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kennst Du eine gute Auslegung zu Amos im Internet?

Martin/ LS.CM

Amos    323   Ich habe noch viel mehr über Amos, wer was will, soll da draufklicken

Betrachtungen über das Wort Gottes

J.N. Darby

Amos

Die Weissagung des Amos gehört zu denjenigen Prophezeiungen, welche von dem inneren Zustand sowie von dem Verhalten des Volkes, namentlich Israels, reden, welch letzteres, wie wir bereits in den geschichtlichen Büchern gesehen haben, in besonderer Weise die Nation als solche darstellt, während Juda, obgleich es immer einen Überrest des Volkes enthielt, gewissermaßen nur ein Leibgedinge des Hauses Davids war.

 

Diese Weissagung, die nicht so weit gegen das Ende der Geschichte Israels hinaufreicht wie diejenige Hoseas, zeigt auch nicht den brennenden Eifer wie die letztere; der Sünde wird nicht mit jener verzehrenden, glühen­den Eifersucht, jener Ahndung heischenden Entrüstung nachgespürt, welche die feurige, abgerissene Schreibart des Propheten Hosea kennzeichnet. Sicherlich kann man sich nicht entschiedener gegen das Böse aussprechen, als Amos es tut; doch redet er, obwohl es in sehr einfacher Weise geschieht, gleichsam von einem höheren Standpunkt aus. Bei Hosea gewahren wir einen Kum­mer, wie ihn der Heilige Geist in dem Herzen eines Man­nes hervorbrachte, der das Volk liebte, weil es das Volk Gottes war, und der eben darum bei ihm das Böse nicht ertragen konnte, während bei Amos mehr die Ruhe von Gottes eignem Urteil hervortritt. Die Sünde wird hier viel weniger im einzelnen geschildert. Gewisse be­merkenswerte Übertretungen besonderer Art werden namhaft gemacht, und ein in jeder Beziehung vollstän­diges unbedingtes Gericht wird angekündigt.

 

KAPITEL 1 u.2

Gleich im Anfang der Weissagung hören wir, wie Je­hova von der Stätte Seines Thrones aus Seine Rechtsan­sprüche geltend macht: Er brüllt aus Zion und lässt aus Jerusalem Seine Stimme erschallen. Nachher, ganz am Schluss, wird die Wiederherstellung des Hauses Davids sowie diejenige Israels angekündigt. Es ist bemerkens­wert, dass noch vor der Verkündigung des Urteils über Israel und Juda auch das Gericht über die umwohnenden Nationen ausgesprochen wird. Dies hat seinen Grund teils in ihrer feindseligen und grausamen Handlungs­weise dem Volke Israel gegenüber, teils in dem, was bei ihnen an und für sich grausam und sogar den Ge­fühlen der Menschlichkeit zuwider war; denn Gott nimmt Kenntnis von allen solchen Dingen.

 

Syrien soll nach Assyrien gefangen weggeführt werden. Welche Werkzeuge zum Gericht der anderen Nationen verwendet werden sollen, wird nicht gesagt. Gasa und die Philister, Tyrus, Edom, Ammon und Moab werden nach­einander vorgeführt und beurteilt, und zum Schluss kom­men auch Juda und Israel an die Reihe. Betreffs der Sünden Seines Volkes geht Gott viel mehr ins einzelne ein. Wohl hatte Er bei jeder Nation, die ins Gericht kam, das namhaft gemacht, was sie vornehmlich kennzeichnete, bei Israel aber beschäftigt Er Sich mit Einzelheiten. Wir können hier aufs neue beobachten - was wir be­reits an anderen Stellen wahrgenommen haben -, dass von diesen Gerichten Jehovas diejenigen Nationen be­troffen werden, welche sich auf dem Gebiet angesiedelt hatten, das Abraham verheißen worden war und das nun kraft jener Schenkung Gottes dem Volke Israel gehörte. Gott säubert Sein Land von dem, was es verunreinigt, und muss daher (leider!) auch Juda und Israel entfernen; gleichzeitig hält Er aber an Seinen eigenen Rechten fest, behauptet sie, um dieselben in den letzten Tagen in Gnade zu Israels Gunsten zur Geltung zu bringen.

 

Es offenbart sich hier, welchen törichten Hoffnungen sich die Feinde des Volkes hingegeben hatten, wenn sie, in der Meinung, ihren eigenen Vorteil dabei zu finden, den Untergang desselben gesucht hatten. Gott kann Sein Volk ohne Zweifel züchtigen, denn Er muss offenbar machen, was Er Selbst Seinem Wesen nach ist; allein die Bosheit der Feinde des Volkes bringt auch über sie das göttliche Strafgericht.

 

Hinsichtlich Judas weist Jehova besonders darauf hin, dass es Sein Gesetz verworfen habe und Seinen Satzun­gen gegenüber ungehorsam gewesen sei.

 

Die hier namhaft gemachten Sünden Israels stehen nicht in gleicher Beziehung zu dem Gesetz wie bei Juda; wenn wir die Lage bedenken, in welcher sich das Volk be­fand, werden wir den Grund davon auch leicht einsehen. Die Quelle derselben ist vielmehr das Verlassen der wahren Gottesfurcht, was zur Folge hat, dass der Mensch der Selbstsucht seines Herzens freien Lauf lässt und die­jenigen unterdrückt, auf welche Gott achthat. Israel ver­kaufte den Gerechten für Geld und den Dürftigen um ein Paar Schuhe. Sie achteten nicht der Leiden der Armen, sondern streckten sich sogar bei dem Altar - angenom­men wenigstens, dass es derjenige Jehovas war - auf Oberkleider hin, die aus Armut hatten verpfändet werden müssen, und taten sich mit Strafgeldern gütlich, die um Missetaten willen auferlegt worden waren. Dessen­ ungeachtet war Gott es gewesen, der sie aus Ägypten heraufgeführt und ihre Feinde vertilgt hatte, um sie in den Besitz der Länder derselben zu setzen, und der ihnen - sei es durch Personen, die sich für Ihn abson­derten, sei es durch solche, die Er ihnen als Boten sandte - die Beweise davon gegeben hatte, dass sie in einem besonderen Verhältnis zu Ihm standen. Aber sie hatten die Nasiräer veranlasst, sich zu verunreinigen und den Propheten geboten, nicht im Namen Jehovas zu weis­sagen. Darum sollte Sein ernstes Gericht sie ereilen. Der Vorwurf der Verachtung der Armen wird in dieser Weis­sagung oft wiederholt (Kap. 2, 7; 4, l; 5, 11; 8, 6), und zwar gerade dann, wenn es sich um Israel handelt.

KAPITEL 3

Nachdem Gott eine jede der Nationen, die sich auf dem Seinem Knechte Abraham verheißenen Gebiet be­fanden, namhaft gemacht hat, wendet Er Sich an Juda und Israel gemeinsam, an das ganze Geschlecht, welches Er aus Ägypten heraufgeführt hatte. Sie allein hatte

 

Jehova von allen Geschlechtern der Erde erkannt, darum wollte Er ihre Missetaten an ihnen heimsuchen: ein ernster, aber sehr einfacher Grundsatz. Wenn wir den Platz des Zeugnisses, eines Zeugnisses für Gott, ein­nehmen, so muss dieses Zeugnis notwendigerweise mit dem Herzen und den Grundsätzen Gottes in Überein­stimmung stehen; es darf nicht Seinen Charakter in fal­scher Weise darstellen, unser Wandel muss vielmehr un­serer Stellung entsprechen. Je unmittelbarer dieses Zeug­nis ist, um so eifersüchtiger wird Gott im Blick auf Seine Herrlichkeit und unsere Treue sein. Das Gericht fängt bei Seinem Hause an. Zwei können nicht miteinander wandeln, es sei denn, dass sie übereingekommen sind. An diesen Grundsatz knüpfen "ich zwei bedeutungs­volle Erklärungen: Einerseits sei dann, wenn Gott ein­schreite und Seine große und schreckliche Stimme hören lasse, auch ein Grund dafür vorhanden; andererseits handle Gott nicht, ohne Sein Volk zu warnen, Er tue nichts, ohne es Seinen Knechten, den Propheten, zu offenbaren. Nun hatte aber der Löwe gebrüllt: sollten sie nicht zittern? Jehova hatte geredet; so konnte der Prophet nicht schweigen. Das war die Lage Israels. An dieses letztere Königreich wendet Sich der Geist Gottes für einen Augenblick insbesondere. Es sollten von dem­selben nur einige wenige Bruchstücke übrigbleiben, etwa wie ein Hirt zwei Beine oder einen Ohrzipfel von einem Lamme rettet, indem er sie dem Rachen des Löwen, der es zerrissen hat, entreißt. Indem Jehova hier also von Israel spricht, erwähnt Er schließlich noch die götzen­dienerischen Altäre des Volkes und erklärt, dass die ganze Herrlichkeit desselben zugrunde gehen werde. Wir können hier wieder bemerken, wie das Reich Israel die Stelle des ganzen Volkes einnimmt (siehe V. 9. 12-14), obwohl auch Juda genannt und zu seiner Zeit ge­richtet wird. - Mit Ausnahme der ersten zwei Kapitel, welche zusammengehören, enthält bei Amos jedes Ka­pitel eine besondere Weissagung.

 

KAPITEL 4

Es führt uns die Unterdrückung der Armen vor Augen sowie den Gottesdienst, welchen die Kinder Israel nach ihrem Gutdünken an den von ihnen erwählten Orten darbrachten. So wollte denn auch Gott handeln, wie Er es für angemessen hielt. Er hatte das tatsächlich schon getan; trotzdem waren sie nicht bis zu Ihm um­gekehrt. Er hatte Seine Züchtigungen in der nachdrück­lichsten Weise wiederholt, jedoch vergebens. Deshalb fordert Er Israel auf, sich anzuschicken, Ihm zu be­gegnen.

 

KAPITEL 5

Nachdem Gott über den Verfall Israels geklagt hat, stellt Er die Plätze ihres falschen Gottesdienstes Jehova, dem Schöpfer, gegenüber und ermuntert sie, zu Ihm zu kommen und zu leben. Israel wies aber den Gedanken an den bösen Tag von sich. Das Böse hatte die Oberhand. Der Einsichtige schwieg, denn es war ein böser Tag (V. 13). Dessen ungeachtet ruft der Geist zur Buße. Viel­leicht würde Jehova mit der Trübsal Josephs Mitleid haben. Dennoch gab es inmitten all dieser Ungerechtig­keit solche, die erklärten, sie wünschten den Tag Jehovas herbei. Der Prophet sagt ihnen, es würde ein Tag des Schreckens und Gerichts, der Finsternis und nicht des Lichtes sein. Sie würden aus einem Unglück in das an­dere fallen. Jehova hatte an dem, was sie darbrachten, und an ihren Opfern kein Wohlgefallen, ihre Festver­sammlungen konnte Er nicht ertragen; was Er ver­langte, war Recht und Gerechtigkeit. Doch das Volk war von Anfang an dasselbe gewesen: in der Wüste hatten sie nicht Ihn angebetet, sondern ihren Moloch und ihren Remphan, die sie sich selbst gemacht hatten; daher soll­ten sie gefangen weggeführt werden, und zwar noch jenseits des Landes, welches jetzt der Gegenstand ihrer Be­fürchtungen war. Diese letzte Anklage des Propheten enthält eine Belehrung von hoher Wichtigkeit. Die böse Sache, welche dem Volke zum Verderben gereichte, war von Anfang an bei ihm vorhanden gewesen. Gott war zwar in Seiner Macht dazwischengetreten, und das Böse war dadurch zurückgedrängt worden; aber trotz­dem war es da. Als Glaube und Frömmigkeit nachließen und menschliche Interessen nicht länger im Wege stan­den, hatte sich dieselbe böse Sache von neuem gezeigt. Die Kälber von Dan und Bethel waren nur eine Erneu­erung des Kalbes, welches sie in der Wüste gemacht hatten. Ungeachtet all der von Gott bewiesenen Lang­mut fuhr das Volk Israel fort, sich seinem wahren Charak­ter nach zu zeigen; und das Gericht rührte schon von der ersten Handlung her, die das, was in ihren Herzen war, geoffenbart hatte. Wir sehen hier, wo von den zehn Stämmen die Rede ist, aufs neue, dass ganz Israel, was seine verantwortliche Stellung betraf, als ein zusammen­gehöriges Ganzes betrachtet wird. Übrigens geht dies auch klar und deutlich aus der ganzen Weissagung hervor.

 

KAPITEL 6

Dieses Kapitel verweilt bei dem falschen Vertrauen, in welchem sich die Häupter Israels wiegten. Das Volk war von einem Gericht bedroht, ähnlich demjenigen, welches Kalne und Hamath betroffen hatte. Seine Vornehmen gaben sich der Schwelgerei hin, gleich als ob sich alles aufs beste verhielte. Sie hatten kein Gefühl für die Wunde Josephs. Sie würden deshalb die ersten sein, welche in die Gefangenschaft gingen. Jehova würde Israel der Verwüstung preisgeben. Er würde die Hoffart Jakobs verabscheuen. Denn sie vertrauten auf das, was nichts als Eitelkeit war: auf ihr goldenes Kalb. Er aber, den sie verachteten, würde einen Feind erwecken, der sie von Hamath an bis zu den Grenzen Ägyptens bedrücken würde.

 

KAPITEL 7

Gott hatte lange geduldig gewartet. Mehr als einmal war Er nahe daran gewesen, Israel dem Gericht zu über­geben. Die Fürbitte des Propheten oder vielmehr des Geistes Christi, der in den Propheten wirkte (welche Für­bitte tatsächlich ihre Kraft Seinen Leiden verdankte; siehe Psalm 18), hatte den Schlag der Rute noch auf­gehalten. Jetzt aber wollte Jehova mit dem Senkblei in Seiner Hand zum Gericht aufstehen, und nichts würde Ihn bewegen, Sich wieder abzuwenden. Mit dem Hause Jehu würde Israel fallen. So ist es denn auch in Wirk­lichkeit geschehen. Es ist möglich, dass sich die vorher genannten Gerichte auf den Untergang des Geschlechtes Jerobeams, des Sohnes Nebats, sowie auf denjenigen des Geschlechtes Ahabs beziehen. Nach jedem dieser Ereig­nisse war Israel wieder aufgeholfen worden, nicht so aber, nachdem das Haus Jehus gefallen war.

 

Für eine solche Weissagung war des Königs Heilig­tum nicht der Ort. Eine Religion, die ohne Gottesfurcht, rein durch menschliche Staatsklugheit, zustande gebracht ist, kann das Zeugnis der Wahrheit nicht ertragen. Bethel war ein königlicher Wohnsitz. Der Priester berichtet alles dem König. Mag doch der Prophet nach Juda gehen! Dort war Jehova anerkannt, und die Wahrheit mochte dort verkündigt werden; hier aber war nicht der Ort für solche abstoßende Wahrheiten. Der König war Gebieter in allen religiösen Angelegenheiten; der Mensch war Herr. Doch Jehova verzichtet nicht auf die Ihm gebühren­den Rechte. Amos war weder ein Prophet noch ein Pro­phetensohn gewesen. Nicht Menschen, auch nicht der Wunsch seines eigenen Herzens hatten ihm dieses Amt gegeben. Jehova hatte ihn nach Seinem unumschränkten Willen dazu bestimmt, und sein Wort war das Wort Jehovas. Der Priester, welcher sich demselben wider­setzte, würde die Folgen seines voreiligen Handelns tra­gen, und Israel würde gewiss weggeführt werden.

 

KAPITEL 8

bringt von neuem die Erklärung, dass um Israels Un­gerechtigkeit willen sein Ende gekommen sei. Gott würde nicht länger an ihm vorübergehen. Der Prophet kündigt zugleich an, in welches Elend das Volk geraten würde, wenn es einmal aller Leitung seitens Jehovas beraubt wäre. Ihr Hunger und Durst nach Gottes Wort würde nicht gestillt. Wer auf die nichtigen Götzen vertraute, welche Israel sich aufgerichtet hatte, würde fallen und nicht wieder aufstehen.

 

KAPITEL 9

Dieses Kapitel stellt uns Jehova Selbst vor Augen, wie Er das Gericht in solcher Weise vollzieht, dass Israel auf keine Art demselben entrinnen kann. Gott wollte das Volk so behandeln, wie Er mit den Nationen, die Ihm fremd gegenüberstanden, verfahren würde, mit den Phi­listern oder den Syrern, die Er in Seiner Vorsehung aus anderen Ländern heraufgeführt hatte. Trotzdem ver­gaß Gott Israel nicht. Er führte das Gericht selbst aus, damit, wenn Israel unter allen Nationen gesiebt werden würde, auch nicht ein Körnchen verloren ginge. Die Gottlosen, die nicht an das Gericht glaubten, würden von demselben ereilt werden.

 

An jenem Tage (nämlich am Tage des Endgerichts Jehovas) würde Er nicht die Hütte Jerobeams und Jehus aufrichten, obwohl Er denselben während der Dauer Sei­ner langmütigen Regierung eine Zeitlang einen Platz ein­geräumt hatte; Er würde vielmehr (indem Er die Gnaden­absichten ausführte, die in Seinem Herzen waren) die Hütte Davids, Seines Auserwählten, aufrichten und sie wieder in ihrer Herrlichkeit bauen. Er wird diese Hütte vollständig aus ihren Trümmern aufrichten, auf dass Sein Same den Überrest Edoms und alle die Nationen in Besitz nehme, welche dereinst dazu gebracht werden sollen, den Namen Jehovas zu kennen*. Zu jener Zeit wird Jehova auch Israel aus seiner Gefangenschaft zurückführen und es aufs neue in eine Stellung einsetzen, in welcher ihm Segen in Fülle zuteil werden wird. Dann wird es die Früchte seines Landes genießen. Jehova wird Sein Volk in Seinem Lande pflanzen, und es soll nicht mehr her­ausgerissen werden. Es war das Land, welches Er Selbst ihm gegeben hatte.

