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Biblische Verkündigung

 

Wir Menschen haben die Eigenart, dass wir immer wieder versuchen, Methoden, Prinzipien, Techniken und Strategien zu entwickeln, um bestimmte Ziele zu erreichen. Wenn wir dann eine bestimmte Methode gefunden haben, probieren wir sie zu perfektionieren. Das ist nicht notwendigerweise falsch. Diese Technik, diese Strategie, kann uns jedoch ein falsches Gefühl der Sicherheit verleihen. Leider ist das bei uns Christen nicht anders. Wir sind dann vielfach der irrigen Meinung, dass sich unser Prinzip auf alle Situationen anwenden lässt. Wenn dann unsere Methode in der Praxis nicht immer das gewünschte Ergebnis liefert, können wir die Schuld für das Versagen der Methode auf die Hartherzigkeit und Sündhaftigkeit der Menschen abschieben. Somit bringen wir es fertig, trotz erdrückender Beweislast, an unserer Methode festzuhalten, anstatt uns durch des Herrn liebende Hand und der realen Situation, in die ER uns geführt hat, korrigieren zu lassen.

Bei mir war das früher auch so. Als der Herr mir z.B. ganz neu aufzeigte, wie wichtig Heiligkeit und Busse in unserem Leben sind, war ich Feuer und Flamme und meinte, alle Menschen zu dieser Sicht „bekehren“ zu müssen. Es ging so weit, dass ich sogar dachte, ich sei vorher noch gar nicht wirklich wiedergeboren gewesen. Ich war der Meinung, nur durch die Predigt des Gerichts könnten Menschen zu einer echten Umkehr und Wiedergeburt gebracht werden. Ich hatte durch diese Art Predigt viel gelernt, also dachte ich, es müsse doch auch den anderen helfen. Der Herr musste mich langsam aber sicher von dieser einseitigen Sicht der Dinge wieder wegbringen. Ich hatte diese Art Predigt zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben nötig. Nur weil ich sie früher nicht gehört bzw. nicht verstehen konnte, bedeutete jedoch nicht, dass ich deshalb weniger ein auserwähltes Kind meines Herrn war.

Wer die Bibel, das Wort Gottes, mit einem offenen Herzen liest, merkt bald einmal, dass es dem Herrn in der Bibel vielfach um Beziehungen geht. Es geht um die Beziehung zwischen Gott und den Menschen, es geht um die Beziehungen zwischen den einzelnen Menschen untereinander und wie diese Beziehungen geregelt bzw. geordnet werden. Der Herr sagt uns, das wesentlichste an diesen Beziehungen ist die Liebe. Die Liebe ist das Höchste Gebot (Mtth. 11, 28) und die Erfüllung aller Gesetzte und Ordnungen (Röm. 13, 8-10). Sie ist das Ziel jeder biblischen Lehre (1. Tim. 1, 5). Die Liebe deckt alle Sünden zu (1. Petr. 4, 8) und stellt auch das höchste Ziel unseres irdischen Lebens dar (1. Kor. 12, 31 – 13, 13). Wenn wir jemanden lieben, dann geht es darum, sich mit dieser Person auseinanderzusetzen, sie in ihrem Wesen zu erfassen und kennenzulernen.

Wenn wir also den Menschen das Evangelium verkünden, was verkündigen wir ihnen? Ist es unser Ziel, ihnen eine bestimmte Lehre zu verkündigen, oder geht es uns darum, ihnen den Herrn zu verkündigen? Geht es uns darum, ihnen bestimmte Ansichten näher zu bringen, oder geht es uns darum, ihnen den Herrn Jesus näher zu bringen? Sind wir der Meinung, dass unsere Technik, unsere Methode, sie geistlich weiter bringen wird, oder sind wir uns bewusst, dass es nur der Herr ist, der sie schlussendlich weiterbringen kann?

