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www.BIBELSTUDIUM.de Sonntag, 12.05.2019

Wie ein Chemiker

Bibelstellen: 1. Johannes 3,9; 1. Johannes 5,18

Die Johannesbriefe sind an einigen Stellen nicht einfach zu verstehen. Manche Aussagen des Apostels Johannes lassen sich scheinbar gar nicht mit unseren Alltagserfahrungen in Einklang bringen. Doch es gibt einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis ...

Das kennst du vielleicht: Obwohl vieles auf der Erde komplex und kompliziert ist, wird im Chemieunterricht alles auf 118 chemische Grundelemente reduziert (Periodensystem). Und selbst von diesen 118 Elementen sind viele in unserem Alltagsleben (oder wenigstens in unserem Alltagsdenken) überhaupt nicht wichtig. Doch wer bestimmte Vorgänge in der Natur verstehen und die richtigen Schlüsse ziehen will, muss die Grundelemente und ihre Eigenschaften kennen.

Der Apostel Johannes befasst sich wie ein Chemiker mit den Grundelementen und lässt die „Vermischungen“ des Alltagslebens auch mal außen vor. Beispiele gefällig? Hier sind zwei:

Wir könnten die Aussagen dieser beiden Verse wie folgt zusammenfassen: Wer aus Gott geboren ist,

Das hört sich nicht danach an, als ob Johannes hier von uns schreibt, oder? Sündigen wir nicht alle oft, und lassen wir uns nicht immer wieder vom Teufel zum Bösen verführen? Ja, das ist leider so. Dennoch sind die Aussagen von Johannes wahr. Wie kann man den scheinbaren Widerspruch zwischen unserer Lebenspraxis und diesen Bibelversen lösen? Der Schlüssel zum Verständnis ist die besondere Art, wie Johannes schreibt: Der Apostel benutzt oft eine abstrakte Ausdrucksweise. Er stellt eine Sache vor, wie sie grundsätzlich ist, und lässt Einflüsse, die dieser Sache zuwiderlaufen, und Nebengedanken weg. Er konzentriert sich aufs Wesentliche.

Und was ist das Wesentliche bei den Gläubigen? Es ist das neue Leben, das sie bei der neuen Geburt empfangen haben. Dementsprechend bezeichnet Johannes in den zitierten Versen die Gläubigen dreimal als solche, die aus Gott geboren sind. Wer aus Gott geboren ist, hat ewiges Leben und wird in den Augen Gottes durch dieses Leben charakterisiert.[1]

Nehmen wir an, jemand würde sagen: „Das Leben der Fische spielt sich im Wasser ab“ – dann würdest du dem gewiss zustimmen. Manche Arten springen zwar gern aus dem Wasser, und der Kletterfisch überlebt sogar einige Tage auf dem Land. Aber das ändert nichts an dem Grundsatz: Zur Natur des Fisches passt weder die Luft noch das Trockene des Landes, sondern nur das Wasser. Und zu der neuen Natur des Kindes Gottes passen keine Sünden. Wer aus Gott geboren ist, bewahrt sich, und der Teufel kann ihn nicht zum Bösen verleiten. Der Gläubige hat eine Natur, die nicht einmal in der Lage ist, zu sündigen.

Konsequenzen

Vielleicht ist jetzt etwas klarer geworden, was Johannes in den beiden zitierten Versen sagen will. Die neue Natur des Gläubigen kann nicht, will nicht und wird nicht sündigen. Genau durch diese neue Natur ist der Gläubige geprägt, sie macht sein Leben aus. Doch womöglich stellst du dir jetzt die Frage: Was nützt es mir, dass Johannes die Sache so abstrakt betrachtet, wenn ich in meinem konkreten Alltagsleben doch „oft strauchle“ (Jak 3,2)?

Dazu zwei Antworten:

1. Es ist großartig, dass wir uns so sehen dürfen, wie Gott das in diesen Versen zeigt: Das ewige Leben macht in seinen Augen unsere „wahre Existenz“ aus! Und dieses Leben, das Gott uns gegeben hat, ermöglicht es uns, dass wir nach seinen Gedanken leben können. Dafür wollen wir wirklich dankbar sein! Zwar wohnt noch die Sünde in uns – aber das muss uns keineswegs daran hindern, dass wir heilig leben und den Angriffen des Feindes erfolgreich trotzen. Der Apostel Johannes sagt: „Der aus Gott Geborene bewahrt sich.“

2. Außerdem wird deutlich: Wenn wir sündigen, handeln wir in völligem Widerspruch zu der neuen Natur, die wir besitzen, weil wir aus Gott geboren sind. Jede Sünde ist für ein Kind Gottes darum widernatürlich. Es ist nicht etwas, was „halt eben so passiert“ und was „nun mal so ist“. Weil der Apostel Johannes die Dinge abstrakt beschreibt, lernen wir, wie schlimm und unpassend jede Sünde für einen Gläubigen ist. Das führt uns einerseits dazu, dass wir gegenüber dem Bösen wachsam sind, und leitet uns andererseits dazu, unsere Sünden ernsthaft zu bekennen, wenn wir versagt haben.

Heilsgewissheit

Zum Schluss noch ein Hinweis: Manche junge Gläubige lassen sich durch die abstrakten Aussagen von Johannes verunsichern. Sie zweifeln an ihrer Gotteskindschaft, weil sie in ihrem Leben noch so viel Sünde sehen. Doch dazu hat uns der Geist Gottes diese Worte (wie z.B. 1. Joh 3,9; 5,18) nicht gegeben. Vielmehr sollen diese Worte diejenigen im Glauben befestigen und ausrichten, die wissen, dass ihnen die Sünden vergeben sind (vgl. 1. Joh 2,12).

Wer jedoch keine Heilsgewissheit besitzt, kann durch andere Stellen aus dem ersten Johannesbrief zur inneren Ruhe gebracht werden. Wenn du deine Sünden vor Gott bekannt hast, dann darfst du wissen, dass Gott dir die Sünden vergeben und dich von aller Ungerechtigkeit gereinigt hat (1. Joh 1,9). Hast du dein Vertrauen auf den Herrn Jesus gesetzt? Dann nimm Gott beim Wort, der dir sagt, dass du ewiges Leben besitzt (1. Joh 5,13). Gottes Wort ist vollkommen und vermag uns immer das zu geben, was wir für unseren inneren Menschen benötigen.


Fußnoten:

  1. Auch nach der neuen Geburt wohnt in dem Gläubigen noch die alte Natur, das „Fleisch“ – das ist der Grund, warum wir immer wieder in Tat und Wort sündigen (vgl. 1. Joh 1,8; 2,1; 5,16). Aber Gott hat das Fleisch im Tod Christi richterlich verurteilt. Bei der Entrückung wird der Gläubige die alte Natur ablegen, während er die neue Natur immer haben wird. Heute schon sieht Gott uns in der neuen Natur: Wir stehen nicht mehr als Sünder vor Gott.

Gerrid Setzer


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