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* In Apostelgeschichte 15 wird diese Stelle durch den Apostel Jakobus angeführt. Hier (bei Amos) ist es ganz klar, dass sich dieselbe auf die letzten Tage bezieht. Man hat demzufolge manchmal versucht, dieselbe auch in der Apostel­geschichte auf die nämliche Zeit zu beziehen, indem man auf die Worte „nach diesem" einen besonderen Nachdruck legte. Indessen bin ich überzeugt, dass alle, die das tun, nicht richtig verstanden haben, was der Apostel mit seiner Beweisführung sagen will. Er führt diese Stelle nur um eines einzigen Ausdrucks willen an, ohne sich mit dem Üb­rigen zu beschäftigen; und das ist auch, wie ich nicht zweifle, der Grund, warum er sich mit der Übersetzung der Septuaginta begnügt. Es ist dies der Ausdruck: „Alle die Nationen, über welche mein Name angerufen ist." Die Frage, um welche es sich handelte, war, ob Gläubige aus den Na­tionen aufgenommen werden können, ohne vorher Juden zu werden. Nachdem der Apostel diese Frage bejaht hat, zeigt er, dass die Propheten mit seiner Erklärung überein­stimmten. Er spricht keineswegs von der Erfüllung der Weissagung; er zeigt nur, dass die Propheten den Grund­satz bestätigen, dass solche aus den Nationen den Na­men Jehovas tragen würden: „alle die Nationen, über welche mein Name angerufen ist". Es würde demnach solche geben. Gott waren alle Seine Werke von Ewigkeit her bekannt, welches auch die Zeit sein mochte, wann dieselben geoffen­bart werden sollten.

 

Wir finden also in dem Propheten Amos das Gericht des Reiches Israel. Dieses Gericht betraf indessen ganz Israel als Nation. Sodann wird die gewisse Wieder­herstellung des Volkes angekündigt, und zwar in Verbin­dung mit dem Wiederaufbauen des Hauses Davids in den letzten Tagen - ein Werk, welches Gott ausführen will und das durch nichts wieder zerstört werden wird. Er will sie pflanzen, und niemand wird sie herausreißen:

eine Weissagung, die sicher noch nicht in Erfüllung ge­gangen ist, die aber ebenso gewiss in Erfüllung gehen wird. Israel wird in seinem eigenen Lande sein und nie wieder aus demselben entfernt werden.

 

Im Ganzen genommen stellt uns demnach dieser Pro­phet nicht bedeutende äußere Ereignisse vor Augen, die im Verlauf der Regierung Gottes eintreten sollten; vielmehr schildert er die Art und Weise, wie Gott mit Seinem Volke um seines inneren Zustandes willen verfahren wollte, wobei die zehn Stämme oder das Reich Israel so betrachtet werden, als ob sie ganz Israel als verantwort­liche Nation darstellten. In welcherweise der Zustand des Volkes zu der damaligen Zeit mit seiner ursprünglichen Stellung zusammenhing (als sie dank der Gnade und Macht Jehovas aus Ägypten heraufgezogen waren], das zeigten die goldenen Kälber von Sinai und Bethel.

 

Wie wir gesehen haben, schließt die Weissagung da­mit, dass das ganze Volk aufgrund der unumschränkten Gnade Gottes, der Sich niemals verändert, aufs neue unter dem Hause Davids in eine Stellung des Segens versetzt wird. Das werden die gewissen Gnaden Davids sein, an welchen die ganze Nation teilhaben soll.

 

Ort: Christliche Versammlungen an der Thurstrasse in CH - 8500 Frauenfeld. 2001
1. Zusammenfassung 12 kleine Propheten (Word) (htm)
2. Gliederung
3. Kurzüberblick 1
4. Habakuks Gebet
5. Kurzzusammenfassung
6 Gottes Trost
7 Habakuk

Die Zwölf Propheten

1. Wer sind die Zwölf Propheten?
Es ist seit der Zeit Augustins (4./5. Jahrhundert) üblich, die zwölf letzten Bücher des Alten Testaments »die kleinen Propheten« zu nennen. Sie sind klein im Umfang, nicht klein im Gehalt. In der hebräischen Bibel sind sie alle in einer Buchrolle zusammengefasst und heißen bei den Juden »die Zwölf«, hebräisch schenem ‘âsâr, aramäisch terę ‘asar.
In allen protestantischen Bibelausgaben sind sie wie in der hebräischen Bibel in folgender Reihenfolge zusammengestellt: Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi.

Folgende chronologische Ordnung lässt sich dabei ausmachen:

1. Vorassyrische und assyrische Zeit (bis 612 v. Chr): Hosea bis Nahum
2. Babylonische Zeit (bis 586 v. Chr.) : Habakuk und Zephanja
3. Persische Zeit (nach 539. v. Chr.): Haggai, Sacharja und Maleachi.

722 v. Chr. wurde Samaria, die Hauptstadt des israelischen Nordreiches, erobert; 612 v. Chr. wurde Ninive, die Hauptstadt des Assyrerreiches zerstört. Bis dann wurden Israel und Juda von der assyrischen Militärmacht bedroht, und in diese Zeit der Bedrohung hinein redeten die Propheten Jesaja, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Micha und Nahum. Jona wurde zu den Assyrern selbst gesandt, um ihnen die Botschaft des Gerichts, der Buße und der Errettung zu predigen. In Israel zeigte die Botschaft keine Ergebnisse; das Volk ließ sich nicht warnen; die assyrische Eroberung machte der Geschichte der zehn Stämme im Land ein Ende.
Nachher begann die Zeit, in der Juda von der babylonischen Weltmacht bedroht und schließlich erobert wurde. In diese Zeit hinein ertönte die Stimme der Propheten Habakuk, Zephanja und Jeremia. Auch deren Dienst war insofern vergeblich, als Juda nicht aufmerkte, sich nicht warnen und zurechtbringen ließ. Mit der babylonischen Katastrophe endete für siebzig Jahre die Geschichte Judas im Land der Väter.
Mit dem Exil begann jene Zeit, in der das Volk Gottes nicht mehr von fremden Mächten bedroht wurde, sondern – schlimmer noch – von fremdem Mächten beherrscht wurde. Aber auch da sandte Gott in Seiner unbegreiflichen Gnade noch Seine Boten an das Volk. Während der babylonischen Gefangenschaft weissagten Daniel und Hesekiel zu den Juden; nach dem Exil erweckte Gott Haggai, Sacharja und Maleachi, um Sein Wort ein letztes Mal an Sein untreues Volk zu richten, damit es auf das Kommen des Messias gerüstet sei.

Man kann die Zwölf auch in folgende drei Gruppen einteilen: Propheten Israels, Propheten Judas und nachexilische Propheten:

1. Propheten Israels: Jona, Amos, Hosea (assyrische Zeit)
2. Propheten Judas: Obadja, Joel, Micha, Nahum, (assyrische Zeit), Habakuk, Zephanja (Babylonische Zeit)
3. Nachexilische Propheten: Haggai, Sacharja, Maleachi (persische Zeit)

Es lässt sich auch eine paarweise Anordnung erkennen, indem alternierend Israel und Juda Gegenstand oder Herkunft des Propheten ist: Hosea/Joel; Amos/Obadja; Jona/Micha; Nahum/Habakuk.

Man beachte, wie verschiedene Propheten durch bestimmte Aussagen miteinander verkettet sind: Hos 11,10 erscheint in Joel 3,16 und wieder in Amos 1,2; Amos 9,12 führt organisch zum Buch Obadja. Die Frage von Jona 4,11 wird in Mi 7,19 beantwortet, und Mi 7,20 findet eine Fortsetzung in Nahum 1,7; zudem greift Nahum in 1,3 ein Wort Jonas (4,2) auf und erklärt damit, warum Ninive nun gerichtet werden muss. Der Weg des Herrn im Sturm und Tumult von Nah 1,3 wird in Hab 3,6 behandelt, und die bebenden Berge von Nah 1,5 kommen in Hab 3,6 wieder vor; auch der »nichtswürdige Ratgeber« von Nah 1,11 erscheint wieder in Hab 2,10, ebenso die heransprengenden Rosse von Nah 3,2,3 in Hab 1,8, sowie die »Blöße« von Nah 3,5 in Hab 2,15; der Weheruf von Nah 3,1 findet sich fast wörtlich in Hab 2,12, und die Ankündigung »auch du sollst trunken werden« von Nah 3,11 wird in Hab 2,16 wiederholt: »Trinke auch du.« Auf die Abendwölfe von Hab 1,8 stoßen wir in Zeph 3,3 wieder, und das Frohlocken Habakuks in 3,18 weitet sich am Ende von Zephanja zum Frohlocken des ganzen Volkes Israel (3,14. Die Verheißung von Zephanja 3,15.16 findet sich wörtlich wieder in Haggai 2,5. Wie Haggai und Sacharja zusammengehören, muss nicht eigens erwähnt werden, aber eine Bemerkung wert ist die Beobachtung, dass Maleachi auf das Thema Hoseas zurückkommt, nämlich auf die Liebe und auf den Hass Gottes (Mal 1,2 und 1,3, was mit Hos 9,15 zu vergleichen ist). Damit schließt Maleachi den Kreis, den Hosea eröffnet hatte.

Hosea steht an der Spitze, denn es ist das längste und umfassendste Buch. Es beschreibt zudem die Sünde, die auch in den sieben Sendschreiben als erste verurteilt wird: Israel hat sich an der Liebe Gottes versündigt (vgl. Off 2,4). Ist aber die Liebe das Größte (1Kor 13,13), dann ist ein Verstoß an ihr die höchste, die oberste und alle anderen enthaltende Sünde. Diese wird passenderweise zuerst behandelt. Und den Schluss bildet mit Maleachi ein Buch, das ein Volk rügt, das auf Gottes Aussage, Er hab es geliebt, schnöde antwortet, es merke nichts von Seiner Liebe. Am Anfang und am Ende wird also das behandelt, was der Apostel in 1Kor 13 das Bleibende und das Größte nennt.

2. Die Botschaft der Zwölf
Wenn man die Botschaft der Propheten mit einem Satz zusammenfassen müsste, dann könnte man sagen: »Der HERR regiert«. Als Gott Israel aus Ägypten erlöste, handelte er so, dass diese Wahrheit dem erlösten Volk offenkundig wurde: »Der HERR ist König immer und ewig«, rief es am Schilfmeer, nachdem es endgültig aus Pharaos Macht befreit worden war (2Mo 15,18). Sie hatten gesehen, dass der HERR als der Herrscher aller Dinge alles nach Seinem Willen lenkt; sie hatten begriffen, dass Gott sie von der Gewalt des Pharao befreit hatte, um sie unter Seine Herrschaft zu stellen. Aus der Wahrheit, dass der HERR König ist, ergeben sich alle Aufrufe und Ankündigungen der Propheten:

• Weil Er König ist, ist aller Götzendienst Sünde und ist es Sünde und Bosheit, Ihm
nicht zu gehorchen und Ihm nicht zu vertrauen. Entsprechend decken die Propheten die Sünde des Volkes auf und rufen es zur Buße.

• Weil Er König ist, lenkt Er die Geschicke und die Wege Israels (Hos 2,6) und der Nationen (Joel 3,2). Er ist es, der Dürre und Regen (Joel 1,20; 2,23), Krieg (Hab 1,6) und Frieden (Hag 2,9), Mangel und Wohlfahrt (Hos 2,9, 12; Mal 3,11) sendet. Die ganze Heilsgeschichte verläuft so, wie Gott es sich vorgesetzt hat (Jes 46,9.10).
Er wird gegen allen Widerstand Seiner Feinde und trotz aller Untreue Seines Volkes Seinen Vorsatz verwirklichen:
Und ob gleich alle Teufel
Hier wollten widerstehn
So wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurückegehn.
Was Er sich vorgenommen,
Und was Er haben will,
Das muss doch endlich kommen
Zu seinem Zweck und Ziel.
(Paul Gerhardt, Befiehl du deine Wege, 5. Strophe)

• Er regiert jetzt vom Himmel her, aber Sein Gesalbter wird kommen und Seine
Regierung auf der Erde aufrichten. Dann werden alle niedergeworfen werden, die
der Regierung Gottes getrotzt, und alle erhöht werden, die sich der Regierung Gottes unterworfen haben.

• Seine Regierung geschieht von einem Thron, der im Neuen Testament »Thron der Gnade« heißt (Heb 4,16). Seine Gnade offenbart sich in allen Botschaften der Zwölf, ja, die bloße Tatsache, dass Er durch sie zu Seinem Volk redet, ist ein Beweis Seiner Gnade. Gott schuldete es nicht, weiterhin zu ihnen zu reden, nachdem Sie so lange und so beharrlich auf Sein Reden durch Mose nicht gehört hatten.
Dass Er sie züchtigt ist ein zweiter Beweis Seiner Gnade. Auch das schuldete Er ihnen nicht, vielmehr hätten sie es verdient, dass Er sie ihrem Eigensinn und Eigenwillen überlassen und dahingegeben hätte.
Drittens ist das in den Propheten enthüllte Ziel Seiner Regierung und Seiner Erziehung ein Beweis Seiner Gnade. Er hat sich vorgesetzt, ein Volk für sich auszusondern zu bewahren und zu unbeschreiblicher Herrlichkeit zu erhöhen. Die Propheten enden darum nicht mit Gericht, nicht mit Zorn, nicht mit Hoffnungslosigkeit, sondern mit den erhebendsten Ausblicken auf die kommende Glückseligkeit.

Fragen wir uns zum Schluss noch, warum es denn so viele verschiedene Propheten brauchte. Es konnte kein einzelner Prophet die ganze Weite und Fülle der Offenbarung Gottes an sein Volk verkündigen; es war kein Gefäß groß genug, die Menge aller göttlichen Aussprüche, die er an das Volk richten wollte, zu fassen. Darum mussten mehrere Propheten die Gefäße sein, die zusammen die Gesamtheit von Gottes Botschaft weiterreichen konnten. Das bedeutet, dass ein jeder der Propheten auf seine Weise einseitig ist. Jakob Kroeker hat dazu etwas Bemerkenswertes gesagt:

»In der Einseitigkeit der Propheten lag ihre ungeheure Stärke. Sie machten eine ganz bestimmte Gottesoffenbarung zum Inhalt ihrer prophetischen Mission. Diese bezog sich immer auf einzelne, ganz besonders zum Gericht ausgereifte Zustände ihres Volkes. In dieser Einseitigkeit lag aber auch die persönliche Grenze der Propheten. Der Prophet musste den Propheten ergänzen. Auch der Größte unter ihnen, Jesaja, hat Gott in der ganzen Fülle seines Lichtes und seines Könnens nicht fassen und der Menschheit dolmetschen können. Das hat am vollkommensten erst Jesus getan, der mehr war als Prophet.«

3. Was ist Weissagung?
Die Propheten heißen so, weil sie prophezeiten oder weissagten (beides bedeutet das gleiche). Was ist weissagen? Die allgemeinste und immer zutreffende Definition von Weissagen ist: Verborgenes aufdecken. Das erste Mal, wo Gott einen Propheten an Sein abtrünniges Volk sendet, macht das deutlich. Wir lesen in Richter 6,7–10

»Und es geschah, als die Kinder Israel wegen Midians zu dem HERRN schrieen, da sandte der HERR einen Propheten zu den Kindern Israel; und er sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe euch aus Ägypten heraufgeführt und euch herausgeführt aus dem Hause der Knechtschaft; und ich habe euch errettet aus der Hand der Ägypter und aus der Hand all eurer Bedrücker, und ich habe sie vor euch vertrieben und euch ihr Land gegeben. Und ich sprach zu euch: Ich bin der HERR, euer Gott; ihr sollt nicht die Götter der Amoriter fürchten, in deren Land ihr wohnet. Aber ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht«

Was macht dieser Prophet? Er deckt den Kindern Israel die wahre Ursache ihrer Not auf: Sie haben gegen ihren Gott und Retter gesündigt. Es liegt nicht am ungünstigen Wetter, nicht an der unglücklichen weltpolitischen Lage, sondern einzig und allein an der gebrochenen Beziehung zu Gott. Das ist eine einfache, aber weitreichende Wahrheit. Entsprechend nennt Jeremia als Ursache für den Untergang Jerusalems:

»Nichtiges und Ungereimtes haben deine Propheten dir geschaut; und sie deckten deine Ungerechtigkeit nicht auf...« (Klag 2,14).

Auch im Neuen Testament wird Weissagen so verstanden, wie wir an 1Kor 14,24–25 sehen:

»Wenn aber alle weissagen, und irgend ein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und also, auf sein Angesicht fallend, wird er Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist«

Daher lautet die Botschaft der Propheten so:

»Darum habe ich sie behauen durch die Propheten, habe sie getötet durch die Worte meines Mundes; und mein Gericht geht hervor wie das Licht« (Hos 6,5).

»Ich hingegen, ich bin mit Kraft erfüllt durch den Geist des HERRN, und mit Recht und Stärke, um Jakob seine Übertretung kundzutun und Israel seine Sünde« (Micha 3,8).

Sünde Aufdecken ist bereits weissagen. Sodann decken die Propheten dem Volk die Zukunft auf, die entweder hell oder dunkel sein wird – wenn die Hörer Buße tun, ist ihnen eine herrliche Zukunft gewiss, wenn sie nicht Buße tun, werden sie gerichtet werden.

»Gekommen sind die Tage der Heimsuchung, gekommen die Tage der Vergeltung; Israel wird es erfahren. Der Prophet wird närrisch, der Mann des Geistes wahnsinnig, wegen der Größe deiner Ungerechtigkeit...« (Hos 9,7).

»Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und es werden alle Übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht Jahwe der Heerscharen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird. Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln...« (Mal 4,1-2).

Die Propheten decken auf, was das natürliche Auge nicht sehen kann. Sie öffnen uns die Augen für die geistliche Wirklichkeit und lehren uns so, unsere Zeit im Licht Gottes zu sehen, auch die tagespolitischen Geschehnisse. Mit »Licht Gottes« ist nicht ein esoterisches Wissen über irgend einen Plan von Verschwörern zum Aufrichten der Weltherrschaft gemeint. Nein, wir lernen durch die Propheten, ruhig über den nachzudenken, der alles lenkt, über allem wacht und alles Seinem Ziel zuführt. Das heißt: Ich muss nicht jede Tagesaktualität erklären und in ein endzeitliches Schema einordnen können, ich braue nicht einen Bibelvers für jeden Uno–Beschluss und jeden Auflauf in der Altstadt Jerusalems. Ich muss gar nicht alles, was im Verkehr der Völkeer geschieht, im einzelnen verstehen. Aber ich muss wissen, wer mich und wer die ganze Welt in der Hand hat, wer die Mächte und die Mächtigen lenkt und zu welchem Ziel hin er das tut. Und ich muss Ihn vor allem fürchten, weil meine Beziehung zu ihm darüber scheidet, was mein persönliches Ziel und Ende sein wird.
Ich muss mich nicht aufregen über alles Unrecht in der Weltpolitik und über die Einseitigkeit der Medien. Ich bin vergnügt, dass nichts geschieht ohne Gott, und dass auch der Böse und das Böse Seine Absichen vorantreiben müssen.