Ich will mit diesen Zeilen niemanden davon abhalten, die Schrift zu studieren oder zu versuchen, aus all den komplexen Themen und Zusammenhängen, welche im Wort Gottes enthalten sind, eine übersichtliche Lehre der biblischen Wahrheiten zu formulieren. Im Gegenteil, der Apostel Paulus sagt uns ja, wie wesentlich eine gesunde Lehre ist (1. Tim. 1, 10; 6, 3; 2. Tim. 1, 13; 4, 3; Tit. 1, 9). Aber eben, die Lehre muss gesund bleiben. Vielfach ist unsere Lehre aber durch unsere eigene Arroganz und Ignoranz getrübt. Die Folgen davon sind Einseitigkeit, Sturheit und Härte und für die Menschen, die darunter leiden müssen, unsägliche Not. Darum ist es wichtig, dass wir beim formulieren einer Lehre uns darüber im Klaren sind, dass wir uns jederzeit irren können, dass wir höchstwahrscheinlich noch nicht alle Zusammenhänge erfasst haben und deshalb für Korrektur offen bleiben müssen. Wichtig ist vor allem, dass wir uns nicht immer wieder vom Wesentlichsten in der Lehre ablenken lassen, bzw. das Ziel aller Lehre vergessen, nämlich eine intensive, liebende Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus.

Als der Herr den Menschen erschaffen hat, hat Er ihn in Seinem Bild erschaffen (1. Mose 1, 26-27). Wir wissen, dass wir Menschen Gottes Gedanken und Handeln niemals werden völlig erfassen können (Pred. 8, 16-17; Jes. 55, 9; Röm. 11, 33). Somit ist klar, dass der Herr ein sehr komplexes Wesen ist. Auch wir Menschen, die wir in Seinem Bild erschaffen wurden, sind nicht minder komplex. So sehr sogar, dass nur der Herr allein sich ganz in unserem Herzen auskennt und alles darin erfasst (Jer. 17, 9-10; 1. Joh. 3, 20).

Wenn wir versuchen, bei der Verkündigung des Wortes Gottes die Menschen zu erreichen, dann müssen wir uns zweier Dinge völlig bewusst sein: Erstens ist es immer der Herr, der die Herzen der Menschen berührt und sie zu sich zieht (Spr. 21, 1; Joh. 6, 44+65). Wir können weder durch unsere Redekunst, unserer vermeintlichen Erkenntnis noch durch Menschenweisheit (1. Kor. 2, 3-5) die Menschen zur Umkehr oder Wiedergeburt bringen, sondern es muss alles durch Gottes Geist geschehen (Sach. 4, 6). Wir sind nur schwache Werkzeuge im Dienste unseres Herrn (Luk. 17, 7-10; Röm. 6, 13). Wir wissen nicht, wo eine Person zur Zeit steht oder was der Herr mit ihr vor hat. Wenn ER das Herz der Person noch nicht berühren will, dann ist das Sein gutes Recht.

Zweitens dürfen wir nicht vergessen, dass die Menschen sehr komplex, verschiedenartig und vielschichtig sind. Kein Mensch ist gleich wie ein Anderer. Jeder hat andere Anlagen mitbekommen und macht andersartige Erfahrungen, wächst vielleicht sogar in einer völlig anderen Kultur auf als wir. Wir sollten uns deshalb sehr sicher sein, dass das, was wir weitergeben, nicht einfach die Kultur, in der wir leben, widerspiegelt, sondern die ewigen Wahrheiten, die uns in der Heiligen Schrift vermittelt werden.

Da Menschen sehr verschieden sind, haben sie auch einen unterschiedlichen Stand der Erkenntnis, sie bringen unterschiedliche Erfahrungen mit, verstehen das, was wir ihnen sagen, auf unterschiedliche Art und Weise. Uns bleibt keine andere Wahl, als auf diese Verschiedenartigkeit, wie sie bereits in der Schöpfung Gottes zum Ausdruck kommt, einzugehen. Menschen, sind verschieden, sie benötigen also auch eine verschiedenartige Verkündigung, je nachdem, wo sie gerade stehen. Es ist deshalb möglich, dass das, was wir ihnen sagen könnten, sie nicht unbedingt viel weiter bringt. Das darf uns weder entmutigen noch verärgern. Die Person ist in Gottes Hand, ER weiss schon, was Er mit dieser Person vor hat, wie Er sie führen und leiten will und muss.

