aber die Bewohner der Ebene waren nicht zu vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten. (Richter 1.19)

Antwort: Glaubte der Schreiber des Buches Richter wirklich, dass Gott nicht in der Lage wäre, die Bewohner der Ebene zu vertreiben, weil sie eiserne Wagen hätten? Glaubte der Schreiber wirklich an einen so schwachen Gott?

In Richter 1,17-19 ist von Juda (und Simeon) die Rede, die Gebiete eroberten. So war es Juda, das das Gebirge in Besitz nahm. Dazu schenkte Jahwe gelingen. Hingegen schenkte er Juda kein Gelingen, auch die Ebene einzunehmen. Es war aber Juda, das die Ebene nicht in Besitz nehmen konnte wegen der eisernen Wagen.

Das Pronomen “er" in Richter 1,19 müsste also auf das letzte Substantiv bezogen werden, welches Juda ist. Also Šes (Juda) nahm das Gebirge in Besitz. Aber die Bewohner der Ebene konnte es nicht vertreiben".

So wird es in der Lutherbibel (1956/64) übersetzt: “Dennoch war der HERR mit Juda, dass es das Gebirge einnahm; es konnte aber die Bewohner der Ebene nicht vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten." (Richter 1,19)

Allerdings hat Matthias Müller recht, wenn er sagt, dass es Dinge gibt, die Gott nicht tun kann:

So kann Gott zum Beispiel nicht Lügen (Jer 32,27; Hebr 6,18) und er kann sich nicht verleugnen (2.Tim 2,13).

Hier noch eine weitere göttliche Unmöglichkeit:

“die Schrift kann nicht aufgelöst werden." (Joh 10,35)


Für Fragen, Verbesserungsvorschläge und Einwände darf man sich gerne an mich wenden:

Patrick Tschui, Heuweidlistr. 12, CH-8340 Hinwil, Tel. + h.p.wepf_______bibelkreis.ch: 01/937 18 64; patrick.tschui@clkv.ch.ch