Weissagen heißt schließlich auch im Auftrag Gottes reden. Das bedeutet, dass die Botschaft der Propheten göttliche Autorität hat:

»Höret das Wort des HERRN, ihr Kinder Israel!« (Hos 4,1).

»So spricht der HERR« (Am 1,3, 6, 9, 11; 2,1)

Insofern als der Prophet aufdeckt, heißt er Seher (1Sam 9,9), und insofern als er im Auftrag Gottes redet, heißt er Mann Gottes (5Mo 33,1; 1Sam 2,27).

4. Die Propheten und Mose
Um das Volk zu überführen, messen die Propheten ihren Glauben und ihren Wandel an Mose:

»Gedenket des Gesetzes Moses, meines Knechtes, welches ich ihm auf Horeb an ganz Israel geboten habe – Satzungen und Rechte« (Mal 4,4).

Das Gesetz, das Mose von Gott empfangen hatte, nennt Gottes gerechte Forderungen an Sein Volk. Die Erkenntnis des Gesetzes wirkt beim Volk Erkenntnis der Sünde (siehe 2Kö 22,11 und Röm 3,20).

5. Naherfüllung und Letzterfüllung
Viele von den Propheten angekündigten Gerichte standen vor der Tür. Hosea kündigte das Kommen des Assyrerkönigs, Habakuk das Kommen des babylonischen Königs an. Diese würden Samaria, bzw. Jerusalem zerstören und deren Einwohner verschleppen. Diesen Tag des Gerichts nannten die Propheten den Tag des Herrn, jom Jahwćh. Dies war der Tag, an dem Gott eingreifen und handeln würde. Als das Volk Gottes sich an die Sünde gewöhnte und so lebte, als sei kein Gott des Heils und des Gerichts griff der HERR in den Tag des Menschen ein: »Und es wird geschehen zu jener Zeit, da werde ich Jerusalem mit Leuchten durchsuchen; und ich werde die Männer heimsuchen, die auf ihren Hefen liegen, die in ihrem Herzen sprechen: Der HERR tut nichts Gutes und tut nichts Böses« (Zeph 1:12).
Aber im Vollsinn wird der Tag des Herrn erst anbrechen, wenn der Herr nicht nur in Jerusalem eingreift und an den Juden handelt, sondern wenn Er kommt, um die ganze Welt Seiner Regierung zu unterwerfen. Dieser Tag ist noch zukünftig. Was nachstehend über den Propheten Hosea gesagt wird, kann auf alle Propheten angewandt werden:

»Die Prophezeiung dieses Buches geht nicht nur auf die Zerstreuung der zehn Stämme, noch auf die ersten Zeiten des Neuen Testaments, sondern auch auf die noch bevorstehende Bekehrung der Juden in der letzten Zeit.« (Berlenburger Bibel, 1732).

Als Samaria und Jerusalem am Tag des Herrn heimgesucht wurden, waren heidnische Könige die Werkzeuge des Grimmes des Herrn, Zuchtruten Jahwes (Jes 10,5). Weil diese sich beim Ausüben des göttlichen Gerichts auch versündigten (Jes 10,6), gab Gott sie wiederum anderen Gerichtswerkzeugen preis (Sach 1,15): Assur wurde durch die Babylonier gerichtet (Jes 10,12); Babylon wurde durch die Perser, die Perser wurden durch die Griechen, diese durch die Römer gerichtet. So ging das weiter bis zum heutigen Tag. Erst wenn der Herr am kommenden Tag des HERRN die ganze Welt heimsuchen wird, wird ein vollkommen gerechtes Gericht verhängt. Weil Er sich dabei nicht wie alle menschlichen Richter Schuld auflädt, folgt auf Sein Gericht kein weiteres mehr.


- Hosea -
»Rettung«
L’amour perdu et retrouvé (F. Bailet)
God’s Love for Backsliders (Irving L. Jensen)

»Im Buch Hosea findet sich eine der erschütterndsten Offenbarungen der wahren Natur der Sünde und zugleich eine der ergreifendsten Darlegungen der Stärke göttlicher Liebe. Niemand kann die Geschichte Hoseas und seiner untreuen Frau lesen, ohne dabei die Agonie seines verwundeten Herzens zu spüren. Wir sollen begreifen lernen, dass Sünde das Herz Gottes verwundet«
G. Campbell Morgan

Der Prophet und seine Zeit
Der Name Hosea bedeutet »Rettung«. Einem Volk, das es nicht verdient hat, dass Gott es noch liebt, sondern dass es seiner Undankbarkeit und geistlichen Hurerei wegen auf immer verstoßen werde, kündigt der Prophet einen Tag bleibender und ewiger Errettung an: »Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen, will sie willig lieben« (14,4).
Hosea weissagte gemäß 1,1 in den Tagen Ussijas, Jothams, Ahas und Hiskias und in den Tagen Jerobeams II., das heißt innerhalb der Zeitspanne von 787–697 v. Chr. Der Untergang des Nordreiches, den Hosea ankündigte, fällt ins Jahr 722; diesen erlebte Hosea nicht mehr.
Israel hat eine Zeit des Wohlergehens erfahren, und zwar sowohl der wirtschaftlichen (Hos 2,8; 8,4; 9,6; 12,9) als auch der politischen (2Kö 14,25–27). Ein wohlgenährtes und wohlhabendes Volk wird übermütig und frech (Hos 4,7; 5,5; 7,10; 9,1; 10,2; 13,6); es schlägt aus gegen den Gott, dem es alles verdankt (5Mo 32,14). Verschiedene Katastrophen haben Israel schon erschüttert (2Kö 10,32.33; 13,22; Hos 4,3). Aber nichts, weder die Güte noch die Strenge Gottes (2Kö 13,4.5.22–25) kann das Gewissen des Volkes aufstören (2Kö 13,6; Hos 4,4).

Thema
Gottes Liebe und unwandelbare Treue und Israels Untreue. Hosea verkündigt wie kein anderer Prophet die Größe der göttlichen Liebe, um damit die Größe der Sünde Israels ins rechte Licht zu rücken. Die Liebe ist das Größte, und darum ist der Verstoß gegen sie die größte Sünde. Es ist die Ursünde, die zum Untergang des Volkes Gottes führt. Das muss die Ursache sein, warum Hosea mit seiner Botschaft an die Spitze der Zwölf gestellt wurde. Ebenso stellt der Herr das Abfallen von der ersten Liebe an den Anfang aller Rügen der sieben Gemeinden Kleinasiens (Off 2,4), denn auch für das christliche Zeugnis gilt, dass diese Sünde Ursache und Anfang allen Niederganges ist. Der Gott Israels hat sich mit Israel in einem Ehebündnis vereint (Jer 2,2), Israel aber hat sich an dieser Liebesbeziehung durch Götzendienst, das ist nichts als Hurerei, vergriffen. Gottes Liebe aber macht das unmöglich Scheinende möglich: Ein verderbtes Volk wird durch Gottes Gnade zur Buße geführt und zur frei fließenden Liebe Gottes wiederhergestellt werden (14,4).

»So wie Lukas uns das Bild vom verlorenen Sohn präsentiert, bietet uns Hosea das Bild von der verlorenen Ehefrau« (Karl L. Feinberg).

Christus im Buch Hosea
Das eine Haupt, unter dem Juda und Israel sich versammeln wird, ist Christus (1,11). In 3,5 lesen wir, dass Israel am Ende der Zeit »David ihren König« suchen wird. Das ist der Messias. In 11,1 finden wir die Worte, die Matthäus auf Jesus anwendet: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen« (Mt 2,15). Wir hätten, wenn wir nur den Propheten gelesen hätten, diesen Vers kaum messianisch gedeutet, und doch ist er vom Heiligen Geist von Anfang mit dieser Bedeutung eingegeben worden, wiewohl er zunächst ganz eindeutig vom Volk Israel spricht. Was lernen wir aus dieser Tatsache über den Messias? Dass Er sich vollständig mit Seinem Volk identifiziert. Israel war als Sohn (2Mo 4,22) ungehorsam gewesen, und nun kommt der Messias um als gehorsamer Sohn zuerst im Leben der vollkommene Stellvertreter Seines Volkes zu sein. Am Ende Seines Weges würde Er im Tod als der Stellvertreter Seines Volkes dessen Sünden sühnen.

Besonderheiten
• Hosea hat die Wiederherstellung des ganzen zwölfstämmigen Volkes im Auge (1,11)
• Hoseas Ehe mit einer Hure.
• Kinder mit prophetischen Namen.
• Die bemerkenswerte Prophetie von Kap 3, welche die vergangenen knapp 2000 Jahre
beschreibt: Israel ist, wie Hosea angekündigt hat, viele Tage keinen Fürsten, keine
Schlachtopfer, keinen Hohenpriester gehabt. Aber »am Ende der Tage« wird es
umkehren und den Messias, »David, ihren König« suchen.
• Die moralische Anwendung am Ende des Buches findet sich auch am Ende von Ps 107 (siehe auch 5Mo 32,29).

Hoseas Appell an unser Gewissen
• Gottes Liebe übersteigt alles Erkennen (siehe Eph 3,19)
• Die Größe der Liebe Gottes definiert die Größe der Schuld Seines Volkes
• Gottes Gnade führt zur Buße, und Buße führt zu völliger Wiederherstellung.

Eine Gliederung
Titel (1,1)
I. Die ehebrecherische Gattin und der treue Gatte Kap 1 – 3)
II. Das ehebrecherische Israel und der treue Herr (Kap 4 – 14)
1. Israels Unreinheit wird aufgedeckt (4,1 – 6,3)
2. Israels Unreinheit muss gerichtet werden (6,4 – 10,15)
3. Gottes Liebe ist stärker als Israels Sünde (11–14)

Das Buch folgt in seinem Aufbau einem alternierenden Muster, indem Ankündigungen des Gerichts und des Heils einander ablösen:

Gericht: Heil:
1.) 1,2–9 1.) 1,10 – 2,1
2.) 2,1 –13 2.) 2,14 – 3,5
3.) 4,1 – 5,14 3.) 5,15 – 6,3
4.) 6,4 – 11,7 4.) 11,8–11
5.) 12,1 – 13,16 5.) Kap 14


- Joel -
»Jahwe ist Gott«
Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch (2,28)
Der Tag des Herrn

Der Prophet und seine Zeit
Der Name Jo’el bedeutet »Jahwe ist Gott«. Das bekannten die Israeliten einst, als sie durch den Dienst des Propheten Elia vor dem Gott Israels in die Buße geführt worden waren (1Kö 18,39). Dies wird das Bekenntnis aller sein am Tag des Herrn. Das Volk zu dieser Einsicht zu bringen, ist das Ziel der Verkündigung aller Propheten. Joel gehört zu den frühesten Schriftpropheten, er weissagte also in der Zeit, da die Assyrer die Welt beherrschten und Juda und Israel bedrohten. Im Gegensatz zum vorangegangenen Propheten Hosea, dessen Buch aus einer Sammlungen mehrerer Botschaften besteht, ist dieses Buch wahrscheinlich die Niederschrift einer einzigen Botschaft, die der Prophet mit ungeheurer Leidenschaft an seine Zeitgenossen richtete.

Thema
Gottes Regierung – der Tag des HERRN, jom Jahwe : 1,15; 2,1.11.31; 3,14. Der HERR regiert immer; Glück und Unglück, Wohlfahrt und Mangel sind immer von Ihm gesandt, aber da sie uns stets als Folge von zweiten Ursachen begegnen, sehen wir die erste Ursache aller Wechselfälle des Lebens nicht. Am Tag Jahwes greift nun Gott direkt in den Gang irdischen Geschehnisse in so offenkundiger Weise ein, dass alle erkennen, dass Er es ist, der Unheil und Heil wirkt. Der Glaubende hat Augen zu sehen und erkennt daher, dass in einem gewissen Sinn immer Tag des HERRN ist, auch ehe jener Tag allen erscheint.
Joel bietet so etwas wie ein Muster aller prophetischen Botschaften. Er verweist zuerst auf die Misere und erklärt, dass diese sich nicht durch Zufall ergeben hat, sondern dass Gott sie verhängt hat. Die Umkehr aller verheißenen Segnungen der Erlösung muss es dem Volk deutlich machen, dass Gott das Elend geschickt hat wegen der Untreue des Volkes. Es gibt darum nur ein Heilmittel: Die Buße. Bleibt die Buße aus, wird auf die gegenwärtige Not, den Mangel an allem Lebensnotwendigen, eine noch schlimmere Not folgen: Gott wird dem Volk nicht allein das Gute Entziehen, sondern das Böse über sie bringen: Ein brutaler Feind wird sie zerstören. Darum wiederholt Joel seinen Appell zur Buße.
All das gipfelt im Tag des Herrn, der aus der Finsternis zum Licht führt. Der Prophet zeigt damit in besonders deutlicher Weise, wozu alle Finsternis dienen muss: Sie soll zum Licht führen. Der HERR ist es, der beides wirkt, das Unglück und das Glück, der beides schafft, die Finsternis und das Licht (Jes 45,6). Glückselig, wer das erkennt und sich darum unter die mächtige Hand des HERRN demütigt!

Christus im Buch Joel
Es findet sich in Joel keine direkte Weissagung über den Messias, aber die Sendung des Geistes, die Joel weissagt, war eine Erfüllung der Verheißung, die der Herr den Jüngern gegeben hatte, als Er noch bei ihnen war (Joh 16,7–15; Apg 1,8). Der HERR, der alle Nationen ins Tal Josaphat sammelt und richtet (Kap 3), ist Christus, wie uns das Neue Testament ganz deutlich sagt (Mt 25,32).

Besonderheiten

• Die Verwüstung des Landes durch Heuschrecken (1,2–4; 2,25) ist eine Metapher für die Zerstörung durch angreifende Armeen (2,1–11) : »der von Norden kommende« (2,20)
• Viele Hinweise auf den Tempel 1,9.13.14.16; 2,1.14.17.32; 3,16.17. 3,18 spricht vom Tempel im messianischen Reich (wie Hes 47)
• Israel wird von seiner Blutschuld am Messias befreit werden: 3,21; Mt 27,24,25
• Die Ausgießung des Heiligen Geistes, die an Pfingsten ihre erste (Apg 2) und beim Anbruch des messianischen Reiches ihre endgültige Erfüllung finden wird: 2,28.29

Joels Appell an unser Gewissen

• Jede Not ist von Gott gesandt und muss daher erstens gerecht und zweitens gut sein.
• Jede Not dient dem Glaubenden zum Besten (Röm 8,28).
• Gottes Heil wird allen Menschen verkündigt (2,32; Apg 2,21; Röm 10,13)
• Gott beruft und errettet gemäß Seiner Gnadenwahl (2,32; Röm 8,28–30; 9,11, 16)

Eine Gliederung

I. Finsternis über Juda und Jerusalem (1,1 – 2,17)
II. Licht über Juda und Jerusalem (2,18 – 3,21)

Diese beide Teilen lassen sich weiter unterteilen:

A: Erster Ruf zur Buße
1. Die missliche Lage 1,1-4
2. Der Aufruf an die Bewohner Jerusalems 1,5–18
3. Die Fürbitte des Propheten 1,19–20

B : Zweiter Ruf zur Buße
1. Die missliche Lage 2,1–11
2. Der Aufruf an die Bewohner Jerusalems 2,12–17a
3. Die Fürbitte der Priester 2,17b

Auch der Teil II zerfällt in zwei einander ähnlich gegliederte Abschnitte:

A: Die Errettung Judas
1. Gottes Güte an Israel 2,18
2. Die Wiederherstellung Israels 2,19–27
3. Die Ausgießung des Geistes über Israel 2,28–32

B: Das Gericht über die Nationen
1. Gottes Strenge an den Nationen 3,1–8
2. Das Gericht über die Völker 3,9–17
3. Das Ausgehen des Geistes aus Zion 3,18–21

Eine andere Einteilung (nach G. C. Morgan):

A Gegenwärtige Dinge
I. Heuschreckenplage und erste Bedeutung 1,1–20
1. Der Ruf zur Betrachtung Vv. 2–12
2. Der Ruf zur Demütigung Vv. 13–20

II. Heuschreckenplage und tiefere Bedeutung 2,1–27
1. Die Posaune der Warnung und die Antwort Gottes Vv. 1–14
2. Die Posaune der Buße und die Antwort Gottes Vv. 15–27

B Zukünftige Dinge
I. Das Zeitalter des Geistes 2,28–32
1. Einführung und Eigenschaften Vv. 28–29
2. Zeichen seines Endes und das Kommen des Tages des Herrn Vv. 30–31
3. Errettung von den Schrecknissen jenes Tages V. 32

II. Der Tag des Herrn 3
1. Gottes Handeln an Seinem alten Volk Vv. 1–8
2. Gottes Gericht über die Nationen Vv. 9–16
3. Die Wiederherstellung Israels Vv. 17–21



- Amos -
»Eine Last tragen«
Schicke dich an, Israel, deinem Gott zu begegnen! (4,12)

»Gott sucht sein Volk heim, damit Sein Volk Ihn suche.« (6,6)
(Hans Möller)

Der Prophet und seine Zeit
Der Name Amos bedeutet »eine Last tragen«. Er kann auch als eine Kurzform von Amasja (2Chr 17,16), aufgefasst werden: »der HERR trägt«. Amos trägt schwer an der Botschaft, die Gott ihm auflädt. Sie wird ihm zur Herzenslast. So identifiziert sich jeder wahre Prophet mit seiner Botschaft und mit dem Ergehen der Zuhörer seiner Botschaft (siehe 7,2,5). Trägt aber der Prophet an seiner Last, dann weiß er sich gleichzeitig von seinem Gott getragen (Jes 46,3), ja, er kann mit dem Psalmisten sogar bekennen: »Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Last; Gott ist unsere Rettung« (Ps 68,19).
Amos weissagte zur Zeit der Könige Ussia (787–736) und Jerobeam II (787 – 747). Alfred Kuen schreibt: »Le tremblement de terre ... était peut-ętre lié ŕ une eclipse totale du soleil (8,6; cf Joel 3,16) et, dans ce cas, il eut lieu en juin 763« (66 en 1, introduction aux 66 livres de la Bible). Amos nimmt dieses Erdbeben als Ausgangspunkt für seine gewaltige Botschaft: »If a story fit for a film-maker like Sam Goldwyn was ‘a plot that starts with an earthquake and builds up to a climax’, then Amos, despite being one of the most homespun and direct of the prophetic band, literally meets Goldwyn’s requirements as a writer. The very first verse of his prophecy mentions a recent earthquake and the last chapter rises to raptures of gospel grandeur, as it depicts the spiritual earthquake in the coming of the penitent, believing Gentiles into the Christian church to be one people with the converted Jews« (Victor Budgen, The Charismatics and the Word of God, S. 19).