Ich will versuchen, in der nachfolgenden Aufstellung zwei verschiedene „Methoden“ der Verkündigung einander gegenüberzustellen. Es ist dabei sehr wichtig zu erkennen, dass sie auch wieder nur zwei Möglichkeiten darstellen. Sie sind weder vollständig, noch wird man jemals alle Menschen mit diesen beiden Methoden erreichen können. Zudem ist es sogar möglich, dass man einzelne Punkte dieser beiden Methoden untereinander vermischen muss, um einer Person den rechten Weg zu weisen. Hier heisst es, für die Führung des Herrn offen zu bleiben.

Es gibt Menschen, die sind auf der Suche nach Liebe. Sie haben vielleicht viel hinter sich und würden Liebe aufsaugen wie ein Schwamm. Wenn man diesen Menschen mit Härte und Gericht begegnet, wird man gar nichts bewirken, im Gegenteil, es wird dann vielleicht viel länger dauern, bis sie sich dem Herrn gegenüber öffnen können (siehe die Beispiele der Sünderin Luk. 7, 36-50, der Ehebrecherin Joh. 8, 2-11 oder der Maria Joh. 12, 1-8). Anderseits gibt es verhärtete Menschen oder sogar Verführer, welche die Gnade Gottes nur verspotten würden (Jes. 26, 9-10). Solchen Menschen kann man nur das Gericht verkünden (siehe als Beispiel die Pharisäer Mtth. 23, 13-36) und hoffen, dass des Herrn Güte sie zur Busse leitet (Röm. 2, 4). Diese beiden Möglichkeiten unter vielen möchte ich nun darzustellen versuchen.

 


 

 

 

Gnade-zentrierte Verkündigung

Buss-zentrierte Verkündigung

Gott hat uns erschaffen. Als Schöpfer ist ER um seine Geschöpfe besorgt. Er liebt uns und möchte sich um uns kümmern (Ps. 23; Mtth. 11, 28-30; 23, 37).

Gott hat uns erschaffen. ER ist der Töpfer, wir sind der Ton (Jer. 18, 6). ER hat das Recht, das mit uns zu tun, was ER will (Röm. 9, 20-21).

Die Liebe stellt für Gott die wichtigste Eigenschaft dar. Darum sagt ER auch klar, dass die Liebe das Höchste Gebot ist, die Erfüllung aller Gebote beinhaltet und das Ziel aller Lehre sein muss (Mtth. 22, 34-40; Röm. 13, 8-10; 1. Kor. 13; 1. Tim. 1, 5).

Heiligkeit ist diejenige Eigenschaft Gottes, welche in der Bibel am meisten erwähnt wird. Heiligkeit wird fast doppelt so oft in der Heiligen Schrift erwähnt, wie die Liebe. Wenn der Herr diese Eigenschaft als dermassen wesentlich betrachtet, dass es in der Bibel so oft erwähnt werden muss, sollten auch wir die Heiligkeit sehr ernst nehmen. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen (3. Mose 19, 2; 2. Kor. 7, 1; 1. Thess 4, 3; Hebr. 12, 14; 1. Petr. 2, 15-16).

Gott möchte nicht, dass die Menschen verloren gehen, sondern möchte, dass wir umkehren und gerettet werden (Hes. 18, 32; 1. Tim. 2, 4).

Weil der Mensch sich von Gott abgewandt hat, erwartet ihn das Gericht (Röm. 3, 19; 2. Kor. 5, 10-11).

Der Mensch, der von Gottes Gesetz berührt ist, möchte gerne Gott gehorsam sein, verzweifelt aber an seiner sündigen Natur und seinem Unvermögen und sieht keinen Ausweg aus seinem Dilemma (Ps. 51; Röm. 7, 18-24).