Er stammte aus Tekoa, das 16 km von Jerusalem und 8 km von Betlehem entfernt ist; dennoch weissagte er im Nordreich, (ging also wie vor ihm Jona in die »Außenmission«), und zwar ausgerechnet in Bethel, am Ort des königlichen Heiligtums (7,13), aber auch der Sünde Israels. Er war Schafhirt und Feigenleser (1,1; 7,14), also kein angehöriger der Priesterkaste noch der Prophetenschulen. Er war damit das, was man heute einen »Laien« nennen würde, ein Mann, der keine theologische Ausbildung hatte und nicht ordiniert war:

Amos est und trouble-fęte. Tout allait bien pour le peuple: paix intérieure, richesse, prospérité. Que vient faire cet homme de la campagne dans les villes d’Israel? De quoi se męle-t-il? Il n’a ni diplôme, ni lettre de recommandation des prętres pour parler de la part de Dieu. Pour qui se prend-il? (Francis Bailet: Connaissez-vous les petits prophčtes?)

Amos hat eine außergewöhnlich harte Botschaft. Kapitel für Kapitel zählt er die Sünden Israels auf und nennt die Gerichte, die folgen müssen. Der erste Vers in diesem Buch redet schon von einer Katastrophe, einem Erdbeben, und der Vers, der die Weissagungen einleitet, spricht von Gottes Stimme als der Stimme eines Löwen. Das ist Gottes Reden im Gericht. Erst am Schluss findet sich eine Botschaft der Errettung und Wiederherstellung (9,11–15). Gleichzeitig ist Amos aber ein Prophet mit tiefem Mitgefühl. Er gleicht in beidem dem Propheten Jeremia, und wie bei diesem finden sich bei Amos die Regungen seines Erbarmens über sein gerichtsreifes Volk (7,2.5): Er ist neben Joel (1,19) der einzige der kleinen Propheten, von dem wir lesen, wie er für sein Volk Fürbitte tut. Man beachte die Überschrift dieses Buches: »Worte des Amos«. Die Überschrift über das Buch Jeremia lautet gleich: »Worte Jeremias«. Sie findet sich in keinem prophetischen Buch mehr, denn sie gehört zur Eigenart dieser beiden: Sie identifizieren sich so sehr mit der ihnen aufgetragenen Botschaft, dass die Worte Gottes zu ihren Worten werden.
Amos betont, wie das Ende seines Buches zeigt, die Wiederherstellung als eines der Ergebnisse der Erlösung. Entsprechend beginnt das Buch mit einer ausführlichen Schilderung von Zerstörung.

Thema
Gemeinschaftliche (oder nationale) Verantwortung. Auf Sünde folgt unweigerlich Gericht (1,2), wie an Gottes auserwähltem Volk und an seinen Nachbarvölkern demonstriert wird (1,3–2,3). An ihnen lernen wir: Je größer die Vorrechte, desto größer die Verantwortung. Israel war von Gott gelehrt, die Nachbarn Israels sahen Gottes Handeln am Volk Gottes. Daher waren sie alle schuldiger als andere Nationen, die von Gott nicht so viel Licht empfangen hatten. Juda und Israel hatte vielleicht nicht so grelle Sünden begangen wie die Philister und Phöniker, aber sie hatten Gottes Offenbarung, und daher war ihre Verantwortung größer und darum auch ihre Schuld schwerer. Darum kommt Gott (4,12) und wird richten; aber Er wird Israel auch wiederherstellen und es wird »an jenem Tage« unter der Regierung des Messias unaussprechliche Wohlfahrt genießen (9,11–15). Das ist ein Ausdruck von Gottes vollkommener und bedingungsloser Gnade. Schließt denn Gnade nicht Verantwortung aus? Nein, die Tatsache, dass Gott gnädig ist, erhöht die Verantwortung, denn Seine Gnade befähigt uns, der Verantwortung zu entsprechen. Deshalb sind wir alle ohne Entschuldigung.

Besonderheiten
• Zahlensprüche in Kap 1 und 2 wie in Hi 5,19 und Spr 30
• Amos tut wie Mose Fürbitte für das Volk, nachdem er aus Gottes Mund dessen
Gericht vernommen hat: 7,2,5.
• Es findet sich erst ganz am Schluss des Buches eine Verheißung von Errettung und Wiederherstellung
• Die Weissagung vom Hunger nach Gottes Wort (:11–14)
• Stephanus zitiert Amos in seiner Verteidigungsrede (4,25,26; Apg 7,42,43).

Amos’ Appell an unser Gewissen
• Was man sät, das muss man ernten (1 – 2; Gal 6,7,8)
• Je größer die Vorrechte, desto größer die Verantwortung (3,2).
• Wir müssen nicht ordiniert oder formal gelehrt und geschult sein, um dem Herrn
und Seiner Sache zu dienen; wir müssen aber Glauben, Gehorsam und
einen Ruf von Gott haben (7,14,15; siehe 1Pet 4,10).
• Jakobus zitiert am Apostelkonzil in Jerusalem (Apg 15,16.17) Amos 9,11.12.

Eine Gliederung
Titel (1,1)
I. Gerichte über die Völker und Israel 1&2
1. Gericht über 3 Nachbarvölker: Aram, Philistäa, Phönizien (1,3–10)
2. Gericht über 3 stammverwandte Völker: Edom, Ammon, Moab (1,11–2,3)
3. Gericht über Jud und Israel (2,4–16)

II. Gerichte über Israel (Kap 3 – 9)
Drei Predigten:
1. »Höret dieses Wort« (3)
2. »Höret dieses Wort« (4)
3. »Höret dieses Wort« (5–6)
Fünf Visionen über das Schicksal Israels (7,1 – 9,10)
1. Die Heuschrecken (7,1–3)
2. Die Feigen (7,4–6)
3. Das Senkblei (7,7–9)
(biographisches Zwischenspiel: Amazja greift Amos an: 7,10–17)
4. Das Sommerobst (8,1–14)
5. Der zerschlagene Götzentempel (9,1–10)

III. Israels wunderbare Wiederherstellung (9,11 – 15)


- Obadja -
»Knecht des HERRN«
Das Reich wird dem EWIGEN gehören (V.21)

»Obwohl die Weissagung Obadjas uralt ist, klingt sie uns vertraut, denn wir hören in ihr von Dingen, die man bis in die neueste Zeit den Söhnen Jakobs in aller Welt immer wieder angetan hat« (C. L. Feinberg)

Die Zeit und Herkunft des Propheten
Der Name Obadja bedeutet »Knecht des HERRN«.
Über die Zeit seines Wirkens haben wir keine Angaben; die Meinungen gehen entsprechend weit auseinander. Einige sehen in Obadja den ältesten der Zwölf; nach andern weissagte er wider Edom nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar. Obadja weissagte möglicherweise in der Zeit Jorams (848–841 v. Chr.). In 2Chr 21,8–10 lesen wir, wie Edom abfällt, und in 2Chr 21,16,17 von Arabern, die in Jerusalem eindringen und es plündern. Darauf könnte sich Ob 11 beziehen. Es kann aber auch die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahre 586 gemeint sein (man vergleiche dazu Ps 137,7, wo die nämliche Sünde Edoms erwähnt wird).

Thema
»Vergreift euch nicht am Volke Gottes!« (H. Möller) Wer Israel antastet, tastet Gottes Augapfel an. Er mag noch so stark sein und sein Nest noch so hoch gebaut haben, er wird stürzen. Edom wird fallen und das Reich des Messias wird aufgerichtet werden. Damit ist dieses Buch in Trostbuch für die Juden, die erstens unter der Sünde und dem verdienten Gericht ihrer eigenen Nation und zweitens unter der Schadenfreude Edoms litten. Darin sieht Calvin den Hauptzweck des Buches:

»Dies nun ist die Absicht des Propheten: Da Israel an den Widerwärtigkeiten wohl hätte zerbrechen können, tröstet sie der Prophet mit der Botschaft, Gott werde sich ihrer bald annehmen und an ihren Feinden gebührend Rache üben.«

Die Grundwahrheit über Gottes Regierung, die dieses Buch hervorhebt, ist das Ius Talionis, das Gesetzt der gerechten Vergeltung. Als Beispiel dafür wird Gottes gerechte Vergeltung für Esaus Sünde an Jakob angeführt.
Gleichzeitig lernen wir an diesem kürzesten aller prophetischen Bücher, dass Gott die Sünde an Seinem alten Bundesvolk rächen und dass er dieses Volk am Ende der Tage wieder über die Nationen erhöhen wird.
Diese Weissagung wurde nicht an Edom gerichtet, sondern an Juda über Edom ausgesprochen. Es ist ein ausgesucht bitterer Kelch, den Gott Seinem Volk reicht, wenn Er es nicht allein seiner eigenen Sünden wegen niederwirft, sondern auch noch zulässt, dass sein Bruder über seinen Fall in Schadenfreude ausbricht und seine Not ausnützt, um sich selbst zu bereichern. Mit dieser Weissagung gibt Gott kühlenden Balsam auf Jakobs brennende Seele. Zeigt das nicht, dass Er, der uns züchtigt, dabei immer voll von innigen Mitgefühls und Erbarmens ist (Jak 5,11)? Wie anders ist Er als die Menschen, die alle so hämisch sein können wie der hämische Esau!

Besonderheiten
Die besondere Botschaft Obadjas ist die Verurteilung der Sünde Esaus. Worin bestand sie? Im Hass auf den Bruder, die sich in der Schadenfreude bei dessen Strafgericht zeigte. Durch diese Sünde lud sich Edom Schuld auf und musste darum entsprechend bestraft werden. So würde er zuschauen müssen, wie Jerusalem wieder gebaut, während es selbst von den göttlichen Segnung auf immer ausgeschlossen sein würde:

»Freue dich nicht über den Fall deines Feindes, und dein Herz frohlocke nicht über seinen Sturz: damit der HERR es nicht sehe, und es böse sei in seinen Augen, und er seinen Zorn von ihm abwende« (Spr 24,17-18).

Obadjas Appell an unser Gewissen
• Wer den Bruder hasst, ist ein Menschenmörder (1Jo 3,11,12,15).
• Freue dich nicht über das Unglück deines Bruders (Spr 17,5; 24,17,18)
• Esaus Sünde (Heb 12,16) führt früher oder später zu Edoms Sünde. Den Hass der Edomiter gegen Gottes Volk und Gottes Christus finden wir erneut in Herodes, dem Edomiter, verkörpert (Mt 2).

Eine Gliederung
I. Esaus Untergang wird verkündet (1–9)
II. Esaus Untergang wird begründet (10–16)
III. Jakob wird wiederhergestellt (17–21).

oder:

I. Esaus Gericht 1–16
a) verkündet: Es ist unentrinnbar 1–4
b) beschrieben: Es ist vollständig 5–9
c) begründet: Wegen Esaus Gewalttat an Jakob 10–16

II. Jakobs Errettung 17–21
Sie wird lediglich in zwei Begriffen definiert:
a) Besitznahme 17, 19, 20
b) Gericht an Esau 18, 21


- Jona -
»Taube«
Gott will, dass alle Menschen errettet werden
»Bringt auch den Heiden Gottes Wort!« (H. Möller)

»Gott und Mensch, das ist das Thema, das unerschöpfliche Thema der ganzen Heiligen Schrift. Gott und Mensch, das ist das Thema des Buches Jona. Wie kommt der Mensch mit seinem Gott zurecht? Wie kann er Ihn verstehen? Wie kann er Ihn begreifen? Nein, nicht das ist die wichtigste Frage im Verhältnis von Gott und Mensch. Umgekehrt muss es heißen: Wie kommt Gott mit dem Menschen zurecht? Wie kommt Gott mit dem Menschen zum Ziel? Wie ist es möglich, dass Gott mit ihm auskommt, mit diesem bösen, verkehrten, verdrehten, diesem ungehorsamen, ungezogenen, undankbaren, diesem eigensinnigen und widerspenstigen, diesem gottlosen und frechen Wesen? Diese Frage wird uns bei der Betrachtung des Buches Jona immer wieder bewegen. Wie kommt Gott mit dir zurecht?« (Heinrich Jochums)

»The most amazing miracle in the book of Jonah ist not his being swallowed and released by the big fish, but his being penitent enough, honest enough and humble enough to record his resistance of God’s will and, in particular, his absurd childish tantrums over the loss of a plant (he wanted to die because the shade had gone!) at the very moment when he was displaying callous indifference to the lost state of ‘more than a hundred and twenty thousand people who cannot tell their right hand from their left’ (4,11)« (Victor Budgen).

Der Prophet und seine Zeit
Der Name Jona bedeutet »Taube«. Jona, der Sohn Amittais, stammte aus Gad–Hepher in der Nähe von Nazareth. Gemäß 2Kö 14,25 weissagte er auch in Israel. Seine Buch entstand während der Regierungszeit Jerobeams II (787–747 v. Chr.).
Dieses Buch bildet einen bemerkenswerten Gegensatz zum gerade vorangegangenen. Dort wird von Menschen gesprochen, die sich durch ihre Schadenfreude über den Untergang Jerusalems auszeichneten. Hier wird uns von der Gnade Gottes gegenüber einer Stadt berichtet, dessen Bosheit vor Gott heraufgestiegen ist. Wie anders ist Gott als wir armseligen Menschen! Hätte Er nicht, wenn überhaupt jemand, Ursache, sich am Unglück Seiner Feinde zu ergötzen? Er aber hat kein Gefallen am Tod des Gottlosen. Er will, dass der Gottlose sich bekehre und lebe; Er will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Aber auch dies: In der Botschaft Obadjas hatten wir Anlass, uns über die hässlichen Gemütsregungen Esaus gegenüber seinem Bruder Jakob zu wundern. Hier müssen wir uns über die noch hässlicheren Gemütsregungen eines Propheten Gottes über seine Mitmenschen wundern. Ist es möglich, dass wir Gottes rettende Gnade erfahren haben, und kein Mitgefühl für unsere Mitmenschen haben?

Thema
Das vorausgehend Buch handelt vom Hass der Heiden auf das Volk Gottes; dieses Buch handelt von der Liebe zu Gottes zu den Heiden, die Sein Volk bedrängen.
Gott erzieht in Seiner Heiligkeit und Gnade Seinen Knecht; denn Gottes Gnade geht weit über die Grenzen Israels hinaus, und diese muss sein Knecht selbst den größten Feinden verkündigen; denn: Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1Ti 2,4). Weil Gott retten will, sendet er Jona zu den Heiden (1,2); darum bewahrt er das Schiff im Sturm, und darum rettet Er Jona im Meer. Jona muss nämlich Ninive die Botschaft der Busse predigen, denn Ninive kann nur gerettet werden, wenn es den Namen des Gottes Israels anruft (2,8). Wie aber sollen sie den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber sollen sie hören ohne einen Prediger (Rö 10,14)?
Ja, Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Darum sind Langmut und Gnade zwei seiner dominierenden Themen; Gnade und Langmut nicht nur gegenüber Ninive, sondern auch gegenüber einem untreuen Diener Gottes und gegenüber Menschen, denen die Untreue Jonas zum Heil wird. Auf alle drei angewendet, findet die Frage jedesmal die gleiche Antwort: Hatte Ninive, hatte Jona, hatten die Seeleute es irgendwie verdient, dass Gott ihnen Güte statt Zorn zuwandte? Warum richtete Gott Ninive nicht, wo es doch von ihr hieß: »Ihre Bosheit ist vor mir heraufgestiegen« (1,1)? Warum ließ Gott Jona nicht ziehen, von dem es doch heißt: »Jona machte sich auf, um von dem Angesicht des HERRN hinweg nach Tarsis zu fliehen« (1,2)? Warum offenbarte sich Gott götzendienerischen Menschen, statt sie, wie sie es sich selbst gewählt hatten, ihren niederen Lüsten dahinzugeben (vgl. Röm 1), heißt es doch von ihnen: »Die Seeleute fürchteten sich und schrieen ein jeder zu seinem Gott« (1,5)? Wir finden keine Antwort in den betroffenen Menschen; wir finden sie nur in Gott. Er wollte sie retten. Fragen wir weiter, warum Er sie retten wollte, dann finden wir die Antwort: Weil Er der ist, der Er ist. Er ist Liebe; Er erbarmt sich der Sünder. Er erbarmt sich nicht des Guten, des Gerechten oder des sonst irgendwie Würdigen; sondern Er erbarmt sich der Unwürdigen. Alle, die in diesem Buch Erbarmen finden, sind unwürdig: Jona, die Seeleute und die Bewohner Ninives. So ist Seine Gnade; so handelt Er »zum Preise der Herrlichkeit Seiner Gnade« (Eph 1,6). Er ist ein Sünderheiland, wie Jona einerseits begriffen und doch wieder nicht begriffen hatte. Als er im Bauch des Fisches war, wusste er:

»Jeschű‘atâh lâ ‘Adônâj – Des HERRN ist die Rettung« (2,10)

Das ist unser Glück, sondern würde keiner je errettet werden.

Christus im Buch Jona
Jona, der drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, ist ein Typus auf den Herrn, der drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde war (Mt 12,40).

Besonderheiten
• An diesem Buch ist nicht die Predigt das entscheidende, sondern der Prediger, nicht die Botschaft, sondern der Botschafter. Es ist mehr ein biographisches als ein prophetisches Buch. Warum wollte Gott, dass ein solches Bücher in den Kanon der prophetischen Bücher aufgenommen werde? Um uns zu zeigen, wie das Leben und die Botschaft des Propheten miteinander verquickt sind. Gottes Boten sind nicht Medien, durch die Gottes Botschaft wie durch ein Radio rauscht; sie sind Knechte und Mitarbeiter Gottes. Seine Worte müssen zuerst in ihnen Gestalt gewinnen, bevor sie sie im Namen Gottes weiterreichen dürfen und können.
• Jona im Bauch des Fisches ist ein Typus auf den Tod und die Auferstehung des Herrn (Mt 12,38–42).
• Jona verkörpert in seinem Ergehen das Schicksal der erwählten Nation. Ihres Ungehorsams wegen wurde es erstens von den Nationen gerügt und dann von diesen gerichtet, nämlich aus dem Land vertrieben und damit gewissermaßen ins Völkermeer geworfen. Gott bewahrt seine untreue Nation und wird sie nach Seinem Gnadenratschluss aus den Tiefen heraufführen und ins Land, das ist ins Land der Väter, bringen. Ein wiederhergestelltes Israels wird endlich Gott gehorchen und für alle Völker der Erde ein Licht und ein Segen sein. William MacDonald kommentiert dieses Geschehen wie folgt:

»Das Buch ist eine Illustration von Röm 11,12, 15. Als Jona ins Meer geworfen wurde, war das Ergebnis die Errettung einer Schiffsmannschaft. Als er auf das trockene Land geworfen wurde, war das Ergebnis die Errettung einer ganzen Stadt. So hat der Fall Israels Reichtum für die Nationen mit sich gebracht, aber welchen Segen wird erst die Wiederherstellung Israels der Welt bringen!«

• Man beachte die zahlreichen Dinge in diesem Buch, die »groß« sind: große Stadt (1,2; 3,2,3; 4,10); großer Sturm (1,4,12); große Furcht (1,10,16); großer Fisch (2,1); große Leute (3,5, 7); großer Verdruss (4,1); große an Güte (4,2); große Freude (4,6); großziehen (4,10)

Jonas Appell an unser Gewissen
• Wir müssen den Auftrag so annehmen, wie Gott ihn gibt. Er bestimmt den Zeitpunkt (1,1), den Ort (1,1) und die Botschaft (3,2). Es ist Sünde und Torheit vor Ihm zu fliehen.
• Gott ist souverän im Erwählen und Beauftragen seiner Diener, aber auch in Seinem Regiment über die Welt und die Schöpfung: Er »wirft« einen heftigen Wind aufs Meer (1,4); Er »bestellt« einen Fisch (2,1) und »befiehlt« diesem Fisch, Jona auszuspeien (2,11). Er »bestellt« wiederum einen Wundernbaum, einen Wurm und einen schwülen Ostwind (3,6,7,8). Wollen wir daran nicht lernen, Ihn zu fürchten und Ihm zu vertrauen?
• Der Heilige hat Gottes Langmut und Gnade genau so nötig wie der größte Sünder.
• »Unser Verständnis von unserem Einssein mit dem Herrn in Seinem Tod und in Seiner Auferstehung misst sich nicht an unserer Fähigkeit, es in theologischen Begriffen zu formulieren, auch nicht an unserem Vermögen, diese Lehre zu predigen. Wie weit wir begriffen haben, was der Tod und die Auferstehung des Herrn bedeuten, zeigt sich an unserer Bereitschaft, die Botschaft göttlicher Barmherzigkeit und Liebe allen Menschen zu bringen, zeigt sich an unserer Bereitschaft, nach Ninive zu gehen und zu predigen und uns mit Gott zu freuen, wenn Ninive Buße tut. Das ist der einzige wirkliche Beweis, dass wir begriffen haben, dass das Zeichen Jonas sich in der Geschichte und im wunderbaren Werk des Menschensohnes erfüllt hat. Geschwister, wie viel haben wir von der Haltung des Jona, aber ohne seine Ehrlichkeit!« (G. Campbell Morgan)

Eine Gliederung

Kapitel 1, Jona und der Sturm
Kapitel 2, Jona und der große Fisch
Kapitel 3, Jona und die große Stadt
Kapitel 4, Jona und der HERR

oder:

I. Jonas Ungehorsam Kap 1 & 2
Der Herr redet zu Jona und er hört nicht auf ihn
Jona redet zum Herrn und Er hört auf ihn
II. Jonas Gehorsam Kap 3 & 4
Jona redet zu Ninive und Ninive hört auf ihn
Jona reklamiert und der HERR rügt ihn

a) Der Auftrag des HERRN 1,1.2
b) Jonas Ungehorsam 1,3-16
c) Jonas Buße 2,1-9
d) Jona lobt den HERRN 2,10
a’) Erneuter Auftrag des HERRN 3,1.2
b’) Jonas Gehorsam 3,3.4
c’) Ninives Buße 3,5–10
d’) Jona beklagt sich beim HERRN Kap 4


- Micha -
»Wer ist wie Gott?« (7,18)
»Von Zion wird ausgehen das Gesetz, und er wird richten zwischen vielen Völkern« (2,2,3)
»Von dir wird ausgehen, der Herrscher über Israel sein soll« (5,1)

Der Prophet und seine Zeit
Der Name Micha ist eine Kurzform von Mikajah: »Wer ist wie Jahwe?«, oder Mika’el: »Wer ist wie Gott?«
Micha war ein Zeitgenosse Hoseas und Jesajas und weissagte in der Zeit der Könige Jotham, Ahas und Hiskia (756 – 697 v. Chr.). Er stammte aus dem jüdischen Städtchen Moreschet bei Gath. Die Zeitgenossen Jeremias erinnerten sich noch über hundert Jahre später an seinen Dienst (Jer 26,18).

Thema
Gottes gerechte Regierung über die ganze Welt durch Israel. Israel wurde zum Haupt der Nationen und zum Mittelpunkt der Erde gesetzt (5Mo 28,13; Hes 28,12). Israel versagte, und seine Sünde zog alle Nationen in Mitleidenschaft (1,5). Darum muss Gott Israel richten, aber Er wird Seine gerechte Regierung durch Sein Volk noch aufrichten, und zwar durch einen vollkommenen Sohn dieses Volkes. Er wird als Herrscher und Hirte Sein Volk und alle Nationen weiden in der Kraft und in der Weisheit Jahwes (5,1–3; 7,14). Wenn Er regiert, wird Israel der Mittelpunkt der Welt und das Haupt der Nationen sein, alle Völker werden nach Jerusalem strömen, denn von dort wird dann nicht Unrecht ausgehen wie einst (1,5), sondern Recht (4,2). Nachdem Israel erfahren hat, auf welch unerwartetem und wunderbarem Weg Gott es seiner Bestimmung zugeführt hat, wird es voller Bewunderung über Gottes Weisheit und Gnade fragen: »Wer ist ein Gott wie du« (7,18)?

Christus im Buch Micha
Micha ist der Prophet, der den Ort der Geburt des Messias geweissagt hat (5,1). Die Schriftgelehrten wussten, wie Mt 2,5,6 zeigt, auf Bethlehem als den Geburtsort des Christus hinzweisen. Seine Menschheit und seine Gottheit kommen in diesem Vers ganz deutlich zum Ausdruck: Er wird als Mensch geboren werden, und er wird ewig sein. 5,3,4 spricht von Seiner Regierung im Tausendjährigen Reich. Ferner ist der in 2,13 erwähnte »Durchbrecher« und der in 4,7 genannte König auf dem Berg Zion Christus.

Besonderheiten
• Die zahlreichen Ähnlichkeiten mit den Weissagungen Jesajas:
1,3 Jes 26,21
1,9–16 Jes 10,28–32
1,16 Jes 15,2
2,1–2 Jes 5,8
2,6 Jes 30,10,11
2,11 Jes 28,7
3,8 Jes 58,1
4,1 Jes 2,2
4,7 Jes 9,7
4,13 Jes 41,15
5,2,3 Jes 7,14
5,4,5 Jes 14,25
6,6,7 Jes 40,16
7,1 Jes 6,5
7,7 Jes 8,17
7,18 Jes 57,16
• Die Wortspiele in 1,10–15
• Die Weissagung des Ortes der Geburt des Messias, Bethlehems (siehe Mt 2,6)
• 6,8 ist eine oft zitierte Umschreibung wahrer Frömmigkeit
• 7,18–20 ist ein oft zitiertes und in Liedform gefeiertes großartiges Bekenntnis der
vergebenden Gnade Gottes

Michas Appell an unser Gewissen
• Wenn Gottes Volk sündigt, hat die ganze Welt den Schaden (1,2–5)
• Gott gefallen Gottesfurcht und Gehorsam mehr als alle Opfer (6,7,8)
• Der Bußfertige und Reumütige findet in Gott einen Gott wunderbarer Vergebung
(7,18–20)

Eine Gliederung

I. »Höret, ihr Völker alle!« 1 & 2
1. Gericht über Samaria und Juda (1)
2. Gericht über alle, die Macht missbrauchen (2,1–11)
3. Gnade am Ende der Zeit: Die Sammlung Israels (2,12–13)

II. »Höret, ihr Häupter Jakobs!« 3 – 5
1. Sünden und Strafen der Häupter des Volkes (3)
2. Zion wird erhaben sein über alle Hügel (4)
3. Der kommende Herrscher und Hirte Israels und der Welt (5)

III. »Höret den Rechtsstreit des HERRN!« 6 & 7
1. Die Wohltaten Gottes und die Missetaten Israels (6,1 – 7,6)
3. Die wohlbegründete Hoffnung des Propheten 7,7–10
4. Die Erfüllung aller Hoffnungen Israels 7,11–20

- Nahum -
»Getröstet«
Feiere deine Feste! der Nichtswürdige wird nicht mehr durch dich ziehen (1,15)
Wehe der Blutstadt! (3,1)

Der Propheten und seine Zeit
Nahum weissagte nach der Zerstörung No Ammons = Thebens durch Assyrien im Jahre 663 v. Chr. (siehe 3,8–11) und vor dem Untergang Ninives im Jahre 612. Das bedeutet auch, dass das Nordreich schon untergegangen ist und die Botschaft sich an Juda richtet. Die Ankündigung vom Untergang Ninives, der Hauptstadt des assyrischen Weltreiches, das den ganzen vorderen Orient unangefochten beherrschte, soll Juda Gottesfurcht und Gottesvertrauen lehren. Erst kürzlich war Juda von einem Assyrerkönig, nämlich von Sanherib, bedroht und errettet worden (Jes 36 & 37). Im Wissen um einen Tag der gerechten Abrechnung mit seinen Feinden soll Gottes Volk Trost finden. Für dieses ist es geschrieben und die Überschrift lautet entsprechend »Gesicht über Ninive«, nicht »an Ninive«. Assyrien war die Zuchtrute Gottes gewesen, um Israel und andere Völker zu schlagen. Da es sich aber selbst überhoben hatte, wird es nun von Gott niedergeworfen (siehe Jes 10,5–15).
Der Name des Propheten bedeutet »getröstet«, und das passt zu seiner Botschaft: »Der Prophet Nahum ist einer von den Tröstern Jerusalems (Jes 40,1), wie sein Name es mit sich bringt; und geht mit Jona hauptsächlich wider Ninive in seiner Weissagung, und kündigt dieser Stadt, und dem assyrischen Reich überhaupt, den Untergang an. Wie dann eben in dem Untergang der Feinde ein Trost für das Volk Gottes liegt.« (Berlenburger Bibel, 1732)

Thema
Gottes Rache ist gerecht. Das wird erörtert und demonstriert am Gericht über Ninive. Jona hatte über 100 Jahre vor Nahum in Ninive gepredigt. Gottes Gnade hatte damals geschont; jetzt aber, da man Seine Gnade geschmeckt und sich dennoch von Ihm abgewandt hatte, würde Gott nicht mehr schonen. Man beachte, wie Nahum in 1,3 an Jona 4,2 anknüpft und das entsprechende Wort zum Ausgangspunkt der Gerichtsankündigungen macht.
Nahum gleicht dem Propheten Obadja darin, dass der Großteil seiner Weissagung das Gericht über eine einzige heidnische Nation ankündigt. Auch die Überschrift ihrer beiden Bücher lautet gleich: »Gesicht«. Aber Nahum ist der einzige der kleinen Propheten, der nicht mit Verheißungen der Errettung endet. Es finden sich eingestreut einige solche Verheißungen, aber die ganze zweite Hälfte des Buches beschreibt bis zum Schluss das Gericht über Ninive. Damit bildet das Buch einen bemerkenswerten Kontrast zum anderen Buch, in dem die Stadt Ninive eine Hauptrolle spielt, zum Propheten Jona. Jenes endet mit einer Aussage über das Erbarmen, das Gott für Ninive hat (Jona 4,9–11). Die Botschaft der beiden Bücher ergänzen sich: Jona lehrt uns, dass Gott retten will; Nahum lehrt uns, dass der Mensch nicht gerettet werden will. Darum hat er ein entsprechendes Ende. Er mag sich noch so rüsten, es ist umsonst: Gottes Gerichtswerkzeuge werden Ninive wegfegen. Der Mensch, der nicht gerettet werden will, mag noch so reich sein und sich noch so abgesichert haben: Gottes Zorn wird ihn niederwerfen und ins Verderben stoßen. Obwohl das Buch Nahum nur von Gericht über Ninive zeugt, ist es gleichzeitig eine Erinnerung an die Langmut und mithin an die Gnade Gottes. Nur zieht der Sünder aus dem Wissen und auch aus der Erfahrung von Gottes Gnade immer wieder falsche Schlüsse. Ja, »Jahwe ist langsam zum Zorn«, aber dabei ist Er auch »von großer Kraft, und er wird den Schuldigen nicht für schuldlos halten« (1,3).

Besonderheiten
• Es ist das einzige biblische Buch, das den Untergang einer Stadt zum nahezu alleinigen Thema hat.
• Das Buch endet als einziges der kleinen Propheten mit Gericht.

Nahums Appell an unser Gewissen
• Wenn Gott Rache übt, bleibt Er gerecht; wenn wir Rache üben, sündigen wir
(Röm 12,19)
• Wer den Geist der Gnade schmäht, zieht Gottes Gericht auf sich (Heb 10,28–31)
Eine Gliederung
I. Deklaration von Jahwes Rache – sie ist beschlossen Kap 1
II. Beschreibung von Jahwes Rache – sie ist gewiss Kap 2
III. Rechtfertigung von Jahwes Rache – sie ist begründet Kap 3


- Habakuk -
»Umarmt«
Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben (2,4)

Der Prophet und seine Zeit
Über den Propheten dieses Namens wird weniger gesagt als über die meisten andern Propheten. Wir wissen seinen Stamm und seine Heimatstadt nicht, nicht einmal den Namen seines Vaters. Der Name Habakuk bedeutet »umarmt«. Habakuk weiß sich von Gott in Liebe angenommen und aufgenommen. Das weckt in ihm Gegenliebe zu seinem Gott (1Jo 4,19). Er weiß sich von seinem Herrn umklammert, darum klammert er sich an Ihn (Phil 3,12), und zwar um so entschlossener, als er um sich herum sieht, wie Sünde und Gewalttat überhand nehmen.
Habakuk muss kurz vor Beginn der babylonisch–jüdischen Kriege, also vor den Jahren 605 – 586, gewirkt haben, denn in 1,5–11 kündigt er das Hereinbrechen der babylonischen Heere als ein nahe bevorstehendes Ereignis an. Im Jahre 612 v. Chr. hatten die Babylonier Ninive zerstört und waren damit zu unangefochtenen Herren des ganzen vorderen Orients aufgestiegen. Vergeblich eilte der Pharao Neko dem serbelnden Assyrerkönig zu Hilfe; das vereinte Heer der Ägypter und Assyrer wurde 605 v. Chr. von den Babyloniern bei Karkemisch aufgerieben. 2Kö 23,29f und 2Chr 35,20f wissen zu berichten, dass Josia sich in unglücklicher Weise dem Ägypterkönig in den Weg stellen wollte und dabei umkam. Mit Josias Tod begann die Zeit des rapiden geistlichen Zerfalls in Juda, der zusammenfällt mit dem Aufstieg Babylons zur Herrin der Welt. In diese Zeit und Umstände hinein redet der Prophet Habakuk. Er war ein Zeitgenosse Jeremias, Nahums und Zephanjas, die ebenfall in den Jahren vor der babylonischen Katastrophe weissagten. Dass Habakuk auf Nahum folgt, passt zum Umstand, dass Nahum den Untergang Ninives und damit des Assyrerreiches weissagte, während Habakuk gerade an dem Zeitpunkt seinen »Lastspruch« schrieb, als die neue Weltmacht bereitstand, Juda zu erobern.
Habakuk war ein Levit, jemand, der im Tempel mit Gesang und Saitenspiel Gott pries, wie aus 3,1 und 19 ersichtlich ist.

Thema
Wie Nahum nennt er seine Weissagungen »Lastspruch«, hebr. massâ’. Was Gott dem Propheten als Aussprüche eingab, legte sich ihm als eine Bürde, eine Last auf die Seele. Habakuk spricht von Gottes für uns unbegreifliche Gerichtswege: Der Prophet selbst kann nicht verstehen, warum Gott der Ungerechtigkeit in Juda und Jerusalem nicht wehrt (1,2–4). Gottes Antwort ist die, dass Er die Gesetzlosigkeit richten wird, nämlich durch die Babylonier (1,5–11). Da kann Habakuk wiederum nicht verstehen, dass eine Nation, die noch sündiger ist als Juda, das Gericht ausführen sollte, und dass sie dabei unschuldige Menschen bedrücken durfte (1,12–17). Auf diese zweite Frage gibt Gott dem Propheten eine vierfache Antwort:

1. Die Zeit ist von Gott bestimmt, weshalb die Not nicht länger dauern wird, als sie dauern muss (2,3)
2. Das Ende ist von Gott bestimmt, und dieses Ende ist gut (2,3)
3. Das von Gott bestimme Ende mag verziehen, aber es wird sicher kommen (2,4)
4. Gott wird die Gottlosen und das Gerichtswerkzeug richten. Fünfmal wird über sie ein Wehe ausgerufen (2,6–19).

Habakuk muss nicht verzweifeln und in seiner Verzweiflung untergehen, sondern er wird leben, wenn Er Gott vertraut (2,4); denn Gott ist gerecht, wenn Er auch nach einer Weisheit handelt, die uns zu hoch ist, und uns Wege gehen lässt, die uns unbegreiflich sind. Aber Er wird zur »bestimmten Zeit« (2,3) richten, und das Ende ist gewiss (2,3). Es wird kommen, auch wenn es noch verzieht (2,3). Dann werden die Gottlosen gerichtet werden, auch wenn sie jetzt übermütig sind (2,5). Daher ergehen über sie fünf Weherufe (2,6–19 ).
Das Kapitel 3 ist ein Gebet und Bekenntnis Habakuks, wie er, von Gott gelehrt und im Vertrauen auf Gott, erstens erfährt, dass ihm nichts genommen werden kann, wenn Gott sein Teil ist (3,17), und er in Ihm Frieden und Freude haben kann, auch wenn jeder äußere Anlass dazu genommen ist (3,18,19).
Die Kontinuität zum vorhergehenden Buch (Nahum) zeigt sich in der einleitenden Formel; wie jenes heißt auch dieses »Ausspruch«, wörtlich »Last« (Buber: »Lastspruch«). Das Buch ist eigentümlich aufgebaut; es beginnt nicht wie andere Prophetenbücher mit der Botschaft Gottes an Habakuk, auch nicht mit der Botschaft des Propheten an das Volk, sondern es beginnt mit dem Gebet Habakuks zu Gott. Ja, das ganze Buch ist ein Dialog zwischen dem Propheten und seinem Gott. Man kann seine wesentliche Botschaft mit drei Stichworten umreißen:

Last (Kap 1), Offenbarung (Kap 2), Gebet und Lob (Kap 3).