Der normale Mensch interessiert sich nicht für Gott und Seine Gebote, sondern seine Gesinnung ist Feindschaft gegen Gott (Röm. 3, 10-19; 8, 7). Er hat eine durch und durch sündige Natur (1. Mose 6, 5; 8, 21; Pred. 9, 3; Jer. 17, 9; Mark. 7, 21-23; Joh. 3, 19-20) und ist Tod in der Sünde (Röm. 5, 12; 6, 20-23). Wenn ein Mensch nicht das Gericht Gottes zu spüren bekommt, lernt er nichts über Gottes Gerechtigkeit und kehrt von seinem Unrecht nicht um (Jes. 26, 9-10).

Da der Herr weiss, dass wir nicht fähig sind, Seiner Ordnung und Seinen Geboten gerecht zu werden, hat Er einen Weg für uns bereitet, damit wir gerettet und wieder Gemeinschaft mit Ihm haben können. Er hat Jesus gesandt, der durch Seinen Tod die Strafe für unsere Sünden auf sich genommen hat (Joh. 3, 16; Eph. 1, 7). Er verwandelt unsere Gesinnung, schenkt uns ein neues Herz und einen neuen Geist (Hes. 11, 19-20; Röm. 12, 1-2; Eph. 4, 23-24; Hebr. 8, 10-12).

Der Mensch braucht eine neue Natur (Verstand, Herz, Wille). Er muss errettet und von neuem geboren werden, in dem er seine grosse Sündenschuld erkennt und von Herzen Busse tut, d.h. seine Gesinnung ändert und sein Leben unter die Herrschaft Gottes stellt (Joh. 3, 3-8; 2. Kor. 5, 17-18; Gal. 2, 19-20; Eph. 4, 24; 2. Petr. 1, 4).

Der Herr hat uns Menschen mit einem Herzen, mit Gefühlen, Verstand, Wille und einem Gewissen ausgestattet. Darum liebt Er uns auch so, und auch wir sollen ihn so lieben (Luk. 10, 27; 1. Tim. 1, 5). Wenn wir uns verwandeln, dann verwandelt sich unser ganzer Mensch in Sein Bild, nach Geist, Seele und Leib (2. Kor. 3, 18; 1. Thess. 5, 23; Hebr. 4, 12). Der Herr spricht den Menschen also ganzheitlich an, nicht nur einen Teil.

Wir müssen mit unserer ganzen Persönlichkeit auf Gottes Ruf antworten (Verstand, Herz, Wille). Es braucht eine echte Bekehrung und echte, durchdringende Busse! Echter Glaube ist immer von Busse begleitet, welche aus Sündenerkenntnis erwächst (Ps. 51, 5-7; Jer. 31, 18-20; Mtth. 3, 7-10; 4, 17; 22, 37-38; Mark. 10, 17-22; 2. Kor. 7, 9). Das Gewissen des Sünders muss getroffen und gereinigt werden (Jer. 23, 29; Apg. 2, 37-38; 1. Kor. 14, 24-25; Hebr. 9, 14; 10, 22; 1. Petr. 3, 21).

Der Herr liebt uns und möchte, dass unser Leben mit Friede, Freude und allem Schönen gefüllt wird (Mtth. 7, 7-8; Joh. 15, 11; 16, 24; 17, 13; Eph. 5, 8-10; Phil. 4, 4-9; Kol. 3, 15; 2. Thess. 3, 16; Jak. 1, 5; 1. Joh. 1, 4; 5, 14-15). Darum erhört Er uns auch, wenn wir zu Ihm beten (Mtth. 18, 19; 21, 22). Der Herr ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und Sein Leben als Lösegeld für uns zu geben (Mtth. 20, 26-28). Er setzt uns somit ein Beispiel, wie auch wir Ihm und einander in der Liebe dienen können (Gal. 5, 13).

Wir existieren, um Gott zu ehren und zu verherrlichen (1. Kor. 10, 13; 1. Petr. 4, 11; Off. 5, 13-14; 15, 4). Wir sind von der Sündenschuld und Sündenmacht erlöst worden, um Ihm und einander zu dienen (2. Mose 9, 13; Luk. 17, 7-10; Röm. 6, 1-4+22; Gal. 5, 13; 1. Thess. 1, 9).