Christus im Buch Habakuk
Es findet sich zwar keine direkte Weissagung des Messias in Habakuk, aber 2,14 beschreibt Seine Regierung im Tausendjährigen Reich. Zudem findet sich hier der von Paulus dreimal zitierte Vers über die Bedeutung des Glaubens zur Erlangung des vom Messias gewirkten Heils (2,4; siehe Röm 1,17; Gal 3,11; Heb 10,38).

Besonderheiten
• Paulus muss dieses Buch besonders geliebt haben, denn er ist der einzige ntl. Autor der es zitiert, aber er tut es gleich fünfmal (Apg 13,41; Heb 10,37; Röm 1,17; Gal 3,11; Heb 10,38). Hab 2,4 muss ihm besonders kostbar gewesen sein, denn diesen Vers allein zitiert der Apostel dreimal.
• Das ganze Buch ist ein Dialog zwischen dem Propheten und seinem Gott.
• Das Kapitel 3 dieses Buches ist einer der acht Psalmen, die sich im AT außerhalb des Buches der Psalmen befinden (das Lied der Erlösten in 2Mo 15; das Lied Moses in 5Mo 32; das Lied der Debora in Ri 5; das Lied der Hanna in 1Sa 2; das Lied Davids in 2Sa 22; das Lied Hiskias in Jes 38; das Lied Jonas in Jo 2)
• Jeremia greift zahlreiche Aussagen und Wendungen Habakuks auf:
1,2 Jer 4,21; 12,4; 15,18; 47,6
1,3 Jer 12,1; 15,18
1,6–8 Jer 4,13; 5,6.15; 6,23
2,12 Jer 22,13
2,13 Jer 51,58
2,16 Jer 25,15–28


Habakuks Appell an unser Gewissen
• Wir dürfen in unseren Zweifeln Fragen stellen, aber wir sollen den Herrn fragen.
• Wir müssen still auf Seine Antwort harren.
• Indem wir fragen und vom Herrn Antworten bekommen, wachsen wir im Glauben.
• Erst der Blick auf das Ende gibt uns Frieden inmitten aller Kümmernisse der
Gegenwart.
• Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben, denn Gott bleibt gerecht, auch wenn
die Ungerechtigkeit um uns überhandnimmt, und Er bleibt gut, wenn auch alle
Güter schwinden (3,17–19).

Kernsätze Habakuks
1,2: Wie lange, HERR, habe ich gerufen, und du hörst nicht!
2,4: Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
2,14: Denn die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken.
2,20: Aber der HERR ist in seinem heiligen Palast, schweige vor ihm, ganze Erde!
3,17.18: Denn der Feigenbaum wird nicht blühen, und kein Ertrag wird an den Reben sein; und es trügt die Frucht des Olivenbaumes, und die Getreidefelder tragen keine Speise; aus der Hürde ist verschwunden das Kleinvieh, und kein Rind ist in den Ställen. Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils.




Eine Gliederung
I. Habakuks Glaube wird geprüft 1,1 – 2,20
A. Habakuks erstes Problem 1,1–4
B. Gottes erste Antwort 1,5–11
C. Habakuks zweites Problem 1,12 – 2,1
D. Gottes zweite Antwort 2,2–20

II. Habakuks Glaube obsiegt 3
A. Habakuk bittet Gott um Sein Erbarmen 3,1,2
B. Habakuk gedenkt des Erbarmens Gottes 3,3–15
C. Habakuk vertraut auf Gottes Heil 3,16–19



- Zephanja -
»Der HERR verbirgt«
Nahe ist der Tag des HERRN (1,7)
Day of Desolation and Deliverance (Jensen)
Der Prophet und seine Zeit
Zephanja bedeutet »der HERR verbirgt«. Wie sprechend ist dieser Name für einen Mann mit einer Botschaft wie der seinen! Wer den HERRN kennt und Ihn fürchtet, wird im Verborgenen des Allmächtigen die Nacht verbringen (so Ps 91,1 wörtlich), während sich das Dunkel der göttlichen Gerichte über eine sündige Menschheit senkt (2,1–3). Gemäß 1,1 dürfen wir annehmen, dass Zephanja aus der königlichen Familie stammte: König Hiskia war sein Ur–Urgroßvater. Frederick Tatford nennt ihn daher in seinem Kommentar über die Zwölf »The Prophet of Royal blood«.
Er weissagte in den Tagen Josias (640–609 v. Chr.), des Königs der radikalen Buße und Reinigung des jüdischen Gottesdienstes (2Kö 22 – 23).

Thema
Der die ganze Welt heimsuchende »Tag des HERRN«, und der aus ihm fließende Segen für alle, die der HERR übriglassen wird. Zephanja spricht in härteren und schärferen Worten über Gottes Zorn über die Sünde und den Tag Seines Gerichts als irgend ein anderer der Propheten, und gleichzeitig hat er das sublimste Liebeslied aller Propheten geschrieben, das sich in der ganzen Sammlung der prophetischen Schriften findet (3,17). Wie hängt das zusammen? Wahre Liebe kann es ohne wahre Heiligkeit nicht geben; wahre Liebe äußert sich in unerbittlichem Zorn auf die Sünde. Sie zürnt, weil sie Liebe ist, Die Liebe ist gewaltsam wie der Tod und hart wie der Scheol ist ihr Eifer, ihre Gluten sind eine Flamme Jahwes (Hl 8,6). Daher können wir von Zephanja sagen, seine besondere Botschaft sei die der Liebe Gottes. Diese bezieht ihre Stärke aus Gottes Heiligkeit. So ist denn Gottes Zorn Ausdruck von beidem: Seiner unbeugsamen Heiligkeit und Seiner unbegreiflichen, seiner göttlich starken Liebe.

Christus im Buch Zephanja
Zeph 3,15 sagt voraus, dass einst »der König Israels, Jahwe« in der Mitte des Volkes Israels sein werde. Als Christus auf der Erde war, wurde er als »König der Juden« zwar verworfen; aber Er wird bei Seinem zweiten Kommen vom gläubigen Überrest Israels als »der König Israels, Jahwe« erkannt und angenommen werden. Zweimal gebrauchte der Herr Worte aus diesem Propheten (1,3 in Mt 13,41 und 1,15 in Mt 24,29), und Er sprach beidemal von Seinem Kommen zum Gericht.

Besonderheiten
• »Der Tag des HERRN«: 1,7.8.9.10.14.15.18; 2.1.2.3; 3,8
• Eine Weissagung über den »Landstrich am Meer«, das ist der Gazastreifen: Er wird
den Juden zugesprochen (2,5–7).
• Gott wird die Nachbarn Israels richten, weil sie Israel geschmäht und dessen
Berufung und Besitz in Abrede gestellt haben (2,8–11).
• Der Vergleich mit der Passahleuchte, mit dem die Juden ihr Haus nach Sauerteig
durchsuchen (1,12).


Zephanjas Appell an unser Gewissen
• Das Buch Zephanja offenbart uns den »Schrecken des Herrn« (2Kor 5,11). Diese
lehrt uns, in Gottesfurcht zu leben.
• Erst die Erkenntnis der Heiligkeit Gottes lässt mich ahnen wie groß Seine Liebe ist.
Darum spricht Zephania zuerst von Gottes Zorn, dann von Gottes Liebe (3,17).
• Gott wird Seinen Tag haben, an dem Er das Böse in dieser Welt erniedrigt und
Seine ewige Gerechtigkeit aufrichtet. Dies ist Gegenstand der Hoffnung aller
Heiligen seit alttestamentlichen Zeiten (Ps 94,15).

Drei Gliederungen
Ein zweimal wiederkehrender Refrain ergibt die Dreiteilung des Buches: »durch das Feuer seines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden« (1,18; 3,8)

I. Der Tag des HERRN: Gericht über Juda und Jerusalem 1,1–18
II. Der Tag des HERRN: Gericht über die Nachbarvölker 2,1–3,8
III. Der Tag des HERRN: Wiederherstellung Israels 3,9–20

Eine andere Einteilung:
I. Der Tag JAHWES: Gericht über Juda und Jerusalem 1,1-18
II. Aufruf zur Buße 2,1–3
III. Der Tag JAHWES: Gericht über die Nationen 2,4–15
IV. Aufruf zum Harren auf JAHWE 3,1–8
V. Der Tag JAHWES: Wiederherstellung Israels 3,9–20

Eine dritte Einteilung:

I. Der Tag des HERRN und Gericht 1,1 – 3,8
A. Das Gericht über die ganze Erde 1,1–3
B. Das Gericht über Juda 1,4 – 2,3
C. Das Gericht über die Nachbarvölker 2,4–15
D. Das Gericht über Jerusalem 3,1–7
E. Das Gericht über die ganze Erde 3,8
II. Der Tag des HERRN und Heil 3,9–20
A. Die Bekehrung Israels 3,9–13
B. Die Wiederherstellung Israels 3,14–20


- Haggai -
»Festversammlung«
Baut das Haus, so werde ich Wohlgefallen daran haben und verherrlicht werden! (1,8)

Der Prophet und seine Zeit
Der Name Haggai ist von Chag, »Fest; Festversammlung« abgeleitet. Wie eng ist wiederum der Name mit der Botschaft des Propheten verknüpft! Er war der Mann, der das Volk durch Gottes Wort aufforderte, sich um das Heiligtum zu kümmern, um sich dort um den Gott Israels zu scharen.
Haggai weissagte nach der Rückkehr aus dem Exil. Folgende Daten bilden das zeitliche Gerüst seines Lebenswerkes: 538 v. Chr. erlässt Großkönig Kores das Edikt, das den Juden die Heimkehr gestattet (Esr 1,1); 537 wird der Altar errichtet (Esr 3,3), 536 der Grundstein zum Tempel gelegt (Esr 3,8,10). 522 kommt der Tempelbau wegen des Widerstandes der Feinde zum Stillstand (Esr 4). Haggai und Sacharja beginnen im Jahre 520 zu weissagen (Esr 5,1). 516 gestattet das Edikt des Darius den Weiterbau (Esr 6,1); 516 wird der Tempel vollendet. Das zweite Jahr des Darius (Hystaspes I.) ist das Jahr 520 v. Chr.
Auffällig ist, dass das Buch nicht nach Königen Judas oder Israels datiert wird, sondern nach einem heidnischen König. Wie das? Israel ist nicht mehr Haupt, sondern es ist Schwanz geworden. Die Nationen sind zum Haupt über Israel erhöht (5Mo 28,13,44; Dan 2,38). Es haben »die Zeiten der Nationen« (Lk 21,24) angefangen.

Thema
Der Herr und Sein Haus müssen in unserem Leben den Vorrang haben. Der Wohnort Seiner Herrlichkeit muss die Mitte des Volkes Gottes und muss daher der zentrale Gegenstand allen Denkens und Handelns der Heiligen sein. Gott wird es nicht dulden, dass wir Ihn zurücksetzen; tun wir es, entzieht er uns entweder alles, was wir besitzen, oder er lässt uns keine Freude haben an allem, was Er uns gegeben hat (1,6–11). Setzen wir Ihn und Seine Ehre wieder über alle eigenen Interessen, wird Er uns in der Folge alles geben, wonach unser Herz nur irgend verlangen kann (2,19; Mt 6,33).

Christus im Buch Haggai
Christus ist »der Ersehnte aller Nationen« (2,7), der kommen wird, und als Er als Mensch auf diese Erde kam und in Jerusalem den Tempel betrat, füllte Er »dieses Haus mit Herrlichkeit« (2,7). Da ging die Weissagung von 2,9 in Erfüllung: »Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die erste.« Als Serubbabel den Tempel fertig gebaut hatte, erfüllte die Herrlichkeit des Herrn die Wohnung nicht, wie damals in den Tagen Salomos. Aber als Jesus von Nazareth in den Tempel ging, den Serubbabel errichtet hatte, wohnte eine größere Herrlichkeit in ihm als selbst im Salomonischen Tempel. Auch die in 2,23 an Serubbabel gerichteten Worte finden ihre volle Erfüllung erst in der Person des Messias.

Besonderheiten
• Das Buch könnte ein Abschnitt in einem der historischen Bücher sein mit seinen genauen Datierungen der vier Botschaften Haggais und seinen zwei dazwischen eingeschobenen erzählenden Abschnitten (1.12–15; 2,13,14).
• Zum ersten Mal wird ein Prophet nach einem heidnischen König datiert.
• 14mal kommt der Titel »der HERR der Heerscharen« vor. Das ist der Titel, den die drei nachexilischen Propheten bevorzugen (52x in Sach, 24x in Mal). Er ist der Herr
der Sternenheere, der Engelsheere, der Heere Israels und auch der Lenker der
Kriegerscharen der Nationen. Martin Buber übersetzt das hebräische ’Adonaj Z eba’ot
äußerst treffend mit »ER, der Umscharte«.
• Viermal fordert Haggai auf: »Richtet doch euer Herz...« (1,5.7; 2,15.18).
• 28mal steht in Haggai »...spricht der HERR«.
• »Die letzte Herrlichkeit« des Tempels wird alles überragen (2,7–9).
• Die Auflösung dieser Schöpfung (2,6; Heb 12,26–28).

Haggais Appell an unser Gewissen
• Das Haus des Herrn ist wichtiger als unsere eigenen Häuser und Familien. Das Werk
des Herrn hat Vorrang vor persönlichen Wünschen und Annehmlichkeiten.
• Gott muss uns Seine Segnungen vorenthalten, wenn wir unsere Prioritäten falsch
setzen.
• Wenn wir das Werk des Herrn tun, ist der Herr mit uns durch Seinem Wort,in
Seinem Geist und mit Seinen Gaben

Eine Gliederung

1. Botschaft: Es ist Zeit, das Haus des HERRN zu bauen (1)
2. Botschaft: Seid stark und arbeitet, denn ich bin mit euch! (2,1–9)
3. Botschaft: Von diesem Tag an will ich segnen (2,10–19
4. Botschaft: An jenem Tage will ich dich wie einen Siegelring machen (2,20–23)

oder:

1. Botschaft: »Baut das Haus!« (1)
a) Das Volk baut an seinen eigenen Häusern
b) Das Volk muss das Haus des Herrn bauen

2. Botschaft: »Seid stark und arbeitet, denn ich bin mit euch« (2,1–9)
a) Der neue Tempel ist jetzt weniger herrlich als der erste
b) Der neue Tempel wird einst herrlicher sein als der erste

3. Botschaft: »Von diesem Tag an will ich segnen« (2,10–19)
a) Das Volk hat ein unreines, d. h. geteiltes Herz
b) Das wird Volk wird ein geeintes, d. h. reines Herz haben

4. Botschaft: »Ich will dich wie einen Siegelring machen« (2,20–23)
a) Der HERR wird die heidnischen Reiche stürzen
b) Die Herr wird den Fürsten Israels erhöhen


- Sacharja -
»Der HERR gedenkt«

Le prophčte de l’espérance
»Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: gerecht und ein Retter ist er« (9,9)

»Dieser Teil des Alten Testaments ist dem Christen aus zwei Ursachen besonders kostbar: Erstens, weil er in so klarer und eindringlicher Weise von unserem Herrn Jesus zeugt; zweitens, weil er so viel Licht wirftauf die Geschehnisse der letzten Tage, die dem großen und Furchtbarkeit Tag des HERRN voraufgehen« (David Baron)

Der Prophet und seine Zeit
Sacharja bedeutet »Der HERR gedenkt«. Er gedenkt Seines Bundes mit den Vätern (Lk 1,72) und sendet daher in der Fülle der Zeit Seinen Gesalbten (Sach 9,9), und Er wird Israel daher nicht verstoßen (siehe Röm 11). Davon zeugen die Weissagungen Sacharjas. Diese Botschaft war für Israel, das gerade aus dem Exil zurückgekehrt war, besonders wichtig. Nicht mehr war Jerusalem der Mittelpunkt der Erde, nicht mehr war Israel das Haupt der Nationen, sondern es war zum Schwanz geworden, wie Mose in 5Mo 8,44 geweissagt hatte. Israel hieß nicht mehr ‘Ammî, »mein Volk«, sondern lô ‘ammî, »nicht mein Volk« Das zeigt sich in diesem (wie auch im vorangegangenen Buch) daran, dass die drei der insgesamt fünf Botschaften Sacharjas nicht nach judäischen, sondern nach heidnischen Königen datiert sind (1,1; 1,7; 7,1). Die nach Juda zurückgekehrten Juden hätten auf Grund der misslichen Umstände, in denen sie sich fanden, allen Glauben an eine Zukunft ihres Volkes verlieren können. Gott aber sagt ihnen durch den Mund Sacharjas: »Wenn gleich die Nationen jetzt Haupt sind und über euch herrschen, so wisset, dass mein Gesalbter kommen und Euch retten und erhöhen wird« (siehe 9,9).
Zum historischen und heilsgeschichtlichen Rahmen seines Buches siehe die Angaben zu Haggai.

Thema
Gott erfüllt Seine Absichten mit Israel und mit Jerusalem. Die Nationen mögen mächtig und Juda mag schwach sein, Gott wird sein Volk bewahren, retten und vollenden. Israel war selbstverschuldet zu einem Volk geworden, das vom Wohlwollen heidnischer Könige abhängig war (Sach 1,1–6). Es hatte sich durch seine Sünde alle Vorrechte verscherzt und hätte wenig Anlass, an kommenden Segen und an Wiederherstellung zu glauben. Aber gerade davon spricht Sacharja, und so leuchtet auf dem dunklen Hintergrund des Versagens und der Unwürdigkeit Israels Gottes herrliche Gnade um so heller auf.

»In acht Gesichten weissagt Sacharja in symbolgeladener Sprache den Sturz der heidnischen Reiche, das Gericht über die abgefallenen Juden, die Reinigung, Wiederherstellung und Herrlichkeit eines Überrests und die zukünftige Wohlfahrt Jerusalems« (W. MacDonald).

Christus im Buch Sacharja
In diesem Buch finden sich sehr zahlreiche messianische Weissagungen:
1.) 2,10 kündigt Christus als den Kommenden an (Mt 11,3), der in Israels Mitte wohnen wird (Mt 18,20)
2.) 3,8, der Knecht des Herrn (Jes 42,1; Mt 12,18)
3.) 3,8 und 6,12 nennt Ihn den »Spross«, denn Er ist »in Mann«, ein Mensch, von einer Jungfrau geboren (Mt 1,21–23; Gal 4,4)
4.) Er ist der Stein mit den 7 Augen von 3,9 und der Schlußstein von 4,7 (1Mo 49,24; Eph 2,20; Off 5,6)
5.) Er ist der Priester–König von 6,13 (Heb 7,1; Off 19,11–16)
6.) Er ist der sanftmütige König von 9,9, der auf einem Esel in Jerusalem einritt (Mt 21,5; 27,37; Joh 1,49)
7.) Er ist der Friedefürst von 9,10 (Jes 9,6; Eph 2,14)
8.) Er ist der universale Herrscher von 9,10 (Ps 2,8; 8; 72; Off 11,15)
9.) Er ist der große Hirte von 10,3 (Mi 5,3; Heb 13,20)
10.) Er ist der Eckstein und Zeltpflock von 10,4 (Ps 118,22; 1Pet 2,6,7; Jes 22,23)
11.) Er ist der um 30 Silberlinge verkauft von 11,12,13 (Mt 26,14–16; 27,3–10)
12.) Er ist der Durchbohrte von 12,10 (Joh 19,37)
13.) Er ist der Quell, der von aller Sünde reinwäscht von 13,1 (1Jo 1,7; Off 1,5)
14.) Er ist der geschlagene Hirte von 13,7 (Jes 53,10; Mt 26,31)
15.) Er ist der Genosse Jahwes von 13,7 (Spr 8,30; Joh 1,18; 10,30; 14,31)
16.) Er ist der Kriegsmann von 14,3 (2Mo 15,3; Ps 24,7,8)
17.) Er ist der von allen Völkern angebetete König von 14,9,17 (Ps 72,10,11; Off 19,16; 21,24–26)

Besonderheiten
• 52mal verwendet Sacharja den Titel »der HERR der Heerscharen« (siehe zu Haggai)
• zahlreiche Weissagungen über das erste und das zweite Kommen des Messias: 3,8;
6,13-13; 9,9; 12,12–13; 12,10–14; 13,6,7; 14,3,4
• der Antichrist (11,15–17; vgl. Dan 11,36–39)
Sacharjas Appell an unser Gewissen
• Gott tröstet sein Volk in schweren Zeiten.
• Mit der Aussicht auf eine herrliche Zukunft will Gott uns zur Arbeit an Seiner Sache
anspornen, wenn gleich diese schwer ist.
• Der Herr kann in Zeiten der Schwachheit durch Seinen Geist großes zu tun (4,6–10).
• Alle Hoffnungen sind gebündelt in der Person Christi.

Eine Gliederung
Das Buch läßt sich grob in zwei große Teile unterteilen:

I. Botschaften zur Gegenwart Jerusalems: Kap 1 – 8
II. Botschaften zur Zukunft Jerusalems: Kap 9 – 14

Die erste Gruppe von Weissagungen sind alles exakt datierte Botschaften während des Baus des Tempels. Die zweite Gruppe von Weissagungen sind nicht datiert; sie betreffen das erste und zweite Kommen des Messias und die Zukunft des Volkes.

Man kann das Buch aber auch nach den fünf Botschaften unterteilen, die Gott Sacharja gab. Diese umfassen die beiden genannten Teile des Buches:

1. Botschaft (1,1–6)
Eine grundlegende, allen prophetischen Dienst charakterisierende Botschaft.
2. Botschaft (1,7 – 6,15)
In acht Nachtgesichten schaut Sacharja die Befreiung und endgültige Wiederherstellung Jerusalems und Judas.
3. Botschaft (7 – 8)
Eine Botschaft über wohlgefälligen Gottesdienst
4. Botschaft (9 – 11)
Eine Botschaft an die Nationen und Jerusalem.
5. Botschaft (12 – 14)
Eine Botschaft über die letzten Tage Jerusalems und das Kommen des Messias

Diese fünf Botschaften lassen sich zu den fünf Mosebüchern in folgender Weise in Beziehung setzen:

Die 1. Botschaft entspricht dem 1. Mosebuch. Es geht um Grundlagen.
Die 2. Botschaft entspricht dem 2. Mosebuch. Es geht um Befreiung und Errettung.
Die 3. Botschaft entspricht dem 3. Mosebuch. Es geht um Gottesdienst.
Die 4. Botschaft entspricht dem 4. Mosebuch. Es geht um Israel und die Nationen.
Die 5. Botschaft entspricht dem 5. Mosebuch. Es geht um Erfüllung und Vollendung.


- Maleachi -
»Mein Bote«
Siehe, ich sende meinen Boten, dass er den Weg bereite vor mir her (3,1)
Darf ein Mensch Gott berauben? (3,8)

Der Prophet und seine Zeit
Wir wissen nichts über die Herkunft und die Lebensgeschichte des Propheten. Wir wissen nicht einmal ganz sicher, ob Maleachi sein Eigenname ist. Das Wort bedeutet einfach »mein Bote«, und er entspricht genau dem in 3,1 verwendeten Ausdruck »ich sende meinen Boten«. Nach dem Targum Jonathan war Esra, der Schriftgelehrte, der Mann, der sich hinter dem Titel des Buches verbirgt. Da nun kein einziges der prophetischen Bücher anonym ist, nehmen wir an, Maleachi sei tatsächlich der Name des Autors des vorliegenden Buches. Es ist möglich, dass Mal’aki eine Kurzform ist für Mal’ak–Jah, »Bote des HERRN« (siehe 2,7). Und unser Prophet war auf alle Fälle das, was sein Name ausdrückt: Der von Gott gesandte letzte Bote an Sein Volk vor dem Auftreten des unmittelbaren Vorläufers des Messias und des Messias Selbst. Er steht damit am Ende der langen Reihe von Propheten, die, Anfangend mit Mose, während tausend Jahren das Kommen des Gerechten ankündigten. Das gibt ihm eine ganz einzigartige Rolle und Bedeutung. Entsprechend ist seine Botschaft von einer eigentümlichen Dringlichkeit gekennzeichnet.
Maleachi weissagte Kurz vor 400 v. Chr, also ein knappes Jahrhundert nach Haggai und Sacharja. So wie jene mit ihrem Dienst Serubbabel in seinem Auftrag unterstützten, unterstützte Maleachi Nehemia in seinem Werk des Aufbaus und der Wiederherstellung. Seine Botschaft spricht in die Zustände, die zur Zeit Nehemias in Juda und Jerusalem herrschten. Mal 1,10 gehört zu Neh 13,19 (Brechen des Sabbaths); Mal 2,8 ist der Kommentar des Propheten zu den in Neh 13,29 geschriebenen Dingen (degenerierter Gottesdienst); Mal 2,11,12 beleuchtet Neh 13,23–25 (Mischehen), und Mal 3,8–10 gehört zu Neh 13,10 (Treulosigkeit in den vom Gesetz geforderten Abgaben).

Thema
Gottes Liebe (1,2,3) und Israels kaltes Herz. Ersteres zeigt sich deutlicher als irgendwo in der Erwählung Jakobs und seiner Nachfahren, letzteres an den Gegenfragen, die Israel auf Gottes Fragen an Ihn richtet (1,2b,6,7; 2,17; 3,7,13). Zum größten Teil besteht Maleachis Botschaft in scharfen Rügen der Kälte Israels gegenüber der unbegreiflichen Liebe Gottes. Wir erinnern uns, dass die Botschaft des ersten unter den kleinen Propheten ebenso um die Liebe Gottes zu Seinem Volk kreiste. Damit sind wir beim letzten Buch wieder dort, wo wir beim ersten standen. Kann es für ein Volk, dass sich am Höchsten versündigt und unverbesserlich ist, Hoffnung geben? Denn dieses Volk muss als unverbesserlich gelten, da es nach der Züchtigung des Exils und der gnädigen Rückführung in die verlorene Heimat noch immer nicht gelernt hat, seinen Gott zu lieben. Wo also kann es für ein solches Volk Hoffnung geben? Sie kann nirgends anders gefunden werden als im Kommen des Herrn und der damit einhergehenden Gnade (vgl. 1Pet 1,13). Denn wohl wird Er kommen wie ein Feuerofen und alles Gesetzlose und alle Gesetzlosen vertilgen, aber Er wird für Seine Erwählten auch Leben und Glück bringen. Das letzte alttestamentliche Buch schließt mit einem Ausblick auf das Zweite Kommen des Gerechten, der wie die Sonne aufgehen wird mit Heilung in Seinen Flügeln (4,2). Dann wird Sein Volk endlich von seiner Abtrünnigkeit und von seinem kalten Herzen geheilt werden (siehe Hos 14,4).
Damit sich Gottes Gnadenabsichten am Volk erfüllen können, muss es zu Selbsterkenntnis und Buße kommen; es muss, will es des Messias würdig sein, seine eigene Unwürdigkeit erkennen und bekennen. So ist denn dieses Buch aus einer Reihe von Bußpredigten zusammengesetzt. Damit gleicht Maleachi in seinem Dienst selbst dem Wegbereiter des Herrn, dessen kommen er hier ankündigt (3,1). Auch dieser hatte dem Herrn den Weg nicht anders bereiten können als durch den lauten Ruf: »Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbei gekommen.«
Als letzter Prophet fasst Maleachi den Dienst aller vorangegangenen Propheten zusammen, indem Er auf das Gesetz Moses verweist (4,4). Das hatten alle Propheten getan. Anhand des Gesetzes hatten sie dem Volk vor Augen geführt, wie weit es von Gottes Forderungen entfernt war. Das Gesetz war der von Gott gegebene Zuchtmeister, der Israel zum Messias führen wollte (Gal 3,24). Wie aber sollte der Zuchtmeister seinen Dienst tun können, wenn man seiner Stimme nicht gehorchte? Darum forderte der Geber des Gesetzes auch tausend Jahre nach Mose noch: »Gedenket des Gesetzes Moses, meines Knechtes, welches ich auf Horeb ganz Israel geboten habe« (4,4).

Maleachi und die beiden andern nachexilischen Propheten
Der ganze Dienst Haggais und Sacharjas hatte ein großes Ziel verfolgt: Das Volk soll dazu bewegt werden, den Bau des Hauses Gottes zu vollenden. Maleachi muss nun beklagen, dass alle Mühe, die Gott sich mit dem Volk gab, umsonst gewesen war. Zwar wurde der Tempel gebaut, aber inzwischen hat »Juda das Heiligtum des HERRN entweiht, welches er liebte« (Mal 2,11). Wenn man die Propheten Haggai und Sacharja gelesen hat und alle Arbeit bedenkt, die Gott und die seine Werkzeuge am Volk aufwendeten, dann ist man sprachlos. Es ist ein niederschmetterndes Resumé, geeignet, uns jeden Glauben an das Volk Gottes zu nehmen. Aber das ist auch gut so. Hoffnung kann es nur im Messias dieses Volkes geben.
Ein auffälliger Gegensatz zu Sacharja, dem vorletzten Propheten: Dieser spricht ausführlich und wiederholt davon, wie Gott die Nationen richten und vor Israel demütigen wird. Maleachi spricht umgekehrt davon, dass Gott die Nationen segnen und dadurch Israel demütigen wird. Je nach seinem geistlichen und sittlichen Zustand hat das Volk Gottes die Botschaft Sacharjas oder Maleachis nötig.

Christus im Buch Maleachi
1,11 ist eine Weissagung des jetzigen Zeitalters, in dem alle Nationen, vom Aufgang der Sonne bis zum ihrem Niedergang (d. h. vom Osten bis zum Westen, von Japan bis nach Amerika) »meinem Namen reine Opfergaben darbringen«. Gott, der Vater, wird durch Christus von Menschen aus allen Nationen angebetet. 3,1 kündigte den Wegbereiter des Messias an (siehe Mk 1,3; 9,10,11; Lk 1,17; 3,4; Joh 1,23). Und 3,1–5 kündigen das zweite Kommen des Messias an, ebenso 4,2, wo sich eines der schönsten dichterischen Bilder im ganzen Alten Testament vom Kommen des Friedefürsten findet: »Die Sonne der Gerechtigkeit wird aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln.«

Besonderheiten
• Maleachi ist der letzte Prophet des alttestamentlichen Kanons. Der Talmud (Sanh 11a) sagt: »Nachdem die letzten Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi gestorben
waren, wich der Heilige Geist von Israel.«
• 12mal steht der Satz »Ihr sprecht« (1,2,6,7,7,12,13; 2,14,17; 3,7,8,13,14).
• In den 55 Versen Maleachis kommt der Namen »HERR der Heerscharen« 24mal vor, also fast in jedem zweiten Vers.
• Gottes Liebeserklärung an Sein Volk (1,2).
• Gottes Gnadenwahl (1,2), die im Römerbrief erläutert wird (Röm 9,11–13).
• Der von Paulus in 1Kor 10,21 verwendete Ausdruck »Tisch des Herrn« stammt aus
Mal 1,7,12.
• wichtige messianische Verheißungen: 1,11; 3,1–5; 4,1–3,5
• Die Ankündigung eines »Elija« (4,5,6), der dem Kommen des Messias und der
Wiederherstellung Israels voraufgehen wird (Mt 11,13,14; 17,11–13; Lk 1,17)
• Auf das von Maleachi angekündigte Aufgehen der Sonne bezieht sich Zacharias in
seinem Lobgebet, wo Er vom Messias sagt, Er sei der »Aufgang« aus der Höhe
(Lk 1,78).
• Im 1. Kapitel erfahren wir, dass Gott sich den Heiden zuwendet und man Ihn dort fürchten und ehren wird, während Israel ihn nicht fürchtet und ehrt. So bereitet der letzte alttestamentliche Prophet das Kommen des Messias vor, durch das allen Nationen Heil werden soll (Mt 28,18–20).

Maleachis Appell an unser Gewissen
• Wenn wir die erste Liebe verlassen haben (Off 2,4), ist aller Gottesdienst eitel.
• Wir können uns über unseren geistlichen Zustand furchtbar täuschen (cf Off 3,17)
• Formalismus ist Gott äußerst verhasst.
• Erweckungen halten nicht lange an. Es braucht immer wieder Buße und neue
Hingabe.
• Wir müssen Gott geben, was Gottes ist (3,8; cf Mt 22,21).

Eine Gliederung
Das Buch beginnt mit einer Überschrift; an diese schließen sich sechs Abschnitte an, welche alle mit einer Frage beginnen. Das Buch wird mit einer Aufforderung beendet. Es läßt sich zunächst in zwei Hälften unterteilen:

I. Israels Sünden im Licht der Vergangenheit (Erwählung) 1,1 – 2,16
II. Israels Sünden im Licht der Zukunft (Regierung) 2,17 – 4,6

In den ersten zwei Kapiteln zeigt der Prophet, was Israel nach Gottes Absicht und entsprechend Gottes Erwählung hätte sein sollen, wie weit es aber davon entfernt war. Auf diese Weise wird das Volk überführt zu erkennen, wovon es gefallen ist, damit es Buße tue (vgl. Off 2,5).
In den letzten zwei Kapiteln kündigt der Prophet an, dass der Messias kommen wird. Im Lichte der Gegenwart des EWIGEN, der Israel von Ewigkeit her zuvorerkannt, erwählt und geliebt hat, erscheint ihr jetziger Zustand in einem noch grelleren Licht; denn: »Wer kann der Tag seines Kommens ertragen?« (3,2). Das Wissen um das Kommen des Herrn wird zur Kraft, welche zur Einkehr zu führen und das Gewissen zu regieren vermag (3,16).


Überschrift: Das Wort des Herrn durch Maleachi 1,1
1. Gottes Liebe und Hass 1,2–5
2. Die Sünden der Priester gegenüber Gott 1,6 – 2,9
3. Die Sünden der Leute aneinander 2,10–16
4. Das Kommen des Herrn wie läuterndes Feuer 2,17 – 3,6
5. »Darf ein Mensch Gott berauben?« 3,7–12
6. Das Kommen des Herrn wie ein brennender Ofen 3,13 – 4,3
Schlusswort: Das Wort des Herrn durch Mose und Elia 4,4–6
 
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Sendereihe: “Durch die Bibel” Sendungsnummer: 79053 Autor: Dr. Vernon McGee überarbeitet und gelesen: Hugo Danker Bibeltext: Amos 7, 7 - 17 Sendedatum: 11. Dezember 2001, 22.00 Uhr

Wir sagten bereits, dass uns dieses siebte Kapitel nun den dritten und letzten wichtigen Teil des Buches Amos eröffnet. Diese drei Kapitel enthalten die Visionen über die Zukunft. Wir hören von Visionen, die der Herr Amos gegeben hatte, die ohne Frage Aufsehen erregend waren. Zuvor, in den Kapiteln 3 bis 6 hatte Amos die Gründe für das Gericht Gottes über Israel aufgezeigt. Da wurden u. a. die juristische Ungerechtigkeit, die wirtschaftliche Ausbeutung, die religiöse Heuchelei, das Schwelgen im Luxus und die stolze Selbstzufriedenheit beanstandet. Wegen dieser Bundesverletzungen würde der HERR, der Gott Zebaoth, an der Spitze eines Heeres seine rebellischen Vasallen vernichten. Einzelne, die Buße tun würden, könnten noch gerettet werden, aber das Volk, und zwar als Ganzes, ist unweigerlich zum Untergang bestimmt. Dann aber, in diesem 7. Kapitel, beginnt Amos nun, die Folgen dieses kommenden Gerichtes zu beschreiben. In fünf Visionen zeigt ihm Gott die völlige Zerstörung des Landes, seiner Gebäude und seiner Bevölkerung auf. Für diesen Abschnitt sind dann zwei Ausdrücke besonders charakteristisch, nämlich “Gott der HERR” und “mein Volk!” Klar ist aber auch, dass “Gott der HERR” souverän über alle Völker ist und absolut frei ist in seinem Tun, und zwar in seinem ganzen Universum. Er ist frei, seinen Willen und seine Strafe auch gegen jene Menschen zu erfüllen, die seine Gnade und Barmherzigkeit bisher verspottet haben. Und so wird nun dem Propheten zum drittenmal eine Vision des Gerichtes gezeigt. Jedoch dieses Mal ist sie unabwendbar.

7 Er ließ mich abermals schauen, und siehe, der Herr stand auf der Mauer, die mit einem Bleilot gerichtet war, und er hatte ein Bleilot in seiner Hand.

Ein drittes Mal droht Gott das Gericht an. Die Vergebung ist nicht hinfällig geworden, aber das Unrecht hat sich noch weiter gesteigert! Darum kann Gott nicht mehr zusehen! Gott steht auf der Mauer, und damit ist meist die Stadtmauer gemeint, die etwa ein bis zwei Meter breit, ja sogar bis zu zehn Meter breit sein konnte. Sie bestand innen und außen aus behauenen Steinen und der Innenraum war mit Schutt aufgefüllt. Die Mauer war im Lot aufgemauert worden und damit ein stabiler Schutz gegen die Feinde. Aber wie war es jetzt? In Gottes Hand war das Senkblei, und er stellt fest, dass die Mauer vom Lot abweicht, und dass sie einzustürzen droht (Jes. 30, 13). Sie ist nicht mehr lotrecht!

8 Und der HERR sprach zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Ein Bleilot. Da sprach der Herr zu mir: Siehe, ich will das Bleilot legen an mein Volk Israel und ihm nichts mehr übersehen,

Gott legt also das Senkblei an das Herz seines Volkes Israel. Das Herz umschreibt hier das Innere des Leibes, den Sitz des Empfindens (Jes. 16, 11). Das Volk ist verstockt und empfindet sein Unrecht überhaupt nicht mehr. Wenn es nur die bösen Taten eines bußfertigen Herzens wären, würde Gott möglicherweise bei seiner Zusage der Vergebung bleiben. Aber die tiefe Verwurzelung des Bösen im Herzen seines Volkes hindert Gottes Vergebung. Jetzt in der dritten Vision spricht Gott klar von der Schuld. Sie ist jedoch so groß, dass Gott sie nicht mehr vergeben will! Gott legte also das Bleilot an, und das beschreibt das Gesetz des Bundes mit seinen Forderungen an sein Volk Israel.
Einst war das Volk im Lot aufgebaut worden, nun aber war es schief und krumm, und darum musste es eingerissen werden. Und Gott schloss jede weitere Bitte von Seiten des Propheten aus. Die Frage war jetzt entschieden, und Gott würde sein Volk jetzt nicht mehr länger verschonen.

9 sondern die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mich mit dem Schwert über das Haus Jerobeam hermachen.

Im Unterschied zu den beiden ersten Visionen kommt nun eine klar umschriebene Aussage, wie das Gericht Gottes aussehen wird. Das ist hier nun kein Stilbruch, der die Vermutung eines späteren Nachtrages rechtfertigt. Vielmehr erklärt Gott nach dem lang angedeuteten Gericht jetzt ganz klar, wo und wie sich die Strafe zeigen wird. Damit wird aber nachdrücklich auf das Ende der Geduld Gottes hingewiesen. Das Volk hatte also den Test des Bleilotes nicht bestanden, und darum würde es in religiöser und politischer Hinsicht niedergerissen werden. Die unzähligen Höhen, d. h. die Heiligtümer auf den Hügelspitzen, die würden verwüstet werden. Gott zerstört also zunächst die Höhen, jene Kulthöhen wo auch Samuel einst geopfert hatte (1. Sam. 9, 12 ff). Das waren wohl sechs bis zehn Meter - bisweilen fünfundzwanzig Meter - breite begehbare Plattformen mit einem Altar in der Mitte aus unbehauenen Steinen. Neben dem Altar standen sowohl Ascheren als auch die Sinnbilder für die Fruchtbarkeitsgöttinnen. Dazu kam ein überdachter Raum bzw. ein Zelt für bis zu 30 Personen, die dort das Opfer aßen. Diese Höhen waren offensichtlich nach der Landnahme beibehalten worden. Eine Höhe war Gibeon (1. Sam. 9, 16 - 24), die z. Zt. Sauls vielleicht sogar ein Reichsheiligtum war. Bedenkenswert ist sicherlich, welch eine Religionsvermischung hier stattgefunden hatte, denn außer den Ascheren gab es auch die Kinderopfer. Deshalb kritisieren die treuen Boten Gottes auch immer wieder den Höhenkult (Hos. 10, 8; Jer. 19, 3 - 5). Also die offiziellen Heiligtümer der Anbetung, würden zerstört werden. “Das Haus” bedeutet die politische Dynastie Jerobeams II., die würde ebenso unter dem Schlag des Schwertes Gottes einstürzen (2. Kön. 14, 29; 15, 10).

Der Vorfall, von dem dann in den Versen 10 bis 17 berichtet wird, ist auf zweierlei Weise untrennbar mit der dritten Vision von Amos verknüpft. Erstens zeigt er die sofortige historische Reaktion auf den Inhalt der Vision. Die Tatsache, dass gewisse Worte sowohl in der Vision als auch in diesen Versen vorkommen, die sonst nirgendwo bei Amos auftauchen, macht deutlich, wie eng dieses Ereignis mit der vorausgehenden Offenbarung verknüpft ist. Zweitens ist der Vorfall mit der Vision verknüpft, denn er stellt ein konkretes Beispiel für den Einsatz des Bleilotes dar. Hier ist es die Überprüfung des Einzelnen. Die Vision hatte gezeigt, dass die religiösen und politischen Institutionen Israels den Test nicht bestanden hatten und deshalb niedergerissen werden mussten. In dem Vorfall mit Amazja kam der HERR und maß zwei einzelne Menschen, der eine ein Prophet, der andere ein Priester. Der eine wurde angenommen, der andere nicht. Der eine hörte und gehorchte der Stimme des HERRN, der andere wollte aber nicht hören.

10 Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen.

Amazja hatte von seinen Eltern einen Namen bekommen, der auch den Gottesnamen enthielt, nämlich “Amaz-Ja” (hwe!), und das heißt: “Jahwe ist energisch” oder “Jahwe ist stark”. Die Eltern waren wohl Jahwetreu, und sie bekannten sich mit dem Namen ihres Kindes zu Jahwe. Aber so fromm sie auch immer gewesen sein mögen, ihr Sohn war nicht bereit, auf Gott zu hören! Amazja war Priester in Bethel. Und da es dort wohl mehrere Priester gegeben haben wird, können wir davon ausgehen, dass er Oberpriester gewesen ist. Die Priester waren zum Gottesdienst geweiht (2. Mose 19, 22), aber ihre Hauptaufgabe war weniger zu opfern, als die Unterweisung, die Thora zu lehren, etwas als rein oder unrein zu beurteilen (5. Mose 33, 10), Rechtsentscheidungen zu treffen und den Segen zu erteilen. Daneben taten sie, soweit das nicht Aufgabe der Leviten war, den Dienst an der Lade und im Tempel.

Die Stellung des Priesters Amazja war also beträchtlich, zumal Bethel ein besonders bedeutendes Heiligtum war. Von daher konnte er sicherlich auch selbständige Entscheidungen treffen. Als Oberpriester wusste er sich verantwortlich für das Heiligtum, und darum sandte er offizielle Mitteilungen der Vorgänge innerhalb der Stadt an den König. Aber warum informiert er den König über die Predigten des Amos? Will er die strengste Bestrafung eines ungeliebten Redners, den er nicht als einen Propheten anerkennen will? Sieht er in dessen Predigten tatsächlich eine Staatsgefahr? Inwiefern kann das Land die Worte des Amos nicht ertragen? Ist wirklich eine Revolution zu befürchten, nur weil der Mann aus Juda gegen Israel predigt? Offensichtlich täuscht die glänzende politische Fassade. Vom Glauben her droht Gefahr. Israel ist religiös eigene Wege gegangen und hat Gottes Volk gespalten. Auch Amazja befürchtet, dass in Israel geistlich gesehen nicht alles in Ordnung ist, und er spürt auch einen Angriff gegen seine eigene Amtsführung.

11 Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden.
12 Und Amazja sprach zu Amos: Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst.
13 Aber weissage nicht mehr in Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs.

Als Amos begann, seine Visionen über zerstörte Heiligtümer und über verworfene Königsfamilien öffentlich zu verkünden, stellte sich ihm Amazja, der Priester von Bethel, entgegen. Bethel war eines der beiden Heiligtümer, die von Jerobeam I. errichtet worden waren, als er sich 931 v. Chr. von Jerusalem und von dem Königtum dort gelöst hatte (1. Kön. 12, 26 - 33). Um dann aber die zehn Stämme unter seiner Herrschaft zu versammeln, schuf Jerobeam I. einen neuen Schrein und ein eigenes religiöses System. Durch Kalb, Altar, Priesterschaft und durch religiöse Feste in Bethel sollte das Nordreich unter Jerobeam I. zu einer stabilen Einheit werden. In den Tagen von Amos war der Schrein von Bethel das Heiligtum des Königs wie auch der Tempel. Hier war der Ort, an dem Jerobeam II. anbetete, aber noch entscheidender war, dass Bethel zum religiösen Symbol geworden war, das mit der politischen Verpflichtung des Königreiches eins war. So wie der Tempel in Jerusalem die Verehrung der davidischen Königsherrschaft bedeutete, so sollte die Existenz von Bethel Gottes Bestätigung und Unterstützung der Monarchie des Nordens sein. Wer also Bethel und seine Gottesdienste ablehnte, griff damit das Fundament des Königreiches an.

Amazja war offenbar der Hauptpriester von Bethel und für den Gottesdienst und das Personal verantwortlich (Jer. 20, 1 - 2; 29, 26). Als er die prophetischen Worte von Amos gegen das Heiligtum und gegen das Königtum hörte, schickte Amazja eine Botschaft zu Jerobeam und klagte Amos an, eine Verschwörung gegen den König inmitten des Nordreiches zu planen. Er warnte Jerobeam, dass das Land solche ständigen Botschaften des Unterganges nicht ertragen könne. Er erklärte, die Menschen würden entmutigt werden, oder es würden früher oder später irgendwelche abtrünnigen Rebellen ermutigt werden, die Weissagungen wahr zu machen. Es hatte ja schon früher Gelegenheiten gegeben, bei denen, auf die Worte eines Propheten hin, gegen einen König eine innere Revolution und ein Wechsel in der Königsherrschaft gefolgt waren (1. Kön. 11, 29; 12, 24; 16, 1 - 13; 2. Kön. 8, 7 - 15; 9). Amazja weigerte sich, irgendwelche göttlichen Quellen für die Weissagungen des Amos anzuerkennen. Vielmehr sah er in ihm einen politischen Aufrührer. In seinem Bericht an Jerobeam leitete er das bedrohliche Zitat mit den Worten ein: “Dies ist, was Amos sagt!”, und nicht mit: “Dies ist, was Gott sagt!” Indem er Amos zitierte, ließ der Priester hier ganz bewusst das aus, was von dem persönlichen Handeln Gottes spricht, nämlich: “mit meinem Schwert werde ich mich gegen ... Jerobeam erheben.” Stattdessen setzte er die einfache Tatsache ein: “Jerobeam wird sterben." Er berichtete also die Worte von Amos in einer Weise, dass sie den König aufwiegeln sollten. So verdrehte er die Weissagung über den Untergang der Dynastie zu einer Drohung gegenüber Jerobeam selbst und betonte dabei vor allem die Ankündigung des nationalen Exils. Amazja sah in Amos eher eine Bedrohung als einen Boten Gottes für das Volk Israel.
Nachdem er seinen Brief an den König geschickt hatte, befahl Amazja dem Propheten Amos: “Geh weg, du Seher!” Indem er sich selbst die Autorität über alles, was in Bethel geschah, anmaßte, befahl er Amos, zurück in seine Heimat, nach Juda zu gehen und dort zu weissagen.

Der Begriff “Seher” war eine andere Bezeichnung für einen Propheten (1. Sam. 9, 9; Jes. 29, 10). Mit diesem Wort wird die Fähigkeit des Propheten betont, Visionen zu empfangen oder auch zu sehen (Jes. 1, 1; Mi. 1, 1; Nah 1, 1). Amazja benutzt das Wort jedoch spöttisch im Blick auf die Visionen von Amos. Sein höhnischer Rat, sich sein Brot in Juda zu verdienen, macht deutlich, dass er Amos als einen professionellen Wahrsager ansah, der durch seine sogenannten “Weissagungen” seinen Lebensunterhalt verdienen wollte. Die Betonung in den Worten Amazjas liegt besonders auf dem Ort, wo Amos hingehen und wirken sollte. “Geh nach Juda, verdiene dort dein Brot, aber weissage nicht mehr in Bethel.” In seiner Autorität als Priester des Königs befahl er Amos: Verlasse Israel! Amos jedoch antwortete darauf, dass ihm eine höhere Autorität befohlen habe, in Israel zu weissagen.

14 Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Hirt, der Maulbeeren züchtet.

In früherer Zeit wurde den Propheten viel vorgeworfen, z. B. sie seien bestechlich (Mi. 3, 5 - 8), sie würden lügen (Jer. 14, 14; 23, 16), Gott gäbe ihnen gar keine Schau (Klgl. 2, 9. 14) oder sie würden Heil predigen sie, wo keines ist (Hes. 13, 6 - 9; 21, 34; 23, 28). Es gibt also viele falsche Propheten. Darum lehnt es Amos ab, Prophet genannt zu werden. Amos betont, dass es um Jahwe geht, nicht um ein Prophetenamt. Darum schaltet er seine Person aus und verweist ausschließlich auf Jahwe. Er lehnt es ab, Prophet zu sein und ein Amt zu haben, aber er betont, von Gott berufen zu sein, um zu prophezeien!

15 Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!

Wer ihm Redeverbot erteilt, der lehnt sich gegen Gott auf und will damit Gott mundtot machen, warnt Amos. Als Inhalt der ihm aufgetragenen Predigt nennt Amos: “Weissage gegen mein Volk Israel!” Zu allen Zeiten fällt das Gerichtswort mehr auf, als die lieblichen Worte von der Liebe Gottes. Aber beides gehört zusammen. Weil die Menschen Gottes Mahnung ablehnen, müssen sie nun sein Gericht fürchten. Es gibt immer Missbehagen, wenn Gottes Wille verkündigt wird, so wissen wir es von Elia (1. Kön. 18) oder auch von Jeremia.

Also Amos bestreitet nachdrücklich, dass sein Dienst aus seiner eigenen Entscheidung entstanden wäre, und er bestand darauf, dass dieser einzig und allein auf Gottes Wirken zurückgehen würde. Amos hatte sich den Dienst eines Propheten nicht ausgesucht, noch war er als Prophetensohn, d. h. also Mitglied einer prophetischen Schule, ausgebildet worden. Im Gegenteil, er hatte erfolgreich und zufrieden als ein Schafhirte und Züchter von Maulbeer- und Feigenbäumen gearbeitet. Aber eines Tages nahm ihn der HERR von der Herde. Das gleiche Verb wird dann auch für die göttliche Berufung der Leviten benutzt (4. Mose 18, 6). Und der HERR - und die Worte der HERR, werden im Hebräischen wiederholt - befahl ihm: “Geh, weissage zu meinem Volk Israel.” Aber Gott hat ihm nicht nur befohlen, was er sagen soll, sondern auch wo. Amos fügt sich also nicht der Autorität Amazjas, sondern der Autorität Gottes. Aus diesem Grunde wird er in Israel auftreten und nicht in Juda. Der HERR hat gesprochen, und Amos weissagt, so wie es Gott ihm befohlen hat (Apg. 5, 27 -29).

16 So höre nun des HERRN Wort! Du sprichst: Weissage nicht wider Israel und eifere nicht wider das Haus Isaak!

Weil Amazja sich gegen Gottes Wort verschließt und die Besinnung, und auch die Bekehrung der anderen verhindern will, darum kündigt Amos gerade ihm das Gericht an.
Es ist keine kleinliche Rache, als Amos in diesem Moment unter Lebensgefahr das Gerichtswort spricht. Er tut es, weil Gott es ihm befohlen hat! Weil er sein Volk vor dem Gericht zu warnen hat, muss er das sagen, obwohl er Amazja als Ausländer und als Fremdling ganz und gar ausgeliefert ist. Jener kann mit ihm machen, was er will. Wer aber die Gerichtsworte, die doch gut gemeinte Worte der Ermahnung Gottes sein sollen, ablehnt, der verfällt damit dem Gericht Gottes.

17 Darum spricht der HERR: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Messschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden.

Nun hat der HERR auch ein Wort für den Priester, für den, der eben Amos verbieten wollte, das zu sagen, was Gott befohlen hatte. Weil Amazja das Wort Gottes gegen das Volk Gottes verworfen hat, darum wird er und seine ganze Familie das Los mit dem Volk Gottes teilen. Wenn das göttliche Gerichtsurteil des Exils ausgeführt wird, wird auch er unter denen sein, die aus ihrem Heimatland weggeführt werden. Seine Frau wird gezwungen sein, in eben jener Stadt, in der sie einst zu den vornehmsten Frauen gehört hatte, als Prostituierte ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Deine Söhne und Töchter werden durchs Schwert fallen und das heißt, deine Sippe, deine Priesterfamilie stirbt aus. Und so endet schließlich der Segen Gottes bei ihm. Weiter heißt es: Dein Feld wird mit der Messschnur verteilt werden. Und das bedeutet, sein einst von Gott übergebenes Erbe wird nicht einfach im Krieg geraubt werden, sondern es wird mit Bedacht ganz neu vermessen und dann an andere verteilt werden, so dass er im Heiligen Land keinen Platz mehr hat. Damit ist er auch aus dem Volk Gottes ausgestoßen worden. Er stirbt nicht nur leiblich, sondern hiermit sicherlich auch geistlich! Und weiter erklärt Amos: Du wirst in einem unreinen Land sterben! Für einen Priester war es die höchste Aufgabe, sich selbst rein zu halten, und auch das wird ihm verwehrt. In einem unreinen Land muss er sich verunreinigen, an den Speisen (Hos. 9, 3; Hes. 4, 13 f) und an den fremden Göttern (Hos. 9, 3 f). Seines Amtes beraubt, wird er sein Heiligtum verlieren und durch die unreine Speise eines heidnischen Landes entweiht werden (Hes. 4, 13; Hos. 9, 3 - 4).

Hätte Amazja anders reagiert, dann hätte er auf die Worte des Amos hin Buße getan. Dann hätte er auch gerettet werden können. Aber stattdessen hatte er sich entschieden, sich auf die Seite des irdischen Königs zu stellen, um mit dem Volk die stolze und selbstsichere Haltung zu teilen und deshalb seine Autorität gegen den Boten Gottes einzusetzen. Aus diesem Grunde zog der HERR das Bleilot still zurück, und das bedeutete, er würde Amazja nicht länger verschonen. Und noch etwas, was Amazia unbedingt verhindern wollte, tritt ein. Die Ordnung des Staates Israel zerbricht und das Volk Gottes in den 10 Stämmen geht unter. Was Amos als Gottes Wort verkündete, das ist eingetreten und so hat ihn die Geschichte als einen echten Propheten bestätigt